Atempflicht

Es gibt genügend Dinge vor denen man Angst haben kann. Das Leben ist keines davon. Und die Menschen darin noch viel weniger. Manche mögen mich, andere mögen mich nicht. Manche hassen mich. Ich lächle. Es wäre einfacher, wenn alle alle toll finden würden. Aber ich finde auch nicht alle toll. Sie machen Dinge, die mich aufregen. Sie machen Dinge, wegen denen ich neidisch bin. Meistens wegen der Reaktionen der anderen. Spielt keine Rolle. Keine Nahrung haben ist schlimm. Keine Fantasie haben ist schlimm. Keine Freiheit haben ist das schlimmste. Niemand ist frei. Wir sind eingebunden in Gefüge. Wir können zu nichts gezwungen werden. Dann wählen wir den Tod und verlieren alles. Alles. Doch zuvor können wir von vielen Dingen rausspazieren. Nicht mein Problem. Habe nicht darum gebeten. Wollte nicht. Was die anderen in mir sehen. Anpassen oder angepasst werden. Bis man an ihren Köpfen schraubt. Schau her, diese Maske trage ich nicht mehr. Du hast sie bemalt, aber sie gehört dir nicht. Ich gehöre dir nicht. Das ist nicht aggressiv gemeint, aber ich fürchte viele können damit nicht umgehen. Menschen ändern sich. Menschen werden echt. Oder nur anders. Anders. Im Kreis laufen geht auch. Priviligiert. Sich dessen bewusst sein ist wichtig, deshalb seine Möglichkeiten nicht ausschöpfen nicht. Sechzehn Stunden um die Welt zu verändern. Neunundzwanzigtausend Anläufe. Nie mit den gleichen Vorraussetzungen. Ständiges Scheitern. An sich selbst und der Welt. Das ist Leben. Einmal durchatmen und alles verliert seine Größe.

Wunschtun

Ablenkung ist einfach. Informationen, die jeden Gedanken überfluten und mit einfachen Emotionen und neuen Überlegungen in ein Archiv drängen, wo er in Ruhe auf seine Auflösung warten kann. Die Frage nach dem Weg. Und dem Ziel. Ich lasse mich treiben, Entscheidungen nur vor Klippen. Es funktioniert, aber macht nicht zufrieden.

Da ist Erfolg. Was ist Erfolg? Ich möchte, dass die ganze Welt mich kennt. Mich respektiert. Idiotisch. Ich will Geld, um Dinge zu ermöglichen, die ich gut finde. Vageisch.

Begonnen zwei Listen zu erstellen. Dinge, die ich machen muss. Aufgrund von getroffenen Entscheidungen. Dinge, die ich machen will. Weil.

Nicht einmal das Schreiben fühlt sich komplett an. Ständiger Zustand des Fast. Aber nicht ganz. Zumindest die Tastatur. Die ist gut. Damit kann man arbeiten. Da fühlt es sich schon gut an, wenn man nur komisch darauf herumtippt. Das Wissen, dass man nie der Beste sein wird, die Dinge nie perfekt machen kann, nagt. Stört. Den Prozess selbst, weil es den Kopf beansprucht. Ablenkt. Nachts wach liegen und am Tagesrückblick verzweifeln. Zeit mit dem Kind. Das darf. Das geht. Den Rest vernachlässigt. Letzte Woche wieder Lob. Aber es hilft nicht. Ich brauch mehr. Etwas anderes. Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich weiß nicht einmal zwischen was. Gibt es verschiedene Optionen oder spielt es gar keine Rolle mehr, weil ich sowieso nur mache und nicht wähle. Eigentlich gar nicht mache. Viel mehr abwarte. Dass das alles irgendwie funktioniert.

Plötzlich der Wunsch mit einem anständigen Zehnfingersystem zu schreiben. Leises Lachen. So langsam. Aber die beleuchteten Tasten sagen ich darf sie nur mit jenen Fingern bedienen. Kürzere Wege. Möchteliste.

