Entscheidungen

Worte. Musik. Worte. Sätze. Texte.

Ich stehe mitten auf der Kreuzung, drehe mich einmal im Kreis. Bis ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin, habe ich vergessen, wo er war. Eine Fülle an Möglichkeiten und das fehlende Vertrauen eine einzuschlagen. Ich wähle die Straße, die in Sichtweite eine mehrfache Gabelung besitzt. Dort werde ich wieder warten und mich drehen. Bis mir schwindlig ist.

Nun muss man dieses Modell nehmen. Es um etwa zehn Ebenen erweitern und jeweils Abhängigkeiten zwischen den Entscheidungen herstellen. So verliere ich Möglichkeiten auf einer Ebene, wenn ich auf einer anderen den Weg mit den meisten nehme. Bleibe ich stehen löst sich eine andere auf. Gehe ich, ebenfalls. Während ich noch versuche die Zusammenhänge zu verstehen, ändern sie sich. Andere Menschen nehmen Strassen, die nicht breit genug für zwei Menschen sind. Auf anderen kommt mir plötzlich jemand entgegen. Häuser stürzen ein. Ebenen trennen sich und kommen wieder zusammen. Sie spiegeln sich, verblassen im Nebel. Auf einer Seite glänzen sie, auf der anderen bröckelt der Verputz. Licht rast von einer zur anderen. Knotenpunkte leuchten auf.

Ich warte.

Während sich die Straße unter meinen Füßen zu bewegen beginnt, andere Menschen mich sanft anstupsen, ist mein Kopf schon wieder woanders. Ich bin verliebt. Möchte nicht verletzen, nur das Schöne spüren weitergeben. Es geht nicht. Ich kann mich nicht losreißen. Das Glitzern, das Gras. Ihre Augen vor mir. Wische eine Träne weg. Lächeln. Sie weiß, dass ich keine Zeit habe. Dass ich ständig unterwegs bin und auf fünf Hochzeiten zugleich tanze. Sie weiß, dass ich lernen muss, mich auf Prüfungen vorbereiten und Arbeiten schreiben. Auch dass ich arbeite und daneben noch private Projekte laufen habe. Sie weiß und akzeptiert es. Dennoch tut es ihr manchmal weh. Wenn sie alleine im Bett liegt. Ich irgendwo einen Vortrag halte. Oder auf einem Sofa sitze und zum zehnten Mal der gleichen Diskussion zuhöre. Ich vermisse sie. Oft. Doch das Glitzern und das Gras hält mich.

Ich spreche von verrückten Entscheidungen. Dinge einfach zu machen. Nicht immer warten. Nachdenken, abwägen. Tun. Sofort. Selbst stehe ich noch immer auf der Kreuzung. Wolkenkratzer wachsen empor und verschwinden wieder. Leute laufen an mir vorbei, brechen außer Puste zusammen. Drehen auf halben weg wieder um. Stoßen gegen Sperren, laufen in Sackgassen. Doch sie laufen. Rund um mich. Alles bewegt sich. Das Leben sei zu kurz, um es nicht zu nutzen. Ich schüttle meinen Kopf. Will sie küssen.

Monate später merke ich erst, dass ich schon längst unterwegs war. Ich bin auf einem Brett mir rollen gestanden und wurde immer schneller. Auf einer anderen Ebene bin ich gerannt. Stricke sind gerissen. Doch ich stehe nicht. Bin nie gestanden.

Illusion.

Jugendliche

Immer wieder fliegt man durch fremde Welten, man ist sich nicht sicher, ob das alles war ist oder nur eine Wahnvorstellung des eigenen Geistes, der sich selbst verwirrt und in einer Spirale des Wahnsinns immer weiter treibt. Ein kurzes Schließen der Augen bringt jedoch nicht die erhoffte Erleichterung in Form eines Aufwachens oder zumindest realisieren der Fiktion, stattdessen sitzt man in seinem Sitz. Neben einen eine Gruppe Jugendlicher. Zu Beginn hat man sich noch daran erinnert, wie man selbst einmal war. Die Phase der Verliebt sein und Klassenintrigen. Doch dann bemerkt man, dass man plötzlich auf der anderen Seite sitzt. Man ist bei den Coolen gelandet. Bekommt mit, wie sie sich über die anderen aufregen, wie sie sie schlecht reden und dabei so lächerlich wirken. Jedoch nur wenn man nicht drinnen ist. Man kann es sich nicht vorstellen, wie es sein könnte dazuzugehören. Und wenn man es tut, möchte man sogleich wieder aus der Rolle ausbrechen. Das einzige, das das zeigt ist das Unvermögen, wirklicher Vorstellung, wie es sich anfühlt. Zugehörigkeit. Gemeinsame Feinde.

