Für ein paar Leser

Sieh mich nicht so an. Ich weiß auch selbst, dass ich keinen einheitlichen Stil habe. Das brauche ich auch gar nicht. Die Leute müssen nicht am Text erkennen, dass er von mir kommt. Das kann man nur bei wenigen. Und wenn man es kann, dann ist es möglich den Stil zu kopieren. Natürlich hat jeder seine Eigenheiten. Das ist aber nicht das Ziel. Ziel muss sein gute Texte abzuliefern. Oder schreckliche. Kann man auch nicht immer definieren. Manchmal muss man schlecht schreiben. Kennst du die Ausstellung „Bad Paintings, Good Art“?

Und mehr lesen muss ich. Wenn ich lese, dann schreibe ich auch. Öfters zumindest. Am besten direkt danach. Wenn der Kopf noch voller Wörter ist. Angetrieben von den anderen Texten. Trotzdem eigene Worte. Zumindest die Anordnung. In ein paar Fällen. Schreiben ist kein Wunder. Das meiste ist Übung. Der Rest Gefühl. Auch Gefühl kann man lernen. Selbst den Willen dazu. Ob es sinnvoll ist weiß ich nicht. Sich einen Willen anzutrainieren. Ich will schreiben. Das muss ich mir nicht erst einreden. Vielleicht muss ich mir sagen, dass ich jetzt schreiben muss, aber wenn ich schreibe, dann ist das egal. Nur der Anfang ist schwer. Auch bei anderen Dingen. Gestern war ich wieder einmal laufen. Eine Freundin hat mich zwingen müssen, endlich etwas sinnvolles zu machen. Als ich dann auf der Straße war, die Musik in den Ohren, hat es sich großartig angefühlt. Immer weiter. Der Schweiß der übers Gesicht läuft, die Kleidung die am Körper klebt. Und wenn man sich am Ende auf die Couch fallen lässt. Inne hält. Ein paar Minuten frei sein. Schreiben ist ähnlich. Weniger anstrengend. Manchmal.

Und dann sitze ich wieder da. Mir fallen Dinge ein, aber ich weiß nicht wie ich den Satz beginnen soll. Wie ich schreiben soll. Kann ich schon wieder sie ansprechen. Kann ich dich ansprechen. Wieder einmal an meinen Leben teilhaben lassen. Gegenwart? Vielleicht einfach erzählen. Eine Mischung? Ich trenne gerne nach Absätzen. Habe das Gefühl, dass das das richtige Format ist. Hier passt das. Woanders kann man so nicht schreiben. Hier habe ich die Freiheiten. Das ist wichtig. Schließlich will ich schreiben und nicht darüber nachdenken, ob es für jemanden ok ist, wie ich schreibe. Feedback ist auch was nettes. Aber nicht immer nötig. Da reicht es zu sehen, dass man wieder etwas geschaffen hat. Man ist mit sich selbst zufrieden. Wichtig ist, dass der Text einem selbst gefällt. Auch wenn ich schon viel veröffentlicht habe, bei dem es nicht so war. Muss man auch mit leben können. Gerade die Beiträge sind manchmal besonders gelobt worden. Dann denkt man sich wieder, ob man vielleicht doch kein Gefühl dafür hat. Dass man zwar schreiben kann, aber nicht sagen kann, was gut ist.

Vielleicht hätte ich doch Tischler werden sollen. Oder Elektriker. Habe ich früher gerne gemacht, mache ich heute noch gerne. Aber es nicht besonders herausfordernd. Klar kann man sich selbst herausfordern. Den perfekten Schrank, die ideale Verkabelung. Aus jedem Projekt kann man ein Wow machen. Doch das wäre alles komplizierter gewesen. Erst einmal jemanden finden, der mir die Möglichkeit gibt mich in dem Bereich zu verwirklichen. Da kann ich nicht hingehen und sagen, dass ich jetzt der neue bin. Der, der alles besser macht. Für die eigene Firma eine Meisterprüfung. Bei einer anderen erstmal Lehrling. Wenn ich einen solchen über den Weg laufe, muss ich des öfteren die Augen verdrehen. Wenn man dann nur noch ein, zwei Dinge im Kopf hat. Nicht einmal wahre Grundbedürfnisse. Durfte ich bisher noch keine vor Begeisterung leuchtende Augen sehen. Die waren eher trüb. Kein Projekt, das die Person voll fordert. Ausfüllt. Alles nur Mittel zum Zweck, aber den Zweck kennt man nicht. Dann doch lieber schreiben. Zweck zum Mittel.

Daneben noch zehn andere Projekte. Ein paar um sich finanziell über dem Wasser zu halten. Andere um in neue Bereiche zu schnuppern. Dann noch eines, um die Zukunft abzusichern. Das Leben bleibt spannend. Zugleich bin ich viel zu gelassen. Meint zumindest meine Mutter. Sozialstaat. Kann mir zwar vorstellen, dass alles schief geht, aber es nicht mit mir vereinbaren. Bevor das passiert, beiße ich kräftig rein. So lange man noch genug Kapazitäten hat, die man konzentrieren kann, muss man sich keine Sorgen machen. Nur die Leidenschaft darf nicht verloren gehen. Die braucht man immer. Auch wenn es nur kleine Dinge sind. Wenn man nicht wirklich dahinter steht, muss man sich überlegen, ob man sie nicht besser lassen würde. Schließlich soll man leben. Was auch immer dieses Leben ist.

Ich weiß noch immer nicht was mir wirklich wichtig ist. Deswegen halte ich mir auch zu viele Wege offen. Das schränkt mich ein. Je mehr Baustellen man bearbeitet, desto langsamer entwickeln sie sich. Es bringt aber auch nichts, sich auf eine zu konzentrieren, wenn man nicht weiß, was es am Ender werden soll. Dann lieber das machen, was im Moment interessant erscheint. Zum Beispiel in der Nacht Text schreiben, wo man weiß, dass sie nur eine Hand voll Leute lesen werden. Und das ist wörtlich gemeint. Zehn Personen vielleicht. Dafür kann ich dabei einmal wieder nachdenken. Vielleicht komme ich damit meinem Ziel näher. Und Übung ist es auch. Davon abgesehen, macht es glücklich. Ob ich das jemals rational erklären kann? Vermutlich über Vergleiche und Metaphern.

Vorerst bleibt es aber dabei. Ich schreibe.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. vieles ist sehr richtig, machmal muss man zwar auch unangenehmes in kauf nehmen um zu überleben, aber wirklich Leben geht nur mit Leidenschaft, egal ob es die Frau ist die ich liebe, mein Job, die Musik die ich höre oder die Texte die ich lese.
    Vieles von dem was wir machen mag falsch sein, aber ich würde kaum etwas anders machen.

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