Flugstunden

Du kennst mich nicht und das ist gut so. Ich will dich nicht verletzen. Es ist schon viel zu viel passiert, als dass du auch noch das ertragen müsstest. Du hast ein Bild von mir. Du hast es dir selbst gemacht. Ich will es aufrecht halten. Für dich.

Zu einer Zeit, als wir uns noch nicht kannten, hast du doch leer gefühlt. Diese Leere konnte ich füllen. Für eine Kurze Zeit. Dann kam sie zurück. Ich bin nicht der, für den du mich hältst und ich kann nicht immer für dich da sein. Ich weiß was du brauchst und ich weiß, dass ich dir das nicht geben kann. Ich bin stark genug, aber nicht in der Lage es mir selbst einzugestehen. Ich will mich nicht für dich aufopfern. Das Leben ist nicht immer leicht. Ich kann helfen, aber ich will nicht mehr. Wunden versorgen, Wunderheiler sein.

Es tut mir Leid.

Bevor du aufgibst, melde dich. Doch bis dahin musst du selbst schauen, wie du weiter kommst. Ich gehe. Noch heute Nacht. Kein Abschied. Das würde dir nicht gut tun. Du könntest die Wahrheit nicht ertragen. Doch meine Nummer liegt auf deinem Tisch. Du weißt wie du mich erreichst. Ich werde da sein. Aber teste mich nicht. Dafür habe ich keine Zeit.

Als wir uns kennen lernten, warst du eine gebrochene Feder. Nicht mehr. So zart. So hilflos. Ich konnte dich nicht liegen lassen. In dieser Nacht, wo niemand mehr klar denken konnte. Vollkommen vernebelt und den Kopf ertränkt. Auf dem Weg hinaus. Da warst du. Alleine. Unbeachtet. Ein paar Schritte weiter der Abgrund.

Schau dich an. Du kannst stehen. Breite die Flügel aus und flieg. Ich werde dich fangen, wenn du stürzt. Kurz vor dem Aufprall. Nicht früher.

Ich will wieder leben. Für mich leben. Genießen. All die Schönheit. Die wunderbaren Momente. Du ziehst mich hinunter. Ich kann nicht mehr an Höhe gewinnen, doch genau das ist es was ich jetzt brauche. Höhenluft. Der Blick in die Ferne. Ich will über die Wolken. Ich will die Sonne spüren und einfach sein.

Dazwischen das Licht. Es verbindet uns.

Trau dich.

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