Bunte Hüllen

Ich bin verletzlich. Sehr sogar. Doch man merkt es nicht, wenn man einen Treffer landet. Ich breche nicht in Tränen aus und renne aus dem Zimmer. Vielleicht werde ich ruhiger, vielleicht nicht einmal das.

Eine Mauer, die mich schützen soll. Sie umgibt mich und wird nach jedem Angriff verstärkt. Sie ist nicht so massiv, wie man es erwarten würde. Es gibt Löcher, durch die man hineinblicken kann. Sogar Türen, die ich manchmal einen Spalt öffne, um sie meist sogleich wieder zuzuschlagen.

Gerne würde ich jemanden einladen, herumführen und dann gemeinsam einen Tee trinken. Doch ich schaffe es nicht. Zu hoch die Sicherheitsbestimmungen. Ständige Enttäuschungen. Von anderen, von mir selbst. Es sollte mir egal sein. Ich habe kein Recht auf eine andere Behandlung. Die Angst basiert auf dem Wertesystem unserer Welt. Dinge, die man nicht preis gibt, die man nicht macht, nicht einmal denkt. Doch es tun alle. Zumindest denken sie es. Ein Skandal, wenn es bekannt wird. Aufgesetztes entsetzen.

Es gibt noch andere Dinge. Persönliches. Man will nicht, dass es die Runde macht. Auch nicht bei den besten Freunden, der Person, der man Einblick gewährt. Es zerstört das Bild, das man erzeugt hat. Lässt den Schutz bröckeln. Man gibt den Schlüssel nicht so einfach aus der Hand. Doch jeder Mensch, der einmal da war, kann wiederkommen. Das Sicherheitssystem erkennt ihn nicht. Wahrscheinlich sieht er nur die alte Version des Inneren, doch er kann jeden mitnehmen.

Totale Ehrlichkeit ist eine Lüge. Es funktioniert einfach nicht. Die Welt lässt es nicht zu und ich will es auch nicht. Ich muss mich nicht jeden öffnen. Ich genieße es Bilder von mir in die Köpfe von ihnen zu zaubern. Es wird immer leichter, je öfter man es macht. Ich habe verschieden Vorlagen kreiert, die ich individuell anpassen kann. Je nachdem wozu ich Lust habe oder was ich brauche. Das Grundgerüst ist Wahrheit, doch die Verzierungen austauschbar wie Handyschalen.

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