Zeitspiel

Dem Drang wiederstehen mich in der endlosen Flut zu verlieren. Nicht jeder Beitrag, aber viele lösen das wohlige Gefühl etwas neues gelernt zu haben aus. Hinzu kommt die Hoffnung, dass es beim nächsten wieder soweit ist. War nix, aber vielleicht das nächste. Der Einsatz ist so gering. Ein Wisch, ein paar Sekunden. Wieder nichts. Noch einmal. Noch einmal. Noch einmal. Treffer. Die Person holt mich ab. Ich wäre gerne mit ihr befreundet. Doppelklick für ein rotes Herz. Acht Beiträge weiter taucht sie wieder auf. Schon wieder ein Volltreffer. Zum Profil swipen, folgen. Das Plus verschwindet. Willkommen im inneren Kreis.

Fingerübung

„Erinnern Sie sich, was Ihnen früher Freude bereitet hat und probieren Sie die Dinge aus“. Ich schaue auf den Punkt und frage mich, ob ich mich an den Syntax halten soll, den ich gelernt habe oder den, der sich richtig anfühlt. Heißt das überhaupt Syntax oder ist es nur Zeichensetzung? Oder ist Zeichensetzung ein Teil der Syntax? Eine kurze Suche gibt keine Antwort.

Schreiben, Radfahren, Lesen, Musik. Dinge bauen. Auseinanderbauen und Zusammenbauen. Videospiele. Ausprobieren. Neugierde. Das ist eher eine Eigenschaft als etwas, das mensch tut. Aber es ist mit meiner Freude verbunden.

Teilen. Sachen und Erlebnisse. Womit ich wieder bei den Worten bin. Aber wenn ich den Satz so oft lösche bis der ursprüngliche Gedanken vergessen ist, komme ich nicht voran. Es fühlt sich anstrengend an. Die Freude wird eingeengt bis es sich nur noch nach Druck anfühlt. Welche Worte darf ich noch teilen? Wir führen viele Gespräche. Ich verstehe, dass es unterschiedliche Wünsche und Erwartungen gibt. Ich möchte sie respektiere. Aber ohne mich auf dem Weg zu verlieren. Kompromisse finden. Ich habe Angst. Angst nicht voranzukommen.

„Ich glaube, Sie wissen, was sie wollen. Sie erlauben sich aber nicht es zu wollen.“ Das Satzende ist ein Teil des Strings. Aber das ist doch eine natürliche Sprache, kein Computerprogramm. Es ist mein txt. Ich kann damit machen, was ich will.

Mein Handgelenk vibriert. Ich habe eine Nachricht erhalten. Es fühlt sich gut an gemocht zu werden. Die Therapeutin hat mir angeboten, dass ich ihr halbjährlich ein Update schicken kann. Das war vor über einem Jahr. Ich werde ihr schreiben. Bald. Vielleicht.

Arztbesuch

Seit ich die Ausschlussdiagnose bekommen habe, geht es mir nicht besonders gut. So sehr habe ich mich daran geklammert. Das erklärt mich. Ich bin kein Versager, ich funktioniere nur anders. Pustekuchen. Zwei Monate ist es her. Von diesen habe ich mich nur an acht Tagen gut gefühlt. Der Rest war okay, schlecht oder beschissen. Sagt zumindest die App, mit der ich das tracke.

Verzweifelt wie weitermachen, hat mir eine Bekannte empfohlen es mit Soziotherapie zu probieren. Die könnte mir helfen. Bei der Alltagsbewältigung als auch bei der Suche von Psychotherapie oder anderen Maßnahmen. Sie hat mir sowohl eine Einrichtung genannt, die Soziotherapie anbietet, als auch dass ich sie per Mail kontaktieren kann. Das war konkret genug, dass ich es auch gemacht habe. Ein paar Mails und ein überflüssiges Telefonat später, wusste ich, dass mein Hausarzt ein bestimmtes Formular ausfüllen muss, mit welchem ich die ersten fünf Stunden Soziotherapie bekomme, welche hoffentlich reichen, um gemeinsam eine*n Psychotherapeut*in zu finden, welche bis zu 120 weitere verordnen kann.

Mit viel Überwindung beim Hausarzt angerufen, um einen Termin auszumachen. Worum es ginge. Depression. Dann würde der Termin am Ende der Sprechzeiten stattfinden, weil er sich dafür ausreichend Zeit nehmen möchte. Fand ich gut.

Heute war es soweit. Ich hatte einen Stapel mit Diagnosen und Untersuchungsergebnissen von früher ausgedruckt. Das erste mal war ich vor 11 Jahren wegen Erschöpfung bei einer Ärztin. Damals Verdacht Schilddrüsenunterfunktion, aber keine Medikamente. Wieder vor sieben Jahren. Seitdem Schilddrüsenhormon. Dazwischen Diagnose Hochbegabung und schließlich Ausschlussdiagnose Autismus, dafür Verdacht Sozialphobie und Zwangsstörung. Zusätzlich habe ich meine Notizen beigelegt, die ich über ein Jahr lang als Vorbereitung auf die Autismus-Diagnostik angelegt hatte, die aber wahrscheinlich nie angeschaut wurde. Oben drauf Screenshots aus der App, die zeigt wie sich meine Stimmung im Laufe des aktuellen Jahres verschlechtert hat und eine Seite Zusammenfassung der aktuellen psychischen, der allgemeinen psychischen und der physischen Symptome sowie die medizinische Vorgeschichte und was ich mir vom Termin erhoffe. Nicht ausgedruckt habe ich den Gesprächsverlauf, den ich für mich vorbereitet hatte. Trotzdem durch das Gespräch gestolpert.

Der Arzt hat mir zugehört, musste kurz Lachen und sich entschuldigen, als ich von meiner Enttäuschung erzählte, dass ich keinen Autismus hätte. Die Atmosphäre war angenehm. Wie geplant war ich der letzte Patient. Wir waren alleine in der Praxis und wenn ich es gebraucht hätte, hätte er sich auch länger als die halbe Stunde genommen, die wir miteinander gesprochen haben. Das Formular für die Soziotherapie hat er im Computer nicht gefunden, aber mir ein Attest ausgestellt, auf dem steht, dass es wie das Formular gilt. Und wenn das nicht passt, soll sich die Krankenkasse bei ihm melden. Oder so. Meinen Wunsch nach einem Bluttest, um auszuschließen, dass irgendwelche Mängel verantwortlich sind oder verstärken ist er auch nachgekommen. Drei Ampullen hat er am Ende des Gesprächs abgenommen. Ergebnis dann am Montag. Wenn etwas relevantes dabei ist, meldet er sich. Wenn ich das Ergebnis auch möchte, wenn nichts dabei ist, soll ich mich dann melden. Auf meine Frage, ob er die Unterlagen möchte, meinte er, dass er gerne mal reinschaut.

Beim Gehen meinte er noch, dass ich mich melden solle, wie es mit der Soziotherapie läuft, weil es für ihn das erste Mal ist.

Als ich die Praxis verlassen habe, war ich erleichtert und zufrieden. Ich hatte alles, was ich wollte. Dann bin ich im Kopf nochmals alles durchgegangen und habe mich über mich selbst geärgert, dass ich nicht offener mit meinen eigenen Vermutungen war. Eigentlich hätte ich noch gerne angesprochen, dass ich vermute Ehlers-Danlos-Syndrom zu haben, mindestens aber Hypermobilität. Vielleicht irgendwann.

Problemverhandlung

Seit Monaten warte ich auf meine Diagnose. Jetzt ist sie da und ich bin unglücklich. Warum eigentlich? Autismus wurde ausgeschlossen. Stattdessen Soziale Phobien und möglicherweise Zwangsstörungen. Inzwischen habe ich mich oberflächlich eingelesen. Ja, soziale Phobien könnte passen. Ich habe zwar keine Probleme damit in kleinen oder großen Gruppen zu sprechen, aber die Interaktion mit einzelnen Personen empfinde ich als anstrengend, weil ich entschlüsseln muss, was mein Gegenüber meint, und ich darauf achte, mich so auszudrücken, dass mein Gegenüber mich versteht. Deshalb vermeide ich solche Situationen. Asynchrone Textkommunikation ist mir lieber. Ich habe so viel Zeit, zum Verstehen und Formulieren, wie ich brauche.

Unglücklich bin ich, weil soziale Phobien nur einen kleinen Teil meiner Probleme erklärt. Es fällt mir schwer Entscheidungen zu treffen, was dazu führt dass ich sie häufig so lange hinauszögere, bis sie jemand anders trifft oder die Zeit abläuft. Oft fehlt mir die Energie Aufgaben zu erledigen. Vor allem, wenn ich sie nicht interessant finde. Stattdessen starre ich dann stundenlang den Bildschirm bis der Stress so groß ist, dass ich sie erledige. Das sorgt dafür, dass ich oft unzufrieden genervt bin. Damit verbunden ist auch meine häufige Antriebslosigkeit, wo mir jede kleinste Handlung schwer fällt. Etwa aufstehen. Also bleibe ich sitzen und ärgere mich über mich selbst. Als ich damit vor Jahren bei meiner damaligen Ärztin war, meinte sie, meine Schilddrüse sei Schuld und ich bekam Tabletten, die ich seitdem täglich nehme. Für eine gewisse Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie geholfen haben und wenn ich sie länger vergesse, merke ich, dass die Tage noch anstrengender sind. Dann sind da meine abendlichen Stimmungsschwankungen. Meist eine innerliche Wut und Gereiztheit, sodass ich bei der kleinsten Irritation explodiere. Meine ganzen sensorischen Schwierigkeiten. Leise Geräusche, wie das Ticken einer Uhr oder ferne Gespräche lenken mich ab. Ich liebe meine Noise Cancelling Kopfhörer. Laute Geräusche tun mir weh. Helles Licht tut mir in den Augen weh, ich kneife sie dann schnell zusammen und bekomme dann Knopfschmerzen. Sonnenbrillen helfen etwas. Bildschirmhelligkeit runterdrehen auch. Und natürlich abgedunkelte Räume. Das Gefühl von sandiger Haut auf Stein bereitet mir schon beim Gedanken daran Unbehagen. Während dem Essen stehe ich öfters auf, um meine Hände zu waschen. Wenn sie etwas klebriges oder schmieriges berührt haben. Aber auch Dinge, die klebrig werden könnten, wie etwa Mehl. Ich ertrage es nur schwer, wenn andere in meinen Augen schmutzige Finger haben. Vor allem, wenn sie damit Gegenstände anfassen. Bevor ich am Computer arbeite, wasche ich mir die Hände, um ihn nicht schmutzig zu machen. Und ja, mein Unwohlsein im Umgang mit Menschen ist auch ein Problem. Aber nur in bestimmten Situationen. Ich halte Vorträge vor tausenden von Menschen, trete im Fernsehen auf, halte Workshops und beteilige mich in Meetings. Aber ich meide Telefonate und Kontakt zu Menschen aufzunehmen und Gespräche ohne Ziel (sogenannter Smalltalk) fallen mir schwer. Ich interessiere mich nur für wenige Dinge. Wenn ich Menschen, die mir wichtig sind, denke ich nicht an sie und ohne Kalender würde ich jegliches wichtiges Ereignis vergessen. Konflikte belasten mich, weshalb ich ihnen so gut wie möglich aus dem Weg gehe und sei er noch so klein.

Von dem, was ich gelesen und gesehen habe, würde Autismus den Großteil der Symptome erklären. Gerade Pathological Demand Avoidance. Nun war ich aber bei einer der angesehensten Einrichtung zu Autismus bei Erwachsenen und mir wurde nach zwei Terminen gesagt, dass es eben kein Autismus ist. Für mich ist das derzeit belastend, weil Autismus im Laufe des letzten Jahres zu einem Teil meines Selbstverständnis wurde. Das hat mir geholfen. Ebenfalls wie bestimmte Strategien und Werkzeuge, wie man damit umgehen kann. Noch rede ich mir ein, dass die Diagnose falsch sein könnte, weil ich versucht habe sie nicht zu beeinflussen und deshalb viele Aspekte unklar ausgedrückt habe. Es ist auch schwierig im ersten Gespräch sich direkt zu demaskieren (die Termine fanden mit unterschiedlichen Personen statt). Andererseits muss ich akzeptieren, dass es sich um Experten handelt, die es trotzdem korrekt beurteilen können sollten.

Das Diagnoseschreiben endet damit, dass die Anzeichen für soziale Phobie und Zwangsstörung in einer solchen Spezialsprechstunde nicht weiter klassifiziert und eingeordnet werden können, weshalb eine weitere Diagnostik empfohlen wird. Es hat mich eineinhalb Jahre und viel Energie gekostet, um hierher zu kommen und es fühlt sich an als würde ich wieder am Anfang stehen. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Wahrscheinlich ein Termin beim Hausarzt, um über die Diagnose und weitere Schritte zu sprechen.

Ausredung

Oh, hi, da bist du ja wieder. Das ist diesmal schnell gegangen. Gibt es einen besonderen Grund?

Es ist sechs Uhr. Ich habe in der Früh Mails beantwortet, hatte am Vormittag ein Meeting und dann gearbeitet. Am Nachmittag zwei Stunden Beiratssitzung. Aber sonst habe ich nichts geschafft. Jetzt ist es sechs Uhr.

Das klingt als wärst du produktiv gewesen. Nur weil du nicht alles schaffst, was du dir vornimmst, bedeutet nicht, dass du nichts geschafft hast. Kannst du dich noch erinnern, dass du dir einmal vorgenommen hast, pro Tag eine Sache zu schaffen? Davon abgesehen ist deine Wert nicht deine Produktivität. Auch wenn du das schon längst übernommen hast.

Aber vier Stunden habe ich prokrastiniert. Twitter, Tiktok, Reddit. Dabei muss ich bis übermorgen einen Aufsatz schreiben und einen Workshop vorbereiten. Ich bin anderen seit zwei Monaten Sachen schuldig. Fünf weitere Aufgaben ohne explizitem Zeitpunkt, die aber auch schon zu lange unbearbeitet rumliegen. Und jetzt, nach der Arbeitszeit, sollte ich mich um die Steuererklärung kümmern und um die davor und um die Umsätze, die noch nicht korrekt verbucht sind. Ich habe nicht einmal einen Vortrag bei der re:publica eingereicht. Zum ersten Mal. Weil ich keine Kraft mehr habe.

Vier von zehn Stunden. Nachdem du letzte Woche noch krank im Bett lagst. Und die Woche davor. Und mehrere Wochen im November. Niedergestreckt von einem Virus. Da bleiben auch einmal Sachen liegen. Das ist in Ordnung. Du arbeitest am effizientesten kurz bevor es zu spät ist und wenn es schon lange zu spät ist, ist es egal, ob es noch einen Tag länger dauert. Du weißt wie du deine Aufgaben priorisieren musst. Dir wurde gesagt, dass du dich diese Woche schonen sollst, damit du beim Termin am Freitag fit bist. Du wirst geschätzt. Die Menschen sind froh, dass du da bist. Das mit der re:publica ist schade. Ich weiß wie wichtig sie dir ist. Aber vielleicht ist es auch einmal schön einfach dort zu sein. Ohne Verpflichtung.

Ich musste kurz weg. Andere Feuer. Löschen konnte ich sie nicht. Nur etwas eindämmen. Und der Dozent hat mir geschrieben. Er freue sich auf meinen Aufsatz. Das wird meine morgige Aufgabe sein. Und wenn sonst noch etwas schaffe, ist das gut und wenn nicht, dann ist es auch okay.

Genau. Und jetzt machst du Feierabend. Die Aufgaben verschwinden nicht, aber du darfst sie bis morgen ziehen lassen. Mindestens. Du bist wertvoll.

Ich weiß nicht einmal, was das bedeutet.

Wirrgang

Die Sonne scheint.

Als ich den neuen Job begonnen hatte, hatte ich mir vorgenommen, nach einem Jahr zu schauen, ob er mich zufriedener gemacht hat. Oder nicht. In eineinhalb Monaten wird es soweit sein. Aber eigentlich kann ich mir auch jetzt schon Gedanken machen.

Ich laufe weg. Vor der Stille. Die Ströme füllen mich mit Informationen und winzigen Höhepunkten. Genug, um nicht zugrunde zu gehen.

Schreiben zwingt mich zu sortieren. Die Buchstaben müssen in die richtige Reihenfolge. Aber auch die Worte fordern eine bestimmte Logik ein. Ich könnte sie zusammenwürfeln, aber ich kann es nicht.

