Liebes Tagebuch

Ich weiß, dass ich schlafen sollte. In nicht einmal fünf Stunden muss ich wieder aufstehen. Der Tag nicht stressig, aber vollgepackt mit Dingen, die zu tun sind. Ein paar Gespenster, die über meinem Kopf schweben. Ich halte sie mit Worten fern. Es kann sein, dass nicht alles zusammenhägend ist. Dass Sätze ohne Verb und Enden ohne Anfang auftauchen. Ineinander verschmelzen. Das Gefühl, das mich durchströmt. Eine Zufriedenheit mit mir selbst, mit der Welt, mit allen. Die Umstände ignorierend. Dahin verweisen wo sie hingehören. Wir leben in einem Konstrukt. Wichtigkeiten sind künstlich erzeugt. Was wirklich zählt wird gerne ignoriert, weil wir uns wohlfühlen in einem Dschungel aus Zahlen und vereinbarten Abhängigkeiten. Es ist was die Gesellschaft zusammenhält und den Einzelnen solche Lasten auferlegt. Wir sollten uns öfters zurücklehnen, auf das herabsehen, was wir sind und was wir tun. Die Zusammenhänge sehen und über die Absurdität lächeln. Wir sind unsere eigenen Sklaven. Ich bin mir sicher es wurde schon oft geschrieben, doch ich bin nicht so belesen, wie viele glauben. Viel praktisches Wissen, eine gutes Kombinationsvermögen und es ist nicht mehr schwer die Welt zu erklären. Immer wieder wurde mir gesagt wie erfolgreich ich sein könnte, würde ich mich nur ein bisschen mehr anstrengen. Ich sträubte mich dagegen ohne zu wissen warum. Heute würde ich fragen, was erfolgreich ist. Welche Erfolge es seien, die mein Leben zu etwas noch großartigerem machen könnten als es schon ist. Ich würde mich über ein paar Zahlen auf gepressten, toten Bäumen freuen und dann würde sich eine Gleichgültigkeit einstellen. Ich hole meine Energie woanders ab. Meine Freude besteht aus einem großen Teil daraus andere Menschen glücklich zu machen. Ein kleines Lächeln. Und die gesamte Menschheit sollte sich freuen.

Ich bin harmoniebedürftig. Eine Stärke und eine Schwäche. Wenn andere streiten, halte ich mich raus, versuche zu schlichten, keine Position einzunehmen. Ich kann mich zurückhalten, vieles ignorieren, ertragen. Bis irgendwann etwas in mir reißt, ein Stück von mir stirbt und ich Vergeltung schwöre. Längst kenne ich die Schwachpunkte der Menschen, kann auf ihre Wunden treten und solange auf sie einschlagen bis sie brechen. Ich hatte einen Traum, ein Raum voller Menschen, die ich kannte. Für jeden wusste ich etwas zu sagen, das ihn traurig, wütend machte, bis sie mich am Ende umbrachten. Ich will niemanden verletzen, sehe keinen Sinn darin. Halte mich zurück, weiß was Worte bewirken können. Menschen brauchen Veränderung. Ich bin nicht der richtige dafür, kann nur langsam unterstützen. Über die Jahre die Fähigkeit entwickelt Dinge so zu formulieren, dass sich beide Parteien bestätigt fühlen. Sich Erwartungshaltungen zunutze machen. Ich bin auf der Seite von jedem. Und hasse mich dafür. Man muss sich festlegen, kann nicht alles sein, kommt nicht weiter, wenn man in alle Richtungen zugleich rudert.

Mit dem Laptop auf dem Oberschenkel liege ich im Bett. Die Finger suchen sich ihren Weg durch die Dunkelheit, der Blick schwenkt auf die Uhr. Das wertvolle Gut Zeit. Eine Erfindung um Zusammeleben zu ermöglichen und sich selbst in ein Raster zu sperren. Ich halte nicht viel davon Zeit exakt einzuteilen, um effektiver zu sein. Freiheit hat Vorrang. Sich Zeit zu nehmen. Nicht nur wenn man sie braucht, sondern weil einem danach ist. Anstatt zu schlafen nocheinmal die Tasten zu berühren. Einen Hauch der Magie einzufangen. Das Gefühl das den ganzen Körper durchströmt und dann über anderes zu philosophieren. Ich habe keine Angst.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.