Textadvent #10

Die Worte sind durch den Kopf geschwirrt, ohne Anfang und Ende. Ein Text nach dem anderen hat sich zusammengefügt, doch meine Augen waren geschlossen. Die Arme angewinkelt und die Finger ruhig. Sie lag neben mir, ich mochte nicht aufstehen, den Laptop anmachen und die Sätze abtippen. Zu schön der Moment. Doch heute ist der Tag danach, der Kopf ist wieder leer, ich bin faul, liege am Sofa und höre, wie sie sich im Bad föhnt. Später werden wir rausgehen, ein Stück mit dem Auto fahren und dann spazieren gehen. Sie hat etwas von einem Park erzählt, der irgendwelchen Adeligen gehört. Gehört nicht unbedingt in mein Bild einer guten Welt, aber Park ist Park und die Stadtverwaltung ist auch nicht immer perfekt. Jedenfalls werden wir durch das Städtchen gehen, sie wird mir Geschichten erzählen und ich ihr zuhören. Irgendwo setzen wir uns auf eine Bank oder wenn es zu kalt ist, in ein Café. Ich trinke Tee und sie Kaffee. Wir werden uns in die Augen sehen und lächeln. Eine kleine Berührung, ein Kuss.

Auf dem Heimweg fahren wir bei einem Geschäft vorbei. Kaufen für das Abendessen ein. Etwas mexikanisches. Fruchtig, scharf. Ich freue mich schon darauf. Wir werden gemeinsam in der Küche stehen, uns immer wieder berühren, wenn wir in den Töpfen rühren und die Pfannen schupfen. Dann machen wir ein paar Kerzen an und erfreuen uns an der Geschmacksexplosion. Ich werde sie fragen, ob sie als Nachspeise einen Apfel möchte, sie wird lachen und wir werden Pudding essen. Aneinandergekuschelt auf dem Sofa. Vor dem übersiedeln ins Bett ein Film. Nichts schnulziges, aber auch nicht zu viel Action. Wir treffen uns da einfach in der Mitte, nutzen gewisse Überschneidungen und sind glücklich.

Morgen geht es dann in die Stadt. Shoppen. Sie hat heute einen neuen Katalog bekommen und kann es kaum erwarten die Dinge anzuprobieren. Ich brauche eine oder auch zwei neue Hosen. Vielleicht noch etwas gemütliches für zuhause. Sie hat versucht mir zu erklären, dass eine neue Kollektion vergleichbar mit einem neuen Mobilgerät für mich sei. Ich könnte es kaum erwarten alle Funktionen zu testen und schauen, was man damit machen kann. Sie will in die Kleider schlüpfen, schauen, wie es an ihr aussieht und am liebsten alles direkt mitnehmen. Auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann, verstehe ich es so. Ein bisschen zumindest.

Nebenbei denke ich bereits über Pläne fürs nächste Jahr nach. Man muss sich manchmal Zeitpunkte setzen, um etwas zu ändern. Von heute auf morgen wäre schön, aber bevor man sich damit sofort enttäuscht, setzt man sich lieber etwas größere Zeiträume. Nicht viel neues, mehr schreiben, mehr studieren, mehr leben. Woher ich die Zeit nehme weiß ich noch nicht. Ich werde weiter an meiner Effizient arbeiten müssen. Anders lassen sich zwei Leben nicht in einer Person vereinen. Zumindest muss ich nur einmal schlafen. Und das aktuell nicht besonders lange. Ihr werdet von mir hören.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Und dann, ja dann kam alles anders.

    Weiße Bettwäsche.

    Weiße Bettwäsche, weiß und halbwegs steril. Wenn, ja wenn der lila Streifen nicht wäre. Schmal und durchdringend. An den Fensterscheiben kratzt der Wind und die Frau neben mir seufzt leise. Manchmal lauter.
    Wir wollten spazieren gehen. Fürs Abendessen einkaufen. Vorfreude und Bauchkribbeln.
    Schreiben fällt mir schwer, da mein Arm etwas schmerzt. Eine Transfusion tropft langsam aber stetig, Aufstehen ist unmöglich. Wenn ich meinen Arm bewege fließt Blut in den dünnen Schlauch zurück. Der Anblick ist unschön. Sehr unschön. Mir wird wieder übel.
    Krankenhausaufenthalt vs. Zweisamkeit.
    Weiß und halbwegs steril.
    „Wohin soll die Spritze?“ Eine Schwester reißt mich aus meinen Gedanken. “ Ähm. Welche Möglichkeiten habe ich denn?“ „Bauch oder Oberschenkel- machen sie sich bitte frei, ich habe nicht ewig Zeit.“
    Die Spritze durchdringt meinen Bauch. Minuten später soll mir davon schlecht werden, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Lila Streifen werden zu grün. Der Fernseher flackert und mein Magen rebelliert im Takt dazu.
    Ich sinke zurück in die Kissen. Falle. Falle zurück. Dankbar. Mein Kissen riecht noch nach dir.
    Meine Transfusion tropft schneller. Gluckert.
    Mir wird schlecht und die alte Dame neben mir schnarcht. Ich will hier weg. Nur weg. Raus. In mein Bett. Zu Dir. Meine Augen fallen zu. Langsam.
    Nach 30min wache ich wieder auf. Ich sehne mich nach dir. Sehr.
    Ich bleibe wach. Im halbwegs sterilen Bett und warte auf den nächsten Tag. Auf den nächsten Tag mit dir.

    (Ich danke dir für deine Zeit. Dafür, dass du bei mir warst und ich nicht allein war. Danke.)

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