Minutenstille

Wenn der Kopf die Gedanken auf ihrem Weg in die Finger abschneidet. Ich möchte schreien; heraus kommt ein leeres Schnaufen.

Ich versuche mich an andere Zeiten zu erinnern. Wie ich gefühlt, wie ich gelebt habe. Seit Wochen plagt mich eine gestresste Zufriedenheit. Für Frau und Kind da sein. Die Zeit genießen. Mein Leben ist schön. Aber mein Kopf hält es nicht aus. Unzufrieden. Tag für Tag stapeln sich die Ideen und unerledigte Aufgaben. Wenn ich mich hinsetze zerreißt das kleinste Geräusch meine Konzentration. Der Rasenmäher des Nachbarn. Der Staubsauger. Radio. Kinder unter uns. Der Lüfter des Computers. Gerüche fühlen sich falsch an, mein Körper schmerzt. Der Kopf hämmert. Ich will hier raus. Alles ist zu viel.

Zusammenreißen. Die Nächte sind zerstückelt. Normal. Für das Kind. Es ist nicht seine Absicht. Kleine Stressattacke. Durchatmen, aufstehen, etwas tragen. Es beruhigt sich schnell. Uns geht es wahrscheinlich besser als vielen anderen. Ich spüre wie es ihr zu schaffen macht. Weniger Schlaf als ich.

Auszucken. Meine Stimmung verbreitet Angst. Immer kurz vorm explodieren. Man hört wie der Druck pfeift, aber außer kurzen Zucken passiert nichts. Meine Schuld. Meine Schuld. Ich muss mich aufs Rad setzen. Fahren. Laufen. Bewegen. Dinge müssen erledigt werden. Jetzt. Viel zu spät. Ich schaffe es nicht. Meine Schuld. Meine Schuld. Sich selbst zu verurteilen ist viel einfacher als sich zu ändern. Doppelte Schuld. Wie kann man nur so dämlich machen.

Ein Lächeln. Von ihr oder ihr. Mein Kopf hält die Klappe, lässt mich Endorphine spüren. Stille.

Vergangenheit klebt an mir. Honig und Teer. Ich wünsche mir kräftig abgeschrubbt zu werden. Oder auch nicht. Die idealisierte Vorstellung des Neuanfangs.

Sproche

Die rote Hochzeit. Plötzlich frage ich mich, was er zuvor gemacht hat. Will wissen, wovon er lebte. Fünf Tage nach mir sein Geburtstag. Seit zwei Jahren sollte ich schon. Aber Vergleiche brauchen wir nicht. Jedes Wort in sich zersetzt, jeder Satz ohne Lösung. Weil nur so die Fassade aufrecht erhalten bleibt.

Waren es nicht die Wörter, die mich faszinierten? War es nicht das Teilen der Geschichten. Die Entstehung spielt keine Rolle. Etwas Wahrheit.

Mein Leben als Aneinanderreihung von Ereignissen. Dazwischen viel warten. Ich bin zufrieden. Aber voller Sehnsucht. Nach dem Großen und Unerreichbarem. Dafür kommt morgen unsere neue Küche. Ich vergas meine Medikamente zu nehmen und am Donnerstag erwartet man mich in der Klinik. Jeden Tag versenke ich mehrere Stunden in Bildern mit Textaufdruck. Die Schere im Kopf versucht neue Stränge abzuschneiden, weil sie Angst hat, dass wieder Mails von den Personen kommen, von denen man es nicht will, und keine von denen, über die man sich freuen würde. Wegen dieses Satzes. Niemand wusste.

Macht entsteht durch Erwartung. Fremdzuschreibung eines fiktiven Wertes. Erst wenn man Schmerz und Tod akzeptiert kann man sich befreien. Zumindest ein Stück. Zugleich verliert man alles.

Was bedeutet groß? Wohin deute ich?

Teilnahmeverweigerung. Ich möchte nicht mehr diskutieren und schließe mich dadurch aus. Das System nimmt es als Akzeptieren des Zustands hin und veranlässt keine Nachjustierung, da es den drohenden Zerfall nicht registrieren kann. Dann stehe ich auf und gehe.

Ich mag schöne Dinge. Ich brauche sie nicht. Ich mag mich nicht immer.