Auf dem Kopf eine Kappe immer. Um seine Position zu stärken. Cool sein. Im Sinne der aktuellen Modevorstellung vorne mit dabei. Es ist toll, wenn man nicht sprechen kann. Es gibt Applaus, wenn man triviale Argumente liefert anstatt immer wieder das gleiche Wort zu wiederholen. Es geht um Beziehungen oder so etwas ähnlichem. Man zieht gemeinsam Schlüsse aus den angeblichen Annäherungsversuchen. Vorsichtige Vorstöße in das Thema Sex, wenn es einem zu viel wird, sofort die Lächerlichkeitsbremse ziehen. Alle lachen und für einen Moment sieht man die verwirrten Gesichter. Bevor es wieder weitergeht.

Mittendrin jemand, der nicht hineinpasst. Er wird immer wieder von den anderen niedergemacht. Ist ja nur Spaß. Die Mädchen erwarten sich, dass er sich wehrt, doch er meint es sei ihm egal. Wenn die anderen beschäftigt sind, dann unterhält er sich mit der Kappe. Ganz normal. Beinahe niveauvoll. Zwischendurch ein paar unsichere Lacher. Um dazuzugehören. Ein bisschen zumindest. Aber es ist noch lange nicht perfekt. Er bildet sich etwas dabei. Weiß, dass er mit den einzelnen gut reden kann, aber sobald die Gruppe beisammen ist, wird wieder auf ihm herumgehackt. Im Gespräch denkt Kappe nicht daran, auf wessen Seite er ist. Er macht sich über einen andere Coolen lustig. Doch der merkt es nicht. Ein Mädchen sieht kurz auf und schon geht es weiter. Eine Welt von Lapalien in Kombination mit tiefen Gefühlen, die auf keinem Fall zu ernst rüberkommen dürfen. Immer in einem halbwitzigen Ton, um sich einen Ausweg offen zu halten.

Anhand der Lacher der Mädchen kann man feststellen, wen sie gerne in ihrer Nähe hätten. Ein wenig Händchen halten. Vielleicht ein vorsichtiger Kuss. Nicht offen darüber sprechen. Ein paar unterdrückte Lacher. Manchmal lauter, manchmal weniger.

Und schon ist man wieder in ihrer Welt. Aus dem Augenwinkel beobachtet man das Geschehen. Durch ihre Lautstärke ist es gar nicht mehr möglich wegzuhören. Mehrmals der Versuch in ein Buch zu flüchten, doch sie holen einen ein. Immer wieder. Ihre Lacher, die lauten Stimmen und dazwischen schmatzen. Eine Chipstüte macht die Runde. Man hat das neue Objekt der Aufmerksamkeit gefunden. Es scheint sich um ein Mädchen zu handeln, das sich nicht an die Regeln gehalten hat. Neben einen Jungen und ihn in ihrer Hand. Plötzlich handelt alles nur noch von ihnen. Weiterhin voller Halbwitz und vorsichten Vorstößen. Ein neuer Unterton. Neid. Die Vorstellung selbst in der Position zu sein. Doch die Sicht ist zu begrenzt. Man denkt nicht daran, was man selbst gerade über die anderen sagt und stellt sich doch vor, wie es wäre selbst betroffen zu sein.

Eine Aussage, die nicht in Kappes Muster passt. Er sagt was er will anstatt nur Witze zu machen. Das Mädchen, welches ihn bebrunft, freut sich. Möchte dass er öfter so ist. Auch einmal sagt, was er will. Sie erwartet sich sogleich, dass er sie zu sich einlädt. Schon ist er wieder in der Witzschiene. Sieht dennoch eine Chance. Oder ein Wunsch. Doch das Gespräch entwickelt sich weiter. Sein Griff zur Hose verrät mehr. Fällt nur niemanden auf. Vermutlich besser so.

