Altlasten

Als ich nach Wien kam war ich übermotiviert. In allen. Zugleich hatte ich riesige Angst.

Über die Zeit habe ich die Lust an fast allen verloren. Das Studium hat mich angenervt, weil nichts weitergegangen ist, die Arbeit war mir ein Übel, das ich vor allem gemacht habe, um andere nicht zu enttäuschen. Nicht einmal mehr das Schreiben hat Spaß gemacht. Alles Scheiße. Tagelang im Bett herumgelegen. Nut aufgestanden um Dinge zu tun, die man tun muss. Wenig gegessen, wenig Menschen getroffen, wenig irgendwas gemacht. Wäre da nicht Frau Wunderbar gewesen, wäre ich vermutlich durchgedreht.

Ich erinnere mich gerade wieder an die Zeit, als ich Nächte durchgemacht habe, weil ich an einem Problem genagt habe, das mich nicht losgelassen habe, weil ich ein tolles Buch gelesen oder geschrieben habe. Kein Buch, aber Texte. Stundenlang mit tollen Menschen gechattet und sie getroffen. Tee trinken. So richtig Spaß hat die Uni nicht gemacht, aber es gab Teile, die ich recht interessant fand. Für Prüfungen habe ich teilweise nur ein paar Tage gelernt.

Es sind unterschiedliche Dinge, die zusammengekommen sind. In der Uni ging nichts weiter, weil ich nichts dafür gemacht habe, weil ich ständig etwas für die Arbeit gemacht oder mich selbst bemitleidet habe. Gesundheitlich war es auch nicht die beste Zeit. Die Arbeit war zu Beginn großartig, ich habe auch einiges gelernt, aber leider hat sich das geändert.

War ich früher ständig online und habe mich über jegliche Interaktion mit anderen gefreut, begann ich mich abzukapseln. Ich wollte nicht, dass man in der Arbeit mitbekam, dass ich online war, weil ich dann hören würde was noch alles zu tun sei und dass ich meine Zeit vor dem Computer verschwende. Das Verhalten habe ich noch immer und versuche es gerade zu ändern. Ich möchte immer und gerade im Arbeitsumfeld mich mit den anderen austauschen. Ich liebe es vernetzt zu sein, genieße die kleinen und großen Interaktionen. Aber momentan fällt es mir noch oft schwer. Zu viele Schuldgefühle, zu viel verstecken.

Lange Zeit habe ich damit verbracht, Dinge zu ignorieren und in mich hineinzufressen. Das muss sich ändern. Ich will wieder mit Ideen mitten in der Nacht aufwachen, den Laptop aufklappen, sie irgendwo reinschreiben oder per Mail schicken. Ich will mich in der Früh freuen, dass ich neue Mails habe und mir keine Sorgen machen, was ich schon wieder machen muss. Ich bin dabei zu verstehen, dass die Dinge, die ich jetzt bekomme mir Spaß machen. Es Sachen sind, die ich gerne mache.

Alles nicht so einfach. Aber es wird. Ich nehme langsam wieder fahrt auf. Ich mag Stress, ich mag Belastung. Aber ich mag auch mich zu entspannen. Ohne Schuldgefühle.

Ich freue mich.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Danke.

      Sonst wäre das alles ziemlich schrecklich. Glaube ich. Wenn sich alles zusammensummieren würde.

      Es ist nicht einfach, aber momentan fühlt es sich gut an. Auf einem guten Weg. Oder so.

  1. Du scheinst eine gute Balance gefunden zu haben. Oder wenigstens ist der Gedanke daran aufgekommen. Jeder Mensch geht anders mit sowas um, jeder muss seine Schwerpunkte selber wählen. Ich glaube, es kommt darauf an, dass man entspannt und glücklich ist, mit dem, was man tut und vor allen Dingen, dass man weiß, warum man es tut. Dass es im Endeffekt mit einem selber zu tun hat und nicht mit anderen Menschen :)

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