Kein Ziel. Vielleicht weil ich mich nicht entscheiden kann. Vielleicht weil ich faul bin. Vielleicht, weil ich es einfach nicht verstehe.

Und schon wieder Dinge gelesen, die mich nur aufregen. Nicht reagiert, weil ich mich dabei noch mehr aufrege. Und mich stattdessen aufgeregt, dass ich mich aufrege über das nicht aufregen. Es wäre auch viel zu einfach. Das sein. Da sein. Dasein. Unser aller. Ich möchte mich an den See setzen und schweigen. Möchte in fremde Welten flüchten und nicht traurig sein, dass eine Wand uns trennt. Das bin nicht ich. Das ist das Problem. Und wenn ich meine Gedanken nicht mehr in für andere verständliche Sätze verwandle, werde ich weiter abdriften bis meine Sprache mit der euren nur noch Zeichen teilt. Eine Übersetzungshilfe für all die Texte. Man könnte auch Kommentare schreiben. Und dann will ich mich nicht erklären. Und alles wird doof. Es gibt nichts zu verstehen. Außer alles.

Der Mann, der nicht ruhig sitzen kann. Ich sehe Parallelen und große Klüfte. Nicht mit dem zusammenkommen, was ist. Es irgendwann akzeptieren, sich selbst aufgeben und irgendwie weiter machen. Irgendwie. Macht mir Angst. Und zugleich Hoffnung. Trotzdem zufrieden. Meist. Glaube ich. Hoffe ich. Alle sind anders und das macht uns gleich. Manche sind gleicher und ich kann es nicht ab. Deshalb auch Sproche. Zusammengezogen.

Zur Unterhaltung. Zur Zerstreuung. Zum zerreißen.

Ständige Suche nach Absolution.

Texterlegung

“Überlege das Schreiben aufzugeben.”

Teresa: “noooooin!”
Miez: “Ahahahahahaha. (Dasgehtnicht)”
Zeitlos: “Nein. Punkt. ;-)”

Worte verweben. Geschichten tagelang in sich tragen, von einer Kopfhälfte in die andere schieben. Bis sie rund sind und man sie mit den Fingern auseinander ziehen kann. Mit neuen Formulierungen und kantigen Satzzeichen anhäufen. Den frischen Duft nie erleben, weil man sich schon daran gewöhnt hat. Nur die Augen der anderen. Ein kleines Glitzern. Manchmal eine Träne. Ohne Erwartungen.

Ich möchte mich wieder freigeben. Manchmal steht man im Schlamm. Dann bleibt der Pullover an Dornen hängen. Man hat sich in der Höhe des Berges verschätzt. Die Arme an den Körper gebunden. Durchatmen und ein paar Meter schweben. Wie ich alleine im Kindersitze. Frau und Tochter schon im Bett. Der Ausflug nach Westeros ist beendet. Das Haus fast im Grünen. Die Straße runter der Sportplatz. Auf dem Hügel die Windräder. Mächtige Riesen, innen langsam, außen schnell. Elektronen gehen auf Wanderschaft. Die Energieanzeige bei vierzig Prozent. Nächste Woche geht es nach Berlin. Alle Vorschläge abgelehnt, um dann persönlich einzuladen. Die Gesellschaft funktioniert auf Ineffizienz. Keine Zahnräder, die sauber aufeinander abgestimmt sind, sondern weiche Kugeln, die sich mit viel Schmiere aneinander reiben. Mache mit mehr Struktur andere mit weniger. Ein riesiger Sumpf und dem sich alles bewegt. Zu viel Flüssigkeit und jeder überschlägt sich selbst, zu wenig und wir überhitzen.

Zu viele Ebenen. Noch immer die Vorstellung des unvollendeten Hochhauses. Nachts. Blick auf die Stadt. Ist das echt?

Aufmerksamkeit. Mein Benzin. Anerkennung. Der Funke. Manchmal auch nur neugierig. Erfahren was passiert, wenn man auf die Knöpfe drückt. Und dann selbst einen Knopf bohren. Ein paar Kabel reinstecken, ihn hübsch anmalen und draufdrücken. Sich verkaufen müssen macht mir Angst. Auf dem Papier sind Zahnräder. Unrunde Zahnräder verhaken. Werden ausgetauscht. Für mehr Glibber.

