Schreiben

Stockend gleiten die Finger über die Tastatur.

Ich habe es vermisst. Das Klicken der Tasten, das Erscheinen des Textes auf dem Bildschirm und die Gedanken, die dabei sanft durch den Kopf fließen. Sie winden sich durch die Windungen und schießen durch Nervenbahnen bis sie aus den Fingern sprudeln. Hinaus in die Welt. Hinaus in andere Köpfe. Wo sie sich wieder einnisten. Sich wandeln und etwas neues entstehen lassen. Das alles habe ich vermisst.

Ein privater Blog. Auch persönlich, aber hauptsächlich privat. So viel, das passiert ist. So viel schönes und so viele Zeichen, die nicht geschrieben wurden. Sie sind vor meinen Augen vorbeigezogen und ich habe es verpasst sie einzufangen. Einige verschwommen hinter einem Vorhang aus Tränen, andere klar, sodass man sich von der plötzlichen Schärfe fürchten könnte. Ein paar wenige haben es zwischen die Seiten des kleinen Notizbuches geschafft. Doch von dort müssen sie erst wieder befreit werden. Das Büchlein muss aufgeschlagen werden, damit sie wieder atmen können und dann muss man ihnen erneut Leben einhauchen. Sie ohne zu stocken, mit einem gleichmäßigen Anschlag abtippen, bis nichts mehr übrig ist. Die Seiten kann man dann rausreißen, durchstreichen, verbrennen oder einfach vergessen. Doch die Gedanken, die Gefühle leben weiter.

Gedichte haben es schon lange nicht mehr geschafft. Ich bin auch kein Gedichtschreiber. Eigentlich weiß ich gar nicht was ich bin. Muss ich auch nicht. Ich schreibe einfach. Für mich, für dich und die anderen. Wer immer über die Texte stolpert soll sich daran erfreuen können, miterleben oder sie ignorieren. Ich kann nicht erwarten, dass auch nur einer verstanden wird. Dafür lege ich zu oft Wert darauf, dass sie nicht so verstanden werden, wie ich sie gemeint habe. Ich fordere das entstehen etwas neuen heraus. Wünsche mir Kreativität und versuche dennoch zu lenken.

Es war bereits alles ausgeschalten. Ich lag in meinem Bett, wollte endlich in Ruhe ein paar Beiträge aus meinen Lieblingsblogs lesen. Es ist Wochen her, dass ich dazu das letzte Mal gekommen bin. So hat sich einiges angesammelt. Nur einen einzigen habe ich angerührt. Die Sätze aufgesogen bis ich mich nicht mehr halten konnte, ich musste den Laptop noch einmal einschalten. Ein paar Worte tippen. Nur um zu sehen, ob es sich noch immer so gut anfühlt. Ob ich es noch kann. Das schreiben. Oder ob man das auch verlernen kann. Noch mehr Wochen ist das letzte Mal her. Zu sehr war ich mit anderen Dingen beschäftigt. Mit interessanten und wunderbaren. Dinge, die das Leben besser machen. Schreiben gehört auch dazu, doch das habe ich vernachlässigt. Mir eingebildet, dass ich das mache, wenn ich mal wieder genug Zeit habe. Doch an diesen Tag glaube ich nicht mehr. Je mehr man will, desto mehr macht man, desto voller wird der Terminplan und der Kopf. Das hilft nur noch sich die Kopfhörer zu schnappen und darauf los zu tippen.

Immer schneller wird man. Die Buchstaben beginnen wieder zu sprudeln, so wie man es gewohnt war. Ich genieße, wie der Zähle konstant nach oben geht ohne ein Ziel zu haben. Ich weiß nur dass ich schreiben will und sei es nur des schreibens wegen. Etwas so schönes und befreiendes. Nicht für jeden, doch für mich. Nicht die Worte alleine. All die Dinge die damit kommen und gehen. Der Vorstellung, wie der Text gelesen wird. Die Gedanken, die damit geordnet werden. Die Freude, die mich durchdringt.

Nicht jede Nacht, nicht jeden Tag. Keine Regeln. Schreiben wenn ich Lust habe. Wenn es mich überkommt oder ich es brauche. Um wieder runter zu kommen, mich zu erinnern, zu ordnen oder einfach so. Einfach so. Sich hinsetzen und lostippen. Keine Grenzen, die einen aufhalten, einschränken. Keine Massen die einen einengen. Nichts das man repräsentieren muss. Kein tieferer Sinn, der unbedingt an den Mann gebracht werden muss. Die Gedanken, die man auf die Reise schickt. Einhüllt in einen Mantel aus Worten. Es muss nicht immer um Gefühle gehen. Sie leiten mein Leben. Leuchten in der Dunkelheit und Pfeile im Licht. Rational emotional.

Ich schreibe. Gerne.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ENDLICH! ENDLICH! nach meiner reise war der erste blog den ich aufrief, eben dieser und meine enttäuschung darüber, dass ich nichts verpasst habe, hat mich betrübt! ich mag es so gern deine texte zu lesen und habe gehofft, dass dich in meiner abwesenheit, grade das beschriebene verlangen wieder treibt und ich nach meiner heimkehr, mein buch erst einmal zur seite legen kann und nur das hier lesen werde.
    beim verschlingen diese textes, keimte in mir die idee auf, diesen text in meinen analogen blog aufzunehmen. und neben den text zu kleben, den ich übers schreiben verfasst habe. mal schauen, ob ich wirklich genug motiviert bin um das zu tun.
    gedichte. eichendorff?

  2. Dein Kommentar freut mich sehr und gibt mir zugleich Antrieb bald wieder etwas zu schreiben. Ich muss es nur in Einklang mit meinem restlichen Leben bringen, mir die Zeit nehmen, was leider nicht immer so einfach ist, weil der Kopf durch andere Dinge blockiert. Da können die Finger gar nichts mehr machen.

    Gedichte hab ich früher Querbeet gelesen und hin und wieder eines geschrieben. Habe ich aber gar nicht mehr das Verlangen dazu.

    Wenn du meinen Text einkleben würdest, wäre das natürlich eine Ehre, doch wenn du ein paar Gedanken mitnehmen konntest, ist es auch schon mehr, als ich mir erwartet habe.

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