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Selbstbelehrung

Möchte ein bisschen schreien. Schreiben. Habe begonnen an der vorletzten für die Uni zu schreiben. Die Aufgabenstellung nur überflogen und gemacht, was ich bei anderen so oft kritisiere. Das Falsche. Nun muss ich noch einmal anfangen. Ich habe den Großteil der Literatur, doch das Theme läuft mir immer wieder durch die Finger. Bei den anderen hört es sich so toll an, ich habe sofort eine Idee, wie man etwas machen kann, kenne ähnliche Arbeiten und kann weiterhelfen. Doch bei mir selbst bleibe ich stecken. Ich blockiere.

Jemand hat geschrieben, dass man zu viel analysiert und zu wenig tut, wenn man glaubt stecken geblieben zu sein.

Die Dozentin hält mich entweder für ein Genie oder einen Streber. All die Wortmeldungen und daneben gelangweiltes Herumklicken am Laptop. Heute ist ihr ein ‘Internetexperte’ herausgerutscht. Ich musste innerlich lachen, habe die Frage des Studentin beantwortet und mich wieder dem Monitor zugewendet. Meine Arbeit ist ein einziges Chaos. Dreimal umgeschrieben, aus allen Versionen Fragmente. Dann sitze ich davor. Starre auf die Sätze, lese sie noch einmal, in mir baut sich Aggression auf. Ich möchte wo draufschlagen, balle nur meine Faust. Entspanne mich, stehe auf. Eingesperrt in meiner kleinen Gedankenwelt. Und wieder die Annahme nicht für das System geschaffen zu sein. Nicht zurecht zu kommen. Versagen. Als hätte man das gesamte Leben nichts anderes gemacht.

Jemand hat geschrieben, dass es nur ein Konzept ist, ich mir nicht so viel Stress machen soll.

Immer wieder glücklich über das Internet. Über die Menschen, die mich vor dem Wahnsinn retten. Es ist nur ein Konzept. Meine Selbstkritik treibt mich dorthin, wovon sie mich bewahren will. Den Rest runterschreiben. Ich ignoriere die Literatur und Hypothesen. Irgendwie wird es etwas ganzes. Ich muss es bei meinem Mitbewohner drucken, da ich selbst nie einen Drucker besessen habe. Fünf Seiten. Fünf lächerliche Seiten.

Am Abend treffe ich mich mit Freunden. Wir reden über die Uni. Wir lachen. Ich bin glücklich. Noch ein paar Momente auf dem Weihnachtsmarkt stehen. Wieder das Thema der Arbeit, man diskutiert. Ich bekomme neue Ideen. Die Dinge fangen an Sinn zu ergeben. Ein bisschen. Nicht mehr die Kraft alles zu tippen. Ich behalte es im Kopf. Als ich schon abschalten möchte, noch die Nachricht von Frau Wunderbar. Wir hören uns ein paar Minuten. Es ist nicht mehr lange bis zum Wiedersehen. Nicht in unserer Zeitrechnung. Ihre Stimme füllt mich mit kleinen Herzen. Mein Mund ein Lächeln. Alles entspannt sich. Das Leben ist so viel mehr.

Ich möchte schreiben.

Altersunwillig

Ich wollte einen langen Beitrag über Alter und Altersunterschiede schreiben. Warum wir Reduzierung brauchen und wo es falsch ist sie anzuwenden. Dass Alter Menschen weder klüger, noch dümmer macht und was das alles mit meiner Beziehung zu tun hat. Dann habe ich ihn gelöscht, weil ich zu dem Schluss gekommen bin, dass es mir scheißegal ist. Wenn Menschen meinen mich aufgrund der Zeit, die seit meiner Geburt vergangen ist, einschätzen zu können, sollen sie das tun. Wenn jemand meint, etwas über eine Beziehung zu wissen, weil er den Altersunterschied kennt, kann sie das gerne tun. Ich möchte aber nichts mehr mit diesen Leuten zu tun haben. Was mich früher noch wahnsinnig gemacht hat, ist mir jetzt immer öfter gleichgültig. Weil es so viele andere Sachen gibt, mit denen ich mich lieber beschäftige und die mir wichtiger sind. Ich habe großartige Freunde, wo sowas keine Rolle spielt. In manchen Situation ist eine Konfrontation nötig, aber oft reicht ignorieren aus.

