Augenblicke

Die Schritte verhallen in der langen Säulenhalle. Stumm steh ich da. Wer ich bin? Das muss ich noch entscheiden. Auf jeden Fall nicht was ich vor ein paar Jahren dachte.

Stunden zuvor war der Raum zum bersten voll. Künstler, Politiker und Adabeis. Immer wieder habe ich mich gefragt, was ich hier machen. Gekünstelt lächle ich sie an. Tausche ein paar Worte. Hat mich sehr gefreut. Vielleicht sieht man sich das nächste Mal wieder, melden sie sich doch bei mir. Damit ich nicht kommen kann. Frau Rot, ich bin entzückt, was machen sie denn hier. Mit den Kindern alles in Ordnung? Nein wir kennen uns nicht, aber das Kinderbuch in ihrer Tasche sieht nicht nach einem Geschenk aus. Wie geht es ihnen? Mir geht es gut. Nach all dem Stress wieder ein bisschen Zeit für mich. Ach, ihnen gefällt was ich mache. Das freut mich mich. Nein, in den nächsten Wochen habe ich keine Zeit. Schreiben sie mir doch eine Mail. Ach, das macht ihr Assistent für sie? Haben sie denn von gar nichts eine Ahnung? Presse sind sie also. Ein Foto. Nein, heute habe ich keine Lust dazu. Auch nicht für die Titelseite, nein. Ihr Archiv quillt sicherlich über damit. Merkt ja doch niemand von wann es ist. Ein paar Fragen beantworten? Das mache ich schon den ganzen Abend. Ich freue mich über das zahlreiche Erscheinen und es ist ein gelungener Abend. Wenn sie nun so nett wären und einfach verschwinden würden. Sie auch hier. Das hätte ich nicht erwartet. Und nicht gewollt. Sie glauben nicht, dass es so weitergehen kann? Ich auch nicht. Am besten gesellen sie sich zu den Leuten da drüben. Ich hole mir noch etwas zu trinken. Das neue In-Getränk. Ich habe einen trockenen Mund, stehe kurz davor sie niederzuschlagen und sie fragen mich, ob das in Ordnung ist? Geben sie einfach her und hauen sie ab. Sie können also nichts dafür. Es ist ja nicht schlecht gelaufen. Alle sind glücklich. Machen sie die Augen auf. Sehen sie was vor ihnen steht. Können sie mir in die Augen schauen. Auch wenn meine Schuhe interessant erscheinen. Ein grüner Stern statt schwarzem Leder. Und Krawatte habe ich auch keine an. Sie können sich sicherlich vorstellen wie egal mir das ist. Nicht? Vielleicht sollte ich ihnen meine Hand in den Magen rammen. Vielleicht fühlen sie dann etwas. Frau Rot kennen sie auch? Das ist toll. Dann können sie gleich nach ihr schauen. Ich glaube sie ist am Klo und übergibt sich. Grüßen sie auch ihre Gemahlin von mir. Traut sich wohl nicht mehr aus dem Haus. Ich kann es ihr nicht verübeln. Der Balkon ist wunderbar. Weißes Marmor. Aber nicht hoch genug. Das soll ich jetzt nicht machen? Ich darf mich nichts auf das Geländer legen und in den Himmel schauen. Dazu hätte ich nun Lust. Die kalte Nachtluft über meinen Körper streichen lassen. Einen Arm nach unten hängen lassen. Fühlen wie sich mein Brustkorb hebt und senkt. In der ferne die plätschernden Gespräche. Die Stille der Nacht. Lächelnd die Augen schließen und warten bis alles vorbei ist. Aber natürlich werde ich da bleiben. Ich unterhalte mich ganz hervorragend. Ja, sie sind begeistert. Nur leider nicht von mir, sondern von den Medien. Natürlich habe ich es gelesen. Sie wissen nicht einmal, was ich sagen will. Blind nehmen sie die Meinung an. Wenn sie auch nur eine Minute zuhören könnten. Wenn sie alle einmal ihre Fresse halten würden. Dann könnte ich ihnen erzählen worum es eigentlich geht. Warum ihr es nie verstehen werdet. Doch ihr ladet weiterhin euren geistigen Abfall ab. Ãœberschwemmt die Halle mit geistigem Oberflächlichkeiten. Kein Gedanke von euch selbst. In mundgerechten Stücken vorgekaut und nun könnt ihr es wieder heraufwürgen. Es herauskotzen. Wie Frau Rot am Klo. Wissen sie was es bedeutet, wenn ich den Kellner anremple und ihm das Tablett hinunterfällt. Glauben sie wirklich ich bin so tollpatschig? Haben sie nicht gesehen, wie ich meine Schulter nach vorne geschoben habe. Der arme Kerl hat mir in die Augen gesehen und es gewusst. Der einzige im ganzen Saal. Es schmerzte mich, als ich ihn mit voller Wucht traf. Ohne ein Wort der Entschuldigung gehe ich weiter. Ein paar Augen die mir hinterher blicken. Ich werde ihm einen Brief schreiben. Mich entschuldigen und bedanken. Dass er in mich geschaut hat. Verstanden hat. Zumindest für den Moment. Angetrunken schwinden die Ersten. Hat es auch gut geschmeckt? Das Buffet in Ordnung? Ich hoffe es, schließlich haben sie nichts bezahlt. Ich lebe von Luft und Liebe alleine. Das wissen sie doch. Darum geht es nicht. Schauen sie sich einmal um. Warum sind sie denn hier? Nicht wegen mir. Ihr seid verdammte Heuchler. Mit welch Genugtuung würde ich jeden einzelnen mit einem Fußtritt hinausbefördern. Verlogen und säuselnd. Ihr wisst es nicht? Nein. Ihr habt mir kein einziges Mal in die Augen geschaut. Ihr habt es nicht versucht. Ich könnte ihr Frau begrapschen und ihr würdet es nicht sehen. Wissen sie was das bedeutet? Ihr seid blind. Für das Leben. Es muss ein schreckliches Gefühl sein. Falls mich jemand braucht, ich bin am Balkon.

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