Arztbesuch

Seit ich die Ausschlussdiagnose bekommen habe, geht es mir nicht besonders gut. So sehr habe ich mich daran geklammert. Das erklärt mich. Ich bin kein Versager, ich funktioniere nur anders. Pustekuchen. Zwei Monate ist es her. Von diesen habe ich mich nur an acht Tagen gut gefühlt. Der Rest war okay, schlecht oder beschissen. Sagt zumindest die App, mit der ich das tracke.

Verzweifelt wie weitermachen, hat mir eine Bekannte empfohlen es mit Soziotherapie zu probieren. Die könnte mir helfen. Bei der Alltagsbewältigung als auch bei der Suche von Psychotherapie oder anderen Maßnahmen. Sie hat mir sowohl eine Einrichtung genannt, die Soziotherapie anbietet, als auch dass ich sie per Mail kontaktieren kann. Das war konkret genug, dass ich es auch gemacht habe. Ein paar Mails und ein überflüssiges Telefonat später, wusste ich, dass mein Hausarzt ein bestimmtes Formular ausfüllen muss, mit welchem ich die ersten fünf Stunden Soziotherapie bekomme, welche hoffentlich reichen, um gemeinsam eine*n Psychotherapeut*in zu finden, welche bis zu 120 weitere verordnen kann.

Mit viel Überwindung beim Hausarzt angerufen, um einen Termin auszumachen. Worum es ginge. Depression. Dann würde der Termin am Ende der Sprechzeiten stattfinden, weil er sich dafür ausreichend Zeit nehmen möchte. Fand ich gut.

Heute war es soweit. Ich hatte einen Stapel mit Diagnosen und Untersuchungsergebnissen von früher ausgedruckt. Das erste mal war ich vor 11 Jahren wegen Erschöpfung bei einer Ärztin. Damals Verdacht Schilddrüsenunterfunktion, aber keine Medikamente. Wieder vor sieben Jahren. Seitdem Schilddrüsenhormon. Dazwischen Diagnose Hochbegabung und schließlich Ausschlussdiagnose Autismus, dafür Verdacht Sozialphobie und Zwangsstörung. Zusätzlich habe ich meine Notizen beigelegt, die ich über ein Jahr lang als Vorbereitung auf die Autismus-Diagnostik angelegt hatte, die aber wahrscheinlich nie angeschaut wurde. Oben drauf Screenshots aus der App, die zeigt wie sich meine Stimmung im Laufe des aktuellen Jahres verschlechtert hat und eine Seite Zusammenfassung der aktuellen psychischen, der allgemeinen psychischen und der physischen Symptome sowie die medizinische Vorgeschichte und was ich mir vom Termin erhoffe. Nicht ausgedruckt habe ich den Gesprächsverlauf, den ich für mich vorbereitet hatte. Trotzdem durch das Gespräch gestolpert.

Der Arzt hat mir zugehört, musste kurz Lachen und sich entschuldigen, als ich von meiner Enttäuschung erzählte, dass ich keinen Autismus hätte. Die Atmosphäre war angenehm. Wie geplant war ich der letzte Patient. Wir waren alleine in der Praxis und wenn ich es gebraucht hätte, hätte er sich auch länger als die halbe Stunde genommen, die wir miteinander gesprochen haben. Das Formular für die Soziotherapie hat er im Computer nicht gefunden, aber mir ein Attest ausgestellt, auf dem steht, dass es wie das Formular gilt. Und wenn das nicht passt, soll sich die Krankenkasse bei ihm melden. Oder so. Meinen Wunsch nach einem Bluttest, um auszuschließen, dass irgendwelche Mängel verantwortlich sind oder verstärken ist er auch nachgekommen. Drei Ampullen hat er am Ende des Gesprächs abgenommen. Ergebnis dann am Montag. Wenn etwas relevantes dabei ist, meldet er sich. Wenn ich das Ergebnis auch möchte, wenn nichts dabei ist, soll ich mich dann melden. Auf meine Frage, ob er die Unterlagen möchte, meinte er, dass er gerne mal reinschaut.

Beim Gehen meinte er noch, dass ich mich melden solle, wie es mit der Soziotherapie läuft, weil es für ihn das erste Mal ist.

Als ich die Praxis verlassen habe, war ich erleichtert und zufrieden. Ich hatte alles, was ich wollte. Dann bin ich im Kopf nochmals alles durchgegangen und habe mich über mich selbst geärgert, dass ich nicht offener mit meinen eigenen Vermutungen war. Eigentlich hätte ich noch gerne angesprochen, dass ich vermute Ehlers-Danlos-Syndrom zu haben, mindestens aber Hypermobilität. Vielleicht irgendwann.

