Zweifelung

Zweifeln ist etwas wunderbares. Und in den falschen Momenten, mit den falschen Schlüssen tödlich für uns. Vor allem der Selbstzweifel. Gestählt durch die Gesellschaft; wenn du das nicht schaffst bist du ein Versager. Doch ‚das‘ ist meist irrelevant. Ich mag Dinge die vergleichbar sind; muss aufpassen, dass es nicht die Überhand nimmt. Zu einfach ist es nach Zahlen zu sortieren. Wenn ich von mir spreche, meine ich oft uns, weiß aber nicht, wer das eigentlich ist und bleibe lieber bei mir. Wer möchte kann sich dazu zählen. Bei Gesellschaft meine ich mich. Als Teil. Und als Teil, der für das ganze steht. Daran sollte ich zweifeln.

Ich stelle in Frage, ob ich kann, was andere glauben, dass ich kann. Habe Angst enttarnt zu werden. Im Gegensatz zu anderen, nicht allen, habe ich in der Schule geschummelt. Oft. Und oft erfolglos. Für das Ergebnis. Aufgedeckt wurde es nicht. Ein Grund für die vielen Hemden in meinem Kinderzimmerschrank. An der Universität aufgehört, weil ich das System nicht mehr ernst nahm. Weil die Menschen, von denen gesagt wurde, dass sie das Höchste sind, das die Menschheit in dem Gebiet zu bieten hat, auch nur Menschen waren. Nicht immer besonders kluge; aus meiner Sicht. Dann begann ich wieder einmal oder das erste Mal mein Weltbild umzustellen. Wissenschaftliche Lehre hat viel gutes. Realität. Meine Realität. Darf ich auch selbst konstruieren. Und während es wichtig ist, dass ich die von anderen verstehe und meine verständlich machen kann, ist es meine. Es gibt die großen Zusammenhänge nicht. Nur uns. Menschen. Zerbrechliche Dinger. In den meisten Situationen dümmlich. Nur winzige Bereiche, die manche meistern. Moral als wichtige Komponente. Es wird oft eingetrichtert, wie alles funktioniert und dass man gut sein muss, damit einem gutes widerfährt. Muss man nicht. Auch als Böser widerfährt einem Gutes. Es gibt, zumindest in meiner Welt, kein Karma als System, das unsere Taten wertet. Nur unsere eigene Einschätzung, was richtig und was falsch ist. Und alles dazwischen. Bedeutet auch, dass vieles so nicht gemacht werden müsste. Aber ich so besser finde. Etwa die freundliche und ausführliche Antwort auf vielfach beantwortete Fragen. Der Aufwand sich über die Person aufzuregen ist ähnlich hoch, bringt aber niemanden etwas.

Während der Zeit in Wien lernte ich mich zu überschätzen. Beziehungsweise wurde mir meine Selbstüberschätzung bewusst. In Prüfungen zu gehen ohne etwas gelernt zu haben und besser als der Durchschnitt bewertet zu werden ist wenig hilfreich. Auch meine Mathematikprofessorin hat mich immer aufsteigen lassen, weil sie der Meinung war, ich verstünde alles. Tat ich meist. Rechnen konnte ich es dennoch nicht. Irgendwann die Frage nach Können. Viele handwerkliche Tätigkeiten sind von Detailwissen und einer Grundfähigkeit abhängig. Materialbeschaffeneit, oft regelmäßige Probleme und workarounds. Andere Bereiche sind für mich oft schwerer zu erfassen. Ich bin irgendwo in Kommunikation tätig. Hilfreich ist zu wissen welche Abläufe es gibt. Vor allem inoffiziell und dann muss man die richtigen Leute kennen. Für mich persönlich ist vor allem Einfühlvermögen und die Einschätzung von Situationen wichtig. Oft bemerke ich, wie andere die Fragen oder Aussagen fehlinterpretieren und somit die folgende Kommunikation nur nach einigen Biegungen zu einem guten Ende führt. Insgesamt ist Bereitschaft wichtig. Sich auf die Dinge einlassen. Verstehen wie sie funktionieren und nicht alles auf einmal ändern.

Fast alles lässt sich lernen. Wir brauchen aber für unterschiedliche Dinge unterschiedlich lange und eigentlich entscheidend wäre zu erkennen, in welchen Bereichen man sich am schnellsten anpassen und entwickeln kann. Ich kann Sprachen lernen, aber es dauert über zehn Jahre bis ich sie halbwegs vernünftig spreche. Auch wenn ich es schön fände macht es wenig Sinn es zu machen. Dafür habe ich ein recht gutes Verständnis für die Sprache mit der ich aufgewachsen bin. Weshalb es mir auch so schwer fällt dies weniger zu pflegen. Fakten lernen liegt mir nicht. Zusammenhänge erkennen umso mehr. Ich habe ein tolles technisches praktisches Verständnis und kann vieles selbst reparieren. Selbst etwas bauen fällt mir schwer, Dinge von anderen zu verbessern braucht wenig Anstrengung und macht mir Spaß. Bevor ich diese Sätze geschrieben habe, wusste ich sie nicht. Hätte man mich danach gefragt, zuckten meine Schultern.

Ich finde es immer wieder interessant welche Dinge andere glauben, dass ich gut kann. Viele Erwartungen die aufgebaut werden, weil ich ähnliche Mechanismen auf neue Probleme anwende und mit dem Wissen anderer arbeiten kann.

Schon kommt die Sorge auf mich selbst zu etwas zu machen, das ich nicht bin. Ich scheitere täglich. An einfachen und an schwierigen Dingen. Ich habe große Probleme Entscheidungen zu treffen und zögere sie zu oft und zu lange hinaus. Auch fällt es mir leichter Dinge zu planen als sie zu beginnen oder gar abzuschliessen. Ich finde Erklärungen und Probleme, um nicht zu tun was nötig ist. Es ist anstrengend mit mir zusammen zu arbeiten. Weil ich mich um Dinge kümmere, die mich gerade nicht los lassen statt um die, die wichtig wären. Weil mein Entscheidungsprozess so lange dauert, stehe ich nicht immer voll hinter den Entscheidungen und bleibe im Prozess auch nach der Entscheidung hängen, suche nach weiteren Informationen, die die Entscheidung bestätigten oder ihr widersprechen. Das hält auf und ist dumm.

Mir fällt es schwer mit Kritik umzugehen, die ich nicht zuvor schon selbst hatte. Ebenso neige ich dazu Kritik vorzugreifen indem ich sie selbst ausspreche. Aber mein Verhalten nicht ändere. Es macht mich wahnsinnig, dass ich oft weiß was ich falsch mache, aber mich nicht bessere. Stattdessen Ausreden suche und mir was von fehlender Willensstärke einrede. Das ganze führt zu einer Abwärtsspirale der Selbstbemitleidung.

Das Internet gibt mir die Möglichkeit in andere Leben zu blicken und ich beginne allzu oft mich zu vergleichen. Was andere erreicht haben. Wie sich artikulieren können. Wie viel sie schaffen. Jeden Tag. Ich, der doofe Junge, der durch die Scheibe schaut und fasziniert ist, wie die Menschen draußen eine Runde nach der anderen drehen, statt selbst rauszugehen und anzufangen schaut er weiter zu und sagt sich, dass er nie so viele machen können wird. Paralysiert.

Ich zweifle an den Dingen, die ich jeden Tag mache. Das hilft mir Fehler zu vermeiden. Zugleich passiert es zu oft, dass es mich davon abhält das richtige zu tun.

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