Aufstehen

Es fühlt sich ein bisschen wie ein Neuanfang an. Zu schnell nach oben gekommen, falsche Erwartungen von anderen und mir selbst. Ich konnte nur verlieren. Gemerkt hat es niemand. Jetzt stehe ich da. Wieder wackelig. Die Maske sitzt besser. Ich habe manchmal Angst, dass ich nur um Mitleid schreie. Dass ich mich selbst in eine Opferrolle stecke, die nicht meine ist. Es fühlt sich beinahe so an, als würde ich jemand anders etwas wegnehmen, der es viel nötiger bräuchte. Ich bin mir oft unsicher. Im Leben. Aber es geht mir gut. Würde mich selbst als stabil beschreiben und alleine durch diesen Satz mache ich mich schon wieder schuldig. Ständiger Selbstzweifel, wie ich ihn noch von früher kenne. Der kann von mir aus fern bleiben.

Ich habe heute den ganzen Tag ins Studium investiert. Aufstehen, einen Text bearbeiten, zum Institut. Über den Text sprechen, sich ein bisschen profilieren. Es ist so einfach, den Menschen etwas vorzumachen und zugleich weiß ich, dass die meisten anderen noch weniger verstanden haben. Doch das reicht mir nicht. Ich will gut sein. Richtig gut. Danach kurz einkaufen, Mittagessen kochen. Ich hasse es, wenn ich alleine bin. Es gibt meist Fertiggerichte. Zumindest halbfertig. Dann war noch Schokomousse im Angebot. Vorbereitung für die nächste Lehrveranstaltung, wieder auf die Uni. Ich rede viel. Zumindest mehr als die anderen. Einer spricht mich in der Pause an, er hätte mich vor einem Jahr für eine Arbeit interviewt. Als Experten. Ich konnte mich nicht erinnern. Meine Gruppe ist nett, eine Mutter, zwei Jahre jünger als ich und die andere recht ruhig, aber was sie sagt ist durchdacht. Erinnert mich ein wenig an mich, früher. Die dritte ist das Gegenteil. Ständig etwas zu sagen, ständig falsch. Ich versuche immer zu erklären. Es fällt mir schwer. Sie versteht vieles nicht, hat sich schon darüber lustig gemacht, wie einfach das Studium ist, dass sie nie freiwillig Literatur lesen würde und sowieso nur Prüfungsfragen auswendig lernt. Einen anderen Kurs hat sie gelassen, weil sie dort eine Arbeit schreiben hätte müssen. Es nervt mich. Wegen solchen Menschen, ist das Studium einfach. Es fordert mich nur manchmal und so lasse ich es nebenher laufen. Es erinnert mich an den Mathematikunterricht. Vier Jahre vor dem Abschluss, hat mich die Professorin überzeugt, dass ich alles verstehe und kann, wenn ich nur will. Ab dem Zeitpunkt habe ich aufgehört, etwas zu machen. Trotz mehr negativen als positiven Arbeiten bin ich immer weiter gekommen. Ich bin dafür, dass jeder etwas lernt. Doch ich weiß nicht wie sinnvoll es ist, manche Personen mitzuziehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte ein Jahr wiederholen müssen. Zumindest eine Wiederholungsprüfung. Jetzt sitze ich am Institut und mache mich subtil über die Kollegin lustig. Sie merkt es nicht. Ich versuche es wieder mit erklären, sie nickt sehr schnell, gibt das Gefühl, sie hätte es verstanden. So sicher bin ich mir nicht. Dann war der Tag schon um. Am Heimweg dachte ich, es wäre besser gewesen zur Demonstration zu gehen.

Noch eine Stunde Frau Wunderbar hören und dann schlafen. Also nachdem ich diesen Text abgeschickt habe.

Neuanfang. Irgendwie.

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