Pause. Wir waren spazieren. Ohne Kind. Früher habe ich jeden Tag mehrere Texte geschrieben. Ich konnte gar nicht anders. Heute quäle ich mich durch einen in einem langen Zeitraum. Was hat sich geändert? Warum habe ich mich verändert? Ich erinnere mich, dass ich früher Ideen mit mir herumgetragen habe. Es hat gedauert bis ich sie abgetippt habe. Manchmal habe ich sie zuerst auf Papier geschrieben. Hatte ich mehr Platz in meinem Kopf? Heute vermiete ich einen großen Teil davon. Eigentlich nur stundenweise, aber mir erscheint es wie Volumen. Einerseits gibt es die tatsächlichen Aufgaben. Mit denen kann ich umgehen. Dann kommen aber noch weitere Dinge hinzu. Planung, Organisation und Unterbrechungen. Diese führen zu Stress. Der führt zu Lähmung. Dann sitze ich da voller Schuldgefühl und warte darauf, dass ich enttarnt werde, alles zusammenbricht und ich wieder bei null anfangen kann.

Ich verdiene doppelt so viel wie früher. Ich arbeite fünfmal so viel. Ich kann Projekte nicht mehr einfach ablehnen. Ich twittere viel weniger.

In den letzten Monaten war ich zweimal längere Zeit krank. COVID-19. Einmal wahrscheinlich die Delta-Variante und einmal Omicron. Physische und psychische Belastung. Sich krankschreiben lassen zu können ist toll, dass sich die Aufgaben in dieser Zeit weiter aufstapeln nicht. Am Weg der Besserung durch das Tal des Stresses. Wieder gelähmt.

Es geht uns gut. Es geht mir gut. Privilegierte Position. Letzte Woche hätte ich meine Diagnose bekommen sollen. Dann wurde ich krank. Nächster Termin in zwei Monaten. Und dann? Die Diagnose ändert nichts. Sie bestätigt nur. Oder widerspricht. Ich muss selbst herausfinden, was mich glücklich macht und was nicht. Ich muss aus dem Loch rauskommen. Ich bin von mir selbst genervt.

Vorvorsätze

Als ich heute mit einerm Freund gesprochen habe, hat er mich gefragt, ob ich Vorsätze hätte. Es dauerte einen Moment bis ich verstand, worum es ging. Vorsätze für das neue Jahr. Habe ich schon lange keine mehr gehabt, aber mit etwas sortieren sind ein paar Punkte zusammengekommen, die ich mir vornehme.

Evaluation. Machen mir die Dinge, die ich mache, Freude? Ich bin in der glücklichen Situationen, dass ich mehrere Möglichkeiten habe, Geld zu verdienen. Im Mai habe ich mich verpflichtet einen großen Teil meiner Zeit in einem Weisungsverhältnis zu verbringen. Ich kann Projekte nicht nach Belieben ablehnen, dafür bekomme ich Geld, unabhängig davon, wie viel gerade zu tun ist. Für meine eigenen Projekte hatte ich seitdem fast keine Zeit mehr. Ich möchte darüber nachdenken, wie ich das finde. Immer wieder, aber ganz besonders nach einem Jahr. Möchte ich das auch weiterhin machen oder nicht. Das gleiche gilt für die anderen Sachen, die ich mache, weil sie sich so ergeben haben.

Unterstützung. Das Kind hat ähnliche Schwierigkeiten wie ich sie in der Schule hatte. Eine Lösung habe ich nie gefunden. Dennoch möchte ich so viel Druck rausnehmen wie möglich und es begleiten seine eigenen Interessen zu entdecken und verfolgen.

Selbsterkenntnis. Am sechsten Jänner habe ich meinen Diagnostiktermin. Der perfekte Start in das Jahr. Ist es überhaupt noch Selbsterkenntnis, wenn jemand anders einem sagt, wer man ist? Es ist nur eine Diagnose und Startpunkt mich in einem anderen Kontext zu sehen und mein Verhalten zu beurteilen. Möglicherweise kommt auch etwas ganz anderes heraus. Oder mehr als ich erwarte.

Schreiben. Schreiben tut mir gut. Schreiben hilft mir, meine rasenden Gedanken einzufangen, sie zu sortieren und für die Ewigkeit zu bannen.

Durcheinander

Ich ignoriere Mails. „Aber alles wird gut“, flüstert Fred Rabe in meine Ohren. Der Anfang ist das schwierigste. Wieder schreiben. Eine Person, die ich seit vielen Jahren bewundere. Und in ein paar Tagen die Diagnostik. Ich bin aufgeregt. Was wird sich ändern. Nichts. Ich. Vielleicht.

Keine Antwort. Wieder keine Antwort. Ich kann das nicht. Ein Tippfehler. Das muss man Großschreiben. Aber Grammatik ignoriere ich. Warum eigentlich? In der Schule habe ich es nie so richtig verstanden oder mich dafür interessiert. Unterbrechungen machen mich wütend. Je nachdem wie viel Energie ich noch habe.

Auf der Suche nach den Dingen, die mich antreiben. Anerkennung. Aufmerksamkeit. Ich würde gerne Dinge machen, die das Leben anderer besser macht. Aber es treibt mich nicht an. Mehr ein Wunsch. Neugierde. Ich weiß nicht wann und warum. Manches setzt sich in meinem Kopf fest und lässt mich nicht mehr los. Korrektheit. Ich habe oft eine Vorstellung, wie etwas gemacht werden sollte und ich bleibe dran bis es so erledigt ist. Wird oft fälschlicherweise für Perfektionismus gehalten.

Ich ignoriere und es wird schlimmer.

(Es ist Abend. Abends habe ich oft keine Energie mehr und bin schwer erträglich. Ich bitte um Entschuldigung.)

Mein erster Urlaub

Bisher war ich entweder selbständig oder nur wenige Monate angestellt, sodass ich keine Urlaubsansprüche hatte. Das bedeutet nicht, dass ich nie nicht gearbeitet habe, aber ich wurde nie dafür bezahlt nicht zu arbeiten. Heuer ist das anders. Ich habe in der Personalabteilung gefragt, wie viele Urlaubstage mir dieses Jahr zustehen und dann bei meinem Vorgesetzten einen Urlaubsantrag eingereicht. Der wurde bestätigt und ging wieder an die Personalabteilung. Heute ist es soweit. Mein erster bezahlter Urlaubstag. Ich habe ihn genutzt, um die Abwesenheitsnotiz im Mailprogramm einzutragen und zu testen, ob vom Laptop der Serverzugriff funktioniert. Ich lerne noch. Es ist nicht geplant, dass ich irgendwas mache und ich habe auch keinen Kontaktmöglichkeit für den Notfall angegeben. Ich brauche es aber für meine innere Ruhe, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn es wäre.

Das Kind hat Wandertag. Ich werde mit Frau Wunderbar die letzten Dinge erledigen und Sachen verstauen. Das Rollo bekommt einen Urlaubsmodus. Ich brauche noch ein paar Ladegeräte. Vielleicht richte ich mir noch einen Fernzugriff auf den Heimserver ein.

Und dann geht es los. Ich freue mich auf das Meer und bin gespannt wie ich ohne Arbeit funktioniere.

Sonntag ohne Handy

Heute morgen wollte das Kind wetten, dass ich keinen Tag ohne Handy aushalte. Habe ich abgelehnt und ihr erklärt, dass das ein Gebrauchsgegenstand ist und entsprechend der Verzicht nicht erstrebenswert. So wie man auch nicht einen Tag auf Stühle verzichtet. Oder auf Strom. Habe das Handy dann trotzdem auf dem Nachttisch liegen gelassen. Bis jetzt. Am meisten ist es mir beim Spaziergang mit dem Drachen abgegangen. Ich wollte ein Foto machen. Und Pokémon Go konnte ich auch auch nichts spielen.

Am Auftrag weitergearbeitet. Fehlt noch der letzte Teil und das Fazit. Sollte ich morgen nach der Arbeit schaffen.

Am Abend Lahmacun und Döner geholt. Dann Tatort.

Ist das jetzt ein Tagebuch? Ein bisschen. Alles was Stabilität bringt.

Arbeit und Arbeit und Arbeit

In der Arbeit neue Verantwortung übernommen. Etwas außerhalb meines Könnens, aber machbar. Meine Pläne dafür ausgeschrieben. Müssen noch etwas verfeinert werden, aber dann kann ich sie präsentieren und umsetzen. Ich glaube, das wird gut.

Dann kam noch eine Anfrage rein. Kurzfristig ein Analyse. Ich habe es überlegt, was zu machen ist und dass mir die Zeit fehlt, weil ich noch die Arbeit für die Uni schreiben muss. Daher ein Monatsgehalt für drei Tage Arbeit verlangt. Und dann haben sie es angenommen. Und ich frage mich, ob ich dann nicht nur sowas machen sollte. Erinnere mich aber an die Zeit als ich es gemacht habe. Wenige Aufträge sind so gut bezahlt und gestresst hat es mich trotzdem. Lieber die Stabilität des regelmäßigen Einkommens, selten nebenbei etwas und das Wissen, dass ich weder auf das eine, noch das andere angewiesen bin.

Den Samstag mit dem Auftrag verbracht. Den gemeinsamen Spaziergang verpasst. Aber dann noch ein schönes Telefonat und Abends mit Frau Wunderbar und dem Kind Ratchet und Clank All 4 One gespielt.

Dozent hat mir geschrieben, dass es in Ordnung ist, wenn ich für meine Arbeit noch ein paar Tage länger brauchen. Das ist gefährlich, weil ich die Priorität direkt runterstufe. Vor allem mit dem Auftrag daneben. Aber ich habe die grobe Struktur und eine Vorstellung, wie ich sie ausfülle. Sie soll interessant sein und zumindest positiv. Das sollte ich schaffen.

Kurz nach zehn. Gleich schlafen. Meist wache ich um halb sieben auf. Das ist in Ordnung. Außer wenn ich zu lange wach geblieben bin, dann bin ich müde, kann aber nicht mehr schlafen.

Gute Nacht.

Kiefer und Tatort

Überraschenderweise müssen Blogbeiträge gar nicht länger als Tweets sein.

Heute bei vier Meetings und mit dem Kind beim Kieferorthopäden gewesen. Dem Dozenten geschrieben, dass die Arbeit erst am Montag fertig wird.

Am Abend Tatort geschaut. Den zweiten Teil vom Stillen Gast Tatort geschaut. Am Dienstag sahen wir den ersten. Am Sonntag kommt der Dritte.

Früher habe ich meine Beiträge korrekturgelesen.

Elektroscooter und Laufschuhe

Bin immer noch hier.

Kurz überlegt über die Arbeit zu schreiben. Dankbarkeit für den Modus. Aber nach dem ersten Satz hängen geblieben. Deshalb gibt es das ein anderes Mal. Oder nie. Weil ich Dinge vergesse.

Nach der Arbeit Frau Wunderbar zu einem Termin gebracht und währenddessen mit dem Kind spazieren gegangen. Wir haben viele Elektroscooter gesehen. In unserem Ort stehen die nicht, deshalb fiel es auf. Spontan die App heruntergeladen und einen aktiviert. Mir war klar, dass nicht zwei Personen damit fahren durften. Etwas überrascht war ich allerdings, als ich die erste Regel las: Helmpflicht. Nachvollziehbar, aber noch nie jemanden mit Helm auf einem solchen Fahrzeug gesehen. Wird schließlich vor allem in Situationen genutzt, wo man nicht vorbereitet ist. Jedenfalls hat sich das Kind vor mir auf den Roller gestellt und wir sind ohne Helme über den leeren Radweg gebraust. Da wir kein Ziel hatten, sind wir dann auf einen Parkplatz gewechselt, um dort unsere Runden zu drehen. Hat Spaß gemacht. Und ein Euro und vierzig Cent gekostet.

Später waren wir im Einkaufszentrum. Das erste Mal seit mehreren Monaten. Das Sportgeschäft baut gerade um und verkaufte alles zum halben Preis. Ich möchte mir seit einiger Zeit Laufschuhe kaufen. Bisher besaß ich nur Turnschuhe, die etwa fünf Jahre alt sind und langsam zerfällt die Sohle. Ich habe schon recherchiert und eigentlich sollte ich in einem Fachgeschäft eine Analyse machen lassen, aber dafür fehlt mir die Motivation. Mein Wunschschuh war ein Brooks Ghost. Den gab es aber nur in der GTX-Variante und schwarz. Nachdem ich die meisten anderen Schuhe in meiner Größe durchprobiert hatte und sie alle nicht so bequem waren, habe ich ein letztes Paar Brooks Glycerin gefunden. Und das hatte auch noch meine Größe. Also eigentlich etwas größer, aber Laufschuhe fallen wohl oft kleiner aus. Sie passten und waren in einem wunderschönen Blau. Also habe ich sie gekauft. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie ansehe.

Bei dem Text, den ich schreiben muss, habe ich nicht mehr als Eckdaten und Formatierungseinstellungen geschafft. Das ist mehr als gestern. Morgen habe ich vier oder fünf Termine. Ich werde um eine Verlängerung bitten müssen, werde aber trotzdem versuchen ihn fertig zu bekommen. Weil ich im Oktober auch keine Zeit dafür habe.

Tag verarbeitet. Jetzt noch etwas an die Schuhe denken und dann schlafen.

Das ist jetzt diffus

Am Nachmittag ging es mir gut. Dann nicht mehr. Das Kind sagt, ich solle Tagebuch schreiben. Hallo Tagebuch.

Ich liege im Bett. Schreibe auf dem Handy. In den Ohren Danger Dan.

Nächste Woche ein Workshop und eine Podiumsdiskussion mit irgendeinem Chefredakteur. Alles online. Anders würde ich es nicht schaffen. Bis übermorgen eine theoretische Arbeit über zwölf Seiten. Ich glaube, ich habe noch nie eine theoretische Arbeit geschrieben. Mal nachlesen, wie das funktioniert. Der Lehrende meinte, er vertraue mir genug, dass ich kein Exposé schreiben muss, sondern direkt die Arbeit abgeben kann. Für das fünfseitige Essay, das ich an meinem Geburtstag geschrieben habe, gab es eine Zwei. Ganz sicher, warum ich das alles mache, bin ich mir nicht. Sicher bin ich mir nicht.

“Ziellose Neugierde”, habe ich auf die Frage geantwortet, mit welchen beiden Begriffen man sich identifiziert. Im Ferngespräch fiel mir ein, dass die zwanghafte Hilfsbereitschaft fehlt. Wenn es mir irgendwie möglich ist, helfe ich. Manchmal auch wenn es nicht möglich ist. Es ist ein selbstzerstörendes Verhalten.

Freitag nachts repariere ich den Datensatz per Hand, weil ich nicht möchte, dass der Redakteur Stress bekommt. Lieber habe ich ihn. Der Stress macht mich fertig. Ich freue mich, dass ich es irgendwie hinbekomme. Das kurze Danke bedeutet mir mehr als die Überweisung. Mein Leben ist auf Stressvermeidung ausgelegt. Immer wieder entschiede ich mich für Projekte, bei denen ich davon ausgehe, dass ich sie gerade so hinbekommen werde. Wenn ich es gerade so schaffe, ist die Gefahr geringer, dass ich darauf bestehen, dass es perfekt wird. Perfekt wird es nie. Es ist ein theoretischer Idealzustand. Unereichbar.

In zehn Tagen fahren wir auf Urlaub. In einen der verschlafensten Orte an der Nordsee. Das stimmt so nicht, aber es klingt besser. Ich freue mich sehr. Es ist mein erster Urlaub. Weil ich noch nie angestellt war. Eine kleine Wohnung. Viel Spazierengehen. Essengehen.

Warum meine Stimmung so instabil ist, weiß ich nicht. Ganz allgemein fällt es mir schwer, mich selbst zu fühlen. Aber ich habe eine Vermutung woran das liegt. Alexithymia ist der Fachbegriff.

Das Schreiben hilft mir. Hat es auch früher. Es stabilisiert meine Gedanken, wenn sie rasen und zwischen meinen Fingern zerinnen. Vielleicht hilft es mir auch dabei herauszufinden, was mir wichtig ist.

Dreiunddreißig

Von außen könnte man meinen, ich sei angekommen. Ein Kind, verheiratet, Job in Technik und Verwaltung der Uni. Stabilität.

In mir rast es. Die Gedanken. Unaufhörlich. Zweifel. Ist es das was ich will? Was will ich eigentlich? Wer bin ich? Ich bin vor zehn Jahren umhergeirrt und tue es heute noch. Finde meinen Platz nicht. Es geht mir gut. An manchen Tagen bin ich zufrieden.

