abgrundtief.txt

„Ist doch nicht schlimm“, sagt er. Ich unterdrücke alles was ich nicht schaffe zu sagen. Die Tabletten liegen auf dem Boden der Toilette verteilt. Sie aufzuheben ist keine Option. Ich drehe mich um und gehe langsam zurück. Jetzt nichts anmerken lassen. In mir kocht alles und ich friere. Angespannt, Tränen unterdrückend. An der Klassentüre fragt mich Gringone, ob alles in Ordnung ist. Kurz den Kopf nach unten ziehen und weitergehen. Er weiß, dass nichts in Ordnung ist, aber auch, dass er im Moment nichts daran ändern kann.

Am Nachmittag liege ich auf dem Geländer des Balkons und höre Musik über Kopfhörer. Tränen laufen über meine Wangen und ich würde mich gerne fallen lassen. Ein Stockwerk auf die Wiese würde mich wahrscheinlich nicht einmal ins Krankenhaus bringen. Vielleicht wenn ich es auf die Steinplatten schaffe, mit dem Kopf voraus. Aber das ist alles zu unsicher und für mehr habe ich keine Kraft. Also bleibe ich liegen. Wie so oft. Einfach liegen und die Welt ausblenden.

Jahre später bekomme ich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Er ist noch im gleichen Schuljahr sitzen geblieben, hat die Schule gewechselt und die dann auch abgebrochen. Zuerst sprudeln all die Erinnerungen wieder hoch. Ich rede mir ein, dass ich darüber stehe. Vergangenes ist vergangen, Menschen ändern sich. Ich nehme an. Die nächsten Wochen werde ich mehrmals gefragt, warum ich ihn noch nicht geblockt habe. Dämliche Kommentare zu meinen Beiträgen und Nachrichten, die versuchen mich runterzumachen. Menschen ändern sich. Ich kenne tolle Menschen, die mich unterstützen. Ich habe plötzlich so etwas wie eine Machtposition. Mit jeder seiner Meldungen, stellt er sich bloß. Öffentlich. Es hilft mir zu verarbeiten, auch wenn es zuerst irritierend wirkt. Irgendwann schreibe ich einen Beitrag, um zu erklären, warum er bisher nicht geblockt wurde. Dann blocke ich ihn.

Alles hätte eleganter gelöst werden können. Aber tief eingebrannte Emotionen.

Heute geht es mir besser. Die Erinnerung bleibt.

Verplanung

Ich habe soeben die Kaninchen in den Stall gebracht. Die Rollo sind schon seit Mittag herunten, damit ich weder gebraten noch geblendet werde. Der Computer hat sich vor kurzem auch beschwert. Stumm. Indem er einfach ausblieb. Ob es von der Hitze kam oder von den gehäuften Stromausfällen der letzten Tage, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür habe ich mir neue Kopfhörer bestellt. Importiert aus China, weil ich denen mehr traue, als den Untermietern beim lächelnden Händler. Bis zu drei Wochen dauert es. Ich hoffe, dass es kürzer ist. Es ist eines der wenigen Dinge in meinem Leben, bei dem ich derzeit hoffe, dass die Zeit schneller statt langsamer vergeht.

Dienstags und Donnerstags bin habe ich je ein Seminar in der Uni. Ich brauche sie nicht für meinen Abschluss, aber sie geben mir Struktur und sind inhaltlich interessant. Mit Fahrzeit ist ein halber Tag verbraucht. Man kann Tage nicht verbrauchen. Nur für unterschiedliche Dinge nutzen. Morgens ist es meist neun bis wir mit dem Frühstück fertig sind. Um zwölf gibt es Mittagessen, um drei Kaffee und um sechs Abendbrot. Ich genieße die gemeinsame Zeit. Aber sie zerstückelt meine Tage. Zwei Stunden am Vormittag, vier am Nachmittag. Vierunddreißig Stunden, wenn jeder Tag genutzt wird. Am Montag brachte ich das Kaninchen zum Tierarzt und durfte mich mit dem Telefonanschluss beschäftigen. Nachmittags einkaufen. Ich sollte mir nicht so viele Gedanken über Zeit machen.

