Textadvent #6

Ich denke nach, wie ich es dir sage, was ich empfinde. Worte. Rasen. Ein Unfall ohne Verletze. Nur Worte.
Ich liege allein im Bett, wenn ich an dich denke, und ich dich brauche. Gedanken. Rasen. Ohne nachzudenken.
Ich sehe dich vor mir, wenn ich hier sitze, und mein Herz pulsiert. Rasend. Bekommt keine Ruhe.
Ich bin allein in der Nacht. Genau wie du.
Ich bin mit dir zusammen. Genau wie du – mit mir. Einsamkeit gegen Zweisamkeit getauscht. Nicht darüber nachgedacht. Ohne Zweifel drauf eingelassen. Rationalität? Nein. Die haben wir zur Seite geschoben. Ausnahmsweise einmal. Ob ich rational bin? Nein. Nie. Ob du rational bist? Ja. Manchmal. Ob das zusammen passt? Ja. Immer.
Wir sind verbunden. Unsichtbar. Irgendwie. Zwei Herzen. Ein Schlag.
Gerne würde ich meine Worte nehmen und zerknüllen. Papier. So wie früher. Aber früher ist vorbei. Und Papier ist ausverkauft.
Deshalb male ich dir Herzen mit Schnee auf die Winterjacke und neben uns sitzen aufgeplusterte Vögel. Sie sehen uns nicht zu. Die Schneeflocken fallen und sie hungern. Still. Schweigend. Wir lachen. Laut. Prustend.
Möchte ich die Zeit eintauschen? Einen Moment davon? Eine kleine Sekunde?
Nein. Ich möchte sie verdoppeln. Jeden Moment mit dir.
Manchmal bin ich zerbrechlich. Sehr. Dann bin ich klein. Liege am Boden.
Manchmal bin ich verletzt. Sehr. Dann bin ich geschwächt. Sitze in der Ecke.
Manchmal bin ich emotional. Sehr. Dann bin ich am Ende. Sehe keinen Boden mehr. Ich falle und falle. Rase. Stürze hinab.
Du fängst mich auf. Immer. Öffnest die Arme. Drückst mich an dich. Fest. So fest, dass ich kaum Luft holen kann und du meine Rippen spürst. Ich höre auf zu atmen und mein Herz bleibt kurz stehen. Kurz. Ganz kurz. Dann spüre ich es wieder schlagen. Pulsierend. Intensiv. Und wenn ich noch einen Moment warte, dann spüre ich auch dein Herz. Leise. Klopfend. Will raus, raus aus deiner Brust, zu mir. Aber das lasse ich nicht zu. Ohne Herz kannst du nichts mehr spüren. Und das – das wäre schrecklich. Denn wie willst du dann meine Liebe spüren?
Denkst du gerade an mich? Ich zerknülle meine Worte erneut. In meinen Gedanken. Du fehlst mir. Ich fege die Worte vom Tisch. Alles Blödsinn. Gedankenwirrwarr. Schwachsinniges Zeug. Emotionen. Eingefangen und frei gelassen. Sie flattern durch die Gegend. Unkontrolliert und ungezähmt. Wilde Schmetterlinge oder aufgeplusterte Vögel.
Früher konnte man ein neues Papier nehmen. Einfach so. Neu beginnen. Heute geht es weiter. Immer weiter. Papier ist längst ausverkauft und unsere Geschichte hat längst angefangen. Ja.

Zwei Herzen. Ein Schlag. Wer braucht da noch Worte?

Dieser Text ist ein Geschenk von Mia Niemand. Ich liebe dich.

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