Man schlägt sich. In der Stimme der Schmerz, doch einem wird gesagt, dass es nicht weh tut. Man redet es sich ein. Man lacht. Es war nur ein Witz. Es ist lustig. Es ist immer lustig. Es muss lustig sein. Viel zu leicht gerät man an den Rand. Subtile Aggressivität. Man sitzt schon zu lange im Zug. Die Reise geht ihrem Ende zu. Man will es nicht recht wahr haben. Vielleicht ist man auch auf die eigene Unfähigkeit sauer. Doch das Ventil sind die anderen. Weiter der Versuch es nicht zu ernst wirken zu lassen.

Wieder über die Grenze. Es hat sich nichts verändert, doch jetzt wird telefoniert. Man muss vom Bahnhof nach Hause kommen. Hallo Mama, Hallo Papa.

Jugendliche. Es ist kein Problem. Sie sind so.

Tagesarbeit

Der Mond steht hoch am Himmel. Romantiklüge. Irgendwo hinter den Häusern wird er sein.

Müde wälze ich mich im Bett. Ein toller Tag, viel geschafft und nun freue ich mich auf den Schlaf. Aber es geht nicht. Noch nicht. Ich muss noch ein paar Gedanken ordnen, bevor ich mich hingebe und an mein Unterbewusstsein übergebe. Ich will. So vieles. Und ich werde es erreichen. Weil ich es will. Und weil ich weiß.

Heute habe ich eine Präsentation gehalten, etwa eine halbe Stunde. Ich habe überzogen und doch nur die Hälfte geschafft. Wieder gefühlt, wo meine Stärken liegen und dass ich behutsamer mit den Menschen umgehen muss. Darf nicht zu viel erwarten, darf sie nicht überfordern. Vorbereitet habe ich mich eine Stunde zuvor. Doch das muss ich nicht jedem unter die Nase reiben. Bin nicht stolz drauf, hätte mehr vermitteln können, wenn ich mir mehr Zeit genommen hätte. Aber die war nicht da. Und ich wollte sie nirgendwo stehlen. So bin ich da gestanden, meine Worte haben sich selbst überschlagen, die Geschwindigkeit wurde mit Voranschreiten der Zeit weiter erhöht bis ich mehr als die Hälfte der Zuhörer hinter mir gelassen habe. Leere Gesichter. Verwirrung. Ich wollte ihnen zeigen was möglich ist, was ich beinahe täglich nutze. Einblick in eine andere Welt.

Man kann leben oder gelebt werden.

Weil ich noch unbedingt etwas schreiben wollte, habe ich den Wecker zwei Stunden vorgestellt. Im Halbschlaf ein wenig auf der Tastatur herumgetippt. Am Ende waren es tausend kleine Wörter und ich war spät dran. Schnell unter die Dusche und dann in die Arbeit. Als ich den Text am späten Nachmittag noch einmal angeschaut habe, wurde mir klar, was ich gemacht habe. Es ist keine Lösung so früh zu schreiben. Besser man lässt es ganz. Eine Stunde früher in die Arbeit und diese auch früher heim. Dabei habe ich nicht einmal fixe Arbeitszeiten. Nur manchmal, da muss etwas fertig werden und das hat höhere Priorität. Manchmal macht es mich fertig, aber am Ende bin ich immer wieder froh, dass ich machen kann was ich mache. Und mit den Menschen.

Du bist, wie du dich darstellst.

Genau hier ist der Ort, wo ich das alles ablegen kann. Diese Masken der Gesellschaft. Glatte Lüge. Immer wieder wird mir gesagt, wie ich mich zu präsentieren habe. Dass ich dieses und jenes machen sollte. Und auch das noch gut wäre. Dann wäre ich erfolgreicher. Doch das kann man jemanden nicht sagen, der noch nicht weiß, was er sich eigentlich erwartet. Von diesem Leben. Oder von einem anderem. Es geht ums schreiben. Um das tippen. Immer mehr, manchmal besser, manchmal schlechter. Hauptsache die Finger sausen über die Tastatur. Am Ende kommt schon etwas raus. Aber nicht zu durchschaubar. Lieber ein paar Mauern aufrecht erhalten. Manche Personen sind groß genug, um darüber zu schauen, die anderen müssen nicht alles sehen. Gibt auch nichts. Dort drinnen.