W. sagt, ich soll mir ein Hobby zulegen. Vielleicht etwas mit Elektronik, das ich mit dem Kind machen kann. Derzeit interessiert es sich für ferngesteuerte Autos. Ich stelle es mir schön vor. Das werde ich probieren.
Ich arbeite Vollzeit. Daneben studiere ich. Daneben unterrichte ich. Daneben bin ich selbständig. Daneben entwickle und vermarkte ich mein Produkt. Daneben halte ich Vorträge. Daneben unterstütze ich den Ortsverband einer Partei. Heute habe ich mit einem Freund gesprochen, was ich machen würde, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Meiner Neugierde folgen. Über die letzten Jahre hat sich herausgestellt, dass es weder ein bestimmtes Thema, noch eine bestimmte Art des Arbeitens ist, die ich bevorzuge. Es sind Dinge, die meine Neugier wecken und ich kann nicht mehr loslassen bis ich ihnen auf den Grund gegangen bin. Dieser Neugier folgen können ohne ständig eine Liste von Aufgaben im Hinterkopf zu haben; Das ist mein Traum. Manche Erkenntnisse kann man zu Geld machen. Aber ich möchte mich gar nicht damit beschäftigen. Ich möchte Spuren folgen und teilen, was ich herausfinde. Weder verkaufen, noch um Spenden bitten. Aber das funktioniert in unserer derzeitigen Welt nicht. Meine unterschiedlichen Tätigkeiten geben mir zumindest ein großes Feld, auf dem ich meiner Neugierde folgen kann. Und es gibt mir die Sicherheit. Selbst wenn einzelne Dinge wegfallen, muss ich mir keine Sorgen machen. Zugleich belastet es mich, dass ich alles miteinander ausbalancieren muss und ich mich nicht auf eine Sache fokussieren kann. Ich laufe in drei Richtungen und trage das Fahrrad auf dem Rücken. Nur für den Fall.

Zeit mit W. macht mich glücklich. Essen auch. Wenn ich eine komplizierte Aufgabe gelöst habe. Wertschätzung anderer Menschen. Jemanden helfen können.

In den letzten Monaten habe ich mich damit auseinandergesetzt, dass ich wahrscheinlich Autist bin. Viele meiner Eigenschaften, von denen ich bisher ausging, dass sie alle Menschen haben oder sie halt eine Eigenheit von mir sind, lassen sich damit erklären. Meine Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Die Schmerzen, die bestimmte Geräusche und Berührungen auslösen. Vergesslichkeit. Nicht zu wissen, wie ich mich fühle. Gereiztheit, wenn ich gestört werde, während ich mich intensiv mit etwas beschäftige. Alles zu planen. Soziale Situationen vorbereiten indem ich mir vorab überlege, wie ich auf unterschiedliche Dinge reagiere. Faszination für Details und das Erkennen von Mustern. Mein Selbstdiagnose-Dokument ist inzwischen dreißig Seiten lang. Und irgendwann finde ich die Energie, mich um eine offizielle Diagnose zu kümmern.

Mit jedem Wort werde ich ruhiger. Die Gedanken hören auf zu springen. Es tut gut, sie zu ordnen, aus dem Kopf zu lassen. Eingegossen in Pixel können sie nicht mehr rasen und mich damit stressen.

Es geht mir gut. Ich werde weiter umherirren. Manche Dinge werden sich ändern, manche werde ich ändern. Zeit mit W. und dem Kind. Gutes Essen. Etwas Bewegung und Texte schreiben.

Ein Text

Den ersten Satz muss ich schreiben ohne über Nachzudenken. Nur dann trauen sich langsam meine restlichen Gedanken heraus.

Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal für mich geschrieben habe. Die letzten Jahre haben vor allem anderen gehört. Die letzten Jahre habe ich vor allem für andere geschrieben? Produziert?

Die Pandemie. TikTok. Die Pandemie und TikTok haben mir geholfen Dinge über mich selbst zu erfahren. Und dann stocke ich. Die Wörter fließen nicht. Stattdessen die Schere im Kopf. Präsenter als früher. Imaginierte Verlustängste. Muss man nicht diagnostizierte Krankheiten offenlegen? Kann ein pseudonym geführter Blog, in dem man über eben jene Dinge geschrieben hat, gegen einen verwendet werden? Von wem eigentlich? Und warum? Je mehr Reichweite man hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass darunter Personen sind, die einem schaden wollen.

Ich studiere wieder. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Vollzeitstelle. Ich habe Angst.

Was für ein zusammenhangsloser Mist. Vielleicht konnte ich nie schreiben. Schreiben kann man nicht. Schreiben ist ein Prozess. Zumindest hier. Es geht darum die Gedanken zu sortieren. Und für das Tagebuch mache ich es nicht. Deshalb muss es hier sein. Vielleicht nochmal von vorne anfangen. Ein neues Pseudonym. Oder auch nicht. Mehr Mut. Veröffentlichen ohne viel Nachzudenken.

Zwanzigsiebzehn

Hallo Worte. Hallo Tastatur. Hallo Klackern. Hallo neues Jahr.

Ohne Konzept schreiben und sich in den eigenen Gedanken verirren. Sich selbst erlauben. Wichtig. Aufschreiben. Für später. Mich verbindet viel mit dieser Tätigkeit. Dem Dinge ausschreiben. Und hier ist mein geheimer Ort, wo ich es machen kann ohne mir zu viele Gedanken zu machen. Stimmt schon lange nicht her. Als ich das erste Mal darauf verwiesen habe, habe ich ihn zerstört. Aber nur für mich ist auch nicht, was ich will. Ich will wahrgenommen werden und nur für mich schreiben. Leises Lächtern aus den hinteren Reihen. Das letzte Jahr war viel. Aufregend eher nicht. Zerfressend. Aufschabend. Schutzlos umherirren mit wenig Hoffnung und kurz vor dem Aufgeben. Alles, das zählen darf, ist die Familie. Und ich. Der Gedanke an mich war verboten. Als würde man das eine ohne dem anderen abschließen können. Zeit für sich. Energie für sich. Blick für sich. Introperspektive. So viel Zeit totgescrollt, weil ich mich nicht mit dem Leben beschäftigen wollte. Aber ich kenne jetzt wirklich gute Angebote, die schon längst nicht mehr relevant sind.

Unterscheiden was wichtig ist und was nicht. Dinge nicht teilen. Das habe ich nie trainiert. Ich habe weg geschoben. Der Rest stand zu meiner unbeschränkten Verfügung. Im Nachhinein kann man sich alles schön reden. Im Nachhinein. Aber Wiederholung ist super. Ich mag Wiederholungen. Außer bei Filmen. Oder Serien. Einmal schauen reicht. Meist. Und kippe ich wieder rein, kann ich nicht mehr aufhören. Nicht ideal. Aber man arbeitet mit den Dingen, die man bekommt.

Von Weihnachten bis Silvester mit Verkühlung im Bett und das schmerzende Gefühl, die Schuld dafür zu bekommen. Warum eigentlich. Woher kommt das. Und warum überhaupt Schuld. Sind wir nicht frei. Frei wie die Vögel, die erfroren vom Himmel fallen. War dann doch zu weit. Mein Büro ist links hinten offen und ich verstehe jetzt Fengshui. Wenn man ständig angespannt ist, weil es nicht meins ist, sondern ich nur geduldet werde. Das Leben als gegenseitige Duldung. Vielleicht kann ich irgendwann eine Türe einbauen. Oder in ein anderes Zimmer. Oder wir ziehen um. Ans Meer. Das mit der Stadt habe ich schon größtenteils aufgegeben. Immer die kleinen Worte. Größtenteils. Wie ich mich selbst anlüge. Aber nicht die anderen. Zuerst mich. Durch mich die anderen.

Kannst du dich noch erinnern. Kryptomanisch. Ja, das sind die Zeilen, das sind die Worte, das sind die Buchstaben und die Sätze. Nur ein bisschen zu wenig. Für mich und alle anderen. Ich habe mich jahrelang versteckt. Weil ich das Gefühl hatte, Dinge falsch zu machen. Und vielleicht habe ich es auch. Und wenn schon. Jetzt treffen die Konsequenzen nicht mehr nur mich, sondern ich reiße gleich noch meine Familie mit in den Abgrund. Großartig. Und dann sagen sie, man könne mit Worten keine Ironie, keinen Sarkasmus übertragen. Ich muss noch immer nachschlagen, welches Wort, was bedeutet und dann schreibe ich doch beide, weil ich zu faul war nachzuschauen und der Bedarf nur in meinem Kopf als relevant beanstandet wurde. Nur, weil der Kopf alles ist. Mein Kopf alles ist. Es findet nur dort statt. Wenn meine Augen den Fingern folgen, wissen sie nicht, wie sie beschaffen sind. Lediglich die Repräsentation von Lichtimpulsen. Vorgefiltert und in zuckende Gehirnmasse umgewandelt.

Ich möchte wieder offen sein.

Wiederfindung

„Hast du mich vergessen?“
„Ja. Manchmal. Kann man jemanden manchmal vergessen? Ich weiß es nicht. Du fehlst mir. Nachts. Manchmal tagsüber. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, möchte ich mich zu dir setzen. Eine Zeit lang schweigend da sitzen, dann dir zuhören, manchmal nicken und sonst nichts.“

Mein Leben macht keine Pausen mehr. Ich lasse keine Pausen zu. Ständig tickt etwas, entweder ich muss etwas machen oder jemand möchte etwas von mir. Es ist meine eigene Verantwortung. Natürlich. Aber ich schaffe es nicht. Ich habe Angst. Angst, Dinge kaputt zu machen, wenn ich das auch noch bemängle. Und dann platze ich. Weil ich zu lange gewartet habe. Die meiste Zeit bin ich ein Pulverfass, das bei der kleinsten Erschütterung explodiert. Ich lösche mich selbst, bin für den Rest des Tages aber nicht mehr zu gebrauchen. Muss meine Einzelteile zusammensammeln, während ich schon wieder übergebe, weil ich die Dinge nicht fangen kann, die mir zugeworfen werden. Es überrascht mich, wie gut ich trotz allem funktioniere. Ich bin unsortiert und ziellos. Meist ist das auch in Ordnung. Entscheidungen spontan treffen, sich von den Möglichkeiten, die sich bieten treiben lassen. Manchmal wünsche ich mir mehr Stabilität. Bald wieder Tabletten. Nichts starkes, nur ein Ersatz, der bestimmte Hormonproduktionen auf Normalniveau bringt, weil mein Körper sich nicht selbst darum kümmert. Die ersten Tage nachdem sie fertig waren, habe ich keinen Unterschied bemerkt, inzwischen ertappe ich mich wieder öfter, dass ich mich verstecke und Dinge aufschiebe, die mir normalerweise Spaß machen. Anfangen war schon immer schwierig, aber nicht so schwierig.

Sowohl im Wohnort als auch an der Universität habe ich Dinge aufgebaut, die mich in eine interessante Position bringen. Erst unbewusst, inzwischen wird es mir klarer. Ich finde es spannend und fordere heraus. Macht durch Reichweite. Meine Energie wäre woanders wahrscheinlich sinnvoller investiert.

„Was bedeutet sinnvoll?“
„Darf ich mich an dich kuscheln?“

Es bleibt nicht viel Platz neben dem Kind. Nicht im Kopf, nicht im Bett, nicht in der Zeit. Das gehört dazu. Ich habe mich damit abgefunden, denke aber manchmal daran, wie man es etwas lockern könnt. Also, ich fantasiere, dass es sich von alleine verändert. Es ändert sich auch vieles ständig.

Der Abschluss steht seit einem Jahr vor der Türe, aber ich mache nicht auf. Weil ich faul bin. Weil mich das Thema dann doch nicht so sehr fesselt wie alle anderen Dinge, die herumschwirren und ich gut im Verdrängen bin. Irgendwas historisches. Mit Medien und Angst und Krankheit. Eine Seite voller Notizen, aber keine Recherche. Die würde mich vielleicht fesseln und dann würde ich nicht mehr loslassen und das fertig machen. So der Plan. In den nächsten Tagen mache ich das. Ich reserviere mir zwanzig Minuten und dann suche ich einmal quer durch. Dann schreibe ich dem Betreuer und dann mache ich das fertig. Einfach so. Und wenn ich dann aufwache, werden es andere Dinge sein, die meinen Schweiß ausbrechen lassen.

„Bis bald.“

abgrundtief.txt

[lightgrey_box]Projekt *.txt | Das dritte Wort | Beiträge aller Autor_innen[/lightgrey_box]

„Ist doch nicht schlimm“, sagt er. Ich unterdrücke alles was ich nicht schaffe zu sagen. Die Tabletten liegen auf dem Boden der Toilette verteilt. Sie aufzuheben ist keine Option. Ich drehe mich um und gehe langsam zurück. Jetzt nichts anmerken lassen. In mir kocht alles und ich friere. Angespannt, Tränen unterdrückend. An der Klassentüre fragt mich Gringone, ob alles in Ordnung ist. Kurz den Kopf nach unten ziehen und weitergehen. Er weiß, dass nichts in Ordnung ist, aber auch, dass er im Moment nichts daran ändern kann.

Am Nachmittag liege ich auf dem Geländer des Balkons und höre Musik über Kopfhörer. Tränen laufen über meine Wangen und ich würde mich gerne fallen lassen. Ein Stockwerk auf die Wiese würde mich wahrscheinlich nicht einmal ins Krankenhaus bringen. Vielleicht wenn ich es auf die Steinplatten schaffe, mit dem Kopf voraus. Aber das ist alles zu unsicher und für mehr habe ich keine Kraft. Also bleibe ich liegen. Wie so oft. Einfach liegen und die Welt ausblenden.

Jahre später bekomme ich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Er ist noch im gleichen Schuljahr sitzen geblieben, hat die Schule gewechselt und die dann auch abgebrochen. Zuerst sprudeln all die Erinnerungen wieder hoch. Ich rede mir ein, dass ich darüber stehe. Vergangenes ist vergangen, Menschen ändern sich. Ich nehme an. Die nächsten Wochen werde ich mehrmals gefragt, warum ich ihn noch nicht geblockt habe. Dämliche Kommentare zu meinen Beiträgen und Nachrichten, die versuchen mich runterzumachen. Menschen ändern sich. Ich kenne tolle Menschen, die mich unterstützen. Ich habe plötzlich so etwas wie eine Machtposition. Mit jeder seiner Meldungen, stellt er sich bloß. Öffentlich. Es hilft mir zu verarbeiten, auch wenn es zuerst irritierend wirkt. Irgendwann schreibe ich einen Beitrag, um zu erklären, warum er bisher nicht geblockt wurde. Dann blocke ich ihn.

Alles hätte eleganter gelöst werden können. Aber tief eingebrannte Emotionen.

Heute geht es mir besser. Die Erinnerung bleibt.

Verplanung

Ich habe soeben die Kaninchen in den Stall gebracht. Die Rollo sind schon seit Mittag herunten, damit ich weder gebraten noch geblendet werde. Der Computer hat sich vor kurzem auch beschwert. Stumm. Indem er einfach ausblieb. Ob es von der Hitze kam oder von den gehäuften Stromausfällen der letzten Tage, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür habe ich mir neue Kopfhörer bestellt. Importiert aus China, weil ich denen mehr traue, als den Untermietern beim lächelnden Händler. Bis zu drei Wochen dauert es. Ich hoffe, dass es kürzer ist. Es ist eines der wenigen Dinge in meinem Leben, bei dem ich derzeit hoffe, dass die Zeit schneller statt langsamer vergeht.

Dienstags und Donnerstags bin habe ich je ein Seminar in der Uni. Ich brauche sie nicht für meinen Abschluss, aber sie geben mir Struktur und sind inhaltlich interessant. Mit Fahrzeit ist ein halber Tag verbraucht. Man kann Tage nicht verbrauchen. Nur für unterschiedliche Dinge nutzen. Morgens ist es meist neun bis wir mit dem Frühstück fertig sind. Um zwölf gibt es Mittagessen, um drei Kaffee und um sechs Abendbrot. Ich genieße die gemeinsame Zeit. Aber sie zerstückelt meine Tage. Zwei Stunden am Vormittag, vier am Nachmittag. Vierunddreißig Stunden, wenn jeder Tag genutzt wird. Am Montag brachte ich das Kaninchen zum Tierarzt und durfte mich mit dem Telefonanschluss beschäftigen. Nachmittags einkaufen. Ich sollte mir nicht so viele Gedanken über Zeit machen.

Die Stelle an der Uni ist bisher entspannt. Vor allem, weil ich die Aufgaben vor mir herschiebe. Dem Druck im Kopf tut es nicht gut. Ich überarbeite unterschiedliche Dokumente und versuche Struktur hineinzubringen. Dann habe ich noch ein Werkzeug getestet. Morgen wieder Teamsitzung. Ich bin schlecht vorbereitet. Nicht sehr schlecht. Dennoch sträubt es sich in mir. Das ist ein Problem. Ich mag das akademische Arbeiten, aber ich komme nur selten zu einem Gefühl, dass es fließt. Wahrscheinlich werde ich ein weiteres Semester als Bachelor studieren. Quasi Stillstand. Eine winzige Schraube ist ins Getriebe gefallen und nun knirscht alles. Kurz vor dem zerbersten.

Der große Konzern findet gut, was ich schreibe und ich darf ein weiteres Semester mit großer Freiheit Dingen nachgehen, die mich interessieren. Ich bin froh darüber und habe viele Pläne. Doch dann passiert wochenlang nichts. Ich sitze da und warte. Das ist nicht besonders klug von mir. Nein, das ist es nicht. Wer wird denn gleich wahnsinnig werden. Dafür gibt es keinen Grund. Alles ist wunderbar. Ich habe diese Freiheit und ich sollte sie nicht vergeuden. Freiheit. Freiheit. Das ist mir doch wichtig. Ich will diese Freiheit behalten. Ich möchte sie vergrößern. Sie ausleben. Sie verschlingen. Manchmal spiele ich am Computer. Es erfüllt mich nicht.