Die Stelle an der Uni ist bisher entspannt. Vor allem, weil ich die Aufgaben vor mir herschiebe. Dem Druck im Kopf tut es nicht gut. Ich überarbeite unterschiedliche Dokumente und versuche Struktur hineinzubringen. Dann habe ich noch ein Werkzeug getestet. Morgen wieder Teamsitzung. Ich bin schlecht vorbereitet. Nicht sehr schlecht. Dennoch sträubt es sich in mir. Das ist ein Problem. Ich mag das akademische Arbeiten, aber ich komme nur selten zu einem Gefühl, dass es fließt. Wahrscheinlich werde ich ein weiteres Semester als Bachelor studieren. Quasi Stillstand. Eine winzige Schraube ist ins Getriebe gefallen und nun knirscht alles. Kurz vor dem zerbersten.

Der große Konzern findet gut, was ich schreibe und ich darf ein weiteres Semester mit großer Freiheit Dingen nachgehen, die mich interessieren. Ich bin froh darüber und habe viele Pläne. Doch dann passiert wochenlang nichts. Ich sitze da und warte. Das ist nicht besonders klug von mir. Nein, das ist es nicht. Wer wird denn gleich wahnsinnig werden. Dafür gibt es keinen Grund. Alles ist wunderbar. Ich habe diese Freiheit und ich sollte sie nicht vergeuden. Freiheit. Freiheit. Das ist mir doch wichtig. Ich will diese Freiheit behalten. Ich möchte sie vergrößern. Sie ausleben. Sie verschlingen. Manchmal spiele ich am Computer. Es erfüllt mich nicht.

Nebenbei kleinere Projekte. Technische Umsetzung. Ich bin gut darin. Mich selbst überraschend. Und niemand meckert darüber, dass ich das doppelte Verlange. Meine Zeit ist wertvoller geworden. Es wird gewürdigt. Solange ich mich nicht darum kümmern muss, dass sie zu mir kommen, ist das auch toll. Zurückdenkend habe ich mich dabei erstaunlich selten aufgeregt. Anders als früher. Als ich viel fluchte. Heute fluche ich in anderen Situationen. In Situationen, in denen es wichtig wäre nicht zu fluchen. In denen ich ruhig sein sollte. Beruhigend. Aber ich bin beunruhigend. Ich bin der Wahnsinn, der alles kaputt macht. Macht mich kaputt. Mehr Punkte. Abfall.

Das große Projekt mit den tausenden Menschen, das ich noch voller Energie an mich gerissen habe, als sich die Möglichkeit ergab. Nicht mehr auf andere angewiesen sein. Das wollte ich. Machen können was und wie ich es für richtig halte. Und nun liegt es da und blickt mich Nacht für Nacht erwartungsvoll an. Das arme Dinge. Ich habe die Entwürfe an der Wand hängen. Es sollte großartig werden. Aber ich sehe momentan keinen Platz dafür. Bald ist es zu spät.

Schließlich habe ich wieder begonnen zu programmieren. Es macht mir Spaß und ich bin soweit, dass ich einschätzen kann, dass ich noch sehr lange brauchen werde, um die Werkzeuge zu bauen, die mir durch den Kopf schwirren. Aber ich habe sie in ihrem Kern schon im Einsatz. Nun muss ich sie nur noch für andere nutzbar machen. Und mich dafür reich beschenken lassen. Damit der Druck verschwindet. Der Druck, der trotzdem da ist. Der mich nicht ruhen lässt. Der mich immer wieder einholt, meine Temperatur nach oben treibt und den Atem verkürzt.

Ich möchte mehr schreiben. Zeit mit Freunden verbringen. Respektiert werden.

Wartungshaltung

Mein Körper und mein Kopf brauchen etwas. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was sie brauchen, aber die Frage ist ein Anfang. Sie brauchen etwas und ich werde herausfinden was es ist.