Dankbar für die Dunkelheit. Für die Kälte. Für Menschen, die durch die Nacht irren. Nicht alleine sein. Linien und Punkte. Ideen wandern. Angekommen.

Leidensglück

Eigentlich kann das alles gar nicht sein. Ich sitze auf dem Sofa mit meiner Frau und unserem Kind. Etwas links über der Mitte Deutschlands. Vor mir ein großer Fernseher. Standboxen. Mein Lederklappstuhl, der mich seit Wien begleitet. Ein Stubenwagen. Auf dem Tisch unter einer Glaskuppel ein Kuchen. Durch das Fenster sieht man ein Vogelhäuschen. Wir haben einen Garten und fahren einen weißen Neuwagen.

Das Kind schreit.

Eigentlich sollte alles drüber und drunter gehen. Stattdessen fühlt es sich nach Stillstand an. Das Kind lässt sich jeden Tag etwas neues einfallen. Besonders das Lachen hat es mir angetan. Aber ich stecke fest. Der letzte txt ist zwei Monate her und kein Meisterwerk. Ich freue mich jeden Tag, aber es fehlt etwas. Die Bühnen? Die Trauer? Das Suchen? Das Schreien? Das Laufen? In meinen Kopf schweben die Momente der letzten Jahre. Immer weiter weg die Container, in denen ich die letzten Schuljahre verbracht habe. Die Europareise, die viel zu kurz war und der Aufbruch nach Wien. Studium, Veranstaltungen und viele neue Menschen. Vor Ort und weiter weg. Zwei Wohngemeinschaften. Der erste Sommer bei ihr. Immer wieder Abschiede. Endlich zusammenziehen. Der Abschluss, der noch drei Prüfungen und eine Arbeit gebraucht hätte. Viele Spaziergänge. Noch mehr Sex. Auf dem Balkon liegen und die Augen schließen. Ein gutes Ende für einen Film.

Das Kind schreit.

Frau Fragmente hat mir geschrieben, dass wir uns mehrere Leben vorstellen, aber nur eines leben können. Das sieht der Kopf möglicherweise nicht ein. Und ist unzufrieden. Jawl schickte mich nach Münster und ich kam mit einem weiteren Puzzlestück zurück. Placetogo tauschte mit mir Pokemon.

Das Kind wird durch die Wohnung getragen.

Schreiben besteht auch aus stundenlang den Bildschirm anstarren und Wörter im Kopf zusammenstecken um sie doch wieder voller Wut gegen die Wand zu werfen. Ständige Sorge um die Grammatik, während man sich jegliche Freiheit nimmt. Zugleich wissen, dass es nahezu unmöglich ist viel zu bewegen und zugleich, dass man etwas kleines bewegen muss, damit nicht alles stehen bleibt. Sicherheit macht es nicht besser. Aus den Kopfhörern keine Erlösung. Das Ziel ist unbekannt und ich weiß nicht auf welcher Reise ich mich befinde. Nicht so überzeugt wie ich sein sollte. Spannungsabfall. Anscheinend schreibe ich manchmal Dinge, die andere Menschen gut finden. Aber reicht das? Ich weiß nicht wo ich hin möchte.

Ich bin alleine.

Abends Tabletten, damit ich schlafen kann und mich am nächsten Tag nicht am Boden wälzen. Sie verhindern, dass mein Körper bei jeder Aufregung Blasen schlägt. Morgens Tabletten, damit ich nicht ganz einklappe. Sie machen mich aggressiv und meine Motivation schwankt stark. Spielt sich noch ein. Zumindest meint das meine Ärztin. Das erste graue Haar. Auf der linken Schläfe. Leicht abstehend, damit ich es nicht übersehe. Passender Zeitpunkt für Midlifecrisis. Aber kein Geld für dumme Abenteuer. Ich ignoriere das Leben.

Nie war ich so glücklich.
Und so unzufrieden mit mir selbst.

Eintext

Einfach schöne Worte.

Ich liege wach. Wie könnte es auch anders sein. Die letzten Abende habe ich zu der Zeit gelesen. Zwischen elf und zwölf. Manchmal früher, manchmal später. Nie auf Papier. Hintergrund auf schwarz, Helligkeit unter zehn Prozent. Manchmal sehe ich auf die Decke um zu sehen, ob ich zu hell bin. Fast unsichtbar. Ich finde es schade, dass nicht alles so funktioniert. Nicht einmal Belletristik sondern ein Sachbuch. Dafür ein gutes. Eines wo ich mich bei jedem Kapitel erfreue, wenn meine Welt nachjustiert wird.