Nebenbei kleinere Projekte. Technische Umsetzung. Ich bin gut darin. Mich selbst überraschend. Und niemand meckert darüber, dass ich das doppelte Verlange. Meine Zeit ist wertvoller geworden. Es wird gewürdigt. Solange ich mich nicht darum kümmern muss, dass sie zu mir kommen, ist das auch toll. Zurückdenkend habe ich mich dabei erstaunlich selten aufgeregt. Anders als früher. Als ich viel fluchte. Heute fluche ich in anderen Situationen. In Situationen, in denen es wichtig wäre nicht zu fluchen. In denen ich ruhig sein sollte. Beruhigend. Aber ich bin beunruhigend. Ich bin der Wahnsinn, der alles kaputt macht. Macht mich kaputt. Mehr Punkte. Abfall.

Das große Projekt mit den tausenden Menschen, das ich noch voller Energie an mich gerissen habe, als sich die Möglichkeit ergab. Nicht mehr auf andere angewiesen sein. Das wollte ich. Machen können was und wie ich es für richtig halte. Und nun liegt es da und blickt mich Nacht für Nacht erwartungsvoll an. Das arme Dinge. Ich habe die Entwürfe an der Wand hängen. Es sollte großartig werden. Aber ich sehe momentan keinen Platz dafür. Bald ist es zu spät.

Schließlich habe ich wieder begonnen zu programmieren. Es macht mir Spaß und ich bin soweit, dass ich einschätzen kann, dass ich noch sehr lange brauchen werde, um die Werkzeuge zu bauen, die mir durch den Kopf schwirren. Aber ich habe sie in ihrem Kern schon im Einsatz. Nun muss ich sie nur noch für andere nutzbar machen. Und mich dafür reich beschenken lassen. Damit der Druck verschwindet. Der Druck, der trotzdem da ist. Der mich nicht ruhen lässt. Der mich immer wieder einholt, meine Temperatur nach oben treibt und den Atem verkürzt.

Ich möchte mehr schreiben. Zeit mit Freunden verbringen. Respektiert werden.

Wartungshaltung

Mein Körper und mein Kopf brauchen etwas. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was sie brauchen, aber die Frage ist ein Anfang. Sie brauchen etwas und ich werde herausfinden was es ist.

Schreiben hat mir immer geholfen meine Wünsche, Ängste, Ideen und was sonst noch da war, aus den Synapsen rauszubekommen. Die letzten zwei Jahre habe ich fast nichts geschrieben. Das ist ein Problem. Für mich. Tausend kleine Sätze. Einer nach dem anderen. Und immer mehr. Und mehr. Wo war ich? Ja, genau. Da hinten war noch etwas. Das muss jetzt auch weg. Ich muss die Gedanken wieder strecken. Sie nicht abnicken und durchwinken. Sie sollen stehen bleiben, sich neben mich setzen und mich an ihnen teil haben lassen. Gemeinsame Wege finden für die Dinge, die nicht sind. Die man will. Vielleicht. Es muss nicht immer alles.

Dinge ausprobieren. Nicht nur die neuen und glitzernden, sondern auch einmal etwas verstaubtes. Altehrwürdige Gebäude. Und wieder holt mich die Vergangenheit ein. Die Dinge, die ich kann, die möchte man von mir haben. Dabei kann ich sie gar nicht. Dabei will ich etwas neues machen. Und dann flüchte ich mich wieder ins Bekannte. Dort macht man weniger Fehler. Das kann es auch nicht sein.

Ich lenke vom Problem ab. Die Überforderung, die kurzen Nerven, die häufigen Ausbrüche. Mir ist nach heulen. Aufstehen mit einer langen Liste im Kopf. Mit jedem Schritt, jedern Handlung, fallen die Dinge runter. Ich kann nicht mehr behalten, was ich will. Stolpere herum. Schlage mich an. Habe in allen Bereichen das Gefühl nicht zu reichen, mehr machen zu müssen, zu versagen. Ein Elend, das sich selbst auch noch Leid tut, wofür es sich hasst. Da bleibt nicht mehr viel. Aber immer funktionieren. Gerade so. Gerade so, dass die Welt nicht auseinanderfällt. Angst vor Auseinandersetzung, Angst vor Veränderung. Der einzige Weg macht mehr Angst als abzustürzen. Sitzen bleiben, liegen bleiben, wegschauen. Nicken. Immer nicken. Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht weiter.

Liebe Menschen, die mir zulächeln, Kraft geben. Ihr tut gut. Danke.

Die Menschen, die ich treffe, sind nicht die, die mir wichtig sind. Manche wären nur ein paar Stunden entfernt, andere eine Tagesreise. Fuck. Ihr fehlt. Weder Zeit noch Geld nach England oder in die Schweiz zu fliegen. Dabei seid ihr schon in den Staaten und in Hong Kong. Ihr macht das toll. Ich weiß nicht, was ich will. Drei gute Tage in Berlin. Wann werde ich euch wiedersehen? Warum schreibe ich nicht einfach eine Mail? Ich telefoniere nicht gerne. Ich möchte nicht aufdringlich sein. Vielleicht nehmt ihr mich auch ganz anders wahr, als ich euch.

Keine Ziele, nichts zum Klammern. Ich laufe auf der Stelle. Hüpfe und falle. Ich muss wohin, weiß nicht wohin. Weiß nicht. Das soll mich nicht zerbrechen.

Ich möchte dich nicht enttäuschen. Ich möchte mich nicht enttäuschen.

Auf der Suche nach Fragen.

wünschen.txt

[lightgrey_box]Projekt *.txt | Das zweite Wort | Beiträge aller Autor_innen[/lightgrey_box]

Ich hole mir Unterstützung meiner vergangenen Selbst. Dankenswerterweise habe ich mir Anregungen in Form von Textfragmenten überlassen, auf die ich nun zurückgreifen kann.

Wie materialistisch. Dabei geht es nicht um den Schaukelstuhl. Viel mehr geht es um die Idee. Ich verbinde es mit Ruhe und Entspannung. Eine gewisse Wärme. Herbstabend oder Kaminfeuer. Gelassenheit wie man sie von Menschen kennt, die schon vieles erlebt haben. Ich verliere mich oft in meinem eigenen Sog, ziehe mich runter und falle schreiend. Der Schaukelstuhl ist das Gegenteil. Gleichmäßige Bewegung. Gleichmäßiges Atmen. Lächeln.

Tatsächlich materialistisch. Der Computer ist meine Verbindung zu den meisten Menschen, die mir wichtig sind. Zugleich Arbeitsgerät. Freizeitbeschäftigung. Und alles dazwischen. Ich verbringe so viel Zeit mit dem Computer, sodass ich ein zuverlässiges und schnelles Gerät möchte.

In mir lodert immer wieder etwas auf. Ich gebe mir Mühe es klein zu halten. Manchmal schiebe ich es weg, manchmal beschäftige ich mich damit. Die Auslöser sind unterschiedlich.

Menschen und die physische Distanz zu ihnen verfolgt mich seit Jahren. Von Tirol nach Wien. Von Wien nach Paderborn. Und schon zuvor Menschen auf der ganzen Welt. Danke Internet. Ich bin dankbar diese Menschen zu kennen, aber es gibt auch genügend Momente, wo ich mir wünschte sie wären näher. In meinem Kopf sieht das wie ein Dorf aus, wo alle tollen Menschen leben. Komplett unrealistisch.

Ein neuer Wunsch. Ich hatte meist viel Zeit. Dann kam das Kind. Es ist verglichen mit anderen immer noch viel Zeit unverplant. Dennoch fehlt die Lockerheit, die mir eine Woche ohne jeglichen Terminen und Verantwortungen gab.

Quasi ein Schaukelstuhl. Im Alltag Dinge sehen, die ich sonst überlaufe. Kurz innehalten und sich erfreuen. Gelassenheit, Freude, Liebe.

Ein Wunsch, der in Erfüllung gibt und mich jeden Tag glücklich macht.

Manchmal möchte ich nur leben. Ohne Ziel. Aber nicht immer.

Gratwanderung.txt

[lightgrey_box]Projekt *.txt | Das erste Wort | Beiträge aller Autor_innen[/lightgrey_box]

Es ist dunkel. Und kalt. Ich ziehe mir die Mütze vom Kopf, weil mein Körper zu überhitzen droht. Sie haben mir gesagt, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass Übergänge klar sind, nur weil sie mir offensichtlich erscheinen. Ich muss Dinge aussprechen und ausschreiben. Darin bin ich schlecht. So viel lieber. So viel lieber würde ich nur Wortfetzen um mich werfen und dennoch von allen verstanden werden. Das funktioniert aber nicht. Vor allem nicht in der Welt, in der ich mich momentan bewege.

Kurz nach zwei bin ich aufgestanden. Der Rucksack schon im Auto. Kein Abschied, nur Stille. Auf der Autobahn sind ein paar Fahrzeuge unterwegs, aber sobald ich in den Waldweg einbog, war ich alleine. Unter anderen Umständen würde ich fester zudrücken, aber ich fühle mich eher nach langsamen schlängeln, den Berg umarmen und mich von den Wipfeln lenken lassen. Die Worte stimmen nicht, denke ich mir und biege auf den Parkplatz ein. Zwei andere Autos stehen schon da. Ein weißer BMW und ein blauer Golf. Irrelevant. Jacke anziehen, Stirnlampe auf den Kopf, Rucksack schultern, Mütze tief ins Gesicht. Sobald ich in den Wald komme, hört der Wind auf in die Ärmel zu kriechen. Kein Gezwitscher, manchmal raschelt etwas. Unter meinen Sohlen knirschen Steine und Äste.

Den Stimmen entfliehen, um von den Gedanken erschlagen zu werden. Meine Schritte werden schneller und mein Atem flacher. Das letzte Mal, als ich länger als eine Stunde in Bewegung war, war ein Spaziergang im vergangenen Jahr. Oder war es das Jahr davor? Ich lutsche Traubenzucker. Der Wald wird dünner und ich sehe ein paar Sterne. Sie erinnern mich an das Endlose und Nutzlose.

Die Wut hat mich überrannt. Ich weiß noch immer nicht, ob sie überhaupt kontrollierbar ist oder meine Schuldgefühle nicht zielführend. Sind sie nie. Aber sie machen es leichter sich damit auseinanderzusetzen. Ich hätte Musik mitnehmen sollen. Das ständige Knirschen nervt mich. Mein Atem nervt mich. Die einsetzende Erschöpfung macht mich wütend. Das muss alles nicht sein. Die App hat gesagt, man solle den Gedanken und Gefühlen lauschen, sie aber nicht festhalten, sondern ziehen lassen. Bis da irgendwann nichts mehr ist. Weder Ruhe noch Lärm. Weder Gedanken noch keine Gedanken. Ziemlich unverständlich, wenn man sich nicht von der Logik verabschiedet. Und dann erinnere ich mich, dass die Logik etwas künstliches ist und daher nicht funktionieren kann. Wir haben sie erfunden, um zu verstehen. Vielleicht ist da irgendwann eine Grenze, über die man nicht hinweg kommt. Dann bricht nicht alles in sich zusammen, aber man weiß, dass man anders herangehen muss.

Manchmal muss man die Dinge wörtlich nehmen. Links Abgrund, rechts Abgrund. Vor und hinter mir auch. Abgrund. Aber der ist nicht sichtbar. Vielleicht nur Einbildung. Als wir durch den Schnee gehüpft sind, haben sie uns Anti-Bergsteiger genannt. In ihren Sicherheitsgurten, aneinander gekettet unter Helmen hervorlugend. Wir lachten. Jetzt bin ich allein. Kein Schnee, aber auch kein Seil. Ich schließe die Augen. Ein Schritt, noch ein Schritt. Beim Dritten blinzle ich. Der Pfad ist nicht so schmal, wie ihn mein Kopf macht. Was wohl passiert wenn man abrutscht? Sind es fünfzig Meter? Hundert? Ich bin schlecht im Einschätzen. Gedanken eines Idioten. Zurück zu den Sternen.

Der Grat erscheint endlos. 18 Jahre. Keine Abkürzungen, kein Umkehren, keine Entscheidungen. Ich sehe nach hinten. Nach dem Wald kam eine Quelle. Das Wasser so erfrischend. Für einen Moment wünsche ich mich dorthin zurück. Ich hätte mich hinsetzen und länger genießen können. Dann wäre ich erfroren. Die Bewegung hält mich am Leben, die Sterne zeigen mir den Weg. Die Stirnlampe habe ich abgedreht. Der Mond sichert meine Schritte. Es gibt so vieles, das ich machen möchte. Mein Atem hat sich beruhigt, mein Tempo eingependelt. Ich weiß, dass es ein Ende gibt und ich weiß, dass ich ihm näher komme. Ich könnte auf die Uhr schauen. Sie würde mir von der Zukunft erzählen und mir eine Einschätzung ermöglichen. Sie würde mich auch daran erinnern, dass ich wieder ins Tal muss. Tief einatmen. Rechts Abgrund, links Abgrund. In der Mitte ich.

Glückserlegung

Ich nehme mir etwas vor, freue mich auf etwas und dann klappt es nicht, ich werde ständig unterbrochen, werde wütend, bin unzufrieden mit mir und der Gesamtsituation. Ich nehme mir nichts mehr vor. Alles ist doof und ich versinke langsam in einem faden Sumpf.

Als ich mich dazu durchgerungen habe mit jemanden zu sprechen, habe ich die Person angeschrieben, der ich vertraute, und um eine Empfehlung gebeten. Ich wurde abgewimmelt. Vermutlich unabsichtlich. Dennoch ist alles wieder zum Erliegen gekommen. Ich würde gerne, aber habe nicht die Kraft jemanden zu suchen.

Nächste Woche geht die Uni wieder los. Zu oft habe ich in den letzten Monaten erzählt, dass mich das erste Semester begeistert hat, das zweite war noch in Ordnung und das kommende dritte fühlt sich nur noch wie lästige Arbeit an. Dafür habe ich dann endlich meinen Abschluss. Gerade mal die dreifache Zeit gebraucht. Lediglich die Abschlussarbeit macht mir noch Sorgen. Der Professor, der sich anbot, hat ein passendes Thema vorgeschlagen, aber ich habe mich ein Semester lange nicht gemeldet und habe Angst, dass die Dinge sich geändert haben. Das Verhältnis ist grundsätzlich schwierig. Aber ob ich innerhalb eines Semesters jemand anders finde, ist auch nicht einfacher. Und dann könnte es erst recht zu einer unangenehmen Situation kommen. Dinge, mit denen ich mich nicht beschäftigen möchte.

Früher bin ich nachts wach gelegen und habe über Dinge nachgedacht, mit denen ich mich untertags beschäftigt habe. Zumindest bilde ich mir das ein. Heute liege ich wach und versuche das Leben so weit wie möglich wegzuschieben und verliere mich in Fantasien. Macht über die Elemente ist ein wiederkehrendes Motiv. Ich weiß nicht woher es kommt. Aber über kurz oder lang kommt es immer zu einem Zusammenspiel mit der Gesellschaft.

Ich bin unbefriedigt. Tümple am Abgrund entlang und habe keine Kraft zu rudern.

In den depressiven Phasen kann ich nicht identifizieren was mir gut tut und was nicht. Alles ist schrecklich.

Ein lächerliches Bild mit übergelegtem Text. Motivation ist unbeständig, Disziplin nicht. Ziele setzen. Ziele verfolgen. Nicht in den Tross verfallen. Fragen stellen, in Frage stellen, wenn die Energie hoch ist. Weiterkämpfen, wenn sie es nicht ist. Ich möchte, dass es Frau und Kind gut geht.

Es nervt mich wenn das Kind schreit, mir Dinge wegnimmt, mich vom Schreiben abhält.

Wutbruch

So viel Wut. Über jede Kleinigkeit. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Was aber, wenn es eine Möglichkeit gäbe sie zu ändern. Aber die Möglichkeit nicht verhältnismäßig ist. Der Drucker geht nicht. Ich könnte sagen, er funktioniert nicht und es lassen. Aber ich weiß, dass er funktioniert. Ich habe auch eine grundsätzliche Idee, um ihn wieder zum laufen zu bekommen. Ausschalten. Computer neustarten. Treiber löschen und neu installieren. Router rekonfigurieren. Am Ende geht es. Eine Stunde für drei mickrige Seiten verschwendet. Das nächste Mal wird es wieder Probleme geben. Vielleicht. Ich hasse Dinge, die nicht verlässlich reagieren. Es ist in Ordnung, wenn etwas nicht geht, solange es einen klare Reihenfolge von Dingen gibt, die man machen kann, damit es wieder funktioniert. Aber wenn jedes Mal etwas anderes hilft, nervt es. Ich will die Dinge verstehen. Zumindest eine gute Ahnung haben. Menschen sind noch schlimmer. Ohne klarem Interface. Tausende Variablen, die in jedem Moment auf sie einwirken und dann gibt es nicht einmal einen Programmablauf, sondern ein Zusammenspiel von chemischen Konzentrationen und elektrischen Impulsen, die mal besser und mal schlechter funktionieren. Ich will nicht, dass wir alle berechenbar sind. Zugleich macht es mich verrückt. Warum reagiere ich auf den gleichen Input vollkommen anders? Menschen ändern sich. Vor drei Jahren habe ich ruhig gelächelt. Heute trete ich gegen die Wand, stampfe auf oder schlage die Faust auf den Tisch. Meine Verfassung ändert sich minütlich und an fast jedem Tag gibt es Momente, an denen ich an der Klippe stehe. Alles hinwerfen. Alles hinwerfen. Niemand ist schuld. Alle sind schuld. Es funktioniert nicht.

