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Aufstehen

Es fühlt sich ein bisschen wie ein Neuanfang an. Zu schnell nach oben gekommen, falsche Erwartungen von anderen und mir selbst. Ich konnte nur verlieren. Gemerkt hat es niemand. Jetzt stehe ich da. Wieder wackelig. Die Maske sitzt besser. Ich habe manchmal Angst, dass ich nur um Mitleid schreie. Dass ich mich selbst in eine Opferrolle stecke, die nicht meine ist. Es fühlt sich beinahe so an, als würde ich jemand anders etwas wegnehmen, der es viel nötiger bräuchte. Ich bin mir oft unsicher. Im Leben. Aber es geht mir gut. Würde mich selbst als stabil beschreiben und alleine durch diesen Satz mache ich mich schon wieder schuldig. Ständiger Selbstzweifel, wie ich ihn noch von früher kenne. Der kann von mir aus fern bleiben.

Ich habe heute den ganzen Tag ins Studium investiert. Aufstehen, einen Text bearbeiten, zum Institut. Über den Text sprechen, sich ein bisschen profilieren. Es ist so einfach, den Menschen etwas vorzumachen und zugleich weiß ich, dass die meisten anderen noch weniger verstanden haben. Doch das reicht mir nicht. Ich will gut sein. Richtig gut. Danach kurz einkaufen, Mittagessen kochen. Ich hasse es, wenn ich alleine bin. Es gibt meist Fertiggerichte. Zumindest halbfertig. Dann war noch Schokomousse im Angebot. Vorbereitung für die nächste Lehrveranstaltung, wieder auf die Uni. Ich rede viel. Zumindest mehr als die anderen. Einer spricht mich in der Pause an, er hätte mich vor einem Jahr für eine Arbeit interviewt. Als Experten. Ich konnte mich nicht erinnern. Meine Gruppe ist nett, eine Mutter, zwei Jahre jünger als ich und die andere recht ruhig, aber was sie sagt ist durchdacht. Erinnert mich ein wenig an mich, früher. Die dritte ist das Gegenteil. Ständig etwas zu sagen, ständig falsch. Ich versuche immer zu erklären. Es fällt mir schwer. Sie versteht vieles nicht, hat sich schon darüber lustig gemacht, wie einfach das Studium ist, dass sie nie freiwillig Literatur lesen würde und sowieso nur Prüfungsfragen auswendig lernt. Einen anderen Kurs hat sie gelassen, weil sie dort eine Arbeit schreiben hätte müssen. Es nervt mich. Wegen solchen Menschen, ist das Studium einfach. Es fordert mich nur manchmal und so lasse ich es nebenher laufen. Es erinnert mich an den Mathematikunterricht. Vier Jahre vor dem Abschluss, hat mich die Professorin überzeugt, dass ich alles verstehe und kann, wenn ich nur will. Ab dem Zeitpunkt habe ich aufgehört, etwas zu machen. Trotz mehr negativen als positiven Arbeiten bin ich immer weiter gekommen. Ich bin dafür, dass jeder etwas lernt. Doch ich weiß nicht wie sinnvoll es ist, manche Personen mitzuziehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte ein Jahr wiederholen müssen. Zumindest eine Wiederholungsprüfung. Jetzt sitze ich am Institut und mache mich subtil über die Kollegin lustig. Sie merkt es nicht. Ich versuche es wieder mit erklären, sie nickt sehr schnell, gibt das Gefühl, sie hätte es verstanden. So sicher bin ich mir nicht. Dann war der Tag schon um. Am Heimweg dachte ich, es wäre besser gewesen zur Demonstration zu gehen.

Noch eine Stunde Frau Wunderbar hören und dann schlafen. Also nachdem ich diesen Text abgeschickt habe.

Neuanfang. Irgendwie.

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Hausschnecke

Der Plan war hier einen Ort für schöne Texte zu schaffen. Aber am Ende kommt mein Mitteilungsbedürfnis durch, ich schreibe offen über mich und meine Umgebung.