Der Job, den ich nicht bekommen habe, braucht ein abgeschlossenes Studium. Mussliste. Bis zum Sommer. Bis zum Herbst. Ob es sich ausgeht steht noch nicht fest. Nichts steht fest. Das Studium stand bisher auf der Möchteliste. Spaßliste. Tunliste. Ziellos, aber mit gutem Gefühl.

Die Arbeit. Mussliste. Vermutlich mehr Stunden als ich zugebe, als ich behaupte, weil ich immer mehr mache. Weil ich mein Leben auf diese eine Sache ausrichte und meine Hobbys anpasse bis nichts anders mehr Spaß macht.

Wieder radgefahren. Nur ins Dorf. Nach etwa zehn Minuten schlapp gemacht. Vielleicht ein Kilometer. Achtzig waren früher ganz in Ordnung. Mussliste.

Schreiben steht nirgends und zugleich habe ich das Gefühl, dass es das einzige ist das mir hilft meine Gedanken irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Das einzige, bei dem ich nicht sofort einen Weg finde sie zu erwürgen.

Bewerten. Alles. Ob es gut tut oder nicht. Ob es nervt. Auswertung. Möchtenliste. Ideenliste.

Zwei Stunden pro Tag. Funktioniert nicht. Unsicherheit. Die Nacht vielleicht? Das schlechte gewissen Dinge zu tun, die mir Spaß machen. Dämlich. Gefühle. Chaos.

Alleine war einfacher. Nicht schöner.

Ichung

Sie atmet laut. Kein Schnarchen, nur ein intensives Ein- und Ausatmen, das rauscht. Vielleicht weil ihre Nasenöffnungen noch so klein sind, vielleicht weil sie etwas aufregendes träumt. Ich sollte auch schon träumen. Immer wieder öffne ich die Augen und beobachte ich sie in der Dunkelheit. Vom Gang scheint etwas Licht herein. Als wir noch nicht wussten, wie sich alles entwickeln wird, wir nur ein Schwarzweißbild mit einem kleinen, dunklen Fleck in Händen hielte, sprachen wir oft darüber, wie wir wohl stundenlang neben dem Bettchen sitzen würden und uns an dem gleichmäßigen Auf und Ab des Brustkorbes erfreuen würden. Das sanfte Aussehen, wenn sie schlafen. Morgen ist eine größere Prüfung. Vielleicht die umfangreichste, die ich bisher geschrieben habe und zugleich eine von denen, die ich für nicht besonders wichtig halte. Dennoch muss ich sie positiv absolvieren. Die letzten Tage habe ich daher tausende Seiten Skript und Folien gelesen. Ich war bei den meisten Vorlesungen anwesend und habe das Tutorium besucht. Es wird dennoch eine Prüfung für mein Kurzzeitgedächtnis. Eine Woche, fokussiert vermutlich nur vier Tage. Und dann muss alles in einer Stunde wieder heraussprudeln. Den Stoff bin ich durch. Nun sollte ich schlafen. Vor mir dieses wunderbare kleine Wesen. Ich rücke etwas näher, sodass sich unsere Körper berühren. Sie ist warm und sieht so glücklich aus. Ich war unter ständiger Ladung. Es hat sich über Wochen aufgebaut und ich würde es nicht einmal auf die Prüfung reduzieren. Ich habe geschrien und geflucht, Dinge getreten und schreckliche Gedanken gehabt. Wie ich so liege ist der Druck ganz fern. Ich bin voller Liebe. Denke an die beste Frau der Welt. Natürlich ändert sich alles. Von der Unendlichkeit der Möglichkeiten wird ein riesiger Teil von einem Moment auf den nächsten ausgelöscht. Das zu realisieren hat bei mir Monate gedauert. Manche Dinge fallen mir erst jetzt auf. Aber was nützen all die Möglichkeiten, wenn man sie nicht ergreift? Was nützt eine Möglichkeit, wenn sie nicht die ist, die man braucht?