Heute habe ich Rezepte gesucht. Ohne rohen Eiern, ohne gekochten Fisch, keine Nudeln, noch Süßes als Hauptspeise. Zukünftig werde ich auch Paprika vermeiden. Herausgekommen ist spanische Gazpacho als Vorspeise, Kartoffel Tortilla, die mehr ein Auflauf wurde, und Grießkoch mit Brombeermarmelade als Nachspeise. Der Anfang und der Ende war toll, das dazwischen hat mich etwas enttäuscht. Doch mit guten Freunden wird das Essen zur Nebensache. Frau Wunderbar hat gefehlt. Drei Pärchen und ich. Zumindest sind es keine Kitschpärchen, die ständig aufeinander hängen und unfähig sind ein Gespräch alleine zu führen. Ich fühle mich wohl bei ihnen. Freunde wie ich sie nie gehabt habe. Meine zwei besten Freunde, noch aus einem anderem Leben, sind momentan in Kanada und Maastricht. Außer ein paar Mails und Skype momentan nicht viel Kontakt. Leider macht das die Gesamtsituation nicht einfacher.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass eine Beziehung zwei gute Freunde kostet. Zwei würde ich vielleicht verkraften. Aber nicht alle. Würde ich an Bestimmung glauben, wäre ich ziemlich böse auf jemanden. So finde ich die Situation scheiße. Denke immer wieder darüber nach und komme zu keinem Schluss. Stimmt nicht ganz. Es gibt mehrere Möglichkeiten, es sind alles Kompromisse. Sie tun weh. Aber es geht. Wir können es gemeinsam schaffen.

So lange ich an uns glaube, mache ich mir keine zu großen Sorgen.

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Aufstehen

Es fühlt sich ein bisschen wie ein Neuanfang an. Zu schnell nach oben gekommen, falsche Erwartungen von anderen und mir selbst. Ich konnte nur verlieren. Gemerkt hat es niemand. Jetzt stehe ich da. Wieder wackelig. Die Maske sitzt besser. Ich habe manchmal Angst, dass ich nur um Mitleid schreie. Dass ich mich selbst in eine Opferrolle stecke, die nicht meine ist. Es fühlt sich beinahe so an, als würde ich jemand anders etwas wegnehmen, der es viel nötiger bräuchte. Ich bin mir oft unsicher. Im Leben. Aber es geht mir gut. Würde mich selbst als stabil beschreiben und alleine durch diesen Satz mache ich mich schon wieder schuldig. Ständiger Selbstzweifel, wie ich ihn noch von früher kenne. Der kann von mir aus fern bleiben.