Die Flügel anziehen und hoch hinaus.

Sonnennacht

Lange Strassen, sanfte Wärme. Die Jahreszeit hat sich gewandelt. Der Sommer. Er ist zurück.

Ich möchte dich entführen. Dir die Orte meiner Jugend zeigen. Wir steigen einfach ins Auto. Es ist nicht weit, ein paar Minuten über die Autobahn, dann in steilen Serpentinen der Berg hoch. Durch zwei kleine Dörfer, dann lassen wir die Zivilisation hinter uns. Hand in Hand gehen wir den Weg entlang. Links und rechts Wiesen, später der Wald. Bis wir angekommen sind. Am Ende des Bächleins hängt ein See. Wir spazieren am Ufer entlang, über eine Brücker zur Insel. Eine kleine Kapelle steht in der Mitte, wir schlängeln uns an Büschen vorbei und kommen zu einer Bucht. Dort ziehen wir unsere Badesachen an und legen uns in die Sonne. Ich werde dich mit Wasser bespritzen und du dich zuerst aufregen bis du mir eine ganze Flasche über den Körper geleert hast.

Die Sonne steht hoch am Himmel. Die Menschen gehen mehr raus. Lachen, sitzen an den roten Tischen vor dem Cafe und unterhalten sich über die Zukunft.

Wieder unten angekommen fahren wir zuerst nach Hause. Duschen, umziehen. Nach einer kleinen Stärkung aus Kaffee und Kuchen setzen wir uns in die Hängematte. Du erzählst mir Geschichten und ich lausche gespannt deinen Worten. Die Sonne sinkt immer weiter, bis sie den Himmel in ein tiefes Rot taucht. Wir küssen uns, sprechen davon, dass wir nicht romantisch sind, aber dann schon. Spielt auch keine Rolle. Die Wärme bleibt. So auch wir. Schweigend liegen wir nebeneinander.

Kitschiger Adel

Jeder Grashalm wirft einen langen Schatten. Ich drehe mich auf den Rücken und sauge die untergehende Sonne ein.

Ich bin was ich an anderen kritisieren und kann es nicht ändern.

Mit jeder Handlung, jeder Reaktion formt man Menschen. Egal ob man über etwas spezielles spricht oder rein allgemein. Je nach Beziehung zu der jeweiligen Person haben Lob und Kritik unterschiedliche Auswirkungen. Bis hin zum Verkehren in das Gehenteil, weil man der Person negativ gegenüber steht.

Neben mir steht ein leeres Wasserglas. Die letzten Tropfen haben sich in einer Ecke gesammelt. Ich stoße es um.

Je nach Situation zeige ich eine andere Nuance meiner Persönlichkeit. Niemand bekommt alle zu Gesicht. Manche widersprechen sich gegenseitig. Dennoch gehören sie zu mir und stimmen mit meiner Lebenshaltung überein. Diese wird in einem ewigen Prozess weiterentwickelt. Menschen, Situationen und Erzählungen verändern sie. Immer wieder hinterfragen was und wer ich bin. Und warum. Finale Antworten gibt es nicht. Nur Entwürfe.

Der Schatten alleine wäre kein Problem, aber der kühle Wind treibt mich ins Haus. Den Tag mit einem Film ausklingen lassen.

Revolution

Die Sonne steigt auf. Unter ihr eine graue Landschaft. Die Stadt schweigt, nur manchmal lässt der Wind eine Türe quietschen. Die Häuser vom langen Kampf gezeichnet. Abbröckelnder Verputz und kaputte Fenster.

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt, mit Menschen gesprochen und nachgedacht. Themenbereiche, die mir immer wichtiger werden. Je mehr ich mich damit beschäftige desto öfter erkenne ich Überschneidungen. Das eine als die Lösung für das andere. Alternativen und neue Wege. Es geht um Menschen, Geld, Konstrukte und das Leben. Die Zukunft der Menschheit. Ich sehe Veränderung und sorge dafür, dass sie in meiner Welt schon heute eintritt und in unserer auch Einzug halten wird. Alleine werde ich es nicht schaffen. Bin nur Teil einer Bewegung. Eine größer werdende Gruppe, die sich nicht mehr lange davor scheuen wird aufzustehen. Es ist nicht einfach und wird noch schwerer werden. Man wird viel reden und schreiben müssen, damit es nicht in Gewalt eskaliert. Die Menschen sind schon auf der Straße. Noch in kleinen Gruppen und friedlich, doch das könnte sich ändern. Auch in unserer sicheren Wohlstandswelt.