Auf dem Kopf ein paar Flusen. Ich küsse ihn behutsam. Wenn der Tag überstanden ist, kann ich mich auf all die Dinge stürzen, die ich weggeschoben habe, weil sie ja nicht wichtig sind. Falsch. Weil sie nicht dringend sind. Ich muss mich selbst wieder in den Griff bekommen. Selbstmitleid ist in Ordnung, Selbstverzweiflung nicht. Selbsthass ist das Stolpern auf der Treppe.

Menschen versuchen mich unter Druck zu setzen. Macht, die nur sie sehen. Sie sehen aus wie kleine Hunde, die wütend in die alten Schuhe beißen. Ihr könnt versuchen mich aus dem Gleichgewicht zu bringen, aber ihr könnt euch nicht auf mich setzen, wenn ich gefallen bin. Euer Gewicht löst sich mit eurem Schreibtisch auf. Meine Werte sind nicht dort, wo ihr sie vermutet. Meine Kraft ist nicht die, die ihr seht. Eure Warnungen sind meine Motivation. Ich flehe euch an, setzt sie in die Tat um und hebt mich auf das Podest. Statt den Kopf zu senken, werde ich lachen und mich an saftigen Tomaten laben. Ihr könnt die große Türe zuhalten, vielleicht fünf weitere versperren. Was wenn ich in ein anderes Gebäude möchte? Eines, das ihr weder von innen, noch von außen kennt? Ich verlaufe mich in den Möglichkeiten und ihr glaubt, es würden alle auf euren Zuruf warten.

Es spielt keine Rolle mehr. Ich habe mich beruhigt und wieder zu mir gefunden. Zu einem Ich, das seit Jahren untergetaucht war. Ein Ich voller Leidenschaft. Das sich vorsichtig umdreht, um dann voller Mut weiterzulaufen. Ein Ich, das verunsichert wurde, weil es verunsichert werden kann. Ein Ich, das daraus Energie schöpft. Nicht stehen bleiben. Nicht verstecken. Aber nicht laut hinausschreien, wo man hin möchte. Glücklich sein. Für die Menschen Zeit nehmen, die man liebt. Hoffnung verbreiten. Schönes tun.

Ich liebe.

Rücklockung

Verbittert, reizbar und aggressiv. Ich weiß nicht woher es gekommen ist. Der Stress. Die Unsicherheit. Die geschlossenen Türen. Direkte und indirekte Umwelt. Alter. Irgendwas. Enttäuschungen.

Früher habe ich mich an meiner Gelassenheit erfreut. Lächelnd zusehen, wie die Welt untergeht. Die Hektik rund um mich glitt an mit ab und ich konnte mich auf die Dinge konzentrieren, die mir wichtig waren. Ich bilde mir sogar ein, dass ich besser zurecht kam, desto chaotischer es rund um mich war. Gefühl von Kontrolle über sich selbst. Ruhe durch Sturm. Vielleicht war mir die Gleichgütligkeit irgendwann zuviel, ich glaubte meiner Umwelt etwas zu schulden. Dass mir die Dinge nicht egal sein dürften und ich mich für deren Dinge interessieren müsste. Zu weit reingekippt. Alles zu wichtig genommen. Falsche Lebensphilosophien chameleonisiert. Perönlichkeit bedeutet Mosaik und manchmal muss man etwas rausstemmen. Auch die Metaphern. Die gehen den Bach runter und reißen alles mit.

Das Kind auf dem Arm begann ich zu erzählen. Was ich mir alles erhoffe, erwarte, wünsche. Ich erinnerte mich und blickte nach vorne. Eine Ruhe breitet sich aus. Es ist nicht alles in der Panik des Jetzt. Stabilisert in der Zeit durch die ständige Veränderung, die nur funktioniert, weil etwas besteht, das verändert werden kann.

Mir können Menschen wichtig sein, ohne dass mir wichtig ist was ihnen wichtig ist.