Drei Gespräche

Telefonieren macht mich nervös, aber die Nachrichten haben wir so oft gelöscht, dass ich mich darauf eingelassen habe. Ich bin noch immer fasziniert von dem Gefühl der vertrauten Ferne. Wenn man über Jahre Leben teilt – nicht alles; immer nur Ausschnitte – und dann miteinander spricht. Wie alte Freunde, obwohl man sich nicht kennt. Vielleicht sind das aber auch Kategorien, die gar nicht relevant sind. Es war das erste Mal, dass ich mich bewusst mit einer betroffenen Person ausgetauscht habe. Ich konnte so viele spezielle Begriffe verwenden ohne sie zu erklären – du wusstest was ich meine. Wir haben Dinge explizit gemacht, was die Kommunikation leichter gemacht hat. Als ich erzählte, warum es mir so schwer fällt und warum ich nicht loslassen kann, hast du nicht nur Verständnis gezeigt, sondern meine Gefühle validiert

Am Balkon. Ich habe mich wochenlang nicht getraut, meine Gedanken mit dir zu teilen. Ich habe sie in mich hineingefressen und bin ruhiger geworden. Obwohl wir über alles sprechen können. Konnten. Ich wollte dich nicht belasten, hatte Angst, dass du mich nicht verstehst und es etwas kaputt machen könnte. Stattdessen war es das zerstörerische Schweigen. Nun saßen wir da. Ich musste mehrmals anfangen, weil die Worte sich falsch anfühlten. Sie waren es aber nicht. Es hatte sich eine Eisschicht gebildet, die ich erst durchschlagen musste, um wieder frei sprechen zu können. Es hat gut getan die Gedanken wieder zu teilen. Du hast mich verstanden und wir haben uns auf die nächsten Schritte geeinigt.

Nachdem alle Gäste gegangen sind, schließt die Kellnerin den Sonnenschirm und wir ziehen die Köpfe ein. Ich zittere leicht und weiß nicht, ob es die Aufregung oder die Kälte ist. Wir sprechen über Dinge, über die ich noch nie gesprochen habe. Ich empfinde ein tiefes Vertrauen. Manchmal hangeln wir uns an Assoziationsketten entlang, manchmal springen wir. Zwischendurch Stille. Nie unangenehm. Ich würde am liebsten bis zum Morgengrauen weitermachen. Die Vernunft siegt.

Problemverhandlung

Seit Monaten warte ich auf meine Diagnose. Jetzt ist sie da und ich bin unglücklich. Warum eigentlich? Autismus wurde ausgeschlossen. Stattdessen Soziale Phobien und möglicherweise Zwangsstörungen. Inzwischen habe ich mich oberflächlich eingelesen. Ja, soziale Phobien könnte passen. Ich habe zwar keine Probleme damit in kleinen oder großen Gruppen zu sprechen, aber die Interaktion mit einzelnen Personen empfinde ich als anstrengend, weil ich entschlüsseln muss, was mein Gegenüber meint, und ich darauf achte, mich so auszudrücken, dass mein Gegenüber mich versteht. Deshalb vermeide ich solche Situationen. Asynchrone Textkommunikation ist mir lieber. Ich habe so viel Zeit, zum Verstehen und Formulieren, wie ich brauche.