Eine Wolke schiebt sich langsam vor die Sonne. Augen blitzen in den dunklen Gassen auf. Ein Hund läuft durch die Strassen. Eine schwarze Limousine kommt aus Richtung Westen. Mit verdunkelten Fenstern fährt sie weiter in die Stadt. Eine Polizeieskorte. Auf dem Weg zu einer kleinen Garage aus der Musik kommt.

Die Gesellschaft befindet sich in einem ständigem Wandel. Sie passt sich an die vorhandenen Möglichkeiten an. Aktuell spielt das Internet eine wichtige Rolle. Vor nicht allzu langer Zeit waren es Maschinen. Sie haben die Arbeitswelt verändert und damit auch die Gesellschaft. Man hat sich dagegen gewehrt und versucht es zu verhindern. Geräte des Teufels. Ein nicht unerheblicher Teil unseres heutigen Wohlstands baut auf diesen Erfindungen auf und wir sind noch nicht am Ende. Immer effizienter. Heute sieht sich eine andere Industrie in Gefahr. Sie handelt mit Medien und hat Angst nicht mehr gebraucht zu werden. Genau das wird eintreten. Doch es ist das Konstrukt das verschwindet, nicht die Menschen. Diese werden neue Aufgaben finden. Konkreter geht es um Verlage sowie die Musik- und Film-Industrie. Sie haben bisher dafür gesorgt, dass die Produkte vom Produzenten zum Konsumenten kommen. Waren Mittelmann, der dem Konsumenten gesagt hat, was er braucht und ihm das besorgt hat. Ein Dealer, der nicht mehr benötigt wird, wenn man sich den Stoff direkt beim Ersteller holen kann. Musik sollte man aus Leidenschaft machen, nicht um Geld zu verdienen. Das gleiche gilt für schreiben und alles im Leben. Geld ist nur ein Tauschmittel, das wir irgendwann erfunden haben, weil wir unser Talent nicht konservieren konnten. Doch Geld sorgt auch dafür, dass Dinge die benötigt werden, von jemanden hergestellt werden. Es gleicht aus. Aber in unserer Welt ist es immer weiter abstrahiert worden und die Verteilung ist schon lange nicht mehr gerecht. Mit viel Geld ist es einfach mehr Geld zu machen, mit wenig muss man schauen, dass man nicht auf der Straße sitzt. Da haben wir dann den Staat. Er sorgt dafür, dass es jedem gut geht. Irgendwie. Geld ist auch Macht und der Staat ist ein Konstrukt aus Macht. Er verhindert totale Ungerechtigkeit, aber die Mächtigen haben es leichter Dinge für sich zu machen, als der Rest. Eine Gratwanderung. Schließlich soll es der Masse gut gehen, dass man wiedergewählt wird. In vielen Fällen gibt man ihnen Versprechen, damit sie zumindest denken, dass es ihnen gut geht. Was auch oft der Fall ist. Dass es ihnen besser gehen könnte, wenn die Politik anders handeln würde, ist vielen gar nicht so wichtig. Sie wussten es auch nicht. Die Informationen kamen von denen, die Geld hatten, wurden gefiltert durch die, die Macht hatten und der Bürger wurde mit verschiedensten Mitteln gesteuert. Wegen des Friedens. Und so. Das Internet ermöglicht nun jeden mit jedem Informationen auszutauschen. Musiker können weltweit ihre Musik verteilen. Autoren ihre Texte. Das macht die Verteilungsindustrie im Mantel der Musik- und Film-Industrie ziemlich überflüssig. Dass diese das nicht erfreut, verwundert wenig. Auch die Politik fühlt sich plötzlich unter Druck gesetzt. Selbst wenn sie einen guten Job macht, wird sie nun auf alle kleinen Fehler aufmerksam gemacht und schon fürchtet sie um das Vertrauen in sie. Kritikfähigkeit ist wichtig. Die Gesellschaft kann helfen sich selbst zu verbessern, aber man muss sie dabei unterstützen. Doch die Politik hat sich dagegen entschieden. Ob sie es nicht versteht oder andere Gründe hat, kann man an dieser Stelle nicht sagen. Die Industrie versucht über die Gewalt der Judikative gegen die Gesellschaft vorzugehen.