Schreiben hat mir immer geholfen meine Wünsche, Ängste, Ideen und was sonst noch da war, aus den Synapsen rauszubekommen. Die letzten zwei Jahre habe ich fast nichts geschrieben. Das ist ein Problem. Für mich. Tausend kleine Sätze. Einer nach dem anderen. Und immer mehr. Und mehr. Wo war ich? Ja, genau. Da hinten war noch etwas. Das muss jetzt auch weg. Ich muss die Gedanken wieder strecken. Sie nicht abnicken und durchwinken. Sie sollen stehen bleiben, sich neben mich setzen und mich an ihnen teil haben lassen. Gemeinsame Wege finden für die Dinge, die nicht sind. Die man will. Vielleicht. Es muss nicht immer alles.

Dinge ausprobieren. Nicht nur die neuen und glitzernden, sondern auch einmal etwas verstaubtes. Altehrwürdige Gebäude. Und wieder holt mich die Vergangenheit ein. Die Dinge, die ich kann, die möchte man von mir haben. Dabei kann ich sie gar nicht. Dabei will ich etwas neues machen. Und dann flüchte ich mich wieder ins Bekannte. Dort macht man weniger Fehler. Das kann es auch nicht sein.

Ich lenke vom Problem ab. Die Überforderung, die kurzen Nerven, die häufigen Ausbrüche. Mir ist nach heulen. Aufstehen mit einer langen Liste im Kopf. Mit jedem Schritt, jedern Handlung, fallen die Dinge runter. Ich kann nicht mehr behalten, was ich will. Stolpere herum. Schlage mich an. Habe in allen Bereichen das Gefühl nicht zu reichen, mehr machen zu müssen, zu versagen. Ein Elend, das sich selbst auch noch Leid tut, wofür es sich hasst. Da bleibt nicht mehr viel. Aber immer funktionieren. Gerade so. Gerade so, dass die Welt nicht auseinanderfällt. Angst vor Auseinandersetzung, Angst vor Veränderung. Der einzige Weg macht mehr Angst als abzustürzen. Sitzen bleiben, liegen bleiben, wegschauen. Nicken. Immer nicken. Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht weiter.

Liebe Menschen, die mir zulächeln, Kraft geben. Ihr tut gut. Danke.

Die Menschen, die ich treffe, sind nicht die, die mir wichtig sind. Manche wären nur ein paar Stunden entfernt, andere eine Tagesreise. Fuck. Ihr fehlt. Weder Zeit noch Geld nach England oder in die Schweiz zu fliegen. Dabei seid ihr schon in den Staaten und in Hong Kong. Ihr macht das toll. Ich weiß nicht, was ich will. Drei gute Tage in Berlin. Wann werde ich euch wiedersehen? Warum schreibe ich nicht einfach eine Mail? Ich telefoniere nicht gerne. Ich möchte nicht aufdringlich sein. Vielleicht nehmt ihr mich auch ganz anders wahr, als ich euch.

Keine Ziele, nichts zum Klammern. Ich laufe auf der Stelle. Hüpfe und falle. Ich muss wohin, weiß nicht wohin. Weiß nicht. Das soll mich nicht zerbrechen.

Ich möchte dich nicht enttäuschen. Ich möchte mich nicht enttäuschen.

Auf der Suche nach Fragen.

wünschen.txt

Ich hole mir Unterstützung meiner vergangenen Selbst. Dankenswerterweise habe ich mir Anregungen in Form von Textfragmenten überlassen, auf die ich nun zurückgreifen kann.

Wie materialistisch. Dabei geht es nicht um den Schaukelstuhl. Viel mehr geht es um die Idee. Ich verbinde es mit Ruhe und Entspannung. Eine gewisse Wärme. Herbstabend oder Kaminfeuer. Gelassenheit wie man sie von Menschen kennt, die schon vieles erlebt haben. Ich verliere mich oft in meinem eigenen Sog, ziehe mich runter und falle schreiend. Der Schaukelstuhl ist das Gegenteil. Gleichmäßige Bewegung. Gleichmäßiges Atmen. Lächeln.

Tatsächlich materialistisch. Der Computer ist meine Verbindung zu den meisten Menschen, die mir wichtig sind. Zugleich Arbeitsgerät. Freizeitbeschäftigung. Und alles dazwischen. Ich verbringe so viel Zeit mit dem Computer, sodass ich ein zuverlässiges und schnelles Gerät möchte.

In mir lodert immer wieder etwas auf. Ich gebe mir Mühe es klein zu halten. Manchmal schiebe ich es weg, manchmal beschäftige ich mich damit. Die Auslöser sind unterschiedlich.

