Entscheidungen

Worte. Musik. Worte. Sätze. Texte.

Ich stehe mitten auf der Kreuzung, drehe mich einmal im Kreis. Bis ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin, habe ich vergessen, wo er war. Eine Fülle an Möglichkeiten und das fehlende Vertrauen eine einzuschlagen. Ich wähle die Straße, die in Sichtweite eine mehrfache Gabelung besitzt. Dort werde ich wieder warten und mich drehen. Bis mir schwindlig ist.

Nun muss man dieses Modell nehmen. Es um etwa zehn Ebenen erweitern und jeweils Abhängigkeiten zwischen den Entscheidungen herstellen. So verliere ich Möglichkeiten auf einer Ebene, wenn ich auf einer anderen den Weg mit den meisten nehme. Bleibe ich stehen löst sich eine andere auf. Gehe ich, ebenfalls. Während ich noch versuche die Zusammenhänge zu verstehen, ändern sie sich. Andere Menschen nehmen Strassen, die nicht breit genug für zwei Menschen sind. Auf anderen kommt mir plötzlich jemand entgegen. Häuser stürzen ein. Ebenen trennen sich und kommen wieder zusammen. Sie spiegeln sich, verblassen im Nebel. Auf einer Seite glänzen sie, auf der anderen bröckelt der Verputz. Licht rast von einer zur anderen. Knotenpunkte leuchten auf.

Ich warte.

Während sich die Straße unter meinen Füßen zu bewegen beginnt, andere Menschen mich sanft anstupsen, ist mein Kopf schon wieder woanders. Ich bin verliebt. Möchte nicht verletzen, nur das Schöne spüren weitergeben. Es geht nicht. Ich kann mich nicht losreißen. Das Glitzern, das Gras. Ihre Augen vor mir. Wische eine Träne weg. Lächeln. Sie weiß, dass ich keine Zeit habe. Dass ich ständig unterwegs bin und auf fünf Hochzeiten zugleich tanze. Sie weiß, dass ich lernen muss, mich auf Prüfungen vorbereiten und Arbeiten schreiben. Auch dass ich arbeite und daneben noch private Projekte laufen habe. Sie weiß und akzeptiert es. Dennoch tut es ihr manchmal weh. Wenn sie alleine im Bett liegt. Ich irgendwo einen Vortrag halte. Oder auf einem Sofa sitze und zum zehnten Mal der gleichen Diskussion zuhöre. Ich vermisse sie. Oft. Doch das Glitzern und das Gras hält mich.

Ich spreche von verrückten Entscheidungen. Dinge einfach zu machen. Nicht immer warten. Nachdenken, abwägen. Tun. Sofort. Selbst stehe ich noch immer auf der Kreuzung. Wolkenkratzer wachsen empor und verschwinden wieder. Leute laufen an mir vorbei, brechen außer Puste zusammen. Drehen auf halben weg wieder um. Stoßen gegen Sperren, laufen in Sackgassen. Doch sie laufen. Rund um mich. Alles bewegt sich. Das Leben sei zu kurz, um es nicht zu nutzen. Ich schüttle meinen Kopf. Will sie küssen.

Monate später merke ich erst, dass ich schon längst unterwegs war. Ich bin auf einem Brett mir rollen gestanden und wurde immer schneller. Auf einer anderen Ebene bin ich gerannt. Stricke sind gerissen. Doch ich stehe nicht. Bin nie gestanden.

Illusion.

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