Morgenstunden

Ich sitze alleine auf einem Stuhl. Stille. Der Raum ist vollkommen leer. Eine kleine Lampe auf der einen Seite. Keine Fenster. Keine Türe. Stille. Wenn ich schreie, wer hört mich dann?

Ein neuer Tag. Ich bin aufgestanden, habe den Computer angeschalten. Rührei mit Basilikum und Tomaten. Als ich sie in kleine Stücke schneide sehe ich den roten Saft von meinen Fingern tropfen. Tomaten. Ich denke, ich könnte auf sie verzichten. Man kann auf viele Dinge verzichten. Man muss es nur wollen. Ich verzichte, wenn ich etwas anderes will.

Das piepsen des Computers reißt mich aus meinen Gedanken. Ich nehme das Teller und setze mich an den Schreibtisch. Während ich esse, klicke ich mich durch den Feedreader. So viel Unsinn. Tag für Tag produzieren millionen Menschen Unsinn. Ich mag unsinnige Dinge. Doch diese sind leider nicht von der Sorte, die ich mag. Leute regen sich über etwas auf und bezeichnen sich deshalb als kritisch. Sie sind negativ. Nicht kritisch. Manche Blogs lasse ich ungelesen. Für die will ich mehr Zeit. Ich will es genießen. Die Worte einfangen und wirken lassen.

Ein Glas Milch. Ich stelle mir vor, wie ich gerade aussehe. In Boxershorts durch die Wohnung tappsend mit einem Milchbart und dem leeren Glas. Ich schiebe ein paar Kleidungsstücke zur Seite, die ich gestern einfach fallen habe lassen. Keine Lust ordentlich zu sein. Den Polster zurecht klopfen und die Decke sauber drauf legen. Wieder zum Computer. Ob ich noch etwas schreiben soll. Dann muss ich nur mittendrin abbrechen und der Text liest sich holprig. Lieber ein bisschen durch die Netzwerke klicken. Schauen was es neues gibt.

Musik anschalten. Mein Leben. Wohin ich gehe leuchtet etwas. Ich tippe schnell ein paar Nachrichten. Geburtstagswünsche. Weil das halt dort stand. Dass du Geburtstag hast. Alles Gute. Morgen lösche ich dich. Es tut mir nicht Leid, aber du musst dir auch keine Gedanken machen. Es gibt noch genug andere da draußen. Die füllen ihre Listen gerne mit netten Gesichtern. Ich stehe mehr auf Worte.

Drei Karten stehen auf dem Fensterbrett. Zwei von Personen, die ich nicht kenne. Ich erinnere mich, dass ich mich für eine noch bedanken will. Viel zu spät. Die andere erinnert mich an Sonne und Strand. Philosophierend am Meer sitzen und den Sonnenuntergang genießen. Die andere an Weihnachten. Manchmal will ich aussteigen. Aber es hält mich zuviel zurück. Die Zeiten, wo ich frei von Ballast war sind vorbei. Es ist zugleich gut und schwer. Verantwortung. Ich übernehme sie gerne. Sie schränkt mich ein.

Einen Block und einen Stift. Mehr brauch ich nicht. Der Rest ist irgendwo da oben drin. Oder im Internet. Ich habe schon wieder nicht schlafen können. Zu viele Gedanken die mich zerdrücken. Ein Wunsch. Vielleicht bin ich abhängig.

Ich schließe das Fenster, schlüpfe in den Mantel und verschwinde.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.