Grundmusik

Das ist Musik. Ich blicke auf die Bühne. Die Sängerin kenne ich schon länger. Den Manager seit heute. Ein netter Kerl. Vielleicht nicht so professionell, wie man sich das bei der Band vorstellt. UK und Amerika Tour. Ein netter Kerl. Wir scherzen etwas. Ich erzähle vom Internet. Den Möglichkeiten, die man dort hat. Dass dort das Publikum sitzt und man es nur abholen muss. Er will, dass ich eine CD kaufe. Ich lache. Auf dem Display steht Fabulous. Jemand hat die Liveübertragung kommentiert. Ich freue mich. Blicke auf die Bühne. Zur Sängerin. Lächle.

Früher wollte ich immer der Unterschätzte sein. Mächtiger als die anderen, aber niemand sollte es wissen. Ich könnte tun und lassen, was ich will, müsste damit auch nicht angeben. Nur meine engsten Freunde, nicht mehr als drei, wüssten wirklich Bescheid. Ich würde in jedem Club in den VIP-Bereich spazieren. Niemand wüsste warum. Aber die Türsteher waren informiert. Untastbar. Ich wüsste was Sache ist. In meinem Telefonbuch, die Privatnummern aller wichtigen Leute. Sie kannten mich. Ihre Untergegbenen und Fans nicht. Mal kurz den Präsidenten anrufen. Nur manchmal, wenn jemand die Frau an meiner Seite anmachen würde, mich ignorierend, dann würde ich mit voller Wucht zuhauen. Einfach mal Eindruck schinden. Jemanden aufkreuzen lassen. Den Laden schließen. Eindruck schinden. Etwas vollkommen unerwartetes machen. Kindheitsträume.

Die Augen geschlossen. Crisis. Das ist Musik. Wie auch immer ihre Zukunft aussieht. Das Zusammenspiel aus Takt und Klang wird eine Rolle spielen. Manche Momente sollten nie aufhören. Begleitet vom Keyboard, nur ihre Stimme. Weich und traurig. Ausgekoppelt aus dem Leben. Mittendrin. Auch wenn die Band nur eine Station ist. Beeindruckend. Das klatschen saugt mich zurück. Ich sitze wieder auf meinem Platz. In meiner Hand das Handy. Ich sehe ihre Augen. Wieder lächeln. Es sollte nicht um mich gehen. Sondern um sie. Nicht nur Musik, sondern auch Sprache. Sie weiß sich auszudrücken. Auf eine ganz besondere Art.

Heute suche ich die Aufmerksamkeit. Ich schreie den Leuten die Meinung ins Gesicht, drücke ihnen meinen Namen in die Hand. Sie stehen vor einer Fassade, die ich sorgfältig gestrichen habe. Mehr als nur Farbe. Dahinter eine solide Mauer. Darauf kann man bauen. Glauben schenken. Auch wenn es nur eine Mauer ist. Was sie beschützt spielt in dem Moment keine Rolle. Manche bekommen eine Leiter, andere haben sie schon. Damit können sie über die Mauer schauen. Ein bisschen von dem entdecken, das dahinterliegt. Verletzlich und unendlich. Der Großteil unter einem Schleier aus Nebel. Ich suche mir die Leute mit Besonderheiten aus. Leute, die mir ähnlich sind. Wo ich mich wohlfühle. Sie alle haben eine einzigartige Geschichte. Wie jeder Mensch, doch jeden will ich nicht um mich haben. Nur ein paar. Ein paar, wo ich mehr fühle. Auch der Rest ist nett, aber nett reicht nicht. Meine Zeit ist endlich.

Mein Fuß wippt im Takt der Musik. Das Schlagzeug gibt ihn vor. Gitarre und Bass. Dazu die Stimme, wegen der ich hier bin. Das ist Musik.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wunderschöner Text. Danke dass du gekommen bist, hat mich wirklich sehr gefreut! Wenn wir wiederkommen trinken wir zusammen Kaffee. Oder Kakao.
    Danke für alles :)

  2. Wilkommen in meiner Welt, ein wenig zumindest. Ich bin oft auf den Gästelisten, aber die Striche auf der Kassenliste sind wichtiger für die Band also findest du mich eher dort.
    Es macht riesigen Spass Musiker auf der Bühne zu sehen dir dort wegen ihrer Musik stehen.
    fj

  3. ja, das gefällt mir wirklich gut, was du schreibst, vor allem wenn du nach innen gehst, in deine welt (..früher wollte ich immer der unterschätzte sein.. etc.), und dazu dieser knapp gehaltene stil, gut.

    weitermachen! (befehl.)

    (Meine blogroll wird allerdings nicht oft angeclickt, von daher wird das dein publikum nicht nennenswert steigern, egal:
    Irgendwo muss man ja anfangen..)

    gruß,
    5oo

  4. Befehl wird mit Freude ausgeführt.

    Deine Blogroll habe ich abonniert. Schon lange. Hin und wieder interessante Sachen dabei.

    Große Zugriffszahlen wären nicht das Problem, aber ich möchte, dass der Blog langsam wächst. Mit regelmäßigen Lesern und nicht mit Google-Besuchern, die gleich wieder abhauen.

    Und eigentlich schreibe ich ja nur für mich. (vgl. Absatz IV)

  5. @looka, @500beine ich hoffe es stört euch nicht das ich als unwissender euch einfach lese weil es mir gefällt.

  6. ja, das stimmt, aber meine Respekt, ich glaube ich könnte nicht so offen sein, allerdings kann ich auch nicht so gut schreiben.

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