Ich habe heute den ganzen Tag ins Studium investiert. Aufstehen, einen Text bearbeiten, zum Institut. Über den Text sprechen, sich ein bisschen profilieren. Es ist so einfach, den Menschen etwas vorzumachen und zugleich weiß ich, dass die meisten anderen noch weniger verstanden haben. Doch das reicht mir nicht. Ich will gut sein. Richtig gut. Danach kurz einkaufen, Mittagessen kochen. Ich hasse es, wenn ich alleine bin. Es gibt meist Fertiggerichte. Zumindest halbfertig. Dann war noch Schokomousse im Angebot. Vorbereitung für die nächste Lehrveranstaltung, wieder auf die Uni. Ich rede viel. Zumindest mehr als die anderen. Einer spricht mich in der Pause an, er hätte mich vor einem Jahr für eine Arbeit interviewt. Als Experten. Ich konnte mich nicht erinnern. Meine Gruppe ist nett, eine Mutter, zwei Jahre jünger als ich und die andere recht ruhig, aber was sie sagt ist durchdacht. Erinnert mich ein wenig an mich, früher. Die dritte ist das Gegenteil. Ständig etwas zu sagen, ständig falsch. Ich versuche immer zu erklären. Es fällt mir schwer. Sie versteht vieles nicht, hat sich schon darüber lustig gemacht, wie einfach das Studium ist, dass sie nie freiwillig Literatur lesen würde und sowieso nur Prüfungsfragen auswendig lernt. Einen anderen Kurs hat sie gelassen, weil sie dort eine Arbeit schreiben hätte müssen. Es nervt mich. Wegen solchen Menschen, ist das Studium einfach. Es fordert mich nur manchmal und so lasse ich es nebenher laufen. Es erinnert mich an den Mathematikunterricht. Vier Jahre vor dem Abschluss, hat mich die Professorin überzeugt, dass ich alles verstehe und kann, wenn ich nur will. Ab dem Zeitpunkt habe ich aufgehört, etwas zu machen. Trotz mehr negativen als positiven Arbeiten bin ich immer weiter gekommen. Ich bin dafür, dass jeder etwas lernt. Doch ich weiß nicht wie sinnvoll es ist, manche Personen mitzuziehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte ein Jahr wiederholen müssen. Zumindest eine Wiederholungsprüfung. Jetzt sitze ich am Institut und mache mich subtil über die Kollegin lustig. Sie merkt es nicht. Ich versuche es wieder mit erklären, sie nickt sehr schnell, gibt das Gefühl, sie hätte es verstanden. So sicher bin ich mir nicht. Dann war der Tag schon um. Am Heimweg dachte ich, es wäre besser gewesen zur Demonstration zu gehen.

Noch eine Stunde Frau Wunderbar hören und dann schlafen. Also nachdem ich diesen Text abgeschickt habe.

Neuanfang. Irgendwie.

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Hausschnecke

Der Plan war hier einen Ort für schöne Texte zu schaffen. Aber am Ende kommt mein Mitteilungsbedürfnis durch, ich schreibe offen über mich und meine Umgebung.

Ich habe es nie geschafft ein Tagebuch zu schreiben. Dreimal habe ich es versucht. Einmal habe ich ein paar Seiten geschafft. Ich habe den Geruch geliebt. Der Gedanke, irgendwann könnte ich oder jemand anders darin schmökern hat mir gefallen. Aber nur für mich zu schreiben, hatte keinen großen Reiz. Manchmal sitze ich in Vorlesungen und schreibe auf Flyer, die dort meist herumliegen. Oft nur ein paar Sätze, hin und wieder seitenlange Texte. Danach lasse ich es liegen. Nicht alles muss für alle sein. Das meiste wander wohl direkt in den Müll.

Der heutige Tag war ähnlich wie gestern. Mit dem Unterscheid, dass ich unzufrieden bin, weil ich ein paar Dinge machen wollte. Ich laufe weg. Vom Leben, vom Studium, von der Arbeit. Bald wird es mich erschlagen. Dann habe ich einen Text gelesen, knappe zwanzig Seiten, doch ich bin kläglich daran gescheitert. So viel Theorie, die mir fehlt. Ein zweites Mal lesen. Nun arbeite ich mich Stück für Stück durch. Schlage begriffe nach und lese Zusammenfassungen zu unterschiedlichen Autoren. Ich hasse mich dafür. Nicht früher damit angefangen zu haben. Erinnerungen wie ich mich früher in bestimmte Themen verbissen habe und sie erst wieder los ließ, wenn ich sie verstanden habe. Momentan muss ich mich eher dazu zwingen. Ich will Erfolg haben. Ich will es schaffen. Manchmal will ich der Beste sein.

