Textadvent #3

Donnerstag Morgen. Meine Augen sind verkrustet und mein Bauch schmerzt, als hätte ich schlafgewandelt und die ganze Nacht Situps gemacht. Ohne erbarmen den Körper hochreißen, in eine Boxershort steigen und ins Bad schwanken. Das Wasser ein paar Sekunden laufen lassen, damit ist richtig kalt ist. Drei Ladung ins Gesicht. Guten Morgen.

Es ist kurz nach acht, die restliche Welt ist schon in der Arbeit, als ich noch vor dem Regal stehe und überlege, was ich frühstücken könnte. Manchmal denke ich daran, wie es wäre einen Bürojob zu haben. Jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen, ins Büro. Bis zur Mittagspause lustloses herumklicken, ein paar Dinge erledigen, dann mit den Kollegen etwas essen gehen. In der Kantine? Am Nachmittag noch eine Besprechung und pünktlich um fünf raus. Urlaub ist fix zugeteilt. Sonderwünsche gibt es nicht. Dafür ist das Gehalt gut. Und regelmässig. Doch das ist nicht mein Weg. Ich habe mich nie aktiv dazu entschieden, das zu machen was ich heute mache, aber auch nicht dagegen. Die Nicht-Entscheidung im Nachhinein gerechtfertigt, weil ich mich damit wohl fühle.

Vor zwei Jahren bin ich nach Wien gezogen. Unwissend, was ich eigentlich machen will. Mal hier vorbeischauen, mal dort. Studieren wäre ganz gut. Stundenlang habe ich mir alles angesehen. Online und offline. Ich war bereits für Technische Informatik angemeldet. Dann war ich auf der Hauptuni und habe mich schlussendlich auf der Wirtschaftsuniversität für BWL inskribiert. Die ersten Vorlesungen waren in Ordnung. Ein Kennenlern Tutorium. Viele Typen mit wenig Ahnung. Aber es war in Ordnung. Dann war ich auf einem Barcamp, habe jemanden kennen gelernt, der sich länger mit mir unterhalten hat. Wir haben über die Zukunft und das Studium gesprochen. Am Ende habe ich mich für Kommunikationswissenschaften eingeschrieben. Die ersten Lehrveranstaltungen verpasst, aber dennoch überall hineingekommen. Ich durfte mir mehrfach anhören, dass es sich um eine wissenschaftliche Vorbildung und keine Ausbildung sei. Auch wenn das ganze sinnvoll ist, wenn man einmal Journalist werden will, aber es ist nicht das Ziel des Studiums. Ich wollte nie Journalist werden, aber Medien haben mich interessiert. Dann kam die Einladung von der Person beim Barcamp. Es ging darum, ob ich Lust hätte bei dem einem oder anderem Projekt mitzuarbeiten. Ich kannte niemanden in dieser Stadt, fand die Projekte spannend und war dabei. An manchen Tagen bis spät in die Nacht gearbeitet, irgendwann wurde eine Flasche Sekt aufgemacht und wir haben gefeiert. Eine tolle Zeit und heute ist es nicht anders. Nur das Geld wurde mehr.

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Geld. Will es besitzen, um es auszugeben, halte nicht viel vom sparen. Überlegt ausgeben, abwägen was sinnvoll ist, aber nicht unter den Kopfpolster legen, bis es nichts mehr wert ist. Bis ich es nicht mehr genießen kann. Es ist nur Papier. Am liebsten arbeite ich ohne Bezahlung. Etwas tun, weil man es gern macht. Um jemanden zu helfen. Ein cooles Projekt. Wo man mit voller Energie dabei ist. Dahinter stehen kann. Es könnte so einfach sein. Wären da nicht die Ausgaben. Die Wohnung will bezahlt werden, noch mehr geht für Lebensmittel drauf. Ich habe mich selbst verwöhnt. Manchmal kaufe ich Werbung mit. Das Gefühl. Auch wenn das Produkt das gleiche ist, kann die Verpackung es besser schmecken lassen. Die Augen. Und so. Der Reiz mehr zu verdienen. Mit der eigenen Moral zu spielen. Die Firma hat sich hohe Werte auf die Fahne geschrieben und hält sie ein. Jedoch muss man selbst nicht immer nach diesen handeln. Das Leben ist, was wir daraus machen. Ich bin mir selbst verantwortlich. Und der Welt. Die Gesellschaft ist eine Konstruktion und ich stimme nicht mit allem überein. Jeder muss für sich entscheiden, wie weit er geht. Geld ist Bestechung. Auch wenn es ganz offen als Gehalt bezahlt wird. Was auf mein Konto kommt, entscheidet wie man handelt. Zu oft. Sich von materiellen Werten loszulösen, kommt dem Verlassen des Körpers ähnlich. Man kann Schmerz unterdrücken, aber was ihn auslöst, ist weiterhin da. Wir sind ein komplexer Organismus, der auf verschiedene Einflüsse unterschiedlich reagiert. Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas erreichen. Oder Nahrung einnehmen. Jemanden, den wir mögen berühren. Kopfkino. Indem wir vorhersehbar handeln, können wir miteinander leben und kommunizieren. Wenn ich das eine sage, werde ich nicht das andere machen. In den meisten Fällen.

Ich muss mich langsam fertig machen, ein Treffen für die Uni. Wir sollen eine Reportage machen. Dabei wollte ich nie Journalist werden. Deshalb brennt die Uni. Wir haben sie besetzt und geben sie nicht mehr her. Es ist unsere Uni. Unsere Bildung. Unsere Zukunft. Danach treffe ich mit einer Frau, die ich schon zu lange nicht mehr gesehen habe. Wir werden viel reden und viel lachen. Ich freue mich darauf. Morgen dann ein berufliches Frühstück und dann wird gearbeitet und am Abend ein Vortrag gehalten.

Mein Leben ist großartig. Manchmal frage ich mich, ob ich das auch will.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Cool story, bro. Aber diese absichtlich kurzen Sätze sind schlimm. Wann geht diese Modeerscheinung endlich vorbei?

    Was soll der letzte Satz? Bullshit.

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