Zwischenwelt

Ich stehe da, weiß nicht, ob ich nach links oder rechts gehen soll. Zwei Welten, die aufeinander treffen. Sich so ähnlich sehen und doch grundsätzlich verschieden sind.

Eine warme Prise weht um meinen Kopf, fährt durch meine Shirt und lässt mich die Augen schließen. Soll sich die Welt doch ohne mich weiterdrehen. Und das tut sie auch, jedes Mal wenn ich kurz blinzeln, haben sich die Welten verändert. Wurden sich ähnlicher oder sind auseinander gedriftet.

Zwischenwelt. Ein Wort, das seit zwei Jahren durch meinen Kopf wandelt. Sich immer wieder in den Vordergrund drängt, mich anschreit, dass ich mich entscheiden müsste. Ich dürfte hier nicht bleiben. Man kann nicht mit dem einem Fuß in der Wüste und mit dem anderen im Gletscher stehen. Das würde der Mensch nicht aushalten. Es zerreißt ihn in zwei Teile. Und dann ist es aus. Denn zweigeteilt kann man nicht leben. Da fehlt dem einem der Kopf und dem anderem das Herz. Ein Teil kann nicht atmen, der andere nicht essen. Nicht sehen oder nicht hören. Man muss sich entscheiden.

Dazu habe ich keine Lust. Ich will mich nicht festlegen. Später wieder auf die andere Seite wechseln ist nicht so einfach, wie es viele darstellen. Man passt sich an das Klima an, lernt Leute kennen, die sich dort ebenfalls wohl fühlen und baut sich ein Haus. Selbst wenn man dieses mitnehmen könnte, würde es in der anderen Welt nichts bringen. Im Gegensatz verkehrt. Doch die Augen kann ich nicht ewig geschlossen halten. Irgendwann muss ich beginnen mir einen Schutz zu bauen. Und wenn es in der Zwischenwelt ist. Vielleicht ist es besser, sich nicht fest zu legen. Ich fühle mich hier wohl. Mein Zweifel dreht sich um beide Welten, ich halte weder die eine, noch die andere für perfekt. Immer gibt es etwas auszusetzen, etwas das in der anderen besser funktioniert. Aber mischen wäre fatal. Dann müssten alle in der Zwischenwelt leben und das schaffe ich ja schon fast nicht.

Wäre dieses Phänomen nur auf eine Sache beschränkt, könnte ich mich glücklich schätzen. Es ist ein wiederkehrendes Schema. Es tritt nicht nur selten auf, sondern beherrscht meine die wichtigsten Bereiche meines Lebens. Patentlösungen gibt es dafür nicht. Manchmal muss ich mich entscheiden, manchmal schaffe ich es zu bleiben. Nur um es wenig später wieder in Frage zu stellen. Stärke oder wahre Stärke. Nur ein Beispiel. Es macht einen Unterschied. Für mich und mein Umfeld. Weil das eine angepasst ist und das andere alles über den Haufen wirft. Es zeigt, dass es auch anders geht. Versucht es. Viele sind damit auf die Schnauze gefallen, manche haben es geschafft. Aber dann wirklich. Da gibt es kein Zwischending mehr. Erfolg oder Misserfolg. Halb gibt es nicht. Mehrere Gesichter sind eine Lösung, die mich zerstört. Nicht von innen sondern von außen. Sobald sich zwei Dritte treffen. Noch fällt es niemanden auf. Man denkt zwischen privaten und beruflichen zu trennen, doch in Wirklichkeit trennt man zwischen zwei Gegensätzen. Das eine verachtet das andere.

Hiermit habe ich mich schon fast entschieden. Man kann, muss es aber nicht verstehen. Es liegt nicht an mir, wie es aufgenommen wird. Nur an mir. Wie ich es kommuniziere, ob ich es betone oder einfach bin. Das Leben macht es nicht einfach. Niemanden. Für Gegenbeispiele bin ich immer offen. Bisher habe ich alle langsam aufgelöst bis nur noch ein kleiner Haufen Schnüre übrig war.

Die Zwischenwelt beginnt mir zu klein zu werden, auf welche Seite ich wechseln will weiß ich. Ob ich es schaffe nicht.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mit den Jahren gewöhnt man sich an diese Zerissenheit. Man kann so leben, man muss vielleicht sogar manchmal. Wer zwingt dich zum Seitenwechsel?

  2. Ich selbst. Weil ich gerne ich sein möchte. Aber das Problem ist, dass die andere Seite auch zum Ich gehört.

    Einfach echt sein, aber nicht zu echt.

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