Diese Woche könnte es soweit sein. Unser Kind. Kurz die Augen schließen und das Glück spüren. Neun Monate. Schnell sind sie vergangen und nun ziehen sich die letzten Tage. Bewegen fällt ihr immer schwerer. Dafür turnt das Baby fleißig und stößt in die Rippen. Meine Hand liegt jeden Tag einige Stunden auf dem Bauch. Ich spreche mit beiden und wir haben alles vorbereitet. Das Kinderzimmer und die Tasche für das Krankenhaus. Für mich ein paar Tabletten und Shirts zum wechseln. Es wird sich vieles ändern. Ich bin gespannt. Die Gedanken bei den ersten Stunden. Viel weiter reicht die Vorstellung nicht. Alles andere fühlt sich unwirklich an.

Die Buchstaben sind auf weißem Hintergrund, die Decke Disco. Sie dreht sich um, legt einen Arm um mich. Ich bin angekommen.

Wochentag

Manchmal verstecke ich mich hinter Metaphern und Kryptomanie. Es schützt und hilft. Mehr würde es vielleicht, wenn ich damit hinausbrechen würde. Doch das kann ich nicht. Auch nicht, wenn die Blätter später in Flammen aufgehen. Jedes Wort, das den Weg in die Freiheit findet, kann sich verselbständigen.

Wir sind nun seit zehn Tagen. Es war ein Montag. Der Anfang der Woche. Wir sind seit zehn Tagen verheiratet. Ein überraschend trockene Entscheidung und zugleich vor allem deswegen voller Zuneigung und Liebe. Dieses Wir soll bleiben. Weitere fünf Jahre schienen uns als angemessen.

Ich bin glücklich.

Sie erdet mich. Sie fängt mich. Sie.

Heute sitze ich das erste Mal seit Monaten alleine zuhause. Sie ist bei einer Weihnachtsfeier. Erst wollte ich spielen. Dann war ich abgelenkt. Jetzt habe ich mich an den Blog erinnert. Diese Zusammenstellung von Code, die auf einem Server läuft und täglich den Menschen erzählt, was ich vor Monaten und Jahren gedacht habe. Wunderbares Ding. Da könnte ich wieder einmal vorbei schauen. Ein paar neue Gedanken da lassen. Das nächste Jahr wird anders. Schon wieder. Und noch mehr. Das ist gut. Das ist großartig.

Es ist nicht der txt, den ich erwartet habe. Aber ich mag euch.

Unvollständigung

Ich. Du musst. Verstehen.

Zurückgehalten. Mit den Worten. Weil man das nicht macht. Öffentlich zur Schau stellen. Meine Schulzeit pocht öfter. Ich möchte nicht öffnen. Buchstabenwiederholung. Das innere nach außen kehren. Verletzlich. Ich.

Es ist nur txt. Manchmal zu kräftig und manchmal zu schwach.

Lange Zeit war meine Antriebskraft anderen zu zeigen, dass ich besser bin. Als was sie von mir glauben. Nachricht auf Internetplattform. Erinnerungen. Sieben Jahre. Lachen.

Ich vermisse. Nachts im Auto zu sitzen. Tee trinken.

Jetzt fahre ich Zug.

Mehr Briefe. Ich sollte mehr Briefe schreiben. Mehr Leser als ein Tagebuch. Und niemand der etwas vorhält. Wenn man den Empfänger.

Sätze die in meinem Kopf klar, bedarfen keinen Abschluss.

Erstmals der Gedanke, was das Kind denkt, wenn es das liest. Hallo.

Kryptografie. Verlernt man nicht. Nur Schlüssel sind schöner.

Kein Absatz vervollständigt die Geschichte. Die Augen jeden Tag. Gefühle austauschen.

Jede soziale Verbindung birgt die Gefahr des Zerreißens. Mit jedem Faden wird ein Stück Ich mitgenommen. Es schmerzt. Sich zu flüchten und nur zu schreiben ist die Alternative. Das Glück im Unglück finden. Sich nicht zu kümmern was andere denken. Keine Konsequenz, die dich je einholt. Laufen bis man umfällt. Tief einatmen. Jeden Herzschlag spüren bis man aufhört. Mit allem.

