Displayfail

An der Ampel sehe ich einen Typen in brauner Hose und Jacke. Als ich an ihm vorbei laufe, sehe ich das UPS Logo auf seiner Brust. Es ist kurz nach zwei. Ich überlege, ob er mein Paket haben könnte. Doch ohne bevor ich den Gedanken zu Ende führen kann, bin ich beim Zentrum für Translationswissenschaften angekommen. Hastig drücke ich die Türe auf. Zwei Studentinnen hüpfen zur Seite, ich nehme immer zwei Stiegen auf einmal. Bevor ich den Vorlesungssaal betrete, verschnaufe ich kurz. Drinnen herrscht noch reges treiben, man unterhält sich, tauscht Materialien aus und wartet auf die Ankunft des Professors. Ich setze mich in eine der hinteren Reihen, ziehe mein Notizbuch aus der Manteltasche und beginne zu schreiben.

Noch vor dem Wecker hat mich das Läuten meines Handys geweckt. Ob ich zuhause sei, es ginge um ein Paket. Ich bejahte und fragte, ob ich denn die Türe öffnen sollte. Doch dann wurde mir gesagt, dass man noch am Flughafen sei und man nur einmal nachfragen wollte, ob man das Paket überhaupt mit auf die Reise schicken solle oder es direkt dort lassen kann. Nein, ich sei hier. Allerdings nur bis elf. Sie würden zwischen zehn und zwölf kommen und beendete das Gespräch. Ich musste mich erst etwas orientieren, wie spät es denn sei, doch es war schon nach sieben und meine Müdigkeit wurzelte lediglich in einer etwas längeren Nacht sowie einem unruhigen Schlaf. Raus aus dem Bett, unter die Dusche stellen und warten bis die Augen sich langsam öffnen. Wieder im Zimmer wählte ich in einem kombinierten Geruchs- und Sichttest einige Kleidungsstücke aus, die für den heutigen Tag in Frage kommen würden. Am Ende nahm ich doch etwas frisches, weil ich nach dem Duschen immer etwas frisches brauche. Den Mantel anziehen, noch ein paar Zettel in die Tasche stopfen und einen Stift. Raus auf die Straße. Ein kühler Wind bläst mir entgegen.

Meine Kopf lässt es sich gut gehen. Musik aus dem Sommer, die Jungs vom Strand, ich lächle und die Welt ist irritiert. Ich bin zu spät, habe bis elf gewartet, in der Hoffnung das Paket würde bis dahin kommen. Tat es nicht und um elf fing das Seminar an. Auf meinen Anruf wird nicht reagiert, so tippe ich im gehen eine SMS. Ich wäre nun am Institut, das nur zwei Häuserreihen weiter ist und man möge sich doch bitte bei mir melden, das Paket sei wichtig. Dazu noch die Adresse und mein Name. Vor etwa einer Woche ist die Beleuchtung meines Notbooks komplett ausgefallen. Schon davor gab es immer wieder Aussetzer, doch mit etwas schütteln und zaubern konnte ich sie immer wieder in Gang setzen. Bis es schwarz blieb. Durch ein- und ausschalten des Displays konnte man sie für einen Bruchteil einer Sekunde wieder erhellen, aber mehr als twittern war damit nicht möglich. Also habe ich mich dazu entschieden den seit Wochen geplanten Neukauf endlich durchzuführen. Ein Macbook sollte es sein. Ein großes mit guter Leistung. Schließlich verbringe ich inzwischen einen erheblichen Teil meiner Zeit davor und da soll es Spaß machen damit zu arbeiten. Doch bis das neue ankommt waren Dinge zu erledigen. So schraubte ich das alte Notebook auseinander, konnte sogar den Fehler lokalisieren, der Inverter des Displays, und kurzfristig wieder damit arbeiten. Nach ein paar Stunden war es aber wieder aus und ohne neuem Inverter sollte nichts mehr funktionieren. Ich könne nicht die ganze Zeit im Büro sitzen, möchte aber nicht auf das Internet verzichten. Ich wählte eine pragmatische Lösung und beleuchtete das Display mit einer Nachttischlampe. Dies ergab zwar nur eine sehr partielle Beleuchtung, aber man konnte damit das nötigste erkennen und die wichtigsten Dinge kann ich im halbschwarzen bedienen. Ein externer Monitor wäre eine große Hilfe gewesen, aber der war nicht zur Hand und das neue Gerät sollte bald da sein. Ich habe begonnen wieder mehr zu lesen, doch nach einiger Zeit schmerzten meine Augen, die das grelle Licht des Displays gewohnt waren und sich bei dem Papier konzentrieren mussten. Ich genoss es dennoch. Ging in den Park, las Zeitung. Welche ich weniger genoss. Mitte der Woche nahm mir meine Geschäftspartnerin ihr altes Notebook mit. Ich setzte es neu auf und quälte mich damit durch die weiten des Webs. Ich durfte nur nicht zu viele Seiten zugleich öffnen und alles, was sich bewegte und keine Grafik war, tat ihm weh. Und mir. Aber das Display funktionierte. Nur manchmal weichte ich noch auf mein altes Gerät aus. Weil ich ein spezielles Programm brauchte, irgendwelche Dateien verschicken musste. Als ich den Anruf bekam, dass ich das neue Macbook noch heute erhalten sollte, war ich dennoch mehr als glücklich.