Ich habe es nie geschafft ein Tagebuch zu schreiben. Dreimal habe ich es versucht. Einmal habe ich ein paar Seiten geschafft. Ich habe den Geruch geliebt. Der Gedanke, irgendwann könnte ich oder jemand anders darin schmökern hat mir gefallen. Aber nur für mich zu schreiben, hatte keinen großen Reiz. Manchmal sitze ich in Vorlesungen und schreibe auf Flyer, die dort meist herumliegen. Oft nur ein paar Sätze, hin und wieder seitenlange Texte. Danach lasse ich es liegen. Nicht alles muss für alle sein. Das meiste wander wohl direkt in den Müll.

Der heutige Tag war ähnlich wie gestern. Mit dem Unterscheid, dass ich unzufrieden bin, weil ich ein paar Dinge machen wollte. Ich laufe weg. Vom Leben, vom Studium, von der Arbeit. Bald wird es mich erschlagen. Dann habe ich einen Text gelesen, knappe zwanzig Seiten, doch ich bin kläglich daran gescheitert. So viel Theorie, die mir fehlt. Ein zweites Mal lesen. Nun arbeite ich mich Stück für Stück durch. Schlage begriffe nach und lese Zusammenfassungen zu unterschiedlichen Autoren. Ich hasse mich dafür. Nicht früher damit angefangen zu haben. Erinnerungen wie ich mich früher in bestimmte Themen verbissen habe und sie erst wieder los ließ, wenn ich sie verstanden habe. Momentan muss ich mich eher dazu zwingen. Ich will Erfolg haben. Ich will es schaffen. Manchmal will ich der Beste sein.

Am Abend bin ich noch rausgekommen. Habe mich mit einem Freund getroffen. Wir waren essen, haben ein neues Lokal ausprobiert. Klein, sympathisch, lecker. Ich hatte einen Salat und eine Grießflammerie mit Brombeermarmelade. Danach noch eine Vorlesung, um zu erfahren, dass ich in einen anderen Termin gesteckt wurde. Weil man mich darüber ja nicht informieren muss. Es wäre die beste Lehrveranstaltung des Semesters. Mit fast allen meiner liebsten Studienkollegen. Doch wir sind raus. Weil wir uns nur dafür interessieren und eine andere Hauptstudienrichtung haben. Macht keinen Spaß.

Menschen warten auf Antworten. Ich verkrieche mich weiter. Versucht es morgen noch mal.

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Verschwende meine Zeit

Das Haus nur kurz verlassen. Eine halbe Stunde bevor der Bäcker seine Türen schloss. Eines der wenigen Geschäfte, die heute offen hatten. Sie nennen es Neutralität. Also das feiern sie. Und National ist es auch. Die Milch war schon aus, so habe ich mir eine mit Vanille gekauft. Und Streuselapfelkuchen. Und Nussbrot. Wusste ich aber nicht, dass das Nuss war. Schmeckt lecker, aber sowas nehme ich normalerweise nicht. Weil ich dann ständig an sie denken muss, dass sie es nicht essen kann. Das ist doof. Den restlichen Tag habe ich in Boxershort und Pullover verbracht. Zwischendurch Wäsche in die Maschine und später aufhängen. Essen habe ich bestellt, weil ich gestern nicht dazu gekommen bin etwas zu kaufen. Und mit Feiertagen ist man hier recht streng. Es war fett und ungesund. Geschmacklich so lala.

Manchmal klaue ich Songzeilen für den Titel.

Ich habe keine Mails beantwortet, mich nicht um das wichtige Projekt gekümmert. Die Uni ließ ich links liegen, obwohl ich bis Donnerstag einige Dinge fertig haben muss. Auch habe ich kein Angebot für einen anderen Auftrag geschrieben. Habe nicht den Text überarbeitet und meinen Vertrag nicht gekündigt. Mein Zimmer geht im Chaos unter und das Geschirr stapelt sich weiter. Ich habe nicht einmal geduscht. War nicht laufen, auch nicht imm Park spazieren. Habe nichts vorbereitet und niemanden getroffen.

Es gibt einige Leute, die mir nun sagen würden, dass ich alles falsch mache. Ich bräuchte mehr Disziplin und solle ToDo Listen machen, mich zusammenreißen und Dinge abarbeiten. Sonst käme ich nie weiter. Würde versagen. Im Leben und überhaupt. Es gibt Leute, die würden verzweifeln, bei einem Tag wie diesen.