Menschen und die physische Distanz zu ihnen verfolgt mich seit Jahren. Von Tirol nach Wien. Von Wien nach Paderborn. Und schon zuvor Menschen auf der ganzen Welt. Danke Internet. Ich bin dankbar diese Menschen zu kennen, aber es gibt auch genügend Momente, wo ich mir wünschte sie wären näher. In meinem Kopf sieht das wie ein Dorf aus, wo alle tollen Menschen leben. Komplett unrealistisch.

Ein neuer Wunsch. Ich hatte meist viel Zeit. Dann kam das Kind. Es ist verglichen mit anderen immer noch viel Zeit unverplant. Dennoch fehlt die Lockerheit, die mir eine Woche ohne jeglichen Terminen und Verantwortungen gab.

Quasi ein Schaukelstuhl. Im Alltag Dinge sehen, die ich sonst überlaufe. Kurz innehalten und sich erfreuen. Gelassenheit, Freude, Liebe.

Ein Wunsch, der in Erfüllung gibt und mich jeden Tag glücklich macht.

Manchmal möchte ich nur leben. Ohne Ziel. Aber nicht immer.

Gratwanderung.txt

Es ist dunkel. Und kalt. Ich ziehe mir die Mütze vom Kopf, weil mein Körper zu überhitzen droht. Sie haben mir gesagt, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass Übergänge klar sind, nur weil sie mir offensichtlich erscheinen. Ich muss Dinge aussprechen und ausschreiben. Darin bin ich schlecht. So viel lieber. So viel lieber würde ich nur Wortfetzen um mich werfen und dennoch von allen verstanden werden. Das funktioniert aber nicht. Vor allem nicht in der Welt, in der ich mich momentan bewege.

Kurz nach zwei bin ich aufgestanden. Der Rucksack schon im Auto. Kein Abschied, nur Stille. Auf der Autobahn sind ein paar Fahrzeuge unterwegs, aber sobald ich in den Waldweg einbog, war ich alleine. Unter anderen Umständen würde ich fester zudrücken, aber ich fühle mich eher nach langsamen schlängeln, den Berg umarmen und mich von den Wipfeln lenken lassen. Die Worte stimmen nicht, denke ich mir und biege auf den Parkplatz ein. Zwei andere Autos stehen schon da. Ein weißer BMW und ein blauer Golf. Irrelevant. Jacke anziehen, Stirnlampe auf den Kopf, Rucksack schultern, Mütze tief ins Gesicht. Sobald ich in den Wald komme, hört der Wind auf in die Ärmel zu kriechen. Kein Gezwitscher, manchmal raschelt etwas. Unter meinen Sohlen knirschen Steine und Äste.

Den Stimmen entfliehen, um von den Gedanken erschlagen zu werden. Meine Schritte werden schneller und mein Atem flacher. Das letzte Mal, als ich länger als eine Stunde in Bewegung war, war ein Spaziergang im vergangenen Jahr. Oder war es das Jahr davor? Ich lutsche Traubenzucker. Der Wald wird dünner und ich sehe ein paar Sterne. Sie erinnern mich an das Endlose und Nutzlose.

Die Wut hat mich überrannt. Ich weiß noch immer nicht, ob sie überhaupt kontrollierbar ist oder meine Schuldgefühle nicht zielführend. Sind sie nie. Aber sie machen es leichter sich damit auseinanderzusetzen. Ich hätte Musik mitnehmen sollen. Das ständige Knirschen nervt mich. Mein Atem nervt mich. Die einsetzende Erschöpfung macht mich wütend. Das muss alles nicht sein. Die App hat gesagt, man solle den Gedanken und Gefühlen lauschen, sie aber nicht festhalten, sondern ziehen lassen. Bis da irgendwann nichts mehr ist. Weder Ruhe noch Lärm. Weder Gedanken noch keine Gedanken. Ziemlich unverständlich, wenn man sich nicht von der Logik verabschiedet. Und dann erinnere ich mich, dass die Logik etwas künstliches ist und daher nicht funktionieren kann. Wir haben sie erfunden, um zu verstehen. Vielleicht ist da irgendwann eine Grenze, über die man nicht hinweg kommt. Dann bricht nicht alles in sich zusammen, aber man weiß, dass man anders herangehen muss.