Unglücklich bin ich, weil soziale Phobien nur einen kleinen Teil meiner Probleme erklärt. Es fällt mir schwer Entscheidungen zu treffen, was dazu führt dass ich sie häufig so lange hinauszögere, bis sie jemand anders trifft oder die Zeit abläuft. Oft fehlt mir die Energie Aufgaben zu erledigen. Vor allem, wenn ich sie nicht interessant finde. Stattdessen starre ich dann stundenlang den Bildschirm bis der Stress so groß ist, dass ich sie erledige. Das sorgt dafür, dass ich oft unzufrieden genervt bin. Damit verbunden ist auch meine häufige Antriebslosigkeit, wo mir jede kleinste Handlung schwer fällt. Etwa aufstehen. Also bleibe ich sitzen und ärgere mich über mich selbst. Als ich damit vor Jahren bei meiner damaligen Ärztin war, meinte sie, meine Schilddrüse sei Schuld und ich bekam Tabletten, die ich seitdem täglich nehme. Für eine gewisse Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie geholfen haben und wenn ich sie länger vergesse, merke ich, dass die Tage noch anstrengender sind. Dann sind da meine abendlichen Stimmungsschwankungen. Meist eine innerliche Wut und Gereiztheit, sodass ich bei der kleinsten Irritation explodiere. Meine ganzen sensorischen Schwierigkeiten. Leise Geräusche, wie das Ticken einer Uhr oder ferne Gespräche lenken mich ab. Ich liebe meine Noise Cancelling Kopfhörer. Laute Geräusche tun mir weh. Helles Licht tut mir in den Augen weh, ich kneife sie dann schnell zusammen und bekomme dann Knopfschmerzen. Sonnenbrillen helfen etwas. Bildschirmhelligkeit runterdrehen auch. Und natürlich abgedunkelte Räume. Das Gefühl von sandiger Haut auf Stein bereitet mir schon beim Gedanken daran Unbehagen. Während dem Essen stehe ich öfters auf, um meine Hände zu waschen. Wenn sie etwas klebriges oder schmieriges berührt haben. Aber auch Dinge, die klebrig werden könnten, wie etwa Mehl. Ich ertrage es nur schwer, wenn andere in meinen Augen schmutzige Finger haben. Vor allem, wenn sie damit Gegenstände anfassen. Bevor ich am Computer arbeite, wasche ich mir die Hände, um ihn nicht schmutzig zu machen. Und ja, mein Unwohlsein im Umgang mit Menschen ist auch ein Problem. Aber nur in bestimmten Situationen. Ich halte Vorträge vor tausenden von Menschen, trete im Fernsehen auf, halte Workshops und beteilige mich in Meetings. Aber ich meide Telefonate und Kontakt zu Menschen aufzunehmen und Gespräche ohne Ziel (sogenannter Smalltalk) fallen mir schwer. Ich interessiere mich nur für wenige Dinge. Wenn ich Menschen, die mir wichtig sind, denke ich nicht an sie und ohne Kalender würde ich jegliches wichtiges Ereignis vergessen. Konflikte belasten mich, weshalb ich ihnen so gut wie möglich aus dem Weg gehe und sei er noch so klein.

Von dem, was ich gelesen und gesehen habe, würde Autismus den Großteil der Symptome erklären. Gerade Pathological Demand Avoidance. Nun war ich aber bei einer der angesehensten Einrichtung zu Autismus bei Erwachsenen und mir wurde nach zwei Terminen gesagt, dass es eben kein Autismus ist. Für mich ist das derzeit belastend, weil Autismus im Laufe des letzten Jahres zu einem Teil meines Selbstverständnis wurde. Das hat mir geholfen. Ebenfalls wie bestimmte Strategien und Werkzeuge, wie man damit umgehen kann. Noch rede ich mir ein, dass die Diagnose falsch sein könnte, weil ich versucht habe sie nicht zu beeinflussen und deshalb viele Aspekte unklar ausgedrückt habe. Es ist auch schwierig im ersten Gespräch sich direkt zu demaskieren (die Termine fanden mit unterschiedlichen Personen statt). Andererseits muss ich akzeptieren, dass es sich um Experten handelt, die es trotzdem korrekt beurteilen können sollten.

Das Diagnoseschreiben endet damit, dass die Anzeichen für soziale Phobie und Zwangsstörung in einer solchen Spezialsprechstunde nicht weiter klassifiziert und eingeordnet werden können, weshalb eine weitere Diagnostik empfohlen wird. Es hat mich eineinhalb Jahre und viel Energie gekostet, um hierher zu kommen und es fühlt sich an als würde ich wieder am Anfang stehen. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Wahrscheinlich ein Termin beim Hausarzt, um über die Diagnose und weitere Schritte zu sprechen.

Ausredung

Oh, hi, da bist du ja wieder. Das ist diesmal schnell gegangen. Gibt es einen besonderen Grund?

Es ist sechs Uhr. Ich habe in der Früh Mails beantwortet, hatte am Vormittag ein Meeting und dann gearbeitet. Am Nachmittag zwei Stunden Beiratssitzung. Aber sonst habe ich nichts geschafft. Jetzt ist es sechs Uhr.

Das klingt als wärst du produktiv gewesen. Nur weil du nicht alles schaffst, was du dir vornimmst, bedeutet nicht, dass du nichts geschafft hast. Kannst du dich noch erinnern, dass du dir einmal vorgenommen hast, pro Tag eine Sache zu schaffen? Davon abgesehen ist deine Wert nicht deine Produktivität. Auch wenn du das schon längst übernommen hast.

