Ausflug

Worte. Ich zittere etwas. Als Blogger ist es nahezu unmöglich Texte zu schreiben ohne mit ihnen identifiziert zu werden. Und es ist auch in jedem Text etwas ich, doch wenn ich davon schreibe wie meine Finger über die kalte Wand streifen und ich immer weiter gehe bis aus dem streifen ein kratzen wird und rote Schlieren hinterlasse, heißt das noch nicht, dass ich durchdrehe. Vielleicht habe ich gerade einen Film oder eine Serie gesehen, wo Blut eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht habe ich mir in den Finger geschnitten, vielleicht die Wand neu gestrichen. Es gibt so viele Erklärungen und wer mich nicht kennt, wird es schwer haben die richtige zu finden. Selbst wenn man mich kennt, kann es schwierig sein. Manchmal gibt es sie einfach nicht. Ich produziere Bilder in euren Köpfen. Ohne zu wissen wie sie aussehen werden. Kein gleiches Bild, aber viele ähnliche. Manche spüren, manche hören, manche verstehen nicht.

Das Schöne am Schreiben ist die Freiheit. Weg von den Regeln, die so wichtig für unser Zusammenleben sind. Eine Welt ohne Grenzen. Ein paar gibt es auch hier. Aber wo sonst könnte man sich an einem Schmetterling festhalten und über die Felder und Dörfer fliegen? In der Ferne läutet eine Kirchturmglocke, ein Fluss bahnt seinen Weg durch das Tal und ich fliege immer höher. Seine schimmernd blauen Flügel. Ich lasse los und falle. Falle weiter. Bis ich am Boden zerplatze. In tausend Stücke, die glitzernd in alle Richtungen geschleudert werden. Die Sonne beginnt zu tropfen. Große, weiße Kugeln, die schwarze Löcher hinterlassen. Das Gras läuft weiter.

Es ist nicht alles abstrakt, das aus meinen Fingern fließt. Manchmal sind es Situationen, die so wahr sind, wie sie es nie sein können, weil ihr nicht dabei wart. So wahr, weil ihr sie erlebt. Mit jedem Wort, das durch euer Gehirn saust und an den richtigen Stellen die Synapsen kitzelt. Ich stehe hinter euch. Fasziniert auf wie viele Arten gelesen wird. Noch bevor ihr euch umdrehen könnt, hüpfe ich weiter. Nur ein Luftzug der überbleibt. An der Ampel bleibe ich stehen. Stelle mir vor wie ich sie grün anmale, doch dann springt sie um. Mein Fuß drückt das Gaspedal langsam bis zum Anschlag durch. Die Häuser beginnen zu verschwinden. Dann kommen die Bäume. Ihr werdet in den Sitz gedrückt und müsst euch festhalten, um nicht umzufallen. Ich lächle euch an. Überhole ein paar Autos. Man gewöhnt sich an die Geschwindigkeit und ist von sich selbst enttäuscht, wenn es einmal nicht mehr so schnell weiterkommt. Dabei kann man es gar nicht immer beeinflussen. Manche Dinge brauchen Zeit. Man kann nicht immer mehr machen, auch wenn der Kopf danach verlangt. Ich hatte eine Zeit, wo ich allen zugesagt hatte. Ich war davon überzeugt, ich könnte es schaffen. Doch ich kann es nicht und werde es nie können. Ich musste lernen auszuwählen und bin noch immer nicht perfekt darin. Aber es wird. Das Auto wird langsamer und wir genießen die Aussicht. Ein riesiger Schmetterling fliegt immer höher.

Ich freue mich, dass ihr noch da seid. Immer wieder.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wunderschön. Menschen wie du und deine bezaubernde Mia bestärken mich immer wieder auf’s neue, und geben mir Kraft und Stärke für meinen Weg, die Kunst der Worte zu meinem Beruf zu machen.

  2. Toll geschrieben. Und ich kann nur zustimmen. Man erzeugt ein Bild bei den Lesern. Was aber auch toll ist. Du kannst in eine Wunschwelt fliehen. Dich darin aber auch wieder verlaufen. Und auch Worte helfen dabei, immer neue Landschaften in dieser Welt zu zeichnen.

    =) Danke für den ehrlichen Beitrag.

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