Der Lüfter des Laptops ist zu laut. Vielleicht gibt es einen alternativen Treiber, ansonsten könnte man einen Widerstand einlöten. Oder einen neuen Laptop kaufen. In den Keller laufen und den Desktop verwenden. All die Energie, die allein in die Überlegungen fließt. Treiber suchen kostet viel Zeit und hat minimale Erfolgsaussichten. Widerstand einlöten ist aufwändig, erfordert noch mehr Recherche und es gibt das Risiko, dass dann gar nichts mehr funktioniert. Kaufen kostet Geld, das man woanders einsparen müsste oder durch Vermietung meines Könnens und Zeit verdienen. Manchmal schleift der Lüfter. Die Tastatur klackert auch. Jeder Buchstabe regt mich auf und im Moment ist das Tippen das einzige, das mich davon abhält.

Immer wieder Dinge wegräumen. Wegräumen. Wegräumen. Das Kind schreit. Mir ist zu heiß. Die letzte Prüfung ist vorbei. Die Entspannung setzt sicher bald ein. Zu viele Beiträge regen mich auf. Menschen, die ich einmal geschätzt habe. Vielleicht nie wirklich. Vielleicht habe ich mich nur an sie rangeworfen, weil ich dachte, dass sie toll sind oder es mir etwas bringen würde. Keine Ahnung. Ich versuche beim ersten Aufregen zu entfernen. Doch dann kommt das nächste. Der Ort, der früher Rückzugsort war, ist heute voller Tretminen. Haben sich die anderen verändert oder habe ich mich verändert? Ich weiß es nicht.

Ich möchte meine Frau nicht ankeifen. Ich möchte nicht mit meinem Kind schreien. Ich möchte mich nicht über alles aufregen.

Verknüpfungsflucht

Ich hatte immer Angst beitragsübergreifende Geschichten zu erzählen. Weil sich Menschen darin wiederfinden könnten und ich zahlreiche Logiklücken aufreißen würde. Momentan würde ich gerne über den Professor schreiben, der seine Stimmung fast minütlich ändert und dazu eine ziemlich direkte Art hat. Oder die Arbeitsgruppen, die ich nicht einschätzen kann. Unklar ob sie sich sozial erwünscht verhalten oder nicht anders können. Vorwürfe ich würde andere nur benutzen. Dazwischen viel Einzelkampf. Für mich in Ordnung. Für die Gesellschaft nicht förderlich.

Ich sitze im Bus. Andere wollten in eine Stadt wo sie niemand kennt, um sich wieder frei zu fühlen. Ich möchte nur wo schreiben wo mich niemand kennt, aber ihr mich alle lesen könnt.

Verklickerung

Nicht mehr die Gedanken mit Informationen ertränken sondern sie in Worte packen und in die Welt hinauswerfen. Jede freie Minute verwenden um Neues zu schaffen. Jeden Moment genießen. Sich nicht schämen für die Dinge die man gerne macht. Die kurzen Sätze kommen einem Schreiben unterwegs entgegen. Im Bett. Im Zug. In der Uni. Beim Essen. Beim Gehen. Beim Warten. Ich.

Der Glanz des nicht erhaltenen Jobs lässt nach. Ich brauche viel Zeit für mich und immer mehr für die Familie. Manchmal habe ich Angst, dass für mich nichts mehr bleibt. Oder dass sie gefangen ist. Wir sind uns ähnlich. Vielleicht nehme ich mir zu oft was ich brauche. Vielleicht geht es gar nicht anders. Ein schöner Gedanke aus einem anderem Zusammenhang: Es geht nicht darum, dass irgendwann alles passt sondern, dass wir dir ständige Entwicklung leben.

Mir macht vieles Angst. Ich bin mir unsicher. Ich weiß nicht wohin. Trotzdem stolpere ich weiter.

Atempflicht

Es gibt genügend Dinge vor denen man Angst haben kann. Das Leben ist keines davon. Und die Menschen darin noch viel weniger. Manche mögen mich, andere mögen mich nicht. Manche hassen mich. Ich lächle. Es wäre einfacher, wenn alle alle toll finden würden. Aber ich finde auch nicht alle toll. Sie machen Dinge, die mich aufregen. Sie machen Dinge, wegen denen ich neidisch bin. Meistens wegen der Reaktionen der anderen. Spielt keine Rolle. Keine Nahrung haben ist schlimm. Keine Fantasie haben ist schlimm. Keine Freiheit haben ist das schlimmste. Niemand ist frei. Wir sind eingebunden in Gefüge. Wir können zu nichts gezwungen werden. Dann wählen wir den Tod und verlieren alles. Alles. Doch zuvor können wir von vielen Dingen rausspazieren. Nicht mein Problem. Habe nicht darum gebeten. Wollte nicht. Was die anderen in mir sehen. Anpassen oder angepasst werden. Bis man an ihren Köpfen schraubt. Schau her, diese Maske trage ich nicht mehr. Du hast sie bemalt, aber sie gehört dir nicht. Ich gehöre dir nicht. Das ist nicht aggressiv gemeint, aber ich fürchte viele können damit nicht umgehen. Menschen ändern sich. Menschen werden echt. Oder nur anders. Anders. Im Kreis laufen geht auch. Priviligiert. Sich dessen bewusst sein ist wichtig, deshalb seine Möglichkeiten nicht ausschöpfen nicht. Sechzehn Stunden um die Welt zu verändern. Neunundzwanzigtausend Anläufe. Nie mit den gleichen Vorraussetzungen. Ständiges Scheitern. An sich selbst und der Welt. Das ist Leben. Einmal durchatmen und alles verliert seine Größe.

Wunschtun

Ablenkung ist einfach. Informationen, die jeden Gedanken überfluten und mit einfachen Emotionen und neuen Überlegungen in ein Archiv drängen, wo er in Ruhe auf seine Auflösung warten kann. Die Frage nach dem Weg. Und dem Ziel. Ich lasse mich treiben, Entscheidungen nur vor Klippen. Es funktioniert, aber macht nicht zufrieden.

Da ist Erfolg. Was ist Erfolg? Ich möchte, dass die ganze Welt mich kennt. Mich respektiert. Idiotisch. Ich will Geld, um Dinge zu ermöglichen, die ich gut finde. Vageisch.

Begonnen zwei Listen zu erstellen. Dinge, die ich machen muss. Aufgrund von getroffenen Entscheidungen. Dinge, die ich machen will. Weil.

Nicht einmal das Schreiben fühlt sich komplett an. Ständiger Zustand des Fast. Aber nicht ganz. Zumindest die Tastatur. Die ist gut. Damit kann man arbeiten. Da fühlt es sich schon gut an, wenn man nur komisch darauf herumtippt. Das Wissen, dass man nie der Beste sein wird, die Dinge nie perfekt machen kann, nagt. Stört. Den Prozess selbst, weil es den Kopf beansprucht. Ablenkt. Nachts wach liegen und am Tagesrückblick verzweifeln. Zeit mit dem Kind. Das darf. Das geht. Den Rest vernachlässigt. Letzte Woche wieder Lob. Aber es hilft nicht. Ich brauch mehr. Etwas anderes. Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich weiß nicht einmal zwischen was. Gibt es verschiedene Optionen oder spielt es gar keine Rolle mehr, weil ich sowieso nur mache und nicht wähle. Eigentlich gar nicht mache. Viel mehr abwarte. Dass das alles irgendwie funktioniert.

Plötzlich der Wunsch mit einem anständigen Zehnfingersystem zu schreiben. Leises Lachen. So langsam. Aber die beleuchteten Tasten sagen ich darf sie nur mit jenen Fingern bedienen. Kürzere Wege. Möchteliste.

Der Job, den ich nicht bekommen habe, braucht ein abgeschlossenes Studium. Mussliste. Bis zum Sommer. Bis zum Herbst. Ob es sich ausgeht steht noch nicht fest. Nichts steht fest. Das Studium stand bisher auf der Möchteliste. Spaßliste. Tunliste. Ziellos, aber mit gutem Gefühl.

Die Arbeit. Mussliste. Vermutlich mehr Stunden als ich zugebe, als ich behaupte, weil ich immer mehr mache. Weil ich mein Leben auf diese eine Sache ausrichte und meine Hobbys anpasse bis nichts anders mehr Spaß macht.

Wieder radgefahren. Nur ins Dorf. Nach etwa zehn Minuten schlapp gemacht. Vielleicht ein Kilometer. Achtzig waren früher ganz in Ordnung. Mussliste.

Schreiben steht nirgends und zugleich habe ich das Gefühl, dass es das einzige ist das mir hilft meine Gedanken irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Das einzige, bei dem ich nicht sofort einen Weg finde sie zu erwürgen.

Bewerten. Alles. Ob es gut tut oder nicht. Ob es nervt. Auswertung. Möchtenliste. Ideenliste.

Zwei Stunden pro Tag. Funktioniert nicht. Unsicherheit. Die Nacht vielleicht? Das schlechte gewissen Dinge zu tun, die mir Spaß machen. Dämlich. Gefühle. Chaos.

Alleine war einfacher. Nicht schöner.

Ichung

Sie atmet laut. Kein Schnarchen, nur ein intensives Ein- und Ausatmen, das rauscht. Vielleicht weil ihre Nasenöffnungen noch so klein sind, vielleicht weil sie etwas aufregendes träumt. Ich sollte auch schon träumen. Immer wieder öffne ich die Augen und beobachte ich sie in der Dunkelheit. Vom Gang scheint etwas Licht herein. Als wir noch nicht wussten, wie sich alles entwickeln wird, wir nur ein Schwarzweißbild mit einem kleinen, dunklen Fleck in Händen hielte, sprachen wir oft darüber, wie wir wohl stundenlang neben dem Bettchen sitzen würden und uns an dem gleichmäßigen Auf und Ab des Brustkorbes erfreuen würden. Das sanfte Aussehen, wenn sie schlafen. Morgen ist eine größere Prüfung. Vielleicht die umfangreichste, die ich bisher geschrieben habe und zugleich eine von denen, die ich für nicht besonders wichtig halte. Dennoch muss ich sie positiv absolvieren. Die letzten Tage habe ich daher tausende Seiten Skript und Folien gelesen. Ich war bei den meisten Vorlesungen anwesend und habe das Tutorium besucht. Es wird dennoch eine Prüfung für mein Kurzzeitgedächtnis. Eine Woche, fokussiert vermutlich nur vier Tage. Und dann muss alles in einer Stunde wieder heraussprudeln. Den Stoff bin ich durch. Nun sollte ich schlafen. Vor mir dieses wunderbare kleine Wesen. Ich rücke etwas näher, sodass sich unsere Körper berühren. Sie ist warm und sieht so glücklich aus. Ich war unter ständiger Ladung. Es hat sich über Wochen aufgebaut und ich würde es nicht einmal auf die Prüfung reduzieren. Ich habe geschrien und geflucht, Dinge getreten und schreckliche Gedanken gehabt. Wie ich so liege ist der Druck ganz fern. Ich bin voller Liebe. Denke an die beste Frau der Welt. Natürlich ändert sich alles. Von der Unendlichkeit der Möglichkeiten wird ein riesiger Teil von einem Moment auf den nächsten ausgelöscht. Das zu realisieren hat bei mir Monate gedauert. Manche Dinge fallen mir erst jetzt auf. Aber was nützen all die Möglichkeiten, wenn man sie nicht ergreift? Was nützt eine Möglichkeit, wenn sie nicht die ist, die man braucht?

Auf dem Kopf ein paar Flusen. Ich küsse ihn behutsam. Wenn der Tag überstanden ist, kann ich mich auf all die Dinge stürzen, die ich weggeschoben habe, weil sie ja nicht wichtig sind. Falsch. Weil sie nicht dringend sind. Ich muss mich selbst wieder in den Griff bekommen. Selbstmitleid ist in Ordnung, Selbstverzweiflung nicht. Selbsthass ist das Stolpern auf der Treppe.

Menschen versuchen mich unter Druck zu setzen. Macht, die nur sie sehen. Sie sehen aus wie kleine Hunde, die wütend in die alten Schuhe beißen. Ihr könnt versuchen mich aus dem Gleichgewicht zu bringen, aber ihr könnt euch nicht auf mich setzen, wenn ich gefallen bin. Euer Gewicht löst sich mit eurem Schreibtisch auf. Meine Werte sind nicht dort, wo ihr sie vermutet. Meine Kraft ist nicht die, die ihr seht. Eure Warnungen sind meine Motivation. Ich flehe euch an, setzt sie in die Tat um und hebt mich auf das Podest. Statt den Kopf zu senken, werde ich lachen und mich an saftigen Tomaten laben. Ihr könnt die große Türe zuhalten, vielleicht fünf weitere versperren. Was wenn ich in ein anderes Gebäude möchte? Eines, das ihr weder von innen, noch von außen kennt? Ich verlaufe mich in den Möglichkeiten und ihr glaubt, es würden alle auf euren Zuruf warten.

Es spielt keine Rolle mehr. Ich habe mich beruhigt und wieder zu mir gefunden. Zu einem Ich, das seit Jahren untergetaucht war. Ein Ich voller Leidenschaft. Das sich vorsichtig umdreht, um dann voller Mut weiterzulaufen. Ein Ich, das verunsichert wurde, weil es verunsichert werden kann. Ein Ich, das daraus Energie schöpft. Nicht stehen bleiben. Nicht verstecken. Aber nicht laut hinausschreien, wo man hin möchte. Glücklich sein. Für die Menschen Zeit nehmen, die man liebt. Hoffnung verbreiten. Schönes tun.

Ich liebe.

Rücklockung

Verbittert, reizbar und aggressiv. Ich weiß nicht woher es gekommen ist. Der Stress. Die Unsicherheit. Die geschlossenen Türen. Direkte und indirekte Umwelt. Alter. Irgendwas. Enttäuschungen.

Früher habe ich mich an meiner Gelassenheit erfreut. Lächelnd zusehen, wie die Welt untergeht. Die Hektik rund um mich glitt an mit ab und ich konnte mich auf die Dinge konzentrieren, die mir wichtig waren. Ich bilde mir sogar ein, dass ich besser zurecht kam, desto chaotischer es rund um mich war. Gefühl von Kontrolle über sich selbst. Ruhe durch Sturm. Vielleicht war mir die Gleichgütligkeit irgendwann zuviel, ich glaubte meiner Umwelt etwas zu schulden. Dass mir die Dinge nicht egal sein dürften und ich mich für deren Dinge interessieren müsste. Zu weit reingekippt. Alles zu wichtig genommen. Falsche Lebensphilosophien chameleonisiert. Perönlichkeit bedeutet Mosaik und manchmal muss man etwas rausstemmen. Auch die Metaphern. Die gehen den Bach runter und reißen alles mit.

Das Kind auf dem Arm begann ich zu erzählen. Was ich mir alles erhoffe, erwarte, wünsche. Ich erinnerte mich und blickte nach vorne. Eine Ruhe breitet sich aus. Es ist nicht alles in der Panik des Jetzt. Stabilisert in der Zeit durch die ständige Veränderung, die nur funktioniert, weil etwas besteht, das verändert werden kann.

Mir können Menschen wichtig sein, ohne dass mir wichtig ist was ihnen wichtig ist.

Hallo Gelassenheit.

Auflucht

Das Gewicht steigt. Jeder Muskel verspannt sich, jeder Knochen ächtzt. Zu lange stabil. Zu lange irgnoriert, was passiert. Ich will ein für meine Frau da sein, für mein Kind, genügend Geld verdienen, um sich nicht ständig Gedanken darüber zu machen, ein aufmerksamer Student und beeindruckender Blogger. Manchmal wäre es auch schön Freunde zu haben. Oder ohne Schuldgefühl etwas ohne konkreten Ziel oder Nutzen zu machen.

Alles hinwerfen. Weglaufen. Flüchten vor dem Sein.

Als ich jünger war, habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin die Straße den Berg hinauf getreten. In den Wald. Zur Stille. Stehenbleiben und den eigenen Atem beobachten. Sich an den Dingen erfreuen, die man nicht beeinflussen kann. Pochender Puls, der sich langsam wieder beruhigt. Sich selbst überraschend losstoßen und mit irrsinniger Geschwindigkeit ins Tal stürzen. Adrenalin, um die letzten Gedanken wegzuwaschen. Über bleibt der Moment. Volle Konzentration, um nicht zu fliegen.