Bedingungslos. Kein schönes Wort. Aber ein schönes Gefühl.

Sammlung verphrasiert.

Um jeden Gedanken eine Hülle legen. Sie sanft zubinden und das Päckchen in den großen Sack stecken. Nicht ich. Es ist. Von mir. Aber nicht ich.

Sich der Urheberschaft entledigen.

Dem Verlauf mit dem Finger folgen. Einsinken. Sich nicht an den Nächten vergehen. Dazwischen die Struktur verstreichen. Jahre.

Das Versprechen des Schockierens. Offene Lippen. Rot. Dem Auge verborgen. Klingen. Die Glocken. Der Sprung des Sinnes. Nur ein Punkt.

Das Gegenteil von Über. Aber nicht sous.

Jegliche Mystik; untergegangen. Wir halten die Lichter hoch. Warten auf das Einsetzen der Musik. Erst beim Abgang bemerken wir die Einsamkeit.

Wäre da Meer. Konnten wir schwimmen. Die Schiffe werden vorm Wind getragen. Eins mehr.

Tischtennis mit jemanden, den man nicht denkt. Erst beim zweiten durchgehen kommt die dritte Bedeutung. Erschlagen vom Blitz. Noch eine Verbindung.

Dem zu folgen. Ich möchte es wissen. Nur für mich.

Das Wort sucht einen Partner. Zum spielen. Alle Geräte sind besetzt. Nur das sanfte Nachklingen. Der Schein, der noch im Auge liegt. Es hallt. Dem Wort ist es ein Geist.

Groß gewordener txt. Zwischen Seiten gepresst. Es ist nicht das Material. Sondern die Form. Auch Glas hat Ästhetik. Ein kantiges Wort.

Der Winter.

Es beeindruckt nur noch wenige. Vom Überfliegen abgeschreckt. Mir fehlt. Die Luft spricht dünn. Nicht auszudenken wie es als nicht falsch genommen wird. Jede kleine Bedeutung. Sie sitzen auf den Spitzen, verstecken sich in den Rundungen und sind auch sonst sehr umtriebig. Sodbrennen.

Niemand wird erschlagen. Nur das Klicken lässt meine Hormone sprudeln. Ein leises Schreien. Hustend. Röchelnd. Kein.

Auch die gelöschten. Die vergessenen.

Kann man nicht müssen.

Ich empfinde es als schöner. Als. Ohne. Er flucht. Neben mir. Wand.

Als die Zeile verloren ging. Keine Linien. Einzeln setzen sie sich hintereinander und ließen nur manchmal Platz. Falls noch jemand dazu kommen würde. Die Gefahr jedes einzelnen. Unbeabsichtigt. Unsichtbar. Bis es sich in den Vordergrund drängt und keine andere Deutung mehr zulässt.

Weit weg.

Die bloße Zusammenstellung lässt mich lächeln. Eines folgt dem anderen. Ich möchte Verbesserung. Sich aufraffen und die Dinge nachlesen. Nicht dem nachgeben, was man schon kennt. Sich vermeiden. Gestank.

Es stimmt. Lediglich nicht in meiner Welt. Verarbeiten. Erlebnisse. Nicht.

Donnerstag Abend. Ohne dich umzudrehen steht die Straße in einer Gewalt. Wir warten. Es wird Klischee. Nur die Vögel fehlen. Glucksend kündigt der Bach sein Ende an. Meer.

Zu lange auf Eisen. Man wird kalt davon. Oder bittet die Klimaanlage weniger Latour zu lesen. Noch ratterst du. Dann schieben sie dich in eine Schuppen und dann ins Museum. Weißer Dampf und schwarzer Rauch.

Eine Unvollständigung.

Noch immer im Eingang. Zwei Wochen. Markiert und unberührt. Ein Lied. Abbruch. Abbruch.

Andere erzählen sich Witze. Ich speibe.

Beinahe verirrt. Nur dreimal.

Aufsam. Wie die Bermöwe.
Entstandung eines Gedichts.
Scheu.

Während die Lichter ausgingen schlug es mich auf.