Am Abend bin ich noch rausgekommen. Habe mich mit einem Freund getroffen. Wir waren essen, haben ein neues Lokal ausprobiert. Klein, sympathisch, lecker. Ich hatte einen Salat und eine Grießflammerie mit Brombeermarmelade. Danach noch eine Vorlesung, um zu erfahren, dass ich in einen anderen Termin gesteckt wurde. Weil man mich darüber ja nicht informieren muss. Es wäre die beste Lehrveranstaltung des Semesters. Mit fast allen meiner liebsten Studienkollegen. Doch wir sind raus. Weil wir uns nur dafür interessieren und eine andere Hauptstudienrichtung haben. Macht keinen Spaß.

Menschen warten auf Antworten. Ich verkrieche mich weiter. Versucht es morgen noch mal.

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Verschwende meine Zeit

Das Haus nur kurz verlassen. Eine halbe Stunde bevor der Bäcker seine Türen schloss. Eines der wenigen Geschäfte, die heute offen hatten. Sie nennen es Neutralität. Also das feiern sie. Und National ist es auch. Die Milch war schon aus, so habe ich mir eine mit Vanille gekauft. Und Streuselapfelkuchen. Und Nussbrot. Wusste ich aber nicht, dass das Nuss war. Schmeckt lecker, aber sowas nehme ich normalerweise nicht. Weil ich dann ständig an sie denken muss, dass sie es nicht essen kann. Das ist doof. Den restlichen Tag habe ich in Boxershort und Pullover verbracht. Zwischendurch Wäsche in die Maschine und später aufhängen. Essen habe ich bestellt, weil ich gestern nicht dazu gekommen bin etwas zu kaufen. Und mit Feiertagen ist man hier recht streng. Es war fett und ungesund. Geschmacklich so lala.

Manchmal klaue ich Songzeilen für den Titel.

Ich habe keine Mails beantwortet, mich nicht um das wichtige Projekt gekümmert. Die Uni ließ ich links liegen, obwohl ich bis Donnerstag einige Dinge fertig haben muss. Auch habe ich kein Angebot für einen anderen Auftrag geschrieben. Habe nicht den Text überarbeitet und meinen Vertrag nicht gekündigt. Mein Zimmer geht im Chaos unter und das Geschirr stapelt sich weiter. Ich habe nicht einmal geduscht. War nicht laufen, auch nicht imm Park spazieren. Habe nichts vorbereitet und niemanden getroffen.

Es gibt einige Leute, die mir nun sagen würden, dass ich alles falsch mache. Ich bräuchte mehr Disziplin und solle ToDo Listen machen, mich zusammenreißen und Dinge abarbeiten. Sonst käme ich nie weiter. Würde versagen. Im Leben und überhaupt. Es gibt Leute, die würden verzweifeln, bei einem Tag wie diesen.

Ich habe entschieden, dass es mir egal ist. Schuldgefühle sorgen nur dazu, dass ich mich scheiße fühle. Nicht dazu, dass ich etwas daran ändere. Vielleicht ist es bei anderen so, bei mir nicht. Ich habe mich entschieden zu genießen, es gut zu finden. Dinge nicht zu machen. Ich weiß nicht wie meine Zukunft aussieht, ob ich es mir später auch noch erlauben kann, einen Tag auszusetzen. Jetzt geht es. Vielleicht verpasse ich dadurch etwas, vielleicht erreichen andere mehr. Vielleicht würde mich das gar nicht glücklich machen. Wo ich mich noch gar nicht entschieden habe wo ich hinmöchte.

Und morgen wird dann wieder gearbeitet. Was auch immer das ist.

