Textadvent #4

Wir sitzen ums Feuer, trinken heißen Tee und kalten Wodka. Es hätte meine Geburtstagsfeier werden sollen, doch durch terminliche Differenzen, wurde es immer weiter zurück verschoben, sodass es nun ein vorweihnachtlicher Ausflug geworden ist.

Kurz nach drei haben wir uns um Tal getroffen, sind in zwei Autos umgestiegen und damit ein Stück den Berg hinauf gefahren. Der Weg war geräumt, aber doch glatt. Zweimal die Schneewand gestreift, ohne sichtbare Kratzer. Oben angekommen, sich in dicke Jacken gehüllt, den Rucksack aufgesattelt und losmarschiert. Normalerweise dauert es vielleicht eine halbe Stunde, wir waren etwas länger unterwegs. Ein Eingeständnis dem Schnee gegenüber. Die Hütte gehört meinem Onkel. Das letzte Mal war ich heroben, als ich noch zur Schule ging. Silvester feiern mit der Familie. Die Erinnerung sind eine Mischung aus Langweile, Anstrengung und Entdeckungen.

Es gibt keine Heizung, nur einen kleinen Ofen. Nach etwa einer halben Stunde wärmt er die Hütte so gut, dass man hin und wieder das Fenster öffnen muss. Vor allem, wenn acht Leute drinnen sitzen. Sie besteht aus zwei Räumen, die komplett voneinander getrennt sind. Der hintere Teil ist mit großen Holzstämmen zusammengebaut, zwischen denen der Wind hindurchpfeift. Drinnen stehen Maschinen und Material. Möchte man in den isolierten Teil, in dem wir uns befinden, muss man die Türe auf der anderen Seite nutzen. Strom gibt es nicht. Eine Gaslampe und Kerzen geben in der Nacht Licht. Doch wir haben nicht vor viel zu schlafen. Zu lange haben wir uns nicht mehr gesehen, jedenfalls nicht für längere Zeit. Vielleicht einmal auf einen Kaffee oder kurz in der Stadt begegnet. Nun haben wir zwei Tage für uns. Um uns die alten Geschichten zu erzählen und jeder neue aus seinem Leben.

Die Menschen haben sich nicht geändert. Wir werden alle älter, lernen neue Menschen kennen, manche studieren noch, andere arbeiten. Es spielt keine große Rolle. Eine gemeinsame Vergangenheit, hat von sich aus schon etwas sehr verbindendes. So sitzen wir da. Ich bin nicht mehr ganz so ruhig wie früher, frage herum und höre zu. Hin und wieder werfe ich einen Holzscheit ins Feuer, welches mit einem wohligen Knistern antwortet und eine Glutwolke nach oben bläst. Das Gesicht glüht, aber wenn man sich wegdreht, wird es innerhalb von Sekunden kalt.

In den Morgenstunden werden wir uns hineinsetzen. Die letzten Stunden im Kerzenschein vorbeiziehen lassen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr gut geschrieben, auch wenn es jetzt blöd klingt, schon viel zu lange habe ich so einen schön geschriebenen Beitrag nicht mehr gelesen! Btw. Öfen sind auch nur Heizungen!

  2. Danke. Viel mehr kann man dazu auch nicht schreiben. Außer, dass Öfen mehr als nur Heizungen sind. Was dann aber keine Rolle spielt.

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