Die Limousine bleibt vor der Garage stehen. Sie ist verziert mit bunten Graffitis, Pflanzen blühen in einem kleinem Beet. Die glänzende Türe öffnet sich und ein kleiner Mann im Anzug steigt aus. Das Garagentor öffnet sich. Der Mann zeigt auf die drei Männer die in der Garage an einem Art Fahrrad werkeln. Die Polizisten stürmen los, werfen die Männer zu Boden und dann in den Kofferraum. Der kleine Mann ist schon wieder eingestiegen und der Konvoi fährt los. Als sie um die Ecke biegen, stehen einzelne Menschen auf den Dächern der Häuser. Einzelne kommen durch die Türen und schauen der Limousine vom Bürgersteig nach. Es werden immer mehr. Schon nach der Hälfte des Weges hat die Limousine Probleme weiterzukommen. Die Polizisten sind schon längst in der Masse stecken geblieben.

Schreibsommer

Wunderbares Leben. Wie du zart verstreichst. Ich kriege dich nicht zu fassen und darf es auch nicht. Wesen der Leichtigkeit fühlen sich am Boden nicht wohl. Sie müssen sich umhertragen lassen. Von einem warmen Frühlingswind. Mit ihren Fingern die ersten Blüten wecken. Aus dem braun des Herbstes, erst unter einer weißen Decke verborgen, wird frisches grün. Am Himmel teilen sich die Wolken den Platz mit der Sonne. Deren Strahlen erreichen uns noch schwach. Sie kündigen an, was kommen wird. Ein Sommer mit der Liebsten.

Die ersten Tage ohne gefüttertem Mantel. Die Haare im Geiste schon wieder kurz. Angepasst an das Wetter. Statt Schnee sanfte Frühlingsgewitter. Ich laufe durch die Stadt, höre den Straßenmusikanten zu. Erinnerungen aus den vergangen Jahren kommen zurück. Ich weiß noch von dem Brunnen, auf dem ich gesessen bin. Stundenlang. Zusammen mit meinem Notizbuch. Zeile um Zeile hat sich gefüllt. Träumereien. Ich gebe sie nicht auf. Lasse sie wieder frei tanzen, um sie in allen Farben zu erkennen. Schattierungen, die man nicht sieht, wenn man sie festhält. Man muss sie drehen und in die Luft werfen. Ihnen erlauben sich zu ändern, um ihnen irgendwann wieder nahe zu kommen. Erreichen. Erreichen spielt keine Rolle. Es wäre ihr Ende. Würde sie auf den Boden reißen, wo sie zerschellen. Doch wenn sie über einem schweben, kann man ihnen hinterherrennen. Immer wieder berühren und sie in ihrer Vielfalt erleben. Der Frühling gehört den Träumen.

Im Park beginnen die Vögel wieder zu singen. Manchmal ist ein mehr ein Räuspern. Ich gehe, federe fast, über die kleinen Wege. Lächelnd. Meine Zeit verwandelt sich in Genuss statt einem ständigen Tun. Das eine geht nicht ohne dem anderem. Wenn die Sonne wieder länger bleibt, werde ich mich in der Stadt mit Freunden treffen. Draußen vor einem Café sitzen und über die Zukunft philosophieren. Zusammen mit der Wärme des Tages werden wir gegen Mitternacht aufbrechen. Ohne zu schauen, ob noch eine U-Bahn fährt durch kleine Gassen nach Hause spazieren.

Dann möchte ich wieder Geschichten schreiben. Wo ich länger als eine Stunde daran schreibe. Ein Woche. Ein Monat. Jeden Tag ein bisschen. Sie mit mir herumtragen und vorsichtig wachsen lassen. Bis ich sie dann in eure Köpfe entlasse.

Wasserfall

Vor mir eine glänzende Platte. Kein Wind, der das Wasser bewegt. Weit oben die Gipfel der Berge. Schneebedeckt. Das ganze Jahr.

