Textadvent #9

Und alle Zeit ist relativ. Wir haben uns daran orientiert, wann wir Licht haben und wann nicht. Geordnet nach den Zeiten, wann wir jagen, anbauen, nichts tun können. Die Geburt Jesu wurde an ein passendes Datum im winter verlegt, um es besser mit den Ungläubigen vereinen zu können. Kommt zu uns, im Grunde sind wir alle gleich. Wir passen an, wie es uns passt. Damit alles einfacher ist und es spielt auch keine Rolle. Feiern wir den Geburtstag nur selten an dem Tag, an dem wir geboren wurden oder an einem Termin, wo möglichst viele Terminkalender meinen, dass man Zeit hat. Alle vier Jahre werden wir darauf hingewiesen, dass etwas nicht passt. Dass sich die Menschen geirrt haben. Oder auch nicht. Viel mehr dass sich alles bewegt, dass die Erde keine Konstante ist und nicht das Universum. Wann werden wir alle zwei Jahre nachstellen müssen oder nur noch alle fünf.

Die Zeit vergeht gefühlt schneller, wenn wir glücklich sind, und langsamer wenn nicht. Das Gehirn erledigt unterschiedliche Aufgaben und wir können nur warten bis wir nicht mehr sind. Die wiederkehrende Vorstellung wie lange man noch hat, anstatt darauf zu vertrauen, dass der Durchschnitt auf einen selbst niemals zutreffen wird. Ich könnte unglücklich vom Stuhl rutschen, auf der Tischkante aufschlagen und am Boden. Die Pläne der nächsten Jahre zunichte gemacht. Ich will sie jedoch nicht schon im vorhinein aufgeben, sondern sie viel mehr als Pläne sehen. Erwartungen an einen gewissen Zeitraum, den man zu einem unbestimmten Teil selbst beeinflussen kann. Je nachdem woran man glaubt. Ich halte nicht viel von Schicksal, kann jedoch auch nicht das Gegenteil beweisen. Nur die Vorstellung, dass es keinen Unterschied macht, was ich mache, weil schon vorherbestimmt ist, dass ich mache, was ich mache, stört mich. Sobald man beides mischt, past es für mich gar nicht mehr. Ich will selbst bestimmen, was ich mache und wenn es vorherbestimmt ist, dass ich glaube selbst zu handeln, dann soll es so sein. Für mich macht es keinen Unterschied.

Man nimmt sich ein paar Minuten seiner wertvollen Zeit, um seine Gedanken in Worte zu fassen. Wird wieder daran erinnert, dass man es schon nach wenigen Tagen nicht mehr geglaubt hat, jeden Tag zu schreiben und doch hat man daran festgehalten. Der Satz der Freundin, dass man erst irgendwann im Februar beim 24. ankommen wird, schwirrt noch durch den Kopf. Und es ist alles richtig. Doch es ist nur ein Seitenstrang. Ein vernachlässigbares Faktum, das in einer standardisierten Welt funktioniert. Nicht jedoch, wenn es um die eigene Welt geht. Ich bin nicht immer hier und da diese Welt nur existiert, wenn ich hier bin, kann auch nur Zeit vergehen, sich die Welt weiterentwickeln, während ich hier bin. Zugleich kann ich jederzeit zu einem gewünschten Datum reisen. In eine andere Welt in meiner Welt. Freiheit, lediglich limitiert durch meine Vorstellungskraft.

Frohe Weihnachten. Euch in eurer Welt.

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