Ich habe entschieden, dass es mir egal ist. Schuldgefühle sorgen nur dazu, dass ich mich scheiße fühle. Nicht dazu, dass ich etwas daran ändere. Vielleicht ist es bei anderen so, bei mir nicht. Ich habe mich entschieden zu genießen, es gut zu finden. Dinge nicht zu machen. Ich weiß nicht wie meine Zukunft aussieht, ob ich es mir später auch noch erlauben kann, einen Tag auszusetzen. Jetzt geht es. Vielleicht verpasse ich dadurch etwas, vielleicht erreichen andere mehr. Vielleicht würde mich das gar nicht glücklich machen. Wo ich mich noch gar nicht entschieden habe wo ich hinmöchte.

Und morgen wird dann wieder gearbeitet. Was auch immer das ist.

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krank

Ich laufe um die Welt, immer schneller. Immer schneller. Alles dreht sich. Mein Kopf fühlt sich wohl, mein Körper ist am Ende. Es ist egal, so egal. Kein Wort, das ich noch weiß, bevor ich es rausschreie. Kein Mensch, der mich je so gesehen. Ich habe Spaß daran. Veränderung. Gleich bleiben. Zu wissen, dass es immer so ist. Die Maske hängen noch im Schrank und wenn ich sie anziehe, wird man sich an mich erinnern. Manche zumindest. Die anderen werden mich kennen lernen. Ich lache. Lache laut. Alles dreht sich um, ein blödes grinsen. Ich stehe auf. Steige aus. Das ist alles mehr als ich je erwartet hatte. Die Stadt, die Menschen, die Entfernung. Ich habe Vergangenheit. Es hat mich geprägt und doch merke ich immer wieder, wie ähnlich wir sind. Ich weiß nicht wie es gekommen ist, ob wir einmal gleich abgebogen sind oder ob alle so sind. Ich glaube es nicht. Viel mehr ist ein Dinge zwischen uns. Mit uns. Keine Ahnung. Ich genieße es ohne zu verstehen. Weil man am Ende gar nicht verstehen kann, sondern nur Abbildungen, Metaphern Entsprechungen in seinem Gedankenmodell findet, das man sich zusammengebastelt hat. Alles Illusion. Zumindest in uns. Die Entstehung von Farben, Gefühlen, Formen und dem Untergang. Wir sind nur so lange fähig, wie wir wiedererkennen. Sobald wir die Verbindungen trennen, brechen wir auseinander. Überfordert von allem, was ist. Sein könnte. Unvorhersehbar. Nicht abbildbar in Zahlen. Dem schönsten Beispiel von Realitätsflucht. Annäherung an die Wirklichkeit, sie jedoch niemals erreichend. Und dann ist es schon wieder vorbei. Wer nicht genießt, hat schon verloren. Ich weiß immer öfter, was ich will. Habe die beste Zeit meines Lebens. Jeden Tag. Jeden Tag. Ich weiß, dass es besser kommen kann, ich weiß dass es vergehen kann. Doch ich bin jetzt, jetzt, jetzt. Die Entscheidung es geil zu finden. Einfach sein. Ich sprudle über, drehe die Musik noch lauter und kann nicht glauben was gerade passiert.

Es tut mir leid, dass ich es nicht sagen kann. Nicht weiß, nicht bin, nicht war. Aber ich mag euch. So sehr, dass ich es mich zerreißt. Ich bin am überlegen, was am besten ist. Wie ich da und dort. Überall zugleich. Entscheide dich, entscheide dich hallt es durch die Wohnung. Ich muss lächeln. Dann drehe ich durch und fange an zu tippen.

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Freischreiben

Ich vermisse es tagelang an einem Blogpost zu nagen. Die Worte im Kopf hin und her wälzen, sie mit dem Fuß treten und wieder zu streicheln. Einige werden aussortiert und andere kommen neu hinzu. Wenn man es kaum erwarten kann an einen Computer zu kommen und den Text in einem Schwall herunterzuschreiben. Man muss nicht lange nachdenken, sondern die Finger hüpfen von selbst über die Tastatur. Man hat das Gefühl, sie sind nie für etwas anderes bestimmt gewesen. Die Zufriedenheit wenn man fertig ist und auf “Veröffentlichen” klickt. Flieg kleiner Text, flieg und lass dich weitertragen. Von Tweet zu Tweet, von Like zu Like und durch die Köpfe deiner Leser. Manche werden über dich sprechen, andere werden dich weitererzählen. Die meisten werden nie von dir erfahren. Flieg.