Manchmal muss man die Dinge wörtlich nehmen. Links Abgrund, rechts Abgrund. Vor und hinter mir auch. Abgrund. Aber der ist nicht sichtbar. Vielleicht nur Einbildung. Als wir durch den Schnee gehüpft sind, haben sie uns Anti-Bergsteiger genannt. In ihren Sicherheitsgurten, aneinander gekettet unter Helmen hervorlugend. Wir lachten. Jetzt bin ich allein. Kein Schnee, aber auch kein Seil. Ich schließe die Augen. Ein Schritt, noch ein Schritt. Beim Dritten blinzle ich. Der Pfad ist nicht so schmal, wie ihn mein Kopf macht. Was wohl passiert wenn man abrutscht? Sind es fünfzig Meter? Hundert? Ich bin schlecht im Einschätzen. Gedanken eines Idioten. Zurück zu den Sternen.

Der Grat erscheint endlos. 18 Jahre. Keine Abkürzungen, kein Umkehren, keine Entscheidungen. Ich sehe nach hinten. Nach dem Wald kam eine Quelle. Das Wasser so erfrischend. Für einen Moment wünsche ich mich dorthin zurück. Ich hätte mich hinsetzen und länger genießen können. Dann wäre ich erfroren. Die Bewegung hält mich am Leben, die Sterne zeigen mir den Weg. Die Stirnlampe habe ich abgedreht. Der Mond sichert meine Schritte. Es gibt so vieles, das ich machen möchte. Mein Atem hat sich beruhigt, mein Tempo eingependelt. Ich weiß, dass es ein Ende gibt und ich weiß, dass ich ihm näher komme. Ich könnte auf die Uhr schauen. Sie würde mir von der Zukunft erzählen und mir eine Einschätzung ermöglichen. Sie würde mich auch daran erinnern, dass ich wieder ins Tal muss. Tief einatmen. Rechts Abgrund, links Abgrund. In der Mitte ich.

Glückserlegung

Ich nehme mir etwas vor, freue mich auf etwas und dann klappt es nicht, ich werde ständig unterbrochen, werde wütend, bin unzufrieden mit mir und der Gesamtsituation. Ich nehme mir nichts mehr vor. Alles ist doof und ich versinke langsam in einem faden Sumpf.

Als ich mich dazu durchgerungen habe mit jemanden zu sprechen, habe ich die Person angeschrieben, der ich vertraute, und um eine Empfehlung gebeten. Ich wurde abgewimmelt. Vermutlich unabsichtlich. Dennoch ist alles wieder zum Erliegen gekommen. Ich würde gerne, aber habe nicht die Kraft jemanden zu suchen.

Nächste Woche geht die Uni wieder los. Zu oft habe ich in den letzten Monaten erzählt, dass mich das erste Semester begeistert hat, das zweite war noch in Ordnung und das kommende dritte fühlt sich nur noch wie lästige Arbeit an. Dafür habe ich dann endlich meinen Abschluss. Gerade mal die dreifache Zeit gebraucht. Lediglich die Abschlussarbeit macht mir noch Sorgen. Der Professor, der sich anbot, hat ein passendes Thema vorgeschlagen, aber ich habe mich ein Semester lange nicht gemeldet und habe Angst, dass die Dinge sich geändert haben. Das Verhältnis ist grundsätzlich schwierig. Aber ob ich innerhalb eines Semesters jemand anders finde, ist auch nicht einfacher. Und dann könnte es erst recht zu einer unangenehmen Situation kommen. Dinge, mit denen ich mich nicht beschäftigen möchte.

Früher bin ich nachts wach gelegen und habe über Dinge nachgedacht, mit denen ich mich untertags beschäftigt habe. Zumindest bilde ich mir das ein. Heute liege ich wach und versuche das Leben so weit wie möglich wegzuschieben und verliere mich in Fantasien. Macht über die Elemente ist ein wiederkehrendes Motiv. Ich weiß nicht woher es kommt. Aber über kurz oder lang kommt es immer zu einem Zusammenspiel mit der Gesellschaft.

