Kaputte Worte

Wochen später ein neuer Versuch. Ich stehe noch immer am Anfang, bin nicht darüber hinaus gekommen und tue mir schwer. Mit jedem Wort. Es wird besser. Nach zig verworfenen Zeilen und vielen Tweets um mich selbst abzureagieren.

Ich erinnere mich an die Geschichten, die ich einmal geschrieben habe. Wie leicht es mir von der Hand gegangen ist. Ich musste mich einfach nur hinsetzen und schon flossen die Worte aus meinen Händen in den Computer. Keine Überlegung, ob das da auch passt oder es besser wäre, wenn ich es an das Ende des Satzes stellen sollte. Manchmal einen Rechtschreibfehler ausgebessert, aber im Großen und Ganzen waren es Texte aus einem Guss. Einem einzelnen. Sie haben mich je nach länge ein paar Minuten bis Stunden gekostet. Oder gegeben. Wie in Trance. Die besten Drogen, die ich je genommen habe. Bekommen habe.

Lichtblicke. Mit der richtigen Musik. Der Fuß gibt die Tastenanschläge vor. Nicht synchron, doch es hilft. Den Kopf mit Dingen beschäftigen, die er machen kann ohne mich beim schreiben abzulenken. Ich muss mich selbst manipulieren um die Sätze aus dem Kopf zu bekommen. Mit jedem spüre ich die Erleichterung. Es fängt wieder an gut zu werden. Besser zu werden. Denn gut war ich noch nie. Nur ein paar Texte, die ich mag. Die ich wieder einmal ausgraben könnte. Wie ein sehr geschätzter Autor erneuern, erweitern und wieder in die Menge werfen. Es tut gut etwas tun zu können ohne einem Ziel dahinter. Nur das loswerden von Wörtern. Das wiederfinden von ihnen und eins zu werden mit dem Text. Um ihn von sich zu stoßen und wieder frei zu sein.

Wenn er fertig ist werde ich ihn nicht mehr durchlesen, ich werde mir keine Gedanken machen, dass er doch nur wieder über das schreiben selbst ist und ich noch nicht wieder fähig bin Erlebnisse in Texte zu verwandeln. Ich tippe nur um zu tippen und es spielt keine Rolle. Ich schreibe für mich. Zumindest diesen einen Text und ich bin mir sicher, dass es den einen oder anderen gibt, der sich auch daran erfreuen kann. Zugleich weiß ich, dass es viele gibt, die darauf warten, dass ich wieder schreibe, wie ich es früher einmal getan habe, aber dazu wird es nicht mehr kommen. Ich werde nie wieder schreiben wie damals. Dafür ist zu viel passiert. Ich habe mich verändert, entwickelt. Dinge getan, die ich zuvor nicht einmal beschreiben konnte. Entscheidungen getroffen, die mein Leben einschnüren und mir doch nur wieder neue Möglichkeiten bieten. Weit weg von meinen einstigen Träumen, näher an denen, die ich jeden Tag erlebe. Es ist wunderbar und es fehlt mir nur wenig.

Ich will nicht perfekt sein. Mein angeblich so kaputter Geist gibt mir Freiheiten. Und er hilft Dinge zu lösen, die man nicht lösen kann. Neu denken. Und Bullshitbingo kann ich trotzdem spielen. Wenn ich mit anderen Menschen rede. Ständig auf der Suche nach den Persönlichkeiten hinter den Masken. Den Dingen, die sie versuchen zu verbergen. Sie langsam aufbrechen. Ich bin selbst ein offenes Buch, in dem man zwischen den Zeilen lesen könnte. Doch man muss es auch wollen. Man muss sich dafür interessieren und irgendwann umblättern, sonst wird man nicht erfahren wie es weitergeht. Das Ende ist noch nicht geschrieben.

Alles ist ein Entwurf. Auch dieses Leben.

Es fühlt sich noch etwas eigen an, aber ich glaube es ist gut. Nicht gewöhnt. Eine neue Situation. Immer wieder. Ich suche danach, bekomme sie. Ich lebe sie. Versuche es zumindest. Und dann drehe ich mich wieder um und lächle in ihr Gesicht. Es tut so gut zu wissen, dass jemand da ist.

Die Uhr geht eine Stunde falsch. Die innere. Ich war mir nicht sicher, ob ich es wirklich noch schaffe. Wieder anzufangen. Und dann nehme ich die Entwürfe, die sich über die letzten Monate angesammelt haben. Einen nach dem anderen gehe ich durch und veröffentliche sie. Oder lösche.

Danke.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist großartig, wenn du es geschafft hast ohne einzelne Sätze ein, zweimal umzustellen, dieses und jenes Wort auszutauschen und im Nachhinein zu grübeln ob es so vl. besser gewesen wäre. Oder so, oder gar nicht. Das ist ein guter Weg um weiterzumachen.

    • Ich werde weitermachen. Nicht wo ich aufgehört habe, aber neu anfangen. Es tut zu gut, um es nicht zu tun.

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