Aber vier Stunden habe ich prokrastiniert. Twitter, Tiktok, Reddit. Dabei muss ich bis übermorgen einen Aufsatz schreiben und einen Workshop vorbereiten. Ich bin anderen seit zwei Monaten Sachen schuldig. Fünf weitere Aufgaben ohne explizitem Zeitpunkt, die aber auch schon zu lange unbearbeitet rumliegen. Und jetzt, nach der Arbeitszeit, sollte ich mich um die Steuererklärung kümmern und um die davor und um die Umsätze, die noch nicht korrekt verbucht sind. Ich habe nicht einmal einen Vortrag bei der re:publica eingereicht. Zum ersten Mal. Weil ich keine Kraft mehr habe.

Vier von zehn Stunden. Nachdem du letzte Woche noch krank im Bett lagst. Und die Woche davor. Und mehrere Wochen im November. Niedergestreckt von einem Virus. Da bleiben auch einmal Sachen liegen. Das ist in Ordnung. Du arbeitest am effizientesten kurz bevor es zu spät ist und wenn es schon lange zu spät ist, ist es egal, ob es noch einen Tag länger dauert. Du weißt wie du deine Aufgaben priorisieren musst. Dir wurde gesagt, dass du dich diese Woche schonen sollst, damit du beim Termin am Freitag fit bist. Du wirst geschätzt. Die Menschen sind froh, dass du da bist. Das mit der re:publica ist schade. Ich weiß wie wichtig sie dir ist. Aber vielleicht ist es auch einmal schön einfach dort zu sein. Ohne Verpflichtung.

Ich musste kurz weg. Andere Feuer. Löschen konnte ich sie nicht. Nur etwas eindämmen. Und der Dozent hat mir geschrieben. Er freue sich auf meinen Aufsatz. Das wird meine morgige Aufgabe sein. Und wenn sonst noch etwas schaffe, ist das gut und wenn nicht, dann ist es auch okay.

Genau. Und jetzt machst du Feierabend. Die Aufgaben verschwinden nicht, aber du darfst sie bis morgen ziehen lassen. Mindestens. Du bist wertvoll.

Ich weiß nicht einmal, was das bedeutet.

Wirrgang

Die Sonne scheint.

Als ich den neuen Job begonnen hatte, hatte ich mir vorgenommen, nach einem Jahr zu schauen, ob er mich zufriedener gemacht hat. Oder nicht. In eineinhalb Monaten wird es soweit sein. Aber eigentlich kann ich mir auch jetzt schon Gedanken machen.

Ich laufe weg. Vor der Stille. Die Ströme füllen mich mit Informationen und winzigen Höhepunkten. Genug, um nicht zugrunde zu gehen.

Schreiben zwingt mich zu sortieren. Die Buchstaben müssen in die richtige Reihenfolge. Aber auch die Worte fordern eine bestimmte Logik ein. Ich könnte sie zusammenwürfeln, aber ich kann es nicht.

Pause. Wir waren spazieren. Ohne Kind. Früher habe ich jeden Tag mehrere Texte geschrieben. Ich konnte gar nicht anders. Heute quäle ich mich durch einen in einem langen Zeitraum. Was hat sich geändert? Warum habe ich mich verändert? Ich erinnere mich, dass ich früher Ideen mit mir herumgetragen habe. Es hat gedauert bis ich sie abgetippt habe. Manchmal habe ich sie zuerst auf Papier geschrieben. Hatte ich mehr Platz in meinem Kopf? Heute vermiete ich einen großen Teil davon. Eigentlich nur stundenweise, aber mir erscheint es wie Volumen. Einerseits gibt es die tatsächlichen Aufgaben. Mit denen kann ich umgehen. Dann kommen aber noch weitere Dinge hinzu. Planung, Organisation und Unterbrechungen. Diese führen zu Stress. Der führt zu Lähmung. Dann sitze ich da voller Schuldgefühl und warte darauf, dass ich enttarnt werde, alles zusammenbricht und ich wieder bei null anfangen kann.

Ich verdiene doppelt so viel wie früher. Ich arbeite fünfmal so viel. Ich kann Projekte nicht mehr einfach ablehnen. Ich twittere viel weniger.

