Für jeden Moment

Träne für Träne rinnt über meine Wangen. Der Körper verkrampft sich, schluchzen. Zugeschnürter Hals. Am Bildschirm der Abspann.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem Film geweint habe. Irgendwann zwischen zwölf und fünfzehn. Eine halbe Ewigkeit. Nur wenige Momente, die mich emotional so mitgenommen haben, dass ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle habe. Zwei Tränen aus Schmerz, als ich mir den Zehen gebrochen habe.

Zart streiche ich über deine Wange. Ich beuge mich hinunter. Meine Lippen berühren die deinen. Ein sanfter Kuss.

Ich wollte frei sein. Habe mich jeglicher Verantwortung entzogen. Nur für mich selbst. Wenn mir etwas geschieht ist es egal. Versucht meinen Eltern jegliche Sorge um mich zu nehmen. Wir sind winzige Geschöpfe irgendwo in den unendlichen Weiten des Universums. Wir haben uns ein funktionierendes System geschaffen. Doch selbst wenn es nicht mehr wäre, würde es keine Rolle spielen. Die Theorie sagt, dass jedes System versucht sich selbst zu erhalten. Ich sah keinen Nutzen. Weder des Einzelnen noch im Ganzen.

Du siehst mir in die Augen. Mein Mund formt ein Lächeln. Mit deinen Armen stützt du dich auf.

Gegenstände sind ersetzbar. Menschen auch, wenn man sie nicht zu nahe an sich heran lässt. Eine Mauer, die ich um mich aufgebaut habe. Kontakte pflegen, aber nicht zu emotional werden. Keine tiefe Verbindung eingehen. Niemand darf so wichtig sein, dass der Verlust mich stürzen lässt.

Deine Hand berührt die meine, hält sie fest.

Mein Leben hat sich verändert. Noch immer brauche ich meine Freiheit. Versuche flexibel zu bleiben und mich nicht zu fixieren. Doch ich wurde Teil des Systems. Habe den Sinn für mich entdeckt. Menschen, die mir etwas bedeuten. Die mich verändert haben. Und plötzlich wird mir klar, wie verletzlich ich geworden bin. Doch ich kämpfe nicht mehr dagegen an.

Meine Arme fahren über deinen Rücken. Wir umarmen uns. Ich flüstere dir etwas ins Ohr.

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