Der zweite Abgrund. Das Geld.

Universalkommunikation. Mit diesen hübschen Scheinen können wir unsere Wertschätzung in Zahlen fassen und Dinge tun, die wir sonst nicht tun könnten. Mein Bäcker braucht nicht alle zwei Wochen einen Stuhl, aber ich sein Brot. Er braucht Mehl und sein Zulieferer muss mit ihm und all den anderen Kunden in Kontakt bleiben. Dabei kann ich ihm helfen. Ohne Geld würde ich vom Zulieferer Mehl bekommen und es dem Bäcker geben, damit er mir Brot gibt. Da ich aber keine Säcke Mehl mit mir herumschleppen will und es möglicherweise schlecht wird, weil ich nicht so viel Brot brauche, könnte ich mir Schuldscheine geben lassen. Der Zulieferer schuldet mir Mehl. Diese Schuldscheine überlasse ich dem Bäcker für Brot und dieser kann sie direkt beim Zulieferer gegen Mehl eintauschen. Weil mein Wirt aber wenig mit dem Mehlschuldscheinen anfangen kann, gibt es das Geld. Ganz allgemein. Für jeden Zweck. So meint jedenfalls Luhmann und ich stimme mit ihm überein.

Was macht Geld aus den Menschen?

Wir sind Sammler und möchten immer mehr haben. Egal von was. Schließlich könnte man es einmal gebrauchen. Besonders schlimm ist es beim Geld, weil man sich damit alles holen kann. Je mehr man besitzt, desto mehr kann man machen. Ein Leben in der Möglichkeit. Damit könnte ich ein Auto kaufen. Oder auf Urlaub fahren. Ich könnte einen neuen Computer holen oder mich schick einkleiden. Doch Ware ist nicht genug. Für Geld gibt es Sex, eine saubere Wohnung, eine fertige Steuererklärung oder jemanden, der auf die Kinder schaut, während ich noch mehr Geld ansammle. Weil meine Arbeitsstunde mehr wert ist als die von anderen Menschen. Denkleistung. Ich sitze die meiste Zeit vor dem Computer, rede mit Menschen, präsentiere Konzepte und Lösungen. Das ist wertvoll, weil es nicht viele können. Essen zubereiten hingegen viele. Es sei denn, es ist besonders gut. Dann muss ich einen ganzen Tag arbeiten, um fünf Gänge zu essen. Andere bräuchten dafür eine Woche, in manchen Ländern ein Jahr.

Geld wiegt fehlende Freude auf.

Ich arbeite, weil es Spaß macht. Würde es das nicht tun, würde ich aufhören. Hoffe ich. Aber je mehr Geld man bekommt, desto unwichtiger wird die Erfüllung, die Arbeit mir sich bringt. Man sieht nur noch die Zahlen und vergisst, dass man sein Leben damit vergeudet zu vermehren. Man kann dann jeden Tag das beste Essen, die schönste und größte Wohnung haben, sich überall hinbringen lassen, die Kinder von den besten unterrichten lassen. Verlockend. Für Geld bekommt man alles. Für genug Geld kann man sich die ganze Welt kaufen. Liebe, Spaß, Freunde. Alles kein Problem. Die Echtheit spielt keine Rolle. Wie lange?

Ich habe Geld verabscheut.

Sie sehen unglücklich aus in ihren großen Autos. Wenn ich mit ihnen spreche, merke ich wie einsam es sein kann. Die Arbeit ist anstrengend, die Lebensqualität verbessert sich nur in manchen Bereichen. Der Unterschied zwischen einen Lamborghini und einem Ferrari ist auch nicht anders als bei einem Audi und einem Mercedes. Der Alltag ähnelt sich in seiner Spannungskurve. Die kleinen Dinge machen Freude. Die großen Dinge sind nicht mehr so groß, wenn man sie gewohnt ist. Aber man kann nicht los lassen. Sich nicht verabschieden von diesem Leben. Selbst wenn man ohne Arbeit alles haben könnte. Man braucht die Erfolge. Weiß anderes nicht mehr zu würdigen. Das System hat einen fest im Griff. Jede Leistung wird in Geld gemessen. Du bist nichts wert, wenn deine Arbeit nicht in Zahlen ausgedrückt werden können. Du bist anerkannt, wenn du mehr bekommst als die anderen. Dein Auto muss größer sein, die Brüste deiner Frau auch. Wer schlechte Noten in der Schule hat, ist weniger wert, weil er später einmal weniger Geld bekommen wird. Das System ist auf Leistung ausgelegt. Jedoch nur auf solche, die andere brauchen. Die sie kaufen können. Der Künstler ist erfolgreich, wenn alle seine Bücher wollen. Wenn sie gekauft werden. Es interessiert niemanden, wenn du deine Texte für alle frei verfügbar machst. Selbst wenn dich jeder kennt, wärst du nichts wert. Was verdient er denn damit?

Geld kann und darf nicht das Ziel sein. Geld ist nicht der Sinn des Lebens. Geld ist die Schuld von jemanden bei dir. Sieh mir in die Augen und sag mir, dass es das ist was du willst. Dass dir alle etwas schulden. Weil dann bist du mächtig. Sie müssen dir etwas geben, etwas für dich machen.

Ich habe meinem Leben noch keinen Sinn gegeben. Doch ich kann es auch so genießen. Etwas tun für Menschen, die mir wichtig sind erfüllt mich. Wenn sie es schwer haben an ihrer Seite stehen und wenn sie glücklich sind ebenfalls. Ihnen helfen, damit sie Erfolg haben und sie zum Essen einladen.

Ich will Geld.

Wir sind im System und müssen damit umgehen. Aussteigen ist eine Möglichkeit, aber nicht meine. Ich will nicht nicht danach entscheiden wie viel etwas kostet, sondern ob es Sinn für mich macht. Wenn ich etwas gut finde, will ich nicht darüber nachdenken müssen, ob ich es unterstütze. Nicht daran denken, ob ich es mir leisten kann jemanden zu besuchen. Ich nutze meine Fähigkeiten und lasse mich nicht entsprechend, was ich leiste zahlen, sondern was der Markt hergibt. Wir sind schon längst davon abgekommen Leistung zu bezahlen. Es geht um den Markt. Viele kümmern sich darum, dass das System weiterläuft. Bedürfnisse schaffen, anstatt zu befriedigen. Werte schaffen, wo keine sind. Ich bin mittendrin, sehe wie manche Zahnräder funktionieren und nutze dieses Wissen für mich. Ich halte es für falsch etwas zu tun, weil es andere Menschen nicht tun können. Am Ende geht es um mich und ob ich mich von meiner Schuld freikaufe oder etwas tue, weil ich es richtig finde, spielt für die anderen keine Rolle. Es ist eine Frage der eigenen Einstellung und die ist variable wie meine Masken. Wenn es die Situation verlangt, liegt meine Seele auf dem Tablett. Nehmt sie und werdet glücklich. Ich war es schon.

Manchmal scheitere ich an mir selbst.

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