Hallo Gelassenheit.

Auflucht

Das Gewicht steigt. Jeder Muskel verspannt sich, jeder Knochen ächtzt. Zu lange stabil. Zu lange irgnoriert, was passiert. Ich will ein für meine Frau da sein, für mein Kind, genügend Geld verdienen, um sich nicht ständig Gedanken darüber zu machen, ein aufmerksamer Student und beeindruckender Blogger. Manchmal wäre es auch schön Freunde zu haben. Oder ohne Schuldgefühl etwas ohne konkreten Ziel oder Nutzen zu machen.

Alles hinwerfen. Weglaufen. Flüchten vor dem Sein.

Als ich jünger war, habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin die Straße den Berg hinauf getreten. In den Wald. Zur Stille. Stehenbleiben und den eigenen Atem beobachten. Sich an den Dingen erfreuen, die man nicht beeinflussen kann. Pochender Puls, der sich langsam wieder beruhigt. Sich selbst überraschend losstoßen und mit irrsinniger Geschwindigkeit ins Tal stürzen. Adrenalin, um die letzten Gedanken wegzuwaschen. Über bleibt der Moment. Volle Konzentration, um nicht zu fliegen.

Ich habe mein Leben rund um Auswege geplant. Immer ein Schlupfloch über, um schnell zu verschwinden ohne alles zu verlieren. Plötzlich sind alle verstopft. Sie stinken. Ich möchte nicht einmal in ihre Nähe und es macht mich wahnsinnig. Ich habe ein tolles Leben. Aber ich laufe panisch umher. Nicht fähig allen zu genügen. Alles zu schaffen. Nicht mehr. Ich. Das ist nicht das Ende. Nur eines dieser beschissenen Löcher, in die ich von Zeit zu Zeit falle.

Ich fluche und setz mich in die Ecke. Weitermachen. Fuck.

Jahresübergang

Ein Kind bekommen. Einen Computer gebaut. Ein Büro zum Arbeiten eingerichtet. Wieder begonnen zu studieren. Für das Schreiben regelmäßig bezahlt geworden. Eine Telefonanlage neu verkabelt und den Kopf blutig geschlagen. Zu wenig geschrieben.

Alles ändert sich. Immer. Nichts lässt sich rückgängig machen. Wir sind alle Zeitreisende, die zufälligerweise mit der gleichen Geschwindigkeit um einen Stern rotieren. Manches fühlt sich zu schnell an, anderes zu langsam. Nachts liegen wir wach und grübeln. Es war ein schönes Jahr. Ein wildes Jahr. Begonnen mit Sorgen um das kleine Wesen, geendet mit gemeinsamen Schnarchen, während Frau Wunderbar am Fenster stand und uns vom Feuerwerk erzählte. Die Erinnerung an früher verschwimmt. Wir ändern uns. Immer. Ich wache auf und lächle. Es fühlt sich gut an. Das Kind schmiegt sich zwischen uns, unsere Arme berühren sich. Später gehen wir laufen.

