Lebenswandel

Einsamkeit. Ich vermisse das Gefühl nicht. Viele Nächte, die ich damit verbracht habe, an mir selbst zu nagen. Versucht in andere Welten zu Flüchten. Wo es wärmer ist. Wo ich gemeinsam bin. Mit Menschen, die zu mir stehen, bei mir sind. Reden und feiern. Keine Minute, die ich alleine sein muss. Freunde. Die immer bei mir sind. Doch wenn ich meine Augen öffnete, verschlang mich die Dunkelheit. Unter der Decke verkrichen. In der Ecke kauernd. Ganz weit weg, von der großen Leere, die es sich in meinem Zimmer gemütlich gemacht hatte. Ich fror, zog die Decke enger, umklammerte meine Füße. Verdammt, lasst mich nicht alleine. Ich wusste nicht einmal, wer mich nicht alleine lassen sollte. Es gab Freunde, die waren auch für mich da, wenn ich sie brauchte. Doch nicht, wenn ich sie nicht brauchte.

Die Kleidung ist im Zimmer verstreut. In einem Möbelhaus wartet ein Kasten darauf, dass ich ihn finde. Keine Vorhänge, die die Straßenlaterne davon abhalten mein Zimmer zu erhellen. Auf meinem Füßen der Laptop. Sanft surrend. Ich weiß, dass da jemand ist, der an mich denkt. Der in seinem Bett liegt und mich fühlt. Keine Entfernung kann uns davon abhalten unsere Gedanken zu teilen. Ganz nah bei dir. Das Zimmer ist modern eingerichtet. Ein niedriges Bett, eine orange Couch. Viel Glas und Metall. Unter dem Fenster steht das Mountainbike. Ein Klappstuhl aus Leder. Aus den Lautsprechern kommt Hamburger Schule. Mir gefällt wie ich lebe und zugleich weiß ich, dass ich am nächsten Tag meine Koffer packen könnte ohne etwas zu vermissen. Ich bin noch nicht sesshaft.

Mit traurigem Blick geh ich durch die Straßen. Schau von unten den Leuten in den Augen. Erhoffe mir einen Funken Aufmerksamkeit. Bitte beachtet mich. Den Blick wieder zu Boden. Langsam durch die Massen schlängelnd und niemanden berühren. In der U-Bahn starre ich auf meine Schuhe. Ausgetretene Converse. Ich beobachte die Menschen. Immer wieder, kurz. Ausweichend. Die Hände tief in den Taschen vergraben. Die Mütze bis über die Augenbraun. Ich denke über das Leben nach. Was ich hier mache, wer ich bin und wie es weitergeht. Warte darauf, dass mir jemand den Weg zeigt. Mich an der Hand nimmt und in die Zukunft führt. Doch niemand kommt.

In meinen Ohren Musik. Die Haare wippen beim gehen. Hängen tief ins Gesicht. Ich lache. Fast springend gehe ich zur Straßenbahn. Schaue den Leuten in die Augen, wenn sie an mir vorbeihuschen. Sie sehen mich nicht. Wollen nicht. Manchmal mache ich die Augen zu. Blindflug. Ich habe jemanden gefunden, der mir einen kleinen Schubs gibt, damit ich selbst in die Zukunft gehe. An meiner Seite Menschen, die mir Kraft geben. Die mich ein Stück begleiten. Oder auch länger. Ein paar von früher. Ich sauge das Leben auf, genieße den Moment. Sehe zurück. Manchmal frage ich mich, ob ich früher mein heutiges Ich verabscheut hätte. Glücklicher. An meinen Füßen noch immer die Converse und die Frage nach dem Morgen und dem ich.

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