Cafegespräch

Einzelne Tropfen fallen auf die Tastatur. Meine Haare sind nass vom Regen. Im Cafe sind mehr Menschen als sonst. Ich bin nicht oft hier. Die meisten sitzen im vorderen Bereich. Dort darf man noch rauchen. Sie unterhalten sich über das Wetter und die Finanzkrise. Eine junge Frau holt eine Zigarette nach der anderen aus der Packung. Legt sie fein säuberlich auf den Tisch und beginnt die erste zu rauchen. Ich schüttle kurz meinen Kopf, wische die Tropfen vom Bildschirm und beginne wieder zu schreiben.

Die letzte Besprechung ist zwei Wochen her. Ich kann mich noch genau erinnern. Es ging darum, dass ich eine tragende Rolle übernehmen sollte. Übernehmen könnte. Ich solle mir im Urlaub Gedanken darüber machen. Heute werde ich meine Entscheidung verkünden. Es ist mir nicht leicht gefallen. Es bedeutet mehr Arbeit. Später wird man mir sagen, dass ich mindestens drei Jahre investieren muss bis es sich rentiert. Aber es ist das richtige. Ich will es. Die Zeit ist gekommen, dass ich mich entscheide wo es hingehen soll. Es passt zu mir. Ich kann mich selbst verwirklichen und einen guten Grundstock für alle weiteren Entwicklungen legen.

Ich wollte einen Chai Tea Latte bestellen. Hatten sie nicht mehr. Dann halt etwas anderes. Einen Caffé Latte. Ich setze mich in den hinteren Raum. Der Kellner kommt zwar nur selten vorbei, aber die Luft ist besser. Nach einem kurzen Blick habe ich auch die Steckdose entdeckt und hole das Notebook aus der Tasche. Der Termin beginnt erst in einer knappen halben Stunde. Genug Zeit noch ein paar Zeilen zu tippen und Mails beantworten.

Vielleicht ist es eine Entscheidung fürs Leben. Vor solchen weiche ich grundsätzlich zurück. Die letzte war das Studium. Wobei ich auch da den Weg des kleinste Widerstands gegangen bin. Nur nicht zu viele Türen schließen. Lieber weitere öffnen. Bis ich irgendwann so viele Optionen habe, dass ich mich erst Recht nicht mehr entscheiden kann. Im letzten Jahr hat sich jedoch eine Richtung herauskristallisiert und diese werde ich weitergehen. Wenn es nicht funktioniert springe ich eben aus einem fahrenden Zug und hoffe, dass den Passagieren nichts passiert.

Es regnet noch immer als ich mein Notebook in die Tasche packe. Meine Kappe kann ich nicht finden. Dann halt nur den dicken Mantel. Winterschuhe habe ich mir heuer keine gekauft. In einer Ecke stehen noch Stiefel, aber die passen mir nicht mehr. Wäre auch übertrieben. In der Stadt wo alle fünf Minuten ein Schneepflug fährt. Und wenn es nur zum Salz streuen ist. In der Straßenbahn tippe ich auf meinem Mobilgerät herum. Was es neues gibt. Vielleicht ein paar Mails. Dann werde ich ruhig. Ich streife ein paar Tropfen vom Mantel. Es ist eine wichtige Entscheidung.

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