Ich habe mein Leben rund um Auswege geplant. Immer ein Schlupfloch über, um schnell zu verschwinden ohne alles zu verlieren. Plötzlich sind alle verstopft. Sie stinken. Ich möchte nicht einmal in ihre Nähe und es macht mich wahnsinnig. Ich habe ein tolles Leben. Aber ich laufe panisch umher. Nicht fähig allen zu genügen. Alles zu schaffen. Nicht mehr. Ich. Das ist nicht das Ende. Nur eines dieser beschissenen Löcher, in die ich von Zeit zu Zeit falle.

Ich fluche und setz mich in die Ecke. Weitermachen. Fuck.

Jahresübergang

Ein Kind bekommen. Einen Computer gebaut. Ein Büro zum Arbeiten eingerichtet. Wieder begonnen zu studieren. Für das Schreiben regelmäßig bezahlt geworden. Eine Telefonanlage neu verkabelt und den Kopf blutig geschlagen. Zu wenig geschrieben.

Alles ändert sich. Immer. Nichts lässt sich rückgängig machen. Wir sind alle Zeitreisende, die zufälligerweise mit der gleichen Geschwindigkeit um einen Stern rotieren. Manches fühlt sich zu schnell an, anderes zu langsam. Nachts liegen wir wach und grübeln. Es war ein schönes Jahr. Ein wildes Jahr. Begonnen mit Sorgen um das kleine Wesen, geendet mit gemeinsamen Schnarchen, während Frau Wunderbar am Fenster stand und uns vom Feuerwerk erzählte. Die Erinnerung an früher verschwimmt. Wir ändern uns. Immer. Ich wache auf und lächle. Es fühlt sich gut an. Das Kind schmiegt sich zwischen uns, unsere Arme berühren sich. Später gehen wir laufen.

Pausendrang

Alles galoppiert. Ich bin noch. Versuche noch. Immer mehr. Und stolpere viel. Aufstehen und mit heißem Wasser die Nacht wegwaschen. Statt Schlaf gibt es momentan vor allem ausgiebiges hin- und herdrehen. Manchmal schreit das Kind. Öfter meckert es lediglich etwas und rollt selbst herum. Reicht jedoch aus, um wach zu bleiben und sich Gedanken zu machen. Für die Universität muss ich meine Satzkonstruktion rekonfigurieren. Sie müssen länger werden, nicht nur abgehackte Fragmente. Wenn man jahrelang jedes überflüssige Wort ausgemerzt hat und jeder zweite Satz sich im Vorfeld vom Prädikat verabschiedet hat, ist das Vorhaben eine gewisse Herausforderung. Zugleich möchte ich nicht unnötig lange Konstruktionen zusammenleimen, die am Ende mehr Verwirrung als Klarheit stiften. Manchmal Frühstück, manchmal Kind füttern. Da war das Übersprungsmonster schon wieder. Ein paar Unterlagen zusammensuchen und in den Rucksack packen. Zumindest drei Kleidungsstücke finden, die mich den Tag über begleiten sollen und anschließend wieder ins Badezimmer. Mit den harten Plastikfäden die weißen Steine im Mund bearbeiten. Vielleicht fehlen mir auch manchmal die Übergänge, die den Leser von einem Gedanken zum nächsten führen. Ein Kuss für die Frau und einer für das Kind. Den Hügel hinunter zur Haltestelle. Es ist kalt. Zwei kleine Bäche, die ich überquere. Ich warte darauf, dass ihre Ufer zufrieren. Wahrscheinlich vergeblich. Ich bin nicht mehr in Tirol. Im Bus den Text als Vorbereitung für die erste Veranstaltung lesen. Umsteigen, aussteigen, zum Seminarraum gehen. Eine kurze Suche nach dem Subjekt und wir kehren zum Tagesplan zurück. Anschließend Mittagspause. In der ich mich jetzt befinde. In der dieser Text entsteht. Gerade noch in der Mensa und die restliche Zeit im Aufenthaltsraum. Nach Möglichkeit ein paar Dinge erledigen und mich auf die zwei bis drei kommenden Seminare vorbereiten. Am Ende wieder zum Bus. Auf der Heimfahrt nutze ich die Zeit meist, um die Gedanken fliegen zu lassen. Ohne konkreten Ziel. Mal hierhin, mal dorthin. Gerne im Kreis. Gerne im Kreis. Gerne. Wenn mir Frau Wunderbar Essen in die Küche gestellt hat, muss ich dämlich grinsen. Wegen der Rollenbilder und der Freude. Vor dem ins Bett fallen noch das Kind tragen. Die Nähe gut tut.

Drei Tage pro Woche.

Textformant

Gute Texte brauchen Zeit. Wie Gemälde und andere Kunstwerke. Der schnelle Text kann gut sein, aber in den meisten Fällen hat er brüchige Stellen und fällt bei intensiver Nutzung auseinander. Texte müssen ruhen und abgeschmeckt werden. Geschluderte Texte sind näher. Manchmal.

Ich habe mir schon lange nicht mehr die Zeit genommen einen Text zu überarbeiten. Einmal nach dem schreiben durchlesen und die offensichtlichen Dinge ausbessern. Aber dann rauswerfen. Damit ich ihn nicht wieder in die Schublade lege und er für immer verborgen bleibt. Angst.

Manchmal würde ich gerne eine große Geschichte schreiben. Mehrere hundert Ideen, die ineinander greifen, statt dieser kurzen Ausschnitte, die ich rücksichtslos an die Luft setze. Mir fehlt die Geduld beim wachsen zuzusehen. Tag für Tag an das gleiche Epos denken und es aus dem Kopf ziehen. Bis sich auch andere daran erfreuen können. Ich habe es noch nie probiert. Der Beginn ist mir zu schwer. Die Kulisse wählen. Vielleicht sollte ich es wie andere Arbeiten angehen. Irgendwo starten und rundherum anstückeln. Bis es fertig ist. Aber eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Bald brauche ich Geld. Geschichten können Geld bringen. Aber selten schnell. Lieber nebenbei. Sicherheit. Die Delle in der Wand wird tiefer.

Ein winziger Fehler lässt Leser stolpern. Selbst ein perfekter Text ist nicht für alle gut. Publikum ist eine Lüge. Der Text selbst steht nie alleine. Kontext der Zeit, der Autorin, der Sprache, der Plattform, aller anderen Texte und der Leser. Ich wünsche mir Freiheit und stelle mir darunter etwas anderes vor. Ich wünsche mir Erfolg und arbeite nicht daran. Ich wünsche mir und hadere dabei mit mir selbst.

Es ist nicht alles schlecht.

Entscheid

Es gibt keine richtigen Entscheidungen, weil wir die Alternativen nicht erleben. Außer in Videospielen und Gedanken, wo wir die gleiche Situation immer wieder mit unterschiedlichen Parametern ablaufen lassen können. Leider gilt das Ergebnis nur in diesen kontrollierten Ergebnissen und wir haben es noch nicht geschafft alle Faktoren der angeblichen Realität in unsere Berechnungen zu integrieren. Ich gehe davon aus, dass eine perfekte Berechnung lediglich dazu führen würde, dass ihr Ergebnis die Realität alleine dadurch beeinflusst, dass sie berechnet wurde und somit eine korrekte Berechnung nicht möglich ist, da das Ergebnis niemals in der Ausgangssituation beachtet werden kann.

Es gibt keine falschen Entscheidungen. Nur solche die wir im Nachhinein bereuen. Unklar. Wir sind mit dem Ablauf unzufrieden und bilden uns ein, dass wir ihn durch eine andere Entscheidung so beeinflussen hätten können, dass wir zufriedener wären. Möglich. Aber weder überprüf- noch machbar. Wie die beschleunigte Milch.

Starke Stimmungsschwankungen, weil sich Ideen nicht verwirklichen lassen und ich die Schuld bei mir finde. In meiner zur Berechnung idealisierten Welt. Würde ich es nicht machen, meine Handlungen als irrelevant abtun, könnte ich liegen bleiben. Die falsche Schlussfolgerung. Berechnen ohne Hormonausschüttung. Den attraktivsten Weg wählen und nur zurück schauen, um kurz zu überprüfen. Vor mir ist vieles offen, hinter mir sind auch die offenen Türen geschlossen.

Minutenstille

Wenn der Kopf die Gedanken auf ihrem Weg in die Finger abschneidet. Ich möchte schreien; heraus kommt ein leeres Schnaufen.

Ich versuche mich an andere Zeiten zu erinnern. Wie ich gefühlt, wie ich gelebt habe. Seit Wochen plagt mich eine gestresste Zufriedenheit. Für Frau und Kind da sein. Die Zeit genießen. Mein Leben ist schön. Aber mein Kopf hält es nicht aus. Unzufrieden. Tag für Tag stapeln sich die Ideen und unerledigte Aufgaben. Wenn ich mich hinsetze zerreißt das kleinste Geräusch meine Konzentration. Der Rasenmäher des Nachbarn. Der Staubsauger. Radio. Kinder unter uns. Der Lüfter des Computers. Gerüche fühlen sich falsch an, mein Körper schmerzt. Der Kopf hämmert. Ich will hier raus. Alles ist zu viel.

Zusammenreißen. Die Nächte sind zerstückelt. Normal. Für das Kind. Es ist nicht seine Absicht. Kleine Stressattacke. Durchatmen, aufstehen, etwas tragen. Es beruhigt sich schnell. Uns geht es wahrscheinlich besser als vielen anderen. Ich spüre wie es ihr zu schaffen macht. Weniger Schlaf als ich.

Auszucken. Meine Stimmung verbreitet Angst. Immer kurz vorm explodieren. Man hört wie der Druck pfeift, aber außer kurzen Zucken passiert nichts. Meine Schuld. Meine Schuld. Ich muss mich aufs Rad setzen. Fahren. Laufen. Bewegen. Dinge müssen erledigt werden. Jetzt. Viel zu spät. Ich schaffe es nicht. Meine Schuld. Meine Schuld. Sich selbst zu verurteilen ist viel einfacher als sich zu ändern. Doppelte Schuld. Wie kann man nur so dämlich machen.

Ein Lächeln. Von ihr oder ihr. Mein Kopf hält die Klappe, lässt mich Endorphine spüren. Stille.

Vergangenheit klebt an mir. Honig und Teer. Ich wünsche mir kräftig abgeschrubbt zu werden. Oder auch nicht. Die idealisierte Vorstellung des Neuanfangs.

Sproche

Die rote Hochzeit. Plötzlich frage ich mich, was er zuvor gemacht hat. Will wissen, wovon er lebte. Fünf Tage nach mir sein Geburtstag. Seit zwei Jahren sollte ich schon. Aber Vergleiche brauchen wir nicht. Jedes Wort in sich zersetzt, jeder Satz ohne Lösung. Weil nur so die Fassade aufrecht erhalten bleibt.

Waren es nicht die Wörter, die mich faszinierten? War es nicht das Teilen der Geschichten. Die Entstehung spielt keine Rolle. Etwas Wahrheit.

Mein Leben als Aneinanderreihung von Ereignissen. Dazwischen viel warten. Ich bin zufrieden. Aber voller Sehnsucht. Nach dem Großen und Unerreichbarem. Dafür kommt morgen unsere neue Küche. Ich vergas meine Medikamente zu nehmen und am Donnerstag erwartet man mich in der Klinik. Jeden Tag versenke ich mehrere Stunden in Bildern mit Textaufdruck. Die Schere im Kopf versucht neue Stränge abzuschneiden, weil sie Angst hat, dass wieder Mails von den Personen kommen, von denen man es nicht will, und keine von denen, über die man sich freuen würde. Wegen dieses Satzes. Niemand wusste.

Macht entsteht durch Erwartung. Fremdzuschreibung eines fiktiven Wertes. Erst wenn man Schmerz und Tod akzeptiert kann man sich befreien. Zumindest ein Stück. Zugleich verliert man alles.

Was bedeutet groß? Wohin deute ich?

Teilnahmeverweigerung. Ich möchte nicht mehr diskutieren und schließe mich dadurch aus. Das System nimmt es als Akzeptieren des Zustands hin und veranlässt keine Nachjustierung, da es den drohenden Zerfall nicht registrieren kann. Dann stehe ich auf und gehe.

Ich mag schöne Dinge. Ich brauche sie nicht. Ich mag mich nicht immer.

Kein Ziel. Vielleicht weil ich mich nicht entscheiden kann. Vielleicht weil ich faul bin. Vielleicht, weil ich es einfach nicht verstehe.

Und schon wieder Dinge gelesen, die mich nur aufregen. Nicht reagiert, weil ich mich dabei noch mehr aufrege. Und mich stattdessen aufgeregt, dass ich mich aufrege über das nicht aufregen. Es wäre auch viel zu einfach. Das sein. Da sein. Dasein. Unser aller. Ich möchte mich an den See setzen und schweigen. Möchte in fremde Welten flüchten und nicht traurig sein, dass eine Wand uns trennt. Das bin nicht ich. Das ist das Problem. Und wenn ich meine Gedanken nicht mehr in für andere verständliche Sätze verwandle, werde ich weiter abdriften bis meine Sprache mit der euren nur noch Zeichen teilt. Eine Übersetzungshilfe für all die Texte. Man könnte auch Kommentare schreiben. Und dann will ich mich nicht erklären. Und alles wird doof. Es gibt nichts zu verstehen. Außer alles.

Der Mann, der nicht ruhig sitzen kann. Ich sehe Parallelen und große Klüfte. Nicht mit dem zusammenkommen, was ist. Es irgendwann akzeptieren, sich selbst aufgeben und irgendwie weiter machen. Irgendwie. Macht mir Angst. Und zugleich Hoffnung. Trotzdem zufrieden. Meist. Glaube ich. Hoffe ich. Alle sind anders und das macht uns gleich. Manche sind gleicher und ich kann es nicht ab. Deshalb auch Sproche. Zusammengezogen.

Zur Unterhaltung. Zur Zerstreuung. Zum zerreißen.

Ständige Suche nach Absolution.

Texterlegung

“Überlege das Schreiben aufzugeben.”

Teresa: “noooooin!”
Miez: “Ahahahahahaha. (Dasgehtnicht)”
Zeitlos: “Nein. Punkt. ;-)”

Worte verweben. Geschichten tagelang in sich tragen, von einer Kopfhälfte in die andere schieben. Bis sie rund sind und man sie mit den Fingern auseinander ziehen kann. Mit neuen Formulierungen und kantigen Satzzeichen anhäufen. Den frischen Duft nie erleben, weil man sich schon daran gewöhnt hat. Nur die Augen der anderen. Ein kleines Glitzern. Manchmal eine Träne. Ohne Erwartungen.

Ich möchte mich wieder freigeben. Manchmal steht man im Schlamm. Dann bleibt der Pullover an Dornen hängen. Man hat sich in der Höhe des Berges verschätzt. Die Arme an den Körper gebunden. Durchatmen und ein paar Meter schweben. Wie ich alleine im Kindersitze. Frau und Tochter schon im Bett. Der Ausflug nach Westeros ist beendet. Das Haus fast im Grünen. Die Straße runter der Sportplatz. Auf dem Hügel die Windräder. Mächtige Riesen, innen langsam, außen schnell. Elektronen gehen auf Wanderschaft. Die Energieanzeige bei vierzig Prozent. Nächste Woche geht es nach Berlin. Alle Vorschläge abgelehnt, um dann persönlich einzuladen. Die Gesellschaft funktioniert auf Ineffizienz. Keine Zahnräder, die sauber aufeinander abgestimmt sind, sondern weiche Kugeln, die sich mit viel Schmiere aneinander reiben. Mache mit mehr Struktur andere mit weniger. Ein riesiger Sumpf und dem sich alles bewegt. Zu viel Flüssigkeit und jeder überschlägt sich selbst, zu wenig und wir überhitzen.

Zu viele Ebenen. Noch immer die Vorstellung des unvollendeten Hochhauses. Nachts. Blick auf die Stadt. Ist das echt?

Aufmerksamkeit. Mein Benzin. Anerkennung. Der Funke. Manchmal auch nur neugierig. Erfahren was passiert, wenn man auf die Knöpfe drückt. Und dann selbst einen Knopf bohren. Ein paar Kabel reinstecken, ihn hübsch anmalen und draufdrücken. Sich verkaufen müssen macht mir Angst. Auf dem Papier sind Zahnräder. Unrunde Zahnräder verhaken. Werden ausgetauscht. Für mehr Glibber.

Dankbar für die Dunkelheit. Für die Kälte. Für Menschen, die durch die Nacht irren. Nicht alleine sein. Linien und Punkte. Ideen wandern. Angekommen.

