Textformant

Gute Texte brauchen Zeit. Wie Gemälde und andere Kunstwerke. Der schnelle Text kann gut sein, aber in den meisten Fällen hat er brüchige Stellen und fällt bei intensiver Nutzung auseinander. Texte müssen ruhen und abgeschmeckt werden. Geschluderte Texte sind näher. Manchmal.

Ich habe mir schon lange nicht mehr die Zeit genommen einen Text zu überarbeiten. Einmal nach dem schreiben durchlesen und die offensichtlichen Dinge ausbessern. Aber dann rauswerfen. Damit ich ihn nicht wieder in die Schublade lege und er für immer verborgen bleibt. Angst.

Manchmal würde ich gerne eine große Geschichte schreiben. Mehrere hundert Ideen, die ineinander greifen, statt dieser kurzen Ausschnitte, die ich rücksichtslos an die Luft setze. Mir fehlt die Geduld beim wachsen zuzusehen. Tag für Tag an das gleiche Epos denken und es aus dem Kopf ziehen. Bis sich auch andere daran erfreuen können. Ich habe es noch nie probiert. Der Beginn ist mir zu schwer. Die Kulisse wählen. Vielleicht sollte ich es wie andere Arbeiten angehen. Irgendwo starten und rundherum anstückeln. Bis es fertig ist. Aber eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Bald brauche ich Geld. Geschichten können Geld bringen. Aber selten schnell. Lieber nebenbei. Sicherheit. Die Delle in der Wand wird tiefer.

Ein winziger Fehler lässt Leser stolpern. Selbst ein perfekter Text ist nicht für alle gut. Publikum ist eine Lüge. Der Text selbst steht nie alleine. Kontext der Zeit, der Autorin, der Sprache, der Plattform, aller anderen Texte und der Leser. Ich wünsche mir Freiheit und stelle mir darunter etwas anderes vor. Ich wünsche mir Erfolg und arbeite nicht daran. Ich wünsche mir und hadere dabei mit mir selbst.

Es ist nicht alles schlecht.

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