Textadvent #5

Kein Moment der Stille. Letztes Jahr habe ich mich an den Menschen erfreut, wie sie durch die Straßen gehetzt sind. Hier noch ein Geschenk, dort noch eines. Etwas für Tante Emma und den Freund nicht vergessen. Väter, die die kleinen Kinder hinter sich herziehen und Frauen, die den Ausgang nicht mehr finden. Ich bin dazwischen gestanden, habe all die Dinge angeschaut und nebenbei die Menschen beobachtet. Mich in ein Café gesetzt und ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben. Heuer bin ich nicht einmal in die Nähe der Einkaufsstraßen gekommen. Einmal mit der U-Bahn unten durch. Mir fehlt die Zeit. Ich nehme sie mir nicht. Obwohl ich das erste Mal weiß, was ich für wen holen will. Ich habe eine kleine Liste begonnen, die sich mit der Zeit, meist zufällig gefüllt hat. Ein Wort, das ich aufgeschnappt habe, ein Wunsch, der nicht ausgesprochen wurde. Ich habe sie immer bei mir. Streiche manchmal etwas durch und ersetze es mit etwas anderem, verwerfe es ganz. In den Momenten dazwischen. Wenn ich in der Straßenbahn sitze oder an der Kassa warte. Es geht nicht darum viel auszugeben, sondern bei der Person zu sein. Sich mit ihr beschäftigen. Und wenn man falsch liegt, weiß man, gibt es das Versprechen im neuen Jahr mehr miteinander zu unternehmen.

Ich freue mich über Geschenke. Doch ich erwarte sie nicht. Sobald man erwartet, kann höchstens eine Erwartung erfüllt werden oder noch schlimmer und wahrscheinlicher, man wird enttäuscht. Möchte man diese Enttäuschung verhindern, streut man Hinweise, drückt die Menschen mit der Nase auf seinen Wunsch und am Ende bleibt der fahle Nachgeschmack sie benützt zu haben. Das ganze Fest benützt zu haben, um etwas zu bekommen, was man sich wahrscheinlich selbst kaufen hätte können. Erst gar nicht das Risiko eingehen sich selbst zu enttäuschen und sich am Schenken erfreuen. Früher habe ich nicht an mich geglaubt und mich deshalb frei gekauft. Etwas das so teuer ist, muss einfach gefallen und mir somit die Zuneigung bringen, die ich erwarte. Ein Spiel mit dem Feuer. Man leert Benzin hinein, verbrennt sich und bevor man realisiert was passiert ist, verschwinden die Flammen und über bleibt ein Häufchen Asche.

Was ist echte Nähe? Ich sehe ihr in die Augen, sie leuchten, ich fühle es. Wir sind eins. Glück wird mehr, wenn man es teilt.

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