In den letzten Monaten war ich zweimal längere Zeit krank. COVID-19. Einmal wahrscheinlich die Delta-Variante und einmal Omicron. Physische und psychische Belastung. Sich krankschreiben lassen zu können ist toll, dass sich die Aufgaben in dieser Zeit weiter aufstapeln nicht. Am Weg der Besserung durch das Tal des Stresses. Wieder gelähmt.

Es geht uns gut. Es geht mir gut. Privilegierte Position. Letzte Woche hätte ich meine Diagnose bekommen sollen. Dann wurde ich krank. Nächster Termin in zwei Monaten. Und dann? Die Diagnose ändert nichts. Sie bestätigt nur. Oder widerspricht. Ich muss selbst herausfinden, was mich glücklich macht und was nicht. Ich muss aus dem Loch rauskommen. Ich bin von mir selbst genervt.

Vorvorsätze

Als ich heute mit einerm Freund gesprochen habe, hat er mich gefragt, ob ich Vorsätze hätte. Es dauerte einen Moment bis ich verstand, worum es ging. Vorsätze für das neue Jahr. Habe ich schon lange keine mehr gehabt, aber mit etwas sortieren sind ein paar Punkte zusammengekommen, die ich mir vornehme.

Evaluation. Machen mir die Dinge, die ich mache, Freude? Ich bin in der glücklichen Situationen, dass ich mehrere Möglichkeiten habe, Geld zu verdienen. Im Mai habe ich mich verpflichtet einen großen Teil meiner Zeit in einem Weisungsverhältnis zu verbringen. Ich kann Projekte nicht nach Belieben ablehnen, dafür bekomme ich Geld, unabhängig davon, wie viel gerade zu tun ist. Für meine eigenen Projekte hatte ich seitdem fast keine Zeit mehr. Ich möchte darüber nachdenken, wie ich das finde. Immer wieder, aber ganz besonders nach einem Jahr. Möchte ich das auch weiterhin machen oder nicht. Das gleiche gilt für die anderen Sachen, die ich mache, weil sie sich so ergeben haben.

Unterstützung. Das Kind hat ähnliche Schwierigkeiten wie ich sie in der Schule hatte. Eine Lösung habe ich nie gefunden. Dennoch möchte ich so viel Druck rausnehmen wie möglich und es begleiten seine eigenen Interessen zu entdecken und verfolgen.

Selbsterkenntnis. Am sechsten Jänner habe ich meinen Diagnostiktermin. Der perfekte Start in das Jahr. Ist es überhaupt noch Selbsterkenntnis, wenn jemand anders einem sagt, wer man ist? Es ist nur eine Diagnose und Startpunkt mich in einem anderen Kontext zu sehen und mein Verhalten zu beurteilen. Möglicherweise kommt auch etwas ganz anderes heraus. Oder mehr als ich erwarte.

Schreiben. Schreiben tut mir gut. Schreiben hilft mir, meine rasenden Gedanken einzufangen, sie zu sortieren und für die Ewigkeit zu bannen.

Durcheinander

Ich ignoriere Mails. „Aber alles wird gut“, flüstert Fred Rabe in meine Ohren. Der Anfang ist das schwierigste. Wieder schreiben. Eine Person, die ich seit vielen Jahren bewundere. Und in ein paar Tagen die Diagnostik. Ich bin aufgeregt. Was wird sich ändern. Nichts. Ich. Vielleicht.

Keine Antwort. Wieder keine Antwort. Ich kann das nicht. Ein Tippfehler. Das muss man Großschreiben. Aber Grammatik ignoriere ich. Warum eigentlich? In der Schule habe ich es nie so richtig verstanden oder mich dafür interessiert. Unterbrechungen machen mich wütend. Je nachdem wie viel Energie ich noch habe.

Auf der Suche nach den Dingen, die mich antreiben. Anerkennung. Aufmerksamkeit. Ich würde gerne Dinge machen, die das Leben anderer besser macht. Aber es treibt mich nicht an. Mehr ein Wunsch. Neugierde. Ich weiß nicht wann und warum. Manches setzt sich in meinem Kopf fest und lässt mich nicht mehr los. Korrektheit. Ich habe oft eine Vorstellung, wie etwas gemacht werden sollte und ich bleibe dran bis es so erledigt ist. Wird oft fälschlicherweise für Perfektionismus gehalten.

Ich ignoriere und es wird schlimmer.

(Es ist Abend. Abends habe ich oft keine Energie mehr und bin schwer erträglich. Ich bitte um Entschuldigung.)