Pausendrang

Alles galoppiert. Ich bin noch. Versuche noch. Immer mehr. Und stolpere viel. Aufstehen und mit heißem Wasser die Nacht wegwaschen. Statt Schlaf gibt es momentan vor allem ausgiebiges hin- und herdrehen. Manchmal schreit das Kind. Öfter meckert es lediglich etwas und rollt selbst herum. Reicht jedoch aus, um wach zu bleiben und sich Gedanken zu machen. Für die Universität muss ich meine Satzkonstruktion rekonfigurieren. Sie müssen länger werden, nicht nur abgehackte Fragmente. Wenn man jahrelang jedes überflüssige Wort ausgemerzt hat und jeder zweite Satz sich im Vorfeld vom Prädikat verabschiedet hat, ist das Vorhaben eine gewisse Herausforderung. Zugleich möchte ich nicht unnötig lange Konstruktionen zusammenleimen, die am Ende mehr Verwirrung als Klarheit stiften. Manchmal Frühstück, manchmal Kind füttern. Da war das Übersprungsmonster schon wieder. Ein paar Unterlagen zusammensuchen und in den Rucksack packen. Zumindest drei Kleidungsstücke finden, die mich den Tag über begleiten sollen und anschließend wieder ins Badezimmer. Mit den harten Plastikfäden die weißen Steine im Mund bearbeiten. Vielleicht fehlen mir auch manchmal die Übergänge, die den Leser von einem Gedanken zum nächsten führen. Ein Kuss für die Frau und einer für das Kind. Den Hügel hinunter zur Haltestelle. Es ist kalt. Zwei kleine Bäche, die ich überquere. Ich warte darauf, dass ihre Ufer zufrieren. Wahrscheinlich vergeblich. Ich bin nicht mehr in Tirol. Im Bus den Text als Vorbereitung für die erste Veranstaltung lesen. Umsteigen, aussteigen, zum Seminarraum gehen. Eine kurze Suche nach dem Subjekt und wir kehren zum Tagesplan zurück. Anschließend Mittagspause. In der ich mich jetzt befinde. In der dieser Text entsteht. Gerade noch in der Mensa und die restliche Zeit im Aufenthaltsraum. Nach Möglichkeit ein paar Dinge erledigen und mich auf die zwei bis drei kommenden Seminare vorbereiten. Am Ende wieder zum Bus. Auf der Heimfahrt nutze ich die Zeit meist, um die Gedanken fliegen zu lassen. Ohne konkreten Ziel. Mal hierhin, mal dorthin. Gerne im Kreis. Gerne im Kreis. Gerne. Wenn mir Frau Wunderbar Essen in die Küche gestellt hat, muss ich dämlich grinsen. Wegen der Rollenbilder und der Freude. Vor dem ins Bett fallen noch das Kind tragen. Die Nähe gut tut.

Drei Tage pro Woche.

Textformant

Gute Texte brauchen Zeit. Wie Gemälde und andere Kunstwerke. Der schnelle Text kann gut sein, aber in den meisten Fällen hat er brüchige Stellen und fällt bei intensiver Nutzung auseinander. Texte müssen ruhen und abgeschmeckt werden. Geschluderte Texte sind näher. Manchmal.

Ich habe mir schon lange nicht mehr die Zeit genommen einen Text zu überarbeiten. Einmal nach dem schreiben durchlesen und die offensichtlichen Dinge ausbessern. Aber dann rauswerfen. Damit ich ihn nicht wieder in die Schublade lege und er für immer verborgen bleibt. Angst.

Manchmal würde ich gerne eine große Geschichte schreiben. Mehrere hundert Ideen, die ineinander greifen, statt dieser kurzen Ausschnitte, die ich rücksichtslos an die Luft setze. Mir fehlt die Geduld beim wachsen zuzusehen. Tag für Tag an das gleiche Epos denken und es aus dem Kopf ziehen. Bis sich auch andere daran erfreuen können. Ich habe es noch nie probiert. Der Beginn ist mir zu schwer. Die Kulisse wählen. Vielleicht sollte ich es wie andere Arbeiten angehen. Irgendwo starten und rundherum anstückeln. Bis es fertig ist. Aber eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Bald brauche ich Geld. Geschichten können Geld bringen. Aber selten schnell. Lieber nebenbei. Sicherheit. Die Delle in der Wand wird tiefer.

Ein winziger Fehler lässt Leser stolpern. Selbst ein perfekter Text ist nicht für alle gut. Publikum ist eine Lüge. Der Text selbst steht nie alleine. Kontext der Zeit, der Autorin, der Sprache, der Plattform, aller anderen Texte und der Leser. Ich wünsche mir Freiheit und stelle mir darunter etwas anderes vor. Ich wünsche mir Erfolg und arbeite nicht daran. Ich wünsche mir und hadere dabei mit mir selbst.

Es ist nicht alles schlecht.