Ich setze mich auf einen Stein, spüre die Kälte, wie sie sich durch meine Hose frisst. Nicht anspannen. Die Augen schließen und mich fallen lassen. Ein Steinchen, das sich in meinen Rücken bohrt. Ich nehme es in die Hand. Befühle die raue Oberfläche. Es erinnert mich an eine alte Tapete. Leicht vergilbt und aufgerissen. Ich hole aus. Werfe es weit in den See hinein. Kreise bis ans Ufer. Winzige Botschaften des Aufpralls. Langsam verbreiten sie sich und alles bleibt ruhig. Mein Rücken wieder auf dem Stein. Über mir die kalte Frühlingssonne.

Es ist ein neuer Tag. Es ist immer ein neuer Tag. Und doch fühlt es sich anders an. Es sind zwei Jahre vergangen seit ich das letzte Mal hier war. Zurückziehen. Die Einsamkeit genießen. Nachdenken. Die ersten Wanderer werden erst in ein paar Stunden kommen. Der Parkplatz war noch leer. Ein kalter Schauer durchfährt mich. Tief die Bergluft einatmen. Sanft strömt sie in meine Lungen. Füllt mich mit dem Wissen, dass alles in Ordnung ist. Das Leben geht seinen Weg und ich begleite es. Manchmal muss ich es an der Hand nehmen und ihm zeigen, dass es da nicht weiter geht. Oder dass ich woanders hin möchte. Selbst die kleinen Höhen und Tiefen sind da. Manchmal höher. Manchmal tiefer. Wenn ich den Schreibtisch festhalte, nur noch schreien will. Mir den Fuß an der Türe anstoße und mit rotem Kopf durch die Straßen laufe. Wenn ich kleine Erfolge feiere. Mich nach der Arbeit auf einen Tee treffe. Über die Zukunft philosophiere. Spät in der Nacht nach Hause komme. Wohlige Wärme berührt mich.

Die Sonne schüttelt den Winter ab. Ihre kleinen Strahlen suchen sich den Weg durch die Kälte. Sie treffen mich. Mein Gesicht. Meine Brust. Meine Hände. Beine. Arme. Füße. Neben mir liegt ein Handtuch. Erst gegen Abend werde ich erwartet. Mit ein paar Freunden treffen. Etwas essen gehen. Geschichten austauschen. Doch jetzt bin ich hier. Alleine. Vor mir das Wasser. Ich ziehe den Pullover aus. Werfe das Shirt auf den Stein. Dann lasse ich die Hose fallen. Mit den Schuhen lege ich sie neben mich. Schritt für Schritt. Meine Haut zieht sich zusammen. Versucht aus den Haaren einen Schutzwall zu zaubern. Es reicht nicht. Ich gehe weiter. Der Grund ist rau. Ich gleite ins Wasser. Mit wenigen Zügen geht es in die Tiefe. Unbeweglich. Die Kälte weicht. Mit jeder Bewegung kommt sie zurück.

Ausgleich für das Leben. Sieben Tage die Woche. Arbeit und Uni. Daneben mehrere Projekte. Ich will mehr. Ständig auf der Suche. Wichtige Dinge gefunden. Für einen Moment habe ich die Wohnung vor Augen, den Hörsaal, das Büro. Eine schnelle Bewegung und ich bin zurück. Auf 1590 Metern. Mitten in Tirol. Lasse mich treiben. Im Wasser schwebend. Erinnerungen kommen hoch. Als ich als Kind hier war. Ein einziges Mal war ich im Wasser. Mit meinem Vater und dem Hund. Ich bin in die Mitte geschwommen und der Hund wollte ständig bei mir sein. Mit seinen Krallen ist er über meinen Rücken. Ich habe es nicht gespürt. Mehr ein streichen. Die Male zuvor sind wir nur um den See herum gegangen. Waren bei der alten Kapelle. Haben am Ufer gejausnet. Brot und Käse. Dazu Holundersaft. Ich vermisse die Zeit nicht, aber erinnere ich mich gerne zurück. Wie ein anderes Leben. Der kleine Junge war ich. Der kleine Junge bin ich.

Minuten vergehen. Ich bewege mich wieder zum Ufer. Steige aus dem Wasser heraus. Drücke Wasser aus den Haaren. Kurz bleib ich stehen. Das Handtuch wärmt mich. Die Sonne ist hinter einer Wolke verschwunden und wird so bald nicht wiederkommen. In meiner Jackentasche sind zwei Müsliriegel. Auf dem Stein sitzend kaue ich langsam. Darauf wartend, dass meine Haut trocken wird. Bevor ich die Socken anziehe streife ich sorgfältig mit dem Handtuch über die Füße. Ich mag das Gefühl von Sand auf der Haut nicht. Wieder angezogen gehe ich über den Wanderweg zurück. Der Tag hat erst begonnen.