Leidensglück

Eigentlich kann das alles gar nicht sein. Ich sitze auf dem Sofa mit meiner Frau und unserem Kind. Etwas links über der Mitte Deutschlands. Vor mir ein großer Fernseher. Standboxen. Mein Lederklappstuhl, der mich seit Wien begleitet. Ein Stubenwagen. Auf dem Tisch unter einer Glaskuppel ein Kuchen. Durch das Fenster sieht man ein Vogelhäuschen. Wir haben einen Garten und fahren einen weißen Neuwagen.

Das Kind schreit.

Eigentlich sollte alles drüber und drunter gehen. Stattdessen fühlt es sich nach Stillstand an. Das Kind lässt sich jeden Tag etwas neues einfallen. Besonders das Lachen hat es mir angetan. Aber ich stecke fest. Der letzte txt ist zwei Monate her und kein Meisterwerk. Ich freue mich jeden Tag, aber es fehlt etwas. Die Bühnen? Die Trauer? Das Suchen? Das Schreien? Das Laufen? In meinen Kopf schweben die Momente der letzten Jahre. Immer weiter weg die Container, in denen ich die letzten Schuljahre verbracht habe. Die Europareise, die viel zu kurz war und der Aufbruch nach Wien. Studium, Veranstaltungen und viele neue Menschen. Vor Ort und weiter weg. Zwei Wohngemeinschaften. Der erste Sommer bei ihr. Immer wieder Abschiede. Endlich zusammenziehen. Der Abschluss, der noch drei Prüfungen und eine Arbeit gebraucht hätte. Viele Spaziergänge. Noch mehr Sex. Auf dem Balkon liegen und die Augen schließen. Ein gutes Ende für einen Film.

Das Kind schreit.

Frau Fragmente hat mir geschrieben, dass wir uns mehrere Leben vorstellen, aber nur eines leben können. Das sieht der Kopf möglicherweise nicht ein. Und ist unzufrieden. Jawl schickte mich nach Münster und ich kam mit einem weiteren Puzzlestück zurück. Placetogo tauschte mit mir Pokemon.

Das Kind wird durch die Wohnung getragen.

Schreiben besteht auch aus stundenlang den Bildschirm anstarren und Wörter im Kopf zusammenstecken um sie doch wieder voller Wut gegen die Wand zu werfen. Ständige Sorge um die Grammatik, während man sich jegliche Freiheit nimmt. Zugleich wissen, dass es nahezu unmöglich ist viel zu bewegen und zugleich, dass man etwas kleines bewegen muss, damit nicht alles stehen bleibt. Sicherheit macht es nicht besser. Aus den Kopfhörern keine Erlösung. Das Ziel ist unbekannt und ich weiß nicht auf welcher Reise ich mich befinde. Nicht so überzeugt wie ich sein sollte. Spannungsabfall. Anscheinend schreibe ich manchmal Dinge, die andere Menschen gut finden. Aber reicht das? Ich weiß nicht wo ich hin möchte.

Ich bin alleine.

Abends Tabletten, damit ich schlafen kann und mich am nächsten Tag nicht am Boden wälzen. Sie verhindern, dass mein Körper bei jeder Aufregung Blasen schlägt. Morgens Tabletten, damit ich nicht ganz einklappe. Sie machen mich aggressiv und meine Motivation schwankt stark. Spielt sich noch ein. Zumindest meint das meine Ärztin. Das erste graue Haar. Auf der linken Schläfe. Leicht abstehend, damit ich es nicht übersehe. Passender Zeitpunkt für Midlifecrisis. Aber kein Geld für dumme Abenteuer. Ich ignoriere das Leben.

Nie war ich so glücklich.
Und so unzufrieden mit mir selbst.

Eintext

Einfach schöne Worte.

Ich liege wach. Wie könnte es auch anders sein. Die letzten Abende habe ich zu der Zeit gelesen. Zwischen elf und zwölf. Manchmal früher, manchmal später. Nie auf Papier. Hintergrund auf schwarz, Helligkeit unter zehn Prozent. Manchmal sehe ich auf die Decke um zu sehen, ob ich zu hell bin. Fast unsichtbar. Ich finde es schade, dass nicht alles so funktioniert. Nicht einmal Belletristik sondern ein Sachbuch. Dafür ein gutes. Eines wo ich mich bei jedem Kapitel erfreue, wenn meine Welt nachjustiert wird.

Diese Woche könnte es soweit sein. Unser Kind. Kurz die Augen schließen und das Glück spüren. Neun Monate. Schnell sind sie vergangen und nun ziehen sich die letzten Tage. Bewegen fällt ihr immer schwerer. Dafür turnt das Baby fleißig und stößt in die Rippen. Meine Hand liegt jeden Tag einige Stunden auf dem Bauch. Ich spreche mit beiden und wir haben alles vorbereitet. Das Kinderzimmer und die Tasche für das Krankenhaus. Für mich ein paar Tabletten und Shirts zum wechseln. Es wird sich vieles ändern. Ich bin gespannt. Die Gedanken bei den ersten Stunden. Viel weiter reicht die Vorstellung nicht. Alles andere fühlt sich unwirklich an.

Die Buchstaben sind auf weißem Hintergrund, die Decke Disco. Sie dreht sich um, legt einen Arm um mich. Ich bin angekommen.

Wochentag

Manchmal verstecke ich mich hinter Metaphern und Kryptomanie. Es schützt und hilft. Mehr würde es vielleicht, wenn ich damit hinausbrechen würde. Doch das kann ich nicht. Auch nicht, wenn die Blätter später in Flammen aufgehen. Jedes Wort, das den Weg in die Freiheit findet, kann sich verselbständigen.

Wir sind nun seit zehn Tagen. Es war ein Montag. Der Anfang der Woche. Wir sind seit zehn Tagen verheiratet. Ein überraschend trockene Entscheidung und zugleich vor allem deswegen voller Zuneigung und Liebe. Dieses Wir soll bleiben. Weitere fünf Jahre schienen uns als angemessen.

Ich bin glücklich.

Sie erdet mich. Sie fängt mich. Sie.

Heute sitze ich das erste Mal seit Monaten alleine zuhause. Sie ist bei einer Weihnachtsfeier. Erst wollte ich spielen. Dann war ich abgelenkt. Jetzt habe ich mich an den Blog erinnert. Diese Zusammenstellung von Code, die auf einem Server läuft und täglich den Menschen erzählt, was ich vor Monaten und Jahren gedacht habe. Wunderbares Ding. Da könnte ich wieder einmal vorbei schauen. Ein paar neue Gedanken da lassen. Das nächste Jahr wird anders. Schon wieder. Und noch mehr. Das ist gut. Das ist großartig.

Es ist nicht der txt, den ich erwartet habe. Aber ich mag euch.

Unvollständigung

Ich. Du musst. Verstehen.

Zurückgehalten. Mit den Worten. Weil man das nicht macht. Öffentlich zur Schau stellen. Meine Schulzeit pocht öfter. Ich möchte nicht öffnen. Buchstabenwiederholung. Das innere nach außen kehren. Verletzlich. Ich.

Es ist nur txt. Manchmal zu kräftig und manchmal zu schwach.

Lange Zeit war meine Antriebskraft anderen zu zeigen, dass ich besser bin. Als was sie von mir glauben. Nachricht auf Internetplattform. Erinnerungen. Sieben Jahre. Lachen.

Ich vermisse. Nachts im Auto zu sitzen. Tee trinken.

Jetzt fahre ich Zug.

Mehr Briefe. Ich sollte mehr Briefe schreiben. Mehr Leser als ein Tagebuch. Und niemand der etwas vorhält. Wenn man den Empfänger.

Sätze die in meinem Kopf klar, bedarfen keinen Abschluss.

Erstmals der Gedanke, was das Kind denkt, wenn es das liest. Hallo.

Kryptografie. Verlernt man nicht. Nur Schlüssel sind schöner.

Kein Absatz vervollständigt die Geschichte. Die Augen jeden Tag. Gefühle austauschen.

Jede soziale Verbindung birgt die Gefahr des Zerreißens. Mit jedem Faden wird ein Stück Ich mitgenommen. Es schmerzt. Sich zu flüchten und nur zu schreiben ist die Alternative. Das Glück im Unglück finden. Sich nicht zu kümmern was andere denken. Keine Konsequenz, die dich je einholt. Laufen bis man umfällt. Tief einatmen. Jeden Herzschlag spüren bis man aufhört. Mit allem.

Bedingungslos. Kein schönes Wort. Aber ein schönes Gefühl.

Sammlung verphrasiert.

Um jeden Gedanken eine Hülle legen. Sie sanft zubinden und das Päckchen in den großen Sack stecken. Nicht ich. Es ist. Von mir. Aber nicht ich.

Sich der Urheberschaft entledigen.

Dem Verlauf mit dem Finger folgen. Einsinken. Sich nicht an den Nächten vergehen. Dazwischen die Struktur verstreichen. Jahre.

Das Versprechen des Schockierens. Offene Lippen. Rot. Dem Auge verborgen. Klingen. Die Glocken. Der Sprung des Sinnes. Nur ein Punkt.

Das Gegenteil von Über. Aber nicht sous.

Jegliche Mystik; untergegangen. Wir halten die Lichter hoch. Warten auf das Einsetzen der Musik. Erst beim Abgang bemerken wir die Einsamkeit.

Wäre da Meer. Konnten wir schwimmen. Die Schiffe werden vorm Wind getragen. Eins mehr.

Tischtennis mit jemanden, den man nicht denkt. Erst beim zweiten durchgehen kommt die dritte Bedeutung. Erschlagen vom Blitz. Noch eine Verbindung.

Dem zu folgen. Ich möchte es wissen. Nur für mich.

Das Wort sucht einen Partner. Zum spielen. Alle Geräte sind besetzt. Nur das sanfte Nachklingen. Der Schein, der noch im Auge liegt. Es hallt. Dem Wort ist es ein Geist.

Groß gewordener txt. Zwischen Seiten gepresst. Es ist nicht das Material. Sondern die Form. Auch Glas hat Ästhetik. Ein kantiges Wort.

Der Winter.

Es beeindruckt nur noch wenige. Vom Überfliegen abgeschreckt. Mir fehlt. Die Luft spricht dünn. Nicht auszudenken wie es als nicht falsch genommen wird. Jede kleine Bedeutung. Sie sitzen auf den Spitzen, verstecken sich in den Rundungen und sind auch sonst sehr umtriebig. Sodbrennen.

Niemand wird erschlagen. Nur das Klicken lässt meine Hormone sprudeln. Ein leises Schreien. Hustend. Röchelnd. Kein.

Auch die gelöschten. Die vergessenen.

Kann man nicht müssen.

Ich empfinde es als schöner. Als. Ohne. Er flucht. Neben mir. Wand.

Als die Zeile verloren ging. Keine Linien. Einzeln setzen sie sich hintereinander und ließen nur manchmal Platz. Falls noch jemand dazu kommen würde. Die Gefahr jedes einzelnen. Unbeabsichtigt. Unsichtbar. Bis es sich in den Vordergrund drängt und keine andere Deutung mehr zulässt.

Weit weg.

Die bloße Zusammenstellung lässt mich lächeln. Eines folgt dem anderen. Ich möchte Verbesserung. Sich aufraffen und die Dinge nachlesen. Nicht dem nachgeben, was man schon kennt. Sich vermeiden. Gestank.

Es stimmt. Lediglich nicht in meiner Welt. Verarbeiten. Erlebnisse. Nicht.

Donnerstag Abend. Ohne dich umzudrehen steht die Straße in einer Gewalt. Wir warten. Es wird Klischee. Nur die Vögel fehlen. Glucksend kündigt der Bach sein Ende an. Meer.

Zu lange auf Eisen. Man wird kalt davon. Oder bittet die Klimaanlage weniger Latour zu lesen. Noch ratterst du. Dann schieben sie dich in eine Schuppen und dann ins Museum. Weißer Dampf und schwarzer Rauch.

Eine Unvollständigung.

Noch immer im Eingang. Zwei Wochen. Markiert und unberührt. Ein Lied. Abbruch. Abbruch.

Andere erzählen sich Witze. Ich speibe.

Beinahe verirrt. Nur dreimal.

Aufsam. Wie die Bermöwe.
Entstandung eines Gedichts.
Scheu.

Während die Lichter ausgingen schlug es mich auf.

Entscheidungsfindung

Tägliches reflektieren. Der Einzige der dafür verantwortlich ist bin ich. Und unzählbar viele Zufälle. Wir haben Theorien und Thesen, doch die funktionieren nur, wenn wir Faktoren entfernen, die wir im Alltag nicht entfernen können. Entscheidungen sollte man nicht an ihrem Ergebnis messen, sondern an ihnen selbst. Das tun, was man für richtig hält und sich nicht darüber ärgern, dass es trotzdem nicht funktioniert hat. Nicht alles kann man beeinflussen und so könnte auch die Entscheidung für das Gegenteil zum selben Ergebnis geführt haben. Nicht Beliebigkeit, sondern ein anderes Bewusstsein. Oft habe ich Angst vom Ergebnis. Traue mich nicht zu entscheiden. Und dann tritt das schlechteste ein. Oder gar nichts. Aber die Fälle merke ich mir nicht. Ich baue das Vertrauen in mein Unterbewusstsein auf. Andere nennen es Bauchgefühl. Es wird gesagt, dass wir uns oft schon entschieden haben und nur noch begründen. Kann man manchmal beobachten. Auch bei mir. Oder wenn ich zu ehrlich mit mir selbst bin und die Entscheidung nicht zulasse. Dilemma. Eine gute Entscheidung ist eine, die man umsetzt. Es bringt nichts sich für das zu entscheiden, das man nicht macht. Dann lieber den nicht perfekten Weg, der dafür gegangen wird ohne in der Mitte zusammenzubrechen.

Ich muss lernen stärker nach außen zu sein. Menschen, die mir wichtig sind, auf die Füße treten. Oft bin ich das Schiff, das seinen Kurs hat, ihn aber ständig herumschiebt. Wenn man seine eigenen Metaphern nicht mehr greifen kann. Entweder sie hängen zu hoch oder sind schon beim schreiben verfault. Ich finde Metaphern wichtig um mehr ausdrücken zu können.

Und dann Verantwortung übernehmen. Ich habe heute zu wenig geschafft. Ich fühle mich deshalb nicht schlecht, werde mir aber Mühe geben, es aufzuholen. Weil es um mich geht.

Bonuspunkte

Irgendwo in der Hecke glitzert etwas. Phil neigt seinen Kopf, hoffend es besser zu erkennen, doch es leuchtet nur. Er ist alleine unterwegs. Seine Taschen voller Funde der letzten zwei Stunden. Uhr besitzt er keine. Eine Kugel; er hebt sie hoch. Kein Glas, wie Metall fühlt es sich nicht an und für Plastik ist sie zu leicht. Ein bisschen kleiner als eine Billiardkugel. Die Oberfläche ist eigenartig rau. Dennoch reflektiert sie die Sonne. Aus der linken Knietasche zieht er ein Stofftaschentuch und hüllt sie behutsam ein bevor er sie in auf der rechten Seite in die Hose gleiten lässt.

Noch den Hügel hinunter und Phil ist wieder zuhause. Er möchte aber noch nicht. Setzt sich auf die Wiese und beobachtet die Ameisen. Kleine Stäbe und Stücke von Blättern tragen sie. Ihren Bau hat er schon letzten Sommer entdeckt. Kein großer Haufen, eher versteckt seitlich an einer alten Tanne. Manchmal lässt er ihnen die Überreste seiner Jause dort. Krümmel von seinem Brot oder ein Apfelputzen. Einmal hat er eine Banane hingelegt. Die mag er nicht. Doch als er einige Tage später wieder vorbeischaute, war sie lediglich schwarz geworden. Mit einem Stock hat er sie zermatscht.

Von der grünen Wiese zieht es seinen Blick nach oben. Kräftig blauer Himmel mit drei kleinen Wolken. Zwei Streifen von Flugzeugen. Wie jeden Tag um diese Zeit. Außer Sonntags. Phil wüsste gerne, wo sie die Menschen in ihren Bäuchen hinbringen. In den Süden an die Küste oder nur in eine große Stadt. Voller Autos und Hochhäuser. Er hat schon mehrmals versucht es rauszufinden, saß einen ganzen Tag vor einer Website, die in Echtzeit zeigt, wo Flugzeuge fliegen. Doch keine Route kreuzte das Dorf in dem er lebt.

Phil schließt die Augen. Manchmal wünscht er sich einen Freund, mit dem er alles erkunden kann. Jemand, der mit ihm auf der Wiese sitzt und dem er seine Theorien über die Wege der Ameisen und Flugzeuge erzählen kann. Am besten jemand, der ein Teleskop besitzt. Dann könnte man auch in der Nacht hier raufkommen und in die Sterne schauen. Er kennt die Sternbilder nicht. Den kleinen und großen Wagen. Den Nordstern. Die findet er noch. Aber die anderen nicht. In seine Zimmer ist ein Buch, wo alle aufgezeichnet sind. Doch so sehr interessieren sie ihn nicht. Lieber sieht er sie nur an. Und träumt. Ob da draußen vielleicht ein anderer Junge steht und in die Sterne schaut. Oder auf einem Planet, der einen der Sterne umkreist. Vielleicht auch ein Mädchen.