Entscheidungsfindung

Tägliches reflektieren. Der Einzige der dafür verantwortlich ist bin ich. Und unzählbar viele Zufälle. Wir haben Theorien und Thesen, doch die funktionieren nur, wenn wir Faktoren entfernen, die wir im Alltag nicht entfernen können. Entscheidungen sollte man nicht an ihrem Ergebnis messen, sondern an ihnen selbst. Das tun, was man für richtig hält und sich nicht darüber ärgern, dass es trotzdem nicht funktioniert hat. Nicht alles kann man beeinflussen und so könnte auch die Entscheidung für das Gegenteil zum selben Ergebnis geführt haben. Nicht Beliebigkeit, sondern ein anderes Bewusstsein. Oft habe ich Angst vom Ergebnis. Traue mich nicht zu entscheiden. Und dann tritt das schlechteste ein. Oder gar nichts. Aber die Fälle merke ich mir nicht. Ich baue das Vertrauen in mein Unterbewusstsein auf. Andere nennen es Bauchgefühl. Es wird gesagt, dass wir uns oft schon entschieden haben und nur noch begründen. Kann man manchmal beobachten. Auch bei mir. Oder wenn ich zu ehrlich mit mir selbst bin und die Entscheidung nicht zulasse. Dilemma. Eine gute Entscheidung ist eine, die man umsetzt. Es bringt nichts sich für das zu entscheiden, das man nicht macht. Dann lieber den nicht perfekten Weg, der dafür gegangen wird ohne in der Mitte zusammenzubrechen.

Ich muss lernen stärker nach außen zu sein. Menschen, die mir wichtig sind, auf die Füße treten. Oft bin ich das Schiff, das seinen Kurs hat, ihn aber ständig herumschiebt. Wenn man seine eigenen Metaphern nicht mehr greifen kann. Entweder sie hängen zu hoch oder sind schon beim schreiben verfault. Ich finde Metaphern wichtig um mehr ausdrücken zu können.

Und dann Verantwortung übernehmen. Ich habe heute zu wenig geschafft. Ich fühle mich deshalb nicht schlecht, werde mir aber Mühe geben, es aufzuholen. Weil es um mich geht.

Bonuspunkte

Irgendwo in der Hecke glitzert etwas. Phil neigt seinen Kopf, hoffend es besser zu erkennen, doch es leuchtet nur. Er ist alleine unterwegs. Seine Taschen voller Funde der letzten zwei Stunden. Uhr besitzt er keine. Eine Kugel; er hebt sie hoch. Kein Glas, wie Metall fühlt es sich nicht an und für Plastik ist sie zu leicht. Ein bisschen kleiner als eine Billiardkugel. Die Oberfläche ist eigenartig rau. Dennoch reflektiert sie die Sonne. Aus der linken Knietasche zieht er ein Stofftaschentuch und hüllt sie behutsam ein bevor er sie in auf der rechten Seite in die Hose gleiten lässt.

Noch den Hügel hinunter und Phil ist wieder zuhause. Er möchte aber noch nicht. Setzt sich auf die Wiese und beobachtet die Ameisen. Kleine Stäbe und Stücke von Blättern tragen sie. Ihren Bau hat er schon letzten Sommer entdeckt. Kein großer Haufen, eher versteckt seitlich an einer alten Tanne. Manchmal lässt er ihnen die Überreste seiner Jause dort. Krümmel von seinem Brot oder ein Apfelputzen. Einmal hat er eine Banane hingelegt. Die mag er nicht. Doch als er einige Tage später wieder vorbeischaute, war sie lediglich schwarz geworden. Mit einem Stock hat er sie zermatscht.

Von der grünen Wiese zieht es seinen Blick nach oben. Kräftig blauer Himmel mit drei kleinen Wolken. Zwei Streifen von Flugzeugen. Wie jeden Tag um diese Zeit. Außer Sonntags. Phil wüsste gerne, wo sie die Menschen in ihren Bäuchen hinbringen. In den Süden an die Küste oder nur in eine große Stadt. Voller Autos und Hochhäuser. Er hat schon mehrmals versucht es rauszufinden, saß einen ganzen Tag vor einer Website, die in Echtzeit zeigt, wo Flugzeuge fliegen. Doch keine Route kreuzte das Dorf in dem er lebt.

