Tagesstress

Der Tag ist zu lange geworden. Ich war verschlafen und kaputt, als mein Handy läutete.

„Wir sitzen gerade im Coworking Space und besprechen den Login. Hast du Zeit vorbeizukommen.“ Ein paar Schuldgefühle was ich alles nicht gemacht habe und die Vorfreude etwas weiter zu bringen und dass ich gebraucht werde, haben mich zusagen lassen. In etwa einer halben Stunde sei ich da.

Der Coworking Space befindet sich am anderen Seite der Stadt, ich lag im Bett und hatte gerade ein paar Dinge für das Studium erledigt. Ein paar Sekunden planen, dann aufspringen, in die Dusche und mit dem großartigen Rum-Wacholder Gel waschen. Wieder raus, Zahnbürste schnappen, putzend zurück ins Zimmer, Unterwäsche anziehen, restliche Kleidungsstücke zusammensuchen, mit dem Fuß den Laptop zuklappen, Ladekabel für ebendiesen und Handy in den Rucksack packen. Hose hochziehen, wieder ins Bad ausspucken kurz gurgeln, ins Zimmer, Shirt und Pullover überziehen, Handy in die Hosentasche, Laptop in die Hülle und zusammen in den Rucksack. Beim Rausgehen Mantel vom Haken und Schlüssel vom Kästchen mitnehmen. Zur Ubahn laufen. Verschnaufen. Handy raus, Tagesplan anschauen, auf Twitter schauen, was sonst so los ist. Dann bleibt die Ubahn stehen. Es würde noch ein Zug in der Station vor uns stehen. Natürlich die Station, bei der ich rausmüsste. Ich schaue genervt umher, wackle mit den Fingern. Nach einigen Minuten erneut eine Durchsage, der Zug vor uns hätte eine technische Störung und wir müssen nun noch etwas warten. Nach weiteren fünf Minuten wird die Durchsage wiederholt. Ich bin gestresst, ich sollte genau jetzt dort sein. Grummeln zwischen den übrigen Fahrgästen. Eine Durchsage, der Zug vor uns wird so schnell nicht wieder fahren, wir werden zur letzten Station zurückkehren, die Strecke ist bis auf weiteres eingestellt. Ich denke nach. Was der beste Weg von der letzten Station zum Coworking Space ist. Erstmal anrufen, dass ich später komme. Während es läutet, spaziert der Zugführer an der Ubahn vorbei. Wir setzen uns wieder in Bewegung, ich erkläre kurz die Situation. Ich solle mir ein Taxi nehmen, die Firma zahlt das. Ich hüpfe die Treppe hinunter, sehe mich um. Taxis. Die Station ist etwas abgelegen. Von allem. Ich beginne in die Richtung zu gehen, wo ich Taxis vermute, andere schauen ebenso ein bisschen verzweifelt umher, doch dort werden sie so schnell nicht wegkommen. Das erste Taxi fährt an mir vorbei, leider besetzt. Dann sehe ich noch eines, winke ihm zu, dann sehe ich erst, dass hinten jemand drinnen sitzt. Es fährt vorbei. Ich ärgere mich schon, überlege ob die Richtung überhaupt ideal ist, dann sehe ich wie das Taxi stehen bleibt, der Mann von der Rückbank aussteigt und mir zuwinkt. Ich laufe hin. Ob er auch in der Ubahn war und in die gleiche Richtung muss? Er ist gar kein Fahrgast, sondern ein Kollege, der gerade den Wagen übergeben hat. Ich sage dem Fahrer die Adresse und dass die Ubahn ausgefallen ist, er gibt es per Funk durch.

Beim Coworking Space angekommen, setzen wir uns zusammen. Wir bekommen einiges weiter, inspirierend und motivierend. Leider muss ich nach eineinhalb Stunden wieder weiter. Es geht in die Uni, ich bin spät dran.

Ich spüre den Hunger, erinnere mich daran, dass ich noch nicht einmal etwas getrunken habe. Das geht sich jetzt nicht aus. Ich hechte die Stufen nach oben und setze mich in eine der vorderen Reihen. Interessante Vorlesung. Es ist der erste Termin, sonst würde ich mir nicht so viel Stress machen pünktlich zu sein. Im Moment überlege ich noch, welche Lehrveranstaltungen ich besuche und welche nicht. Teilweise fliegt man raus, wenn man beim ersten Termin nicht anwesend ist.

Um halbvier die erste Pause. Ich gehe in den Supermarkt, möchte mir etwas zu trinken kaufen. Stehe vor dem Regal und kann mich nicht entscheiden. Denke kurz über die Preise nach. Dass ich am liebsten Leitungswasser hätte. Nicht wegen den Preis. Ich mag es einfach. Nehme dann einen Grüntee mit Pfirsichgeschmack. An der Kasse sagt eine älterer Dame der Kassiererin, sie hätte gerne einen bestimmten Kaffee, käme aber nicht dran, weil er zu hoch oben im Regal steht. Ich möchte ihn für sie runterholen, doch die Leute vor mir beschweren sich, dass ich mich vordrängen würde. Die Kassiererin ist schon aufgestanden und hat ihn geholt, während ich noch versuche mich zu erklären. Danach geht es zu einem Biobäcker. Ich war noch nie dort und er ist mir heute zum ersten Mal aufgefallen. Ich nehme ein Spinat-Feta Brötchen und ein Linzerauge. Ich weiß nicht, ob es der Hunger ist oder die Erinnerung an früher, aber es schmeckt großartig. Ich genieße jeden Bissen und muss daran denken was ich meinem Körper in den letzten Jahren zugemutet habe. Auch wenn Nahrung der größte Posten in meinen Ausgaben ist und ich mir manchmal tolle Dinge leiste, sind das eher Ausnahmen. Meist muss es schnell gehen und wenig Aufwand machen.

Um acht geht es weiter. Eine Einführungslehrveranstaltung. Hört sich inhaltlich gut an, aber das organisatorisches Vorgeplänkel nervt mich etwas. Der Akku des Laptops ist kurz vor dem aus, Mobiltelefon hat noch einen Strich. Am Heimweg ist auch der verschwunden.

Ich beeile mich, möchte noch kurz Frau Wunderbar hören bevor sie schlafen muss. Dann die Nachricht, dass ihre Internetverbindung Probleme macht. Zumindest schreiben wir etwas. Das tut auch schon gut. Morgen hoffentlich mehr.

Ich denke über New York und Kinder nach.

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