Wutbruch

So viel Wut. Über jede Kleinigkeit. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Nicht über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Was aber, wenn es eine Möglichkeit gäbe sie zu ändern. Aber die Möglichkeit nicht verhältnismäßig ist. Der Drucker geht nicht. Ich könnte sagen, er funktioniert nicht und es lassen. Aber ich weiß, dass er funktioniert. Ich habe auch eine grundsätzliche Idee, um ihn wieder zum laufen zu bekommen. Ausschalten. Computer neustarten. Treiber löschen und neu installieren. Router rekonfigurieren. Am Ende geht es. Eine Stunde für drei mickrige Seiten verschwendet. Das nächste Mal wird es wieder Probleme geben. Vielleicht. Ich hasse Dinge, die nicht verlässlich reagieren. Es ist in Ordnung, wenn etwas nicht geht, solange es einen klare Reihenfolge von Dingen gibt, die man machen kann, damit es wieder funktioniert. Aber wenn jedes Mal etwas anderes hilft, nervt es. Ich will die Dinge verstehen. Zumindest eine gute Ahnung haben. Menschen sind noch schlimmer. Ohne klarem Interface. Tausende Variablen, die in jedem Moment auf sie einwirken und dann gibt es nicht einmal einen Programmablauf, sondern ein Zusammenspiel von chemischen Konzentrationen und elektrischen Impulsen, die mal besser und mal schlechter funktionieren. Ich will nicht, dass wir alle berechenbar sind. Zugleich macht es mich verrückt. Warum reagiere ich auf den gleichen Input vollkommen anders? Menschen ändern sich. Vor drei Jahren habe ich ruhig gelächelt. Heute trete ich gegen die Wand, stampfe auf oder schlage die Faust auf den Tisch. Meine Verfassung ändert sich minütlich und an fast jedem Tag gibt es Momente, an denen ich an der Klippe stehe. Alles hinwerfen. Alles hinwerfen. Niemand ist schuld. Alle sind schuld. Es funktioniert nicht.

Der Lüfter des Laptops ist zu laut. Vielleicht gibt es einen alternativen Treiber, ansonsten könnte man einen Widerstand einlöten. Oder einen neuen Laptop kaufen. In den Keller laufen und den Desktop verwenden. All die Energie, die allein in die Überlegungen fließt. Treiber suchen kostet viel Zeit und hat minimale Erfolgsaussichten. Widerstand einlöten ist aufwändig, erfordert noch mehr Recherche und es gibt das Risiko, dass dann gar nichts mehr funktioniert. Kaufen kostet Geld, das man woanders einsparen müsste oder durch Vermietung meines Könnens und Zeit verdienen. Manchmal schleift der Lüfter. Die Tastatur klackert auch. Jeder Buchstabe regt mich auf und im Moment ist das Tippen das einzige, das mich davon abhält.

Immer wieder Dinge wegräumen. Wegräumen. Wegräumen. Das Kind schreit. Mir ist zu heiß. Die letzte Prüfung ist vorbei. Die Entspannung setzt sicher bald ein. Zu viele Beiträge regen mich auf. Menschen, die ich einmal geschätzt habe. Vielleicht nie wirklich. Vielleicht habe ich mich nur an sie rangeworfen, weil ich dachte, dass sie toll sind oder es mir etwas bringen würde. Keine Ahnung. Ich versuche beim ersten Aufregen zu entfernen. Doch dann kommt das nächste. Der Ort, der früher Rückzugsort war, ist heute voller Tretminen. Haben sich die anderen verändert oder habe ich mich verändert? Ich weiß es nicht.

Ich möchte meine Frau nicht ankeifen. Ich möchte nicht mit meinem Kind schreien. Ich möchte mich nicht über alles aufregen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kenne solche Momente. Die leichte Reizbarkeit, wegen jeder Kleinigkeit. Aber es ist selten die Kleinigkeit, die mich reizt, sondern meine eigene Unausgeglichenheit. Dann fehlt mir etwas: Vielleicht etwas Zärtlichkeit, vielleicht mal ein langer Spaziergang, vielleicht auch ein Gespräch über meine Ängste und Sorgen, die mich immer und überall begleiten. Oder eine Pause. Oder Abstand.

    Und: Es haben sich alle verändert. (Nur ganz, ganz wenige sind so, wie so vor fünf Jahren waren. Und das ist – denke ich – ein schreckliches Gefühl.)

    Was mir aber noch auf dem Herzen liegt: Menschen sollen und können nicht funktionieren. Menschen sind keine Drucker, für Menschen gibt es keine Treiber. Menschen sind so wie sie sind. Und eine große Lektion, die ich gelernt habe, ist: Auch die Fehler beim anderen Menschen zu akzeptieren. Manches muss man aus- und ansprechen, anderes aber regt einen eben nur auf, weil man sich darüber aufregen möchte. In Wahrheit ist das einer dieser Fehler, die diese Person ausmachen.

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