Phil schließt die Augen. Manchmal wünscht er sich einen Freund, mit dem er alles erkunden kann. Jemand, der mit ihm auf der Wiese sitzt und dem er seine Theorien über die Wege der Ameisen und Flugzeuge erzählen kann. Am besten jemand, der ein Teleskop besitzt. Dann könnte man auch in der Nacht hier raufkommen und in die Sterne schauen. Er kennt die Sternbilder nicht. Den kleinen und großen Wagen. Den Nordstern. Die findet er noch. Aber die anderen nicht. In seine Zimmer ist ein Buch, wo alle aufgezeichnet sind. Doch so sehr interessieren sie ihn nicht. Lieber sieht er sie nur an. Und träumt. Ob da draußen vielleicht ein anderer Junge steht und in die Sterne schaut. Oder auf einem Planet, der einen der Sterne umkreist. Vielleicht auch ein Mädchen.

Die Sonne berührt schon den Berggipfel. Phil geht langsam den Hügel hinunter, bleibt nur einmal stehen, als ein großer Vogel über einem nahen Feld kreist. Er freut sich auf’s Abendessen.

Zweifelung

Zweifeln ist etwas wunderbares. Und in den falschen Momenten, mit den falschen Schlüssen tödlich für uns. Vor allem der Selbstzweifel. Gestählt durch die Gesellschaft; wenn du das nicht schaffst bist du ein Versager. Doch ‚das‘ ist meist irrelevant. Ich mag Dinge die vergleichbar sind; muss aufpassen, dass es nicht die Überhand nimmt. Zu einfach ist es nach Zahlen zu sortieren. Wenn ich von mir spreche, meine ich oft uns, weiß aber nicht, wer das eigentlich ist und bleibe lieber bei mir. Wer möchte kann sich dazu zählen. Bei Gesellschaft meine ich mich. Als Teil. Und als Teil, der für das ganze steht. Daran sollte ich zweifeln.

Ich stelle in Frage, ob ich kann, was andere glauben, dass ich kann. Habe Angst enttarnt zu werden. Im Gegensatz zu anderen, nicht allen, habe ich in der Schule geschummelt. Oft. Und oft erfolglos. Für das Ergebnis. Aufgedeckt wurde es nicht. Ein Grund für die vielen Hemden in meinem Kinderzimmerschrank. An der Universität aufgehört, weil ich das System nicht mehr ernst nahm. Weil die Menschen, von denen gesagt wurde, dass sie das Höchste sind, das die Menschheit in dem Gebiet zu bieten hat, auch nur Menschen waren. Nicht immer besonders kluge; aus meiner Sicht. Dann begann ich wieder einmal oder das erste Mal mein Weltbild umzustellen. Wissenschaftliche Lehre hat viel gutes. Realität. Meine Realität. Darf ich auch selbst konstruieren. Und während es wichtig ist, dass ich die von anderen verstehe und meine verständlich machen kann, ist es meine. Es gibt die großen Zusammenhänge nicht. Nur uns. Menschen. Zerbrechliche Dinger. In den meisten Situationen dümmlich. Nur winzige Bereiche, die manche meistern. Moral als wichtige Komponente. Es wird oft eingetrichtert, wie alles funktioniert und dass man gut sein muss, damit einem gutes widerfährt. Muss man nicht. Auch als Böser widerfährt einem Gutes. Es gibt, zumindest in meiner Welt, kein Karma als System, das unsere Taten wertet. Nur unsere eigene Einschätzung, was richtig und was falsch ist. Und alles dazwischen. Bedeutet auch, dass vieles so nicht gemacht werden müsste. Aber ich so besser finde. Etwa die freundliche und ausführliche Antwort auf vielfach beantwortete Fragen. Der Aufwand sich über die Person aufzuregen ist ähnlich hoch, bringt aber niemanden etwas.

