Für den Moment

Ich irre durch die Nacht. Das ist alles Leben. Das alles bin ich. Hin und wieder ein paar Gedanken, die von den Dächern tropfen. Ein Tag wie jeder anderer. Nur heller und ohne Licht.

Viertausenddreihunderteinundachtzig Schritte. Wann ich begonnen habe zu zählen, weiß ich nicht mehr. Es gibt keinen Grund und kein Ziel. Um des Zählens Willen. Unsinn sage ich. Während ich mein Bewusstsein ablenke, kann ich in mein Unterbewusstsein abtauchen und Dinge denken, die für andere unerreichbar sind. Es ist anders, mit Worten nicht mehr zu beschreiben. Zu schwach unserer Sprache. Wir drücken mit möglichst wenigen Buchstaben alles aus. Doch irgendwann kommen wir an Grenzen. Um zu kommunizieren müssen beide Lebewesen den Lauten die gleiche Bedeutung beimessen. Weißt du was Schmerz bedeutet? Wenn ein Messer meinen Körper zerschlitzt und ich schreie, kannst du in mein Gesicht sehen und du weißt, dass ich Schmerzen habe. Doch dein Kopf denkt nicht das Wort. Dein Kopf fühlt den Schmerz. Du zuckst zusammen, verkrampfst dich. Dennoch brauchen wir die Worte um auf höheren Ebenen kommunizieren zu können.

Einzelne Gedanken zerplatzen am Asphalt. Sie werden von ihrer eigenen Geschwindigkeit zerissen und verstreut. Ich strecke meine Fühler aus, spüre die Kälte, den Druck. Ich genieße wie sie über mein Gesicht fließen und meine Haut benetzen.

Ein weiteres Mal lasse ich den Blick in die Vergangenheit schweifen. Wo komme ich her? Sofort drängt sich die Zukunft auf. Wohin gehe ich? Die Gegenwart schiebt sich dazwischen und füllt mich auf. Wer bin ich? Alle guten Dinge sind drei. Ich könnte schreien. Einfach erzählen was ich weiß. Oder will, dass ihr wisst. Es liegt in meiner Hand. Niemand kann es überprüfen. Noch nicht. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, soll man sich beim Schopf packen. Dass man sie dadurch oft zerstört interessiert niemanden. Es ist nicht die Logik die regiert. Auch nicht das Wissen oder das Gefühl. Was es sonst noch gibt, müsst ihr selbst herausfinden. Wenn ich den Satz vollende, ist er fertig. Ich setze einen Punkt hin und lasse ihn fallen. Er wird liegen bleiben und sich nie mehr bewegen.

Die Augen werden geblendet. Scheinwerfer der Forschung. Die Strahlen explodieren in den Gedanken. Tausende Farben legen sich über meinen Körper. Sie nisten sich ein und lasse es zu. Es ist der Moment der zählt. Ich schließe die Augen.

Es hat sich so ergeben. Man kann die Zukunft nicht vorhersagen. Es sind Erwartungen und Hoffnungen, die aus Erfahrungen und Wünschen resultieren. Ich habe oft die Möglichkeit in die Gedanken der anderen einzutauchen. Ein riesiger Pool an Information, die man nicht katalogisieren kann. Es gibt keine Worte dafür und dennoch verpacken wir es so gut es geht. Wir verstecken uns vor Dingen, von denen wir glauben, dass wir sie nicht ändern können. Noch ist es nicht vorbei. Das Leben. Du hast noch dreißig Minuten. Kein Telefon, kein Internet, niemand in Reichweite. Beginnst du zu rennen? Gibst du auf? Freust du dich? Viertausendachthundertelf Schritte.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. deine vorstellungen sind so plastisch und gleichzeitig bezaubernd illusionaer. von jetzt an eine (stille) leserin mehr.

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