Ich bin unbefriedigt. Tümple am Abgrund entlang und habe keine Kraft zu rudern.

In den depressiven Phasen kann ich nicht identifizieren was mir gut tut und was nicht. Alles ist schrecklich.

Ein lächerliches Bild mit übergelegtem Text. Motivation ist unbeständig, Disziplin nicht. Ziele setzen. Ziele verfolgen. Nicht in den Tross verfallen. Fragen stellen, in Frage stellen, wenn die Energie hoch ist. Weiterkämpfen, wenn sie es nicht ist. Ich möchte, dass es Frau und Kind gut geht.

Es nervt mich wenn das Kind schreit, mir Dinge wegnimmt, mich vom Schreiben abhält.

Wutbruch

So viel Wut. Über jede Kleinigkeit. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Was aber, wenn es eine Möglichkeit gäbe sie zu ändern. Aber die Möglichkeit nicht verhältnismäßig ist. Der Drucker geht nicht. Ich könnte sagen, er funktioniert nicht und es lassen. Aber ich weiß, dass er funktioniert. Ich habe auch eine grundsätzliche Idee, um ihn wieder zum laufen zu bekommen. Ausschalten. Computer neustarten. Treiber löschen und neu installieren. Router rekonfigurieren. Am Ende geht es. Eine Stunde für drei mickrige Seiten verschwendet. Das nächste Mal wird es wieder Probleme geben. Vielleicht. Ich hasse Dinge, die nicht verlässlich reagieren. Es ist in Ordnung, wenn etwas nicht geht, solange es einen klare Reihenfolge von Dingen gibt, die man machen kann, damit es wieder funktioniert. Aber wenn jedes Mal etwas anderes hilft, nervt es. Ich will die Dinge verstehen. Zumindest eine gute Ahnung haben. Menschen sind noch schlimmer. Ohne klarem Interface. Tausende Variablen, die in jedem Moment auf sie einwirken und dann gibt es nicht einmal einen Programmablauf, sondern ein Zusammenspiel von chemischen Konzentrationen und elektrischen Impulsen, die mal besser und mal schlechter funktionieren. Ich will nicht, dass wir alle berechenbar sind. Zugleich macht es mich verrückt. Warum reagiere ich auf den gleichen Input vollkommen anders? Menschen ändern sich. Vor drei Jahren habe ich ruhig gelächelt. Heute trete ich gegen die Wand, stampfe auf oder schlage die Faust auf den Tisch. Meine Verfassung ändert sich minütlich und an fast jedem Tag gibt es Momente, an denen ich an der Klippe stehe. Alles hinwerfen. Alles hinwerfen. Niemand ist schuld. Alle sind schuld. Es funktioniert nicht.

Der Lüfter des Laptops ist zu laut. Vielleicht gibt es einen alternativen Treiber, ansonsten könnte man einen Widerstand einlöten. Oder einen neuen Laptop kaufen. In den Keller laufen und den Desktop verwenden. All die Energie, die allein in die Überlegungen fließt. Treiber suchen kostet viel Zeit und hat minimale Erfolgsaussichten. Widerstand einlöten ist aufwändig, erfordert noch mehr Recherche und es gibt das Risiko, dass dann gar nichts mehr funktioniert. Kaufen kostet Geld, das man woanders einsparen müsste oder durch Vermietung meines Könnens und Zeit verdienen. Manchmal schleift der Lüfter. Die Tastatur klackert auch. Jeder Buchstabe regt mich auf und im Moment ist das Tippen das einzige, das mich davon abhält.

Immer wieder Dinge wegräumen. Wegräumen. Wegräumen. Das Kind schreit. Mir ist zu heiß. Die letzte Prüfung ist vorbei. Die Entspannung setzt sicher bald ein. Zu viele Beiträge regen mich auf. Menschen, die ich einmal geschätzt habe. Vielleicht nie wirklich. Vielleicht habe ich mich nur an sie rangeworfen, weil ich dachte, dass sie toll sind oder es mir etwas bringen würde. Keine Ahnung. Ich versuche beim ersten Aufregen zu entfernen. Doch dann kommt das nächste. Der Ort, der früher Rückzugsort war, ist heute voller Tretminen. Haben sich die anderen verändert oder habe ich mich verändert? Ich weiß es nicht.

