Nachtschau

Gestern fern gesehen, als sie schon schlief. Der falsche Ausdruck. Ich sehe nicht fern. Der Stoff ist per Hand ausgewählt. Ich warte den richtigen Moment ab. Es muss ruhig sein. Keine Ablenkung. Der Kopf frei. Dann schiebe ich meinen Stuhl in die Mitte des Raumes, schalte den Fernseher an, schließe den Laptop an. Ein zweites Kabel an die Lautsprecheranlage. Kurzer Test, wenn alles soweit ist. Pause. Ich gehe in Küche und hole mir ein Glas kaltes Wasser. Oder eine Flasche Club Mate. Dann setze ich mich auf den Stuhl und atme tief durch. Play.

Die Bilder und Geräusche saugen mich auf. Rase durch fremde Welten. Diesmal Drogen. Nicht nehmen, sondern verkaufen. Weil Krebs. Und Familie. In meinem Kopf werden bestimmte Muster und Ideen gegen eigene Erfahrungen und Gedanken gespielt. Ohne viel Aufmerksamkeit. Längst vergessene Areale leuchten auf. Mein Atem wird flacher. Gänsehaut. Zwischendurch einen Schluck Wasser, um mich zurück zu holen. Nur für einen kurzen Moment.

Früher oft Filme. Heute fast ausschließlich Serien. Geringere Gefahr nach der Hälfte abzudrehen. Geschichten in die ich mich tiefer graben kann. Raum für alles. Unsere Vorlieben gehen auseinander. Bisher haben wir es überlebt ein paar Stunden von der Gemeinsamkeit für das Individuum zu investieren. Sinnvoll.

Als ich danach im Bett lag, fiel es mir schwer einzuschlafen. Zu viel Stimulation. Ich war ziemlich glücklich. Ich habe ein schönes Leben.

Irgendwann Musik.

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