Mein erster Urlaub

Bisher war ich entweder selbständig oder nur wenige Monate angestellt, sodass ich keine Urlaubsansprüche hatte. Das bedeutet nicht, dass ich nie nicht gearbeitet habe, aber ich wurde nie dafür bezahlt nicht zu arbeiten. Heuer ist das anders. Ich habe in der Personalabteilung gefragt, wie viele Urlaubstage mir dieses Jahr zustehen und dann bei meinem Vorgesetzten einen Urlaubsantrag eingereicht. Der wurde bestätigt und ging wieder an die Personalabteilung. Heute ist es soweit. Mein erster bezahlter Urlaubstag. Ich habe ihn genutzt, um die Abwesenheitsnotiz im Mailprogramm einzutragen und zu testen, ob vom Laptop der Serverzugriff funktioniert. Ich lerne noch. Es ist nicht geplant, dass ich irgendwas mache und ich habe auch keinen Kontaktmöglichkeit für den Notfall angegeben. Ich brauche es aber für meine innere Ruhe, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn es wäre.

Das Kind hat Wandertag. Ich werde mit Frau Wunderbar die letzten Dinge erledigen und Sachen verstauen. Das Rollo bekommt einen Urlaubsmodus. Ich brauche noch ein paar Ladegeräte. Vielleicht richte ich mir noch einen Fernzugriff auf den Heimserver ein.

Und dann geht es los. Ich freue mich auf das Meer und bin gespannt wie ich ohne Arbeit funktioniere.

Sonntag ohne Handy

Heute morgen wollte das Kind wetten, dass ich keinen Tag ohne Handy aushalte. Habe ich abgelehnt und ihr erklärt, dass das ein Gebrauchsgegenstand ist und entsprechend der Verzicht nicht erstrebenswert. So wie man auch nicht einen Tag auf Stühle verzichtet. Oder auf Strom. Habe das Handy dann trotzdem auf dem Nachttisch liegen gelassen. Bis jetzt. Am meisten ist es mir beim Spaziergang mit dem Drachen abgegangen. Ich wollte ein Foto machen. Und Pokémon Go konnte ich auch auch nichts spielen.

Am Auftrag weitergearbeitet. Fehlt noch der letzte Teil und das Fazit. Sollte ich morgen nach der Arbeit schaffen.

Am Abend Lahmacun und Döner geholt. Dann Tatort.

Ist das jetzt ein Tagebuch? Ein bisschen. Alles was Stabilität bringt.

Arbeit und Arbeit und Arbeit

In der Arbeit neue Verantwortung übernommen. Etwas außerhalb meines Könnens, aber machbar. Meine Pläne dafür ausgeschrieben. Müssen noch etwas verfeinert werden, aber dann kann ich sie präsentieren und umsetzen. Ich glaube, das wird gut.

Dann kam noch eine Anfrage rein. Kurzfristig ein Analyse. Ich habe es überlegt, was zu machen ist und dass mir die Zeit fehlt, weil ich noch die Arbeit für die Uni schreiben muss. Daher ein Monatsgehalt für drei Tage Arbeit verlangt. Und dann haben sie es angenommen. Und ich frage mich, ob ich dann nicht nur sowas machen sollte. Erinnere mich aber an die Zeit als ich es gemacht habe. Wenige Aufträge sind so gut bezahlt und gestresst hat es mich trotzdem. Lieber die Stabilität des regelmäßigen Einkommens, selten nebenbei etwas und das Wissen, dass ich weder auf das eine, noch das andere angewiesen bin.

Den Samstag mit dem Auftrag verbracht. Den gemeinsamen Spaziergang verpasst. Aber dann noch ein schönes Telefonat und Abends mit Frau Wunderbar und dem Kind Ratchet und Clank All 4 One gespielt.

Dozent hat mir geschrieben, dass es in Ordnung ist, wenn ich für meine Arbeit noch ein paar Tage länger brauchen. Das ist gefährlich, weil ich die Priorität direkt runterstufe. Vor allem mit dem Auftrag daneben. Aber ich habe die grobe Struktur und eine Vorstellung, wie ich sie ausfülle. Sie soll interessant sein und zumindest positiv. Das sollte ich schaffen.

Kurz nach zehn. Gleich schlafen. Meist wache ich um halb sieben auf. Das ist in Ordnung. Außer wenn ich zu lange wach geblieben bin, dann bin ich müde, kann aber nicht mehr schlafen.

Gute Nacht.