Ich möchte meine Frau nicht ankeifen. Ich möchte nicht mit meinem Kind schreien. Ich möchte mich nicht über alles aufregen.

Verknüpfungsflucht

Ich hatte immer Angst beitragsübergreifende Geschichten zu erzählen. Weil sich Menschen darin wiederfinden könnten und ich zahlreiche Logiklücken aufreißen würde. Momentan würde ich gerne über den Professor schreiben, der seine Stimmung fast minütlich ändert und dazu eine ziemlich direkte Art hat. Oder die Arbeitsgruppen, die ich nicht einschätzen kann. Unklar ob sie sich sozial erwünscht verhalten oder nicht anders können. Vorwürfe ich würde andere nur benutzen. Dazwischen viel Einzelkampf. Für mich in Ordnung. Für die Gesellschaft nicht förderlich.

Ich sitze im Bus. Andere wollten in eine Stadt wo sie niemand kennt, um sich wieder frei zu fühlen. Ich möchte nur wo schreiben wo mich niemand kennt, aber ihr mich alle lesen könnt.

Verklickerung

Nicht mehr die Gedanken mit Informationen ertränken sondern sie in Worte packen und in die Welt hinauswerfen. Jede freie Minute verwenden um Neues zu schaffen. Jeden Moment genießen. Sich nicht schämen für die Dinge die man gerne macht. Die kurzen Sätze kommen einem Schreiben unterwegs entgegen. Im Bett. Im Zug. In der Uni. Beim Essen. Beim Gehen. Beim Warten. Ich.

Der Glanz des nicht erhaltenen Jobs lässt nach. Ich brauche viel Zeit für mich und immer mehr für die Familie. Manchmal habe ich Angst, dass für mich nichts mehr bleibt. Oder dass sie gefangen ist. Wir sind uns ähnlich. Vielleicht nehme ich mir zu oft was ich brauche. Vielleicht geht es gar nicht anders. Ein schöner Gedanke aus einem anderem Zusammenhang: Es geht nicht darum, dass irgendwann alles passt sondern, dass wir dir ständige Entwicklung leben.

Mir macht vieles Angst. Ich bin mir unsicher. Ich weiß nicht wohin. Trotzdem stolpere ich weiter.

Atempflicht

Es gibt genügend Dinge vor denen man Angst haben kann. Das Leben ist keines davon. Und die Menschen darin noch viel weniger. Manche mögen mich, andere mögen mich nicht. Manche hassen mich. Ich lächle. Es wäre einfacher, wenn alle alle toll finden würden. Aber ich finde auch nicht alle toll. Sie machen Dinge, die mich aufregen. Sie machen Dinge, wegen denen ich neidisch bin. Meistens wegen der Reaktionen der anderen. Spielt keine Rolle. Keine Nahrung haben ist schlimm. Keine Fantasie haben ist schlimm. Keine Freiheit haben ist das schlimmste. Niemand ist frei. Wir sind eingebunden in Gefüge. Wir können zu nichts gezwungen werden. Dann wählen wir den Tod und verlieren alles. Alles. Doch zuvor können wir von vielen Dingen rausspazieren. Nicht mein Problem. Habe nicht darum gebeten. Wollte nicht. Was die anderen in mir sehen. Anpassen oder angepasst werden. Bis man an ihren Köpfen schraubt. Schau her, diese Maske trage ich nicht mehr. Du hast sie bemalt, aber sie gehört dir nicht. Ich gehöre dir nicht. Das ist nicht aggressiv gemeint, aber ich fürchte viele können damit nicht umgehen. Menschen ändern sich. Menschen werden echt. Oder nur anders. Anders. Im Kreis laufen geht auch. Priviligiert. Sich dessen bewusst sein ist wichtig, deshalb seine Möglichkeiten nicht ausschöpfen nicht. Sechzehn Stunden um die Welt zu verändern. Neunundzwanzigtausend Anläufe. Nie mit den gleichen Vorraussetzungen. Ständiges Scheitern. An sich selbst und der Welt. Das ist Leben. Einmal durchatmen und alles verliert seine Größe.