Leidenschaft. Leben.

Leidenschaft Leben.

Manchmal falle ich in ein Loch. Tief und zerstörend. Bleibe tagelang liegen. Versuche ich herauszuklettern, rutsche ich ab und der Aufprall schmerzt erneut. Die eigene Unfähigkeit spüren. Alles außer Kontrolle. Wie immer. Doch in dem Moment wird mir klar, wie viele Dinge ich nicht beeinflussen kann. Als Folge scheitere ich. Habe mich selbst nicht mehr im Griff. Rutsche tiefer. Es ist dunkel. Ich stoße überall an, falle wieder. Und wieder. Menschen die nach mir greifen, zerbrechen mich. Schon die Frage nach dem Befinden kann mich erneut umwerfen.

Leiden schafft Leben.

Winzige Dinge lassen mich wieder aufstehen. Ich erreiche den Grund, sage mir dass es so nicht weitergeht und stehe wieder auf. Beginne zu laufen und alle Sorgen tropfen ab. Ich gewinne wieder Kontrolle. Nicht nur über das Jetzt, auch über die Zukunft. Nur zusammen ist die Zeit stark. Eine Erinnerung, ein Gedanke. Was ich erreicht habe und was ich noch will. Ich sehe die Dinge vor mir. Greifbar. Es kostet Energie, aber nicht so viel wie am Boden eines Loches herumzukriechen. Für mich und die Menschen, die mir wichtig sind. Neue Kraft die mich durchfährt. Musik im Kopf.

Leidenschaft leben.

Bergflucht

Schreie die Welt an. Manchmal ist es einfach nötig. Alles aufstauen macht nicht nur dich fertig sondern auch die Menschen, die dir wichtig sind. Du hast gelernt vieles zu schlucken und du hast immer wieder Wege gefunden irgendwie damit umzugehen. Ohne dass jemand dabei Schaden nimmt. Außer dir selbst. Das kann und wird nicht immer gut gehen. Etwas zurückgeben, nicht nur nehmen. Unfähigkeit die dir täglich geliefert wird. In dir braut ein Gemisch aus Wut und Ohnmacht. Du kannst andere nicht ändern. Helfen sich selbst zu ändern. Nicht alle und nicht sehr viel.

Diese scheiß Negativität, die dich hin und wieder erfasst. Und du bist selbst Schuld. Lässt dich davon berühren und stehst nicht darüber. Machst Dinge, die du nicht nötig hast und regst dich dann wieder über dich selbst auf. Und die ganze Welt. Weil du nicht mehr kannst, nicht mehr willst. Einfach schreien. Über alles und jeden. Spürst den Lärm in dir aufsteigen und kurz bevor er über deine Lippen quillt würgst du alles runter. Weil es in dieser Welt nicht mehr möglich ist. Weil du ein Image zu bewahren hast. Weil du genau das machst, was du nicht machen sollst.

Stille. Dröhnende Musik. Die Augen öffnen. Kurzes blinzeln. Den Kopf nach links und rechts kippen. Langes strecken und dann aufstehen. Die letzten Meter zum Gipfel gehen. Alleine. Umgeben von einem Meer aus Wolken. Kalte Luft und sanfte Sonnenstrahlen. In der Ferne andere Gipfel, wie sie ihre Köpfe durch die Wolkendecke stecken. Du setzt dich an den Felsrand. Die Beine über dem Abgrund. Ein tiefer Schluck. Dein Körper vollkommen entspannt.

Die Finger wandern langsamer über die Tasten. Die Worte weicher. Die Erinnerung an Texte, die dich selbst bewegten. Es ist Zeit für Veränderung. Du hast es schon vor Tagen entschieden. Nun ist die Zeit der Umsetzung gekommen. Ein zusätzliches Versprechen. Jeden Tag mindestens fünfzehn Minuten. Da kann man dreißig Minuten für Worte dran hängen. Der Körper ist nicht der einzige, dem es nach Bewegung lüstet.

Lass dich mitreißen. Von dir.