Um halb eins laufe ich kurz zur Wohnung um zu sehen, ob ich den Paketdienst verpasst habe, aber es war weder eine Benachrichtigung noch ein Paket da. Da ich um eins eine Besprechung hatte, lief ich wieder los. Ins Büro. Dort erzählte ich kurz von der Sache, mein Geschäftspartner meinte, ich hätte es direkt ins Büro schicken lassen sollen, dort wäre auf jeden Fall jemand gewesen. Ich meinte, dass mir das bewusst war, aber ich nach meiner Planung nur noch zwei Tage pro Woche im Büro sei und es somit unwahrscheinlich wäre, dass ich es direkt bekomme. Und dann hätte ich erst recht wieder ins Büro fahren müssen, um es zu holen. Da kann ich es auch von einer Abholstation mitnehmen, die näher liegt. Und noch war er ja nicht da, was sehr verwunderlich war. Aber ich redete mir einfach ein, dass ich ihn am Telefon falsch verstanden hätte. Nach der Besprechung geht es vorbei an der Wohnung zum Zentrum für Translationswissenschaften.

Als ich noch kurz in der Wohnung vorbeischaue bevor ich in zur Hauptuni fahre, sehe ich den gelben Zettel. Es muss der UPS-Mann an der Kreuzung gewesen sein. Schnell zum Computer und schauen, ob ich es noch heute abholen kann. Es ist erst kurz nach fünf und ich gehe davon aus, dass er seine Fahrt noch nicht beendet hat. Ja, es geht. Allerdings am Flughafen. Als ich die Zustellungsadresse ändern möchte, da ich am nächsten Tag im Büro bin, wird mir gesagt, dass dies nur bis fünf möglich sei und nun automatisch eine erneute Zustellung an die gleiche Adresse erfolgt. Außer ich hole es direkt am Flughafen ab.

Am nächsten Tag bin ich zuhause geblieben und der UPS-Mann hat es sogar geschafft nicht während dem Duschen sondern erst ein paar Minuten danach zu kommen. Dass ich das Paket den restlichen Tag unberührt gelassen habe, weil ich mir Zeit nehmen wollte, damit zu spielen und erst die ganze Arbeit erledigt haben wollte, lassen wir einmal so stehen.

Da ich nun wieder jederzeit schreiben kann, auch unterwegs, habe ich mir vorgenommen, dass es in den nächsten Wochen und Monaten wieder mehr Texte gibt. Hier und dort.

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