Entscheid

Es gibt keine richtigen Entscheidungen, weil wir die Alternativen nicht erleben. Außer in Videospielen und Gedanken, wo wir die gleiche Situation immer wieder mit unterschiedlichen Parametern ablaufen lassen können. Leider gilt das Ergebnis nur in diesen kontrollierten Ergebnissen und wir haben es noch nicht geschafft alle Faktoren der angeblichen Realität in unsere Berechnungen zu integrieren. Ich gehe davon aus, dass eine perfekte Berechnung lediglich dazu führen würde, dass ihr Ergebnis die Realität alleine dadurch beeinflusst, dass sie berechnet wurde und somit eine korrekte Berechnung nicht möglich ist, da das Ergebnis niemals in der Ausgangssituation beachtet werden kann.

Es gibt keine falschen Entscheidungen. Nur solche die wir im Nachhinein bereuen. Unklar. Wir sind mit dem Ablauf unzufrieden und bilden uns ein, dass wir ihn durch eine andere Entscheidung so beeinflussen hätten können, dass wir zufriedener wären. Möglich. Aber weder überprüf- noch machbar. Wie die beschleunigte Milch.

Starke Stimmungsschwankungen, weil sich Ideen nicht verwirklichen lassen und ich die Schuld bei mir finde. In meiner zur Berechnung idealisierten Welt. Würde ich es nicht machen, meine Handlungen als irrelevant abtun, könnte ich liegen bleiben. Die falsche Schlussfolgerung. Berechnen ohne Hormonausschüttung. Den attraktivsten Weg wählen und nur zurück schauen, um kurz zu überprüfen. Vor mir ist vieles offen, hinter mir sind auch die offenen Türen geschlossen.

Minutenstille

Wenn der Kopf die Gedanken auf ihrem Weg in die Finger abschneidet. Ich möchte schreien; heraus kommt ein leeres Schnaufen.

Ich versuche mich an andere Zeiten zu erinnern. Wie ich gefühlt, wie ich gelebt habe. Seit Wochen plagt mich eine gestresste Zufriedenheit. Für Frau und Kind da sein. Die Zeit genießen. Mein Leben ist schön. Aber mein Kopf hält es nicht aus. Unzufrieden. Tag für Tag stapeln sich die Ideen und unerledigte Aufgaben. Wenn ich mich hinsetze zerreißt das kleinste Geräusch meine Konzentration. Der Rasenmäher des Nachbarn. Der Staubsauger. Radio. Kinder unter uns. Der Lüfter des Computers. Gerüche fühlen sich falsch an, mein Körper schmerzt. Der Kopf hämmert. Ich will hier raus. Alles ist zu viel.

Zusammenreißen. Die Nächte sind zerstückelt. Normal. Für das Kind. Es ist nicht seine Absicht. Kleine Stressattacke. Durchatmen, aufstehen, etwas tragen. Es beruhigt sich schnell. Uns geht es wahrscheinlich besser als vielen anderen. Ich spüre wie es ihr zu schaffen macht. Weniger Schlaf als ich.

Auszucken. Meine Stimmung verbreitet Angst. Immer kurz vorm explodieren. Man hört wie der Druck pfeift, aber außer kurzen Zucken passiert nichts. Meine Schuld. Meine Schuld. Ich muss mich aufs Rad setzen. Fahren. Laufen. Bewegen. Dinge müssen erledigt werden. Jetzt. Viel zu spät. Ich schaffe es nicht. Meine Schuld. Meine Schuld. Sich selbst zu verurteilen ist viel einfacher als sich zu ändern. Doppelte Schuld. Wie kann man nur so dämlich machen.

Ein Lächeln. Von ihr oder ihr. Mein Kopf hält die Klappe, lässt mich Endorphine spüren. Stille.

Vergangenheit klebt an mir. Honig und Teer. Ich wünsche mir kräftig abgeschrubbt zu werden. Oder auch nicht. Die idealisierte Vorstellung des Neuanfangs.