Während der Zeit in Wien lernte ich mich zu überschätzen. Beziehungsweise wurde mir meine Selbstüberschätzung bewusst. In Prüfungen zu gehen ohne etwas gelernt zu haben und besser als der Durchschnitt bewertet zu werden ist wenig hilfreich. Auch meine Mathematikprofessorin hat mich immer aufsteigen lassen, weil sie der Meinung war, ich verstünde alles. Tat ich meist. Rechnen konnte ich es dennoch nicht. Irgendwann die Frage nach Können. Viele handwerkliche Tätigkeiten sind von Detailwissen und einer Grundfähigkeit abhängig. Materialbeschaffeneit, oft regelmäßige Probleme und workarounds. Andere Bereiche sind für mich oft schwerer zu erfassen. Ich bin irgendwo in Kommunikation tätig. Hilfreich ist zu wissen welche Abläufe es gibt. Vor allem inoffiziell und dann muss man die richtigen Leute kennen. Für mich persönlich ist vor allem Einfühlvermögen und die Einschätzung von Situationen wichtig. Oft bemerke ich, wie andere die Fragen oder Aussagen fehlinterpretieren und somit die folgende Kommunikation nur nach einigen Biegungen zu einem guten Ende führt. Insgesamt ist Bereitschaft wichtig. Sich auf die Dinge einlassen. Verstehen wie sie funktionieren und nicht alles auf einmal ändern.

Fast alles lässt sich lernen. Wir brauchen aber für unterschiedliche Dinge unterschiedlich lange und eigentlich entscheidend wäre zu erkennen, in welchen Bereichen man sich am schnellsten anpassen und entwickeln kann. Ich kann Sprachen lernen, aber es dauert über zehn Jahre bis ich sie halbwegs vernünftig spreche. Auch wenn ich es schön fände macht es wenig Sinn es zu machen. Dafür habe ich ein recht gutes Verständnis für die Sprache mit der ich aufgewachsen bin. Weshalb es mir auch so schwer fällt dies weniger zu pflegen. Fakten lernen liegt mir nicht. Zusammenhänge erkennen umso mehr. Ich habe ein tolles technisches praktisches Verständnis und kann vieles selbst reparieren. Selbst etwas bauen fällt mir schwer, Dinge von anderen zu verbessern braucht wenig Anstrengung und macht mir Spaß. Bevor ich diese Sätze geschrieben habe, wusste ich sie nicht. Hätte man mich danach gefragt, zuckten meine Schultern.

Ich finde es immer wieder interessant welche Dinge andere glauben, dass ich gut kann. Viele Erwartungen die aufgebaut werden, weil ich ähnliche Mechanismen auf neue Probleme anwende und mit dem Wissen anderer arbeiten kann.

Schon kommt die Sorge auf mich selbst zu etwas zu machen, das ich nicht bin. Ich scheitere täglich. An einfachen und an schwierigen Dingen. Ich habe große Probleme Entscheidungen zu treffen und zögere sie zu oft und zu lange hinaus. Auch fällt es mir leichter Dinge zu planen als sie zu beginnen oder gar abzuschliessen. Ich finde Erklärungen und Probleme, um nicht zu tun was nötig ist. Es ist anstrengend mit mir zusammen zu arbeiten. Weil ich mich um Dinge kümmere, die mich gerade nicht los lassen statt um die, die wichtig wären. Weil mein Entscheidungsprozess so lange dauert, stehe ich nicht immer voll hinter den Entscheidungen und bleibe im Prozess auch nach der Entscheidung hängen, suche nach weiteren Informationen, die die Entscheidung bestätigten oder ihr widersprechen. Das hält auf und ist dumm.

Mir fällt es schwer mit Kritik umzugehen, die ich nicht zuvor schon selbst hatte. Ebenso neige ich dazu Kritik vorzugreifen indem ich sie selbst ausspreche. Aber mein Verhalten nicht ändere. Es macht mich wahnsinnig, dass ich oft weiß was ich falsch mache, aber mich nicht bessere. Stattdessen Ausreden suche und mir was von fehlender Willensstärke einrede. Das ganze führt zu einer Abwärtsspirale der Selbstbemitleidung.

Das Internet gibt mir die Möglichkeit in andere Leben zu blicken und ich beginne allzu oft mich zu vergleichen. Was andere erreicht haben. Wie sich artikulieren können. Wie viel sie schaffen. Jeden Tag. Ich, der doofe Junge, der durch die Scheibe schaut und fasziniert ist, wie die Menschen draußen eine Runde nach der anderen drehen, statt selbst rauszugehen und anzufangen schaut er weiter zu und sagt sich, dass er nie so viele machen können wird. Paralysiert.

Ich zweifle an den Dingen, die ich jeden Tag mache. Das hilft mir Fehler zu vermeiden. Zugleich passiert es zu oft, dass es mich davon abhält das richtige zu tun.