Früher habe ich bei so vielen Erlebnissen daran gedacht, dass ich darüber schreiben muss. Jedes Blatt, das durch die Lüfte gewirbelt wurde, hat mich inspiriert. Die Gesichter in der Straßenbahn und die Wortfetzen, die ich mitbekam. Ich war nie wirklich gut im schreiben. Aber es war mir egal. Ich wollte der Welt mitteilen, was durch meinen Kopf geht. Ich habe nicht darauf geachtet, ob ich etwas ähnliches schon einmal geschrieben habe oder nicht. Ich habe mir keine Sorgen darum gemacht, ob es jemanden interessiert oder nicht. Ich habe getippt und getippt bis ich fertig war. Wenn nur ein Satz zusammengekommen ist, war es genau so in Ordnung, wie wenn es mehrere tausend Worte waren. Das wie soll keine Rolle spielen, sondern das was und das dass.

Ich glaube, ich hoffe, dass es nur eine Einstellungssache ist. Dass man zu der Freiheit zurückfinden kann, wenn man nur wieder anfangt, die kleinen Dinge zu beachten und darüber zu schreiben. Was später damit passiert, muss einem egal sein. Jeder Gedanke darüber lenkt vom eigentlichen tun, dem Schreiben, ab.

Heute bin ich aus Bulgarien zurückgekommen.

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Ausflug

Worte. Ich zittere etwas. Als Blogger ist es nahezu unmöglich Texte zu schreiben ohne mit ihnen identifiziert zu werden. Und es ist auch in jedem Text etwas ich, doch wenn ich davon schreibe wie meine Finger über die kalte Wand streifen und ich immer weiter gehe bis aus dem streifen ein kratzen wird und rote Schlieren hinterlasse, heißt das noch nicht, dass ich durchdrehe. Vielleicht habe ich gerade einen Film oder eine Serie gesehen, wo Blut eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht habe ich mir in den Finger geschnitten, vielleicht die Wand neu gestrichen. Es gibt so viele Erklärungen und wer mich nicht kennt, wird es schwer haben die richtige zu finden. Selbst wenn man mich kennt, kann es schwierig sein. Manchmal gibt es sie einfach nicht. Ich produziere Bilder in euren Köpfen. Ohne zu wissen wie sie aussehen werden. Kein gleiches Bild, aber viele ähnliche. Manche spüren, manche hören, manche verstehen nicht.

Das Schöne am Schreiben ist die Freiheit. Weg von den Regeln, die so wichtig für unser Zusammenleben sind. Eine Welt ohne Grenzen. Ein paar gibt es auch hier. Aber wo sonst könnte man sich an einem Schmetterling festhalten und über die Felder und Dörfer fliegen? In der Ferne läutet eine Kirchturmglocke, ein Fluss bahnt seinen Weg durch das Tal und ich fliege immer höher. Seine schimmernd blauen Flügel. Ich lasse los und falle. Falle weiter. Bis ich am Boden zerplatze. In tausend Stücke, die glitzernd in alle Richtungen geschleudert werden. Die Sonne beginnt zu tropfen. Große, weiße Kugeln, die schwarze Löcher hinterlassen. Das Gras läuft weiter.

Es ist nicht alles abstrakt, das aus meinen Fingern fließt. Manchmal sind es Situationen, die so wahr sind, wie sie es nie sein können, weil ihr nicht dabei wart. So wahr, weil ihr sie erlebt. Mit jedem Wort, das durch euer Gehirn saust und an den richtigen Stellen die Synapsen kitzelt. Ich stehe hinter euch. Fasziniert auf wie viele Arten gelesen wird. Noch bevor ihr euch umdrehen könnt, hüpfe ich weiter. Nur ein Luftzug der überbleibt. An der Ampel bleibe ich stehen. Stelle mir vor wie ich sie grün anmale, doch dann springt sie um. Mein Fuß drückt das Gaspedal langsam bis zum Anschlag durch. Die Häuser beginnen zu verschwinden. Dann kommen die Bäume. Ihr werdet in den Sitz gedrückt und müsst euch festhalten, um nicht umzufallen. Ich lächle euch an. Überhole ein paar Autos. Man gewöhnt sich an die Geschwindigkeit und ist von sich selbst enttäuscht, wenn es einmal nicht mehr so schnell weiterkommt. Dabei kann man es gar nicht immer beeinflussen. Manche Dinge brauchen Zeit. Man kann nicht immer mehr machen, auch wenn der Kopf danach verlangt. Ich hatte eine Zeit, wo ich allen zugesagt hatte. Ich war davon überzeugt, ich könnte es schaffen. Doch ich kann es nicht und werde es nie können. Ich musste lernen auszuwählen und bin noch immer nicht perfekt darin. Aber es wird. Das Auto wird langsamer und wir genießen die Aussicht. Ein riesiger Schmetterling fliegt immer höher.