Die Sonne berührt schon den Berggipfel. Phil geht langsam den Hügel hinunter, bleibt nur einmal stehen, als ein großer Vogel über einem nahen Feld kreist. Er freut sich auf’s Abendessen.

Zweifelung

Zweifeln ist etwas wunderbares. Und in den falschen Momenten, mit den falschen Schlüssen tödlich für uns. Vor allem der Selbstzweifel. Gestählt durch die Gesellschaft; wenn du das nicht schaffst bist du ein Versager. Doch ‚das‘ ist meist irrelevant. Ich mag Dinge die vergleichbar sind; muss aufpassen, dass es nicht die Überhand nimmt. Zu einfach ist es nach Zahlen zu sortieren. Wenn ich von mir spreche, meine ich oft uns, weiß aber nicht, wer das eigentlich ist und bleibe lieber bei mir. Wer möchte kann sich dazu zählen. Bei Gesellschaft meine ich mich. Als Teil. Und als Teil, der für das ganze steht. Daran sollte ich zweifeln.

Ich stelle in Frage, ob ich kann, was andere glauben, dass ich kann. Habe Angst enttarnt zu werden. Im Gegensatz zu anderen, nicht allen, habe ich in der Schule geschummelt. Oft. Und oft erfolglos. Für das Ergebnis. Aufgedeckt wurde es nicht. Ein Grund für die vielen Hemden in meinem Kinderzimmerschrank. An der Universität aufgehört, weil ich das System nicht mehr ernst nahm. Weil die Menschen, von denen gesagt wurde, dass sie das Höchste sind, das die Menschheit in dem Gebiet zu bieten hat, auch nur Menschen waren. Nicht immer besonders kluge; aus meiner Sicht. Dann begann ich wieder einmal oder das erste Mal mein Weltbild umzustellen. Wissenschaftliche Lehre hat viel gutes. Realität. Meine Realität. Darf ich auch selbst konstruieren. Und während es wichtig ist, dass ich die von anderen verstehe und meine verständlich machen kann, ist es meine. Es gibt die großen Zusammenhänge nicht. Nur uns. Menschen. Zerbrechliche Dinger. In den meisten Situationen dümmlich. Nur winzige Bereiche, die manche meistern. Moral als wichtige Komponente. Es wird oft eingetrichtert, wie alles funktioniert und dass man gut sein muss, damit einem gutes widerfährt. Muss man nicht. Auch als Böser widerfährt einem Gutes. Es gibt, zumindest in meiner Welt, kein Karma als System, das unsere Taten wertet. Nur unsere eigene Einschätzung, was richtig und was falsch ist. Und alles dazwischen. Bedeutet auch, dass vieles so nicht gemacht werden müsste. Aber ich so besser finde. Etwa die freundliche und ausführliche Antwort auf vielfach beantwortete Fragen. Der Aufwand sich über die Person aufzuregen ist ähnlich hoch, bringt aber niemanden etwas.

Während der Zeit in Wien lernte ich mich zu überschätzen. Beziehungsweise wurde mir meine Selbstüberschätzung bewusst. In Prüfungen zu gehen ohne etwas gelernt zu haben und besser als der Durchschnitt bewertet zu werden ist wenig hilfreich. Auch meine Mathematikprofessorin hat mich immer aufsteigen lassen, weil sie der Meinung war, ich verstünde alles. Tat ich meist. Rechnen konnte ich es dennoch nicht. Irgendwann die Frage nach Können. Viele handwerkliche Tätigkeiten sind von Detailwissen und einer Grundfähigkeit abhängig. Materialbeschaffeneit, oft regelmäßige Probleme und workarounds. Andere Bereiche sind für mich oft schwerer zu erfassen. Ich bin irgendwo in Kommunikation tätig. Hilfreich ist zu wissen welche Abläufe es gibt. Vor allem inoffiziell und dann muss man die richtigen Leute kennen. Für mich persönlich ist vor allem Einfühlvermögen und die Einschätzung von Situationen wichtig. Oft bemerke ich, wie andere die Fragen oder Aussagen fehlinterpretieren und somit die folgende Kommunikation nur nach einigen Biegungen zu einem guten Ende führt. Insgesamt ist Bereitschaft wichtig. Sich auf die Dinge einlassen. Verstehen wie sie funktionieren und nicht alles auf einmal ändern.

Fast alles lässt sich lernen. Wir brauchen aber für unterschiedliche Dinge unterschiedlich lange und eigentlich entscheidend wäre zu erkennen, in welchen Bereichen man sich am schnellsten anpassen und entwickeln kann. Ich kann Sprachen lernen, aber es dauert über zehn Jahre bis ich sie halbwegs vernünftig spreche. Auch wenn ich es schön fände macht es wenig Sinn es zu machen. Dafür habe ich ein recht gutes Verständnis für die Sprache mit der ich aufgewachsen bin. Weshalb es mir auch so schwer fällt dies weniger zu pflegen. Fakten lernen liegt mir nicht. Zusammenhänge erkennen umso mehr. Ich habe ein tolles technisches praktisches Verständnis und kann vieles selbst reparieren. Selbst etwas bauen fällt mir schwer, Dinge von anderen zu verbessern braucht wenig Anstrengung und macht mir Spaß. Bevor ich diese Sätze geschrieben habe, wusste ich sie nicht. Hätte man mich danach gefragt, zuckten meine Schultern.

Ich finde es immer wieder interessant welche Dinge andere glauben, dass ich gut kann. Viele Erwartungen die aufgebaut werden, weil ich ähnliche Mechanismen auf neue Probleme anwende und mit dem Wissen anderer arbeiten kann.

Schon kommt die Sorge auf mich selbst zu etwas zu machen, das ich nicht bin. Ich scheitere täglich. An einfachen und an schwierigen Dingen. Ich habe große Probleme Entscheidungen zu treffen und zögere sie zu oft und zu lange hinaus. Auch fällt es mir leichter Dinge zu planen als sie zu beginnen oder gar abzuschliessen. Ich finde Erklärungen und Probleme, um nicht zu tun was nötig ist. Es ist anstrengend mit mir zusammen zu arbeiten. Weil ich mich um Dinge kümmere, die mich gerade nicht los lassen statt um die, die wichtig wären. Weil mein Entscheidungsprozess so lange dauert, stehe ich nicht immer voll hinter den Entscheidungen und bleibe im Prozess auch nach der Entscheidung hängen, suche nach weiteren Informationen, die die Entscheidung bestätigten oder ihr widersprechen. Das hält auf und ist dumm.

Mir fällt es schwer mit Kritik umzugehen, die ich nicht zuvor schon selbst hatte. Ebenso neige ich dazu Kritik vorzugreifen indem ich sie selbst ausspreche. Aber mein Verhalten nicht ändere. Es macht mich wahnsinnig, dass ich oft weiß was ich falsch mache, aber mich nicht bessere. Stattdessen Ausreden suche und mir was von fehlender Willensstärke einrede. Das ganze führt zu einer Abwärtsspirale der Selbstbemitleidung.

Das Internet gibt mir die Möglichkeit in andere Leben zu blicken und ich beginne allzu oft mich zu vergleichen. Was andere erreicht haben. Wie sich artikulieren können. Wie viel sie schaffen. Jeden Tag. Ich, der doofe Junge, der durch die Scheibe schaut und fasziniert ist, wie die Menschen draußen eine Runde nach der anderen drehen, statt selbst rauszugehen und anzufangen schaut er weiter zu und sagt sich, dass er nie so viele machen können wird. Paralysiert.

Ich zweifle an den Dingen, die ich jeden Tag mache. Das hilft mir Fehler zu vermeiden. Zugleich passiert es zu oft, dass es mich davon abhält das richtige zu tun.

Nachtschau

Gestern fern gesehen, als sie schon schlief. Der falsche Ausdruck. Ich sehe nicht fern. Der Stoff ist per Hand ausgewählt. Ich warte den richtigen Moment ab. Es muss ruhig sein. Keine Ablenkung. Der Kopf frei. Dann schiebe ich meinen Stuhl in die Mitte des Raumes, schalte den Fernseher an, schließe den Laptop an. Ein zweites Kabel an die Lautsprecheranlage. Kurzer Test, wenn alles soweit ist. Pause. Ich gehe in Küche und hole mir ein Glas kaltes Wasser. Oder eine Flasche Club Mate. Dann setze ich mich auf den Stuhl und atme tief durch. Play.

Die Bilder und Geräusche saugen mich auf. Rase durch fremde Welten. Diesmal Drogen. Nicht nehmen, sondern verkaufen. Weil Krebs. Und Familie. In meinem Kopf werden bestimmte Muster und Ideen gegen eigene Erfahrungen und Gedanken gespielt. Ohne viel Aufmerksamkeit. Längst vergessene Areale leuchten auf. Mein Atem wird flacher. Gänsehaut. Zwischendurch einen Schluck Wasser, um mich zurück zu holen. Nur für einen kurzen Moment.

Früher oft Filme. Heute fast ausschließlich Serien. Geringere Gefahr nach der Hälfte abzudrehen. Geschichten in die ich mich tiefer graben kann. Raum für alles. Unsere Vorlieben gehen auseinander. Bisher haben wir es überlebt ein paar Stunden von der Gemeinsamkeit für das Individuum zu investieren. Sinnvoll.

Als ich danach im Bett lag, fiel es mir schwer einzuschlafen. Zu viel Stimulation. Ich war ziemlich glücklich. Ich habe ein schönes Leben.

Irgendwann Musik.

Ich werde Vater

Familie in Tirol besuchen, dann noch ein paar Tage Wien. Ein beruflicher Termin und ein paar private. Was auch immer privat ist. Am Abend kurz bevor eine Veranstaltung beginnt, ich gerade in einem Gespräch jemanden den ich schon länger online kannte, aber noch nie getroffen hatte. Eine Nachricht von ihr. Sie glaubt sie sei schwanger. Heiß. Kalt. Ich versuche das Gespräch noch zu Ende zu führen, die Person muss gleich aufs Podium. Beinahe stottern. Gedankenfeuerwerk. Dann flüchte ich ins Treppenhaus. Wir telefonieren. Es ist das dritte Mal, dass wir glauben, schwanger zu sein. Das erste Mal war kurz nachdem wir uns das erste Mal gesehen haben; große Panik. Das zweite Mal mit stabiler Beziehung; große Unsicherheit, aber das kriegen wir hin. Jetzt sprechen wir schon über ein Jahr davon. Wir wollen beide ein Kind. Nächstes oder übernächstes Jahr haben wir uns als passend ausgedacht. Bis dahin sollte meine Arbeit etwas stabiler sein und wir schon umgezogen. Mit der Verhütung haben wir es nicht mehr so eng genommen. Fünf Tage vor und zwei nach dem Eisprung. Nur eine Frage der Zeit.

Und doch rast der Kopf. Ich habe es erwartet, aber nicht genau jetzt. Es gibt keinen idealen Zeitpunkt für ein Baby. Aber wir haben es ziemlich gut hinbekommen. Unser Leben trotz gewisser Bewegungen stabil und sicher genug. Wir werden beide für das Baby da sein können. Ich arbeite viel von Zuhause. Die Wohnung ist groß genug. Eine neue Küche in Planung. Vielleicht zieht man in den nächsten Monaten um. Oder nächstes Jahr.

Als wir uns beide wieder beruhigt haben, einigen wir uns darauf, dass sie mich wieder anruft, wenn sie den Schwangerschaftstest gemacht hat. Ein paar Minuten später schickt sie mir das Bild. Zwei blaue Streifen. Ich freue mich. Dann reden wir wieder. So gerne wäre ich bei ihr. Sie umarmen, küssen, gemeinsam quietschen. Dann muss ich los. Drei Tage später werde ich wieder bei ihr sein.

Die restliche Zeit ist verschwommen. Der Gedanke an unser Baby begeleitet mich ständig. Ich besuche Freunde mit Kind, das ich seit der Geburt kenne. Spiele mit ihr und freue mich noch mehr. Eine wunderbare Zeit. Ich übernachte dort. Zum schreiben komme ich nicht. Nur ihr. Immer wieder.

Die folgende Woche haben wir einen Termin beim Gynäkologen. Die Bestätigung. Einen halben Zentimeter ist es groß. Klein für den Zeitpunkt aber alles kein Problem. Beschäftigungsverbot für Frau Wunderbar, weil ihr zwei Immunitäten fehlen. Dafür drei Ampullen Blut und ein Folgetermin eine Woche später. Dazwischen Verwirrungsspiele mit dem Arbeitgeber. Beim nächsten Termin werden die zwei fehlenden Immunitäten bestätigt und eine dritte ist hinzu gekommen. Wegen der gegen Ringelröteln wird das Beschäftigungsverbot bis zur zwanzigsten Schwangerschaftswoche verlängert. Mehr Verwirrung mit dem Arbeitgeber. Wir fahren zur Zentrale. Erwischen den Manager. Plötzlich ist alles kein Problem mehr. Es wird gratuliert und man bekomme noch alle Details per Post.

Wir teilen die freudige Nachricht mit engem Freundeskreis und Familie. Unterschiedliche Reaktionen. Am Ende ist sich auch die Familie einig, dass sie sich darüber freut.

Die nächsten Tage genießen wir. Es ist noch zu früh mehr davon zu erzählen. Zu viel das passieren kann. Viel Lesen und Ruhe.

Das erste Trimester geht dem Ende zu. Dem Fötus geht es wunderbar.

Ich werde Vater.

Baugeschehen

Hin und wieder flüchten. Sich nicht den Gedanken ergeben, sondern weglaufen. Niemanden Bescheid sagen. Keine Rechenschaft ablegen. Nichts. Nur ich und meine Gedanken.

Die Metaphern habe ich verloren und die Farben zeigen sich nur noch selten. Leidenschaft dringt immer wieder durch. Wenn jemand etwas sagt, das mir nicht gefällt. Oder weil mir nach widersprechen ist. Ich bin anstrengend. Für mich und andere. Es darf wehtun. Es darf. Ich darf. Dazwischen Funken der Reibung, die mich lächelnd aufspringen lassen. Die Wärme die entsteht. Ein paar Worte zuviel und alles brennt nieder. Über bleibt Asche. Wieder zu spät das Schwert zurückgenommen. Ich stehe auf, das schwarz läuft vom Gesicht. Blinzelnd in die Sonne gehen. Kleine Bäche, wilde Berge. Ein Sprung. Keine Struktur. Ich huste. Es sind doch nur Worte und sie sind meine. Unantastbar. Tasten. Auf sie einhämmern. Schall. Aber kein Rauch. Der Regen kommt wie er geht. Normalzustand ist was wir so nennen.

Die Liebe bleibt. Sie wächst und verankert sich. Glück reiht sich ein. Zufriedenheit. Alles scheint davon. An manchen Tagen. Oft muss ich lernen damit umzugehen. Nicht den Selbstzweifel heraufbeschwören und sich im Leid suhlen, sondern mich hinzusetzen, zu lächeln und zu sein. Mich daran erfreuen was ist und es größer machen. Das Schreiben verlernt. Aber die Wörter nicht.

Jeder Tag bringt neues. Lernen und nicht vergessen zu sein. Zu zeigen. Bauen. Zwei riesige Konstrukte, die ich versuche hochzuziehen. Sie stützen sich gegenseitig. Ich sitze auf dem Seil dazwischen. In die Ferne blicken, was noch alles möglich ist. Nicht zu weit. Sonst vergesse ich, wo ich bin, was ich mache. Wichtiges und unwichtiges.

Genießen. Die richtigen Entscheidungen und die falschen. Kräftig abbeißen und lachen. Noch immer nicht wissen, woher sie kommen. Die Worte. Jedes schärft deinen Blick. So wenig über sich zu wissen und alles. Dennoch.

Ich.

Alltagschichten

Wir laufen über die Felder und lachen. Das ist meins.

Ich wache auf, sehe in ihre Augen, ein kleiner Kuss. Kraft fürs Aufstehen. Ich bringe sie zur Arbeit, wir sprechen über die Nacht, Schlafqualität, Träume, Gedanken. Auf dem Rückweg am Limit. Frühstück. Ich klappe den Laptop auf, Aufgaben in vier Bereichen. Eigentlich zwei. Todo und in progress. Ein paar Dinge erledigen, weiterschieben. Neue Ideen eintragen. Genug gearbeitet. Jetzt mit den Usern beschäftigen. Welche Probleme sie haben, was gut läuft. Ständig erreichbar. Ich helfe ihnen weiter, möchte dass sie Spaß haben, es ihnen gut geht. Noch eine Folge schauen oder eine Ründe spielen. Dann kommt sie heim. Wir unterhalten uns über die Arbeit, überlegen, was es zu essen gibt. Vielleicht spazieren oder schwimmen. Dann kochen und Abendunterhaltung.