Das ist jetzt diffus

Am Nachmittag ging es mir gut. Dann nicht mehr. Das Kind sagt, ich solle Tagebuch schreiben. Hallo Tagebuch.

Ich liege im Bett. Schreibe auf dem Handy. In den Ohren Danger Dan.

Nächste Woche ein Workshop und eine Podiumsdiskussion mit irgendeinem Chefredakteur. Alles online. Anders würde ich es nicht schaffen. Bis übermorgen eine theoretische Arbeit über zwölf Seiten. Ich glaube, ich habe noch nie eine theoretische Arbeit geschrieben. Mal nachlesen, wie das funktioniert. Der Lehrende meinte, er vertraue mir genug, dass ich kein Exposé schreiben muss, sondern direkt die Arbeit abgeben kann. Für das fünfseitige Essay, das ich an meinem Geburtstag geschrieben habe, gab es eine Zwei. Ganz sicher, warum ich das alles mache, bin ich mir nicht. Sicher bin ich mir nicht.

“Ziellose Neugierde”, habe ich auf die Frage geantwortet, mit welchen beiden Begriffen man sich identifiziert. Im Ferngespräch fiel mir ein, dass die zwanghafte Hilfsbereitschaft fehlt. Wenn es mir irgendwie möglich ist, helfe ich. Manchmal auch wenn es nicht möglich ist. Es ist ein selbstzerstörendes Verhalten.

Freitag nachts repariere ich den Datensatz per Hand, weil ich nicht möchte, dass der Redakteur Stress bekommt. Lieber habe ich ihn. Der Stress macht mich fertig. Ich freue mich, dass ich es irgendwie hinbekomme. Das kurze Danke bedeutet mir mehr als die Überweisung. Mein Leben ist auf Stressvermeidung ausgelegt. Immer wieder entschiede ich mich für Projekte, bei denen ich davon ausgehe, dass ich sie gerade so hinbekommen werde. Wenn ich es gerade so schaffe, ist die Gefahr geringer, dass ich darauf bestehen, dass es perfekt wird. Perfekt wird es nie. Es ist ein theoretischer Idealzustand. Unereichbar.

In zehn Tagen fahren wir auf Urlaub. In einen der verschlafensten Orte an der Nordsee. Das stimmt so nicht, aber es klingt besser. Ich freue mich sehr. Es ist mein erster Urlaub. Weil ich noch nie angestellt war. Eine kleine Wohnung. Viel Spazierengehen. Essengehen.

Warum meine Stimmung so instabil ist, weiß ich nicht. Ganz allgemein fällt es mir schwer, mich selbst zu fühlen. Aber ich habe eine Vermutung woran das liegt. Alexithymia ist der Fachbegriff.

Das Schreiben hilft mir. Hat es auch früher. Es stabilisiert meine Gedanken, wenn sie rasen und zwischen meinen Fingern zerinnen. Vielleicht hilft es mir auch dabei herauszufinden, was mir wichtig ist.

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