Ich freue mich, dass ihr noch da seid. Immer wieder.

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Bruch

Schauer durch den Körper. Ich bin wieder in Wien. Alleine. Sitze im Bett und warte. Warte, dass sich etwas tut. Die Tage gehen vorüber, wenn man immer weiter klickt. Zurück bleibt das bittere Gefühl des Versagens. Ich, der Versager. Dann ist da noch das Impostor Syndrom. Wenn man sich einbildet die Erfolge stehen einem nicht zu. Man hätte Glück gehabt, war gerade da oder andere Leute hätten den Weg bereitet. Ich fühle mich manchmal beschissen nutzlos. Nicht fähig Aufgaben zu erledigen, die Ansprüche der anderen nicht erfüllend. Besser erst gar nicht anfangen. Wenn man etwas nicht macht, kann man es nicht falsch machen. Wenn man es nicht falsch macht ist es nicht das eigene Versagen, sondern die Zeit, die immer weiter tickt. Bin ich nicht dazu gekommen. Und noch ein Tag verklickt. Und welcher Idiot hat mir eingeredet, dass diese Zeit verschwendet wäre. Das Internet. Voller Dinge, für die man früher ins Museum gegangen ist. Oder ins Theater. Klassisches und Neues. Dazu gibt es Informationen im Überfluss. Ich kann mich hineinwerfen, darin wühlen, sie einsammeln und wieder rauskotzen. Da ein Kommentar dazu, dort eine Anmerkung. Ich stehe auf die Geschwindigkeit, aber noch viel mehr auf die Menschen. Verbunden mit hunderten, die mich verstehen, die verhindern, dass ich alleine bin. Auch nicht um drei in der Früh, wenn Frau Wunderbar einmal nicht hier ist. Die Zeit im Web ist meist besser investiert, als jegliche andere Art des Informationsaustauschs. Aber hier geht es um Gefühle, um das Leben, um mich und um sie. Den Rest könnt ihr wo anders lesen. Ihr wisst schon. Oder auch nicht. Seid artig.

Ich habe gekündigt.

Ohne jemals angestellt zu sein. Morgen ist Übergabe. Die letzten Passwörter und Dokumente. Ich fühle mich befreit. Wusste nicht, wie stark mich das ganze in den letzten Monaten gefesselt hat. Am Rande des Abgrunds, an dem ich schon immer spazieren war, standen plötzlich Monster, die nach mir griffen. Spinnst du, habe ich mir gedacht. Das kannst du nicht mit der machen. Nur die Zeit geht weiter ohne, dass ich etwas mache. Um alles andere muss ich mich selbst kümmern. Inzwischen könnte ich ein Jahr überleben. Einfach so. Mein Ziel ist noch lange nicht erreicht und ich bin gerade wieder auf den Trip des materiellen gekommen. Nicht für mich. Für die Menschen, die mir wichtig sind. Und irgendwann kann ich jungen Verrückten Geld zustecken. Ohne tamtam wie es die Medien vormachen. Wahrscheinlich gibt es viele, die das tun. Aber man es nicht weiß, weil sie es tun, um es zu tun und nicht, damit andere über sie sprechen. Damit Leute über mich sprechen, spreche ich selbst. Und schreibe.

Drei neue Angebote.

Vielleicht nehme ich alle drei an. Und daneben wird studiert. Schließlich möchte ich am Podium irgendwann nicht mehr als der junge Herr Kollege angesprochen werden, sondern als der junge Herr Doktor. Ob es jemals dazu kommt kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber die Vorstellung gefällt mir. Deshalb habe ich wieder angefangen tagzuträumen. Habe ich schon viel zu lange nicht mehr. Tut gut. Macht Lust einige Sachen zu machen und andere nicht. Weil einmal erleben reicht manchmal.

