Kalte Sehnsucht

Rationalität schießt durch meine Adern. Für einen Moment hatte ich geglaubt, dass es gehen könnte. Dass ich im Bett liege, die Augen schließe und einschlafe. Eine sentimentale Täuschung.

Ich starre die Decke an. Ein trapezförmiger Lichtfleck von einer Straßenlaterne. Leise surrt der Lüft des Laptops. Gleichmäßiges Atmen. Meine Augen senken sich, der Kopf hebt sich. Draußen die Wolken. Von der Stadt mit Licht versorgt. Unentgeltlich. Die kahlen Spitzen eines Baumes und dunkle Fenster.

Sobald ich die Augen schließe sehe ich dich. Dein Gesicht. Ich will danach greifen. Sanft über die Wange streichen. Meine Hand zerbricht bei dem Versuch. Zitternd.

Ich drehe mich auf die Seite. Eng an die kalte Wand gedrückt. Sie lenkt mich ab. Bringt mich zurück in meine kleine Welt. In eure Welt. Die rauhe Struktur der Tapete. Darüber weißer Farbe. Sie fließt in meine Haut, lässt mich verblassen.

Eine unberührbare Welt des Glücks. Vertrautheit. Ich kann sie nicht einreißen. Will ich auch nicht. Jeder Gedanke lässt mein Herz springen. Prickelnd durchfährt es meinen Körper. Gänsehaut. Ich beiße mir auf die Lippe.

Zurück in einer Welt, die ich nicht formen kann. Voller ungeplanter Zwischenfälle. Vorgänge, die mehr laufen als gehen. Es gibt keine Grenzen, die ich niederreißen kann. Verschwommene Ãœbergänge. Gefühlsüberschussknappheit.

Auf die andere Seite drehen, die Decke bis zum Kopf ziehen. Langsam kehrt die Wärme zurück. Ich spüre deine Gedanken. Traue mich fast nicht zu atmen. Erinnerungen, Hoffnungen, Träume. Sie vermischen sich im jetzt und lassen mich lächeln. Die ganze Nacht.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Geträumt habe ich schon länger nichts mehr. Mal schauen was ich finde. Muss allerdings groß genug sein. Altbau.

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