Ich erledige noch ein paar Sachen. Bis bald.

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42 Tage

Kannst du dich erinnern? Der Anfang. Als du mir geschrieben hast, dass du mich gut findest. Und ich dir. Ich habe gezittert. Vor Freude. Vor Aufregung. So surreal der Moment. Wir hatten uns nie gesehen, nie gehört, manchmal ein paar Zeilen ausgetauscht immer darauf bedacht den anderen nicht zu stören. Das Gegenüber für unerreichbar gehalten, sich nicht getraut etwas zu sagen. Bis zu dieser einen Nacht.

Heute habe ich einen Ring an meinem Finger. Von dir. Noch immer sind wir hunderte Kilometer voneinander entfernt, doch sie tun mir nicht weh. Weil ich dich liebe und du mich.

Mein Leben schüttelt sich manchmal, ich habe Angst hinunterzufallen. Was bleibt ist die Sicherheit, dass du mich hältst. Du gibst mir Kraft, wenn ich nicht mehr will, nicht mehr kann. Der Gedanke an dich reicht aus düstere Gedanken zu verdrängen. Wir haben immer einen Weg gefunden und ich weiß, dass wir es auch in Zukunft werden. Du und ich.

Manchmal klicke ich durch Wohnungsangebote, stelle mir vor, wie wir darin leben würden. Die Stadt ist nicht entscheidend. Ich habe hier gute Freunde, du hast sie dort. Ich bin bereit Kompromisse einzugehen.

Wir waren an der Nordsee, in Köln und in Bremen. Ich habe mit meinem Handy gespielt während du shoppen warst und dir andere Größen in die Umkleide gebracht. Als ich an der Reihe war, kam ich gar nicht mehr nach mit Kleidung an und ausziehen, weil du immer mehr und immer neues gebracht hast. Am Nachmittag gabs manchmal Kuchen und für dich Kaffee.

Die Sätze nur Fragmente, die durch meinen Kopf schwirren. Ich muss sie nicht strukturieren, bin froh dass sie das sind. Bin froh dass es dich gibt.

Das einzige, das ich in den 42 Tagen bereut habe, war dich nicht mitnehmen zu können.

Kuss.

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Manchmal machen wir dumme Dinge

Ich habe darüber nachgedacht meinen Job hinzuwerfen. Es ist mir nicht leicht gefallen und es ist noch nicht dabei. Es gab Dinge, mit denen ich nicht mehr klar gekommen bin. Ich bin niemand, der wegen jeder Kleinigkeit herumheult, ich sauge Probleme auf, versuche sie zu verarbeiten, doch nicht immer ist es möglich. Wenn ich nicht ausdrücken kann, was ich fühle, was in mir vorgeht, wenn ich es nicht in Worte packen kann. Ich brauche Freiheit. Viel Freiheit. Es wird eine große Rolle spielen, ob ich bleibe oder nicht. Neben all den anderen Dingen, die wir gerade ausarbeiten.

Man bemüht sich um mich. Meetings, Essen, lange Mails. Es fühlt sich gut an, aber es wird noch nicht ausreichen. Zu oft war ich in einem Loch, aus dem man mir herausgeholfen hat, nur damit ich wieder abrutsche. Meine Werte, meine Einstellungen und Vorstellungen. Es ist nicht wegen dem Geld. Es ist wichtiger geworde. Aber nicht wegen mir, sondern weil ich Menschen unterstützen möchte, die ich gut finde. Weil so viele Digne sehe, die nicht gemacht werden können, weil in dieser beschissenen Welt kein Platz für sie ist. Wenn man nicht das Glück hat an einen Spinner zu geraden, kann man versuchen durch den Sumpf der Bürokratie zu waten. Natürlich gibt es Dinge, die ich mir gerne leisten würde. Doch was mein Leben nicht erheblich vereinfacht muss ich nicht haben. Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt. Außer der meinen. Ich will die coolen Sachen machen. Mit den Leuten, die ich mag.

Der Juli wird ein wichtiger Monat. Eine Auszeit. Alltag eines anderen Leben. Ich freue mich auf sie.

Zeit zum Nachdenken.

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In der Luft

Ich sollte nervös sein. Der Gedanke, dass es schief gehen könnte. Irgendwas.

Vor vier Tagen habe ich angefangen zu lernen. In der Vorlesung war ich kein einziges Mal, sodass ich den Professor, das erste Mal bei der Prüfung selbst getroffen habe, was ich schade finde. Ein netter Mann mit einer ähnlichen Einstellungen zum Studium, wie ich. Er spricht selten konkret, lässt vieles offen, ich unterstelle ihm, dass es Absicht ist. Er möchte, dass die Studierenden selbst denken. Dass sie nicht nur für die Prüfungen lernen, damit sie die Punkte bekommen, sondern dass sie verstehen, worum es geht. Sie sollen lernen eigene Gedanken zum Thema zu machen und dennoch wissenschaftlich zu bleiben.

In den letzten Monaten habe ich viel negative Stimmung rund um mein Studium gemacht. Das meiste zurecht. Aus meiner Sicht. Jedoch habe ich mich damit selbst hinuntergezogen. Ich habe nicht mehr gesehen, was es für gute Seiten gibt, was ich schon alles gelernt habe, warum ich das Ganze wirklich mache. Natürlich spielen meine Eltern eine Rolle, natürlich möchte ich gewissen Personen beweisen, dass ich das hinbekomme und natürlich kann es am Arbeitsmarkt wichtig werden. Außerdem sind viele Menschen in einem Denken verhaftet, das sie mich nur ernst nehmen lässt, wenn ich den Abschluss habe. Oder im Fernsehen auftrete. Doch irgendwo tiefer befindet sich das Verlangen Dinge besser zu verstehen. Dinge einordnen und analysieren zu können. Mein Wissen, das ich tagtäglich ansammle ausdrücken und überprüfen. Es weitergeben und mit anderen vergrößern. Für die Menschheit. Und für mich. Es gibt gute Professoren mit großartigen Denkansätzen. Sie stoßen mich immer wieder von der Klippe und helfen mir Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen. Sie geben mir die Worte, um zu beschreiben, was seit langer Zeit undefinierbar durch meinen Kopf schwebt. Ich mag das Studium.

Vier Fragen, drei und nur drei davon müssen beantwortet werden. Ich schreibe über das Zusammenspiel von Medien und Gesellschaft, Internetkultur und Medienkompetenz. Zwischendurch denke ich an die Arbeit. Wann ich das letzte Mal etwas getan habe, das mich interessiert hat. Es sieht schlecht aus. Ich habe getan, was ich gut kann nicht, was ich gern mache. Manche Aufgaben haben mich herausgefordert, aber selten auf eine angenehme Weise. Meist unter Zeitdruck mit Menschen, die nicht verstehen, was ich mache und es dementsprechend nicht wertschätzen. Ist doch alles ganz einfach. Warum dauert das so lange. Das sieht scheiße aus. Manchmal waren es Dinge, die ich weder kann, noch können möchte, noch gerne mache. Aber das hängt auch alles irgendwie zusammen. Nicht, dass man sich nicht um mich bemüht, aber irgendwie funktioniert es nicht mehr. Ich fühle mich fremd, habe schon von vornherein meist eine ablehnende Haltung. Und dann bekomme ich von anderen Seiten Rückmeldungen, dass man gerne etwas mit mir machen würde, dass ich in letzter Zeit so ruhig bin oder dass ich doch zu mehr fähig wäre. Ich bin schlecht im Wünsche ausdrücken. Viel mehr arbeite ich mit Symbolik und Hinweisen, was aber nicht alle Menschen verstehen, verstehen können und somit haben sie gar nicht die Möglichkeit darauf einzugehen. Ich habe versucht mich zu ändern, es aber nicht geschafft. Sollte mich in dem Moment auch nicht beschäftigen. Noch 45 Minuten bis die Prüfung um ist.

Ich ärgere mich wieder, dass ich mich nicht mehr mit den Themen beschäftigt habe. Sie sind spannend und ich würde gerne mehr darüber schreiben. Nach einer Stunde bin ich fertig.

Danach sitze ich noch mit einem Freund am Donaukanal. Wir reden über die Uni und Technik. Zwei der vier Prüfungen werde ich ausfallen lassen. Jetzt geht es erstmal in die Kinopremiere eines Kurzfilm eines anderen Freundes.

Der Juli wird großartig.

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