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krank

Ich laufe um die Welt, immer schneller. Immer schneller. Alles dreht sich. Mein Kopf fühlt sich wohl, mein Körper ist am Ende. Es ist egal, so egal. Kein Wort, das ich noch weiß, bevor ich es rausschreie. Kein Mensch, der mich je so gesehen. Ich habe Spaß daran. Veränderung. Gleich bleiben. Zu wissen, dass es immer so ist. Die Maske hängen noch im Schrank und wenn ich sie anziehe, wird man sich an mich erinnern. Manche zumindest. Die anderen werden mich kennen lernen. Ich lache. Lache laut. Alles dreht sich um, ein blödes grinsen. Ich stehe auf. Steige aus. Das ist alles mehr als ich je erwartet hatte. Die Stadt, die Menschen, die Entfernung. Ich habe Vergangenheit. Es hat mich geprägt und doch merke ich immer wieder, wie ähnlich wir sind. Ich weiß nicht wie es gekommen ist, ob wir einmal gleich abgebogen sind oder ob alle so sind. Ich glaube es nicht. Viel mehr ist ein Dinge zwischen uns. Mit uns. Keine Ahnung. Ich genieße es ohne zu verstehen. Weil man am Ende gar nicht verstehen kann, sondern nur Abbildungen, Metaphern Entsprechungen in seinem Gedankenmodell findet, das man sich zusammengebastelt hat. Alles Illusion. Zumindest in uns. Die Entstehung von Farben, Gefühlen, Formen und dem Untergang. Wir sind nur so lange fähig, wie wir wiedererkennen. Sobald wir die Verbindungen trennen, brechen wir auseinander. Überfordert von allem, was ist. Sein könnte. Unvorhersehbar. Nicht abbildbar in Zahlen. Dem schönsten Beispiel von Realitätsflucht. Annäherung an die Wirklichkeit, sie jedoch niemals erreichend. Und dann ist es schon wieder vorbei. Wer nicht genießt, hat schon verloren. Ich weiß immer öfter, was ich will. Habe die beste Zeit meines Lebens. Jeden Tag. Jeden Tag. Ich weiß, dass es besser kommen kann, ich weiß dass es vergehen kann. Doch ich bin jetzt, jetzt, jetzt. Die Entscheidung es geil zu finden. Einfach sein. Ich sprudle über, drehe die Musik noch lauter und kann nicht glauben was gerade passiert.

Es tut mir leid, dass ich es nicht sagen kann. Nicht weiß, nicht bin, nicht war. Aber ich mag euch. So sehr, dass ich es mich zerreißt. Ich bin am überlegen, was am besten ist. Wie ich da und dort. Überall zugleich. Entscheide dich, entscheide dich hallt es durch die Wohnung. Ich muss lächeln. Dann drehe ich durch und fange an zu tippen.

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Freischreiben

Ich vermisse es tagelang an einem Blogpost zu nagen. Die Worte im Kopf hin und her wälzen, sie mit dem Fuß treten und wieder zu streicheln. Einige werden aussortiert und andere kommen neu hinzu. Wenn man es kaum erwarten kann an einen Computer zu kommen und den Text in einem Schwall herunterzuschreiben. Man muss nicht lange nachdenken, sondern die Finger hüpfen von selbst über die Tastatur. Man hat das Gefühl, sie sind nie für etwas anderes bestimmt gewesen. Die Zufriedenheit wenn man fertig ist und auf “Veröffentlichen” klickt. Flieg kleiner Text, flieg und lass dich weitertragen. Von Tweet zu Tweet, von Like zu Like und durch die Köpfe deiner Leser. Manche werden über dich sprechen, andere werden dich weitererzählen. Die meisten werden nie von dir erfahren. Flieg.

Früher habe ich bei so vielen Erlebnissen daran gedacht, dass ich darüber schreiben muss. Jedes Blatt, das durch die Lüfte gewirbelt wurde, hat mich inspiriert. Die Gesichter in der Straßenbahn und die Wortfetzen, die ich mitbekam. Ich war nie wirklich gut im schreiben. Aber es war mir egal. Ich wollte der Welt mitteilen, was durch meinen Kopf geht. Ich habe nicht darauf geachtet, ob ich etwas ähnliches schon einmal geschrieben habe oder nicht. Ich habe mir keine Sorgen darum gemacht, ob es jemanden interessiert oder nicht. Ich habe getippt und getippt bis ich fertig war. Wenn nur ein Satz zusammengekommen ist, war es genau so in Ordnung, wie wenn es mehrere tausend Worte waren. Das wie soll keine Rolle spielen, sondern das was und das dass.

Ich glaube, ich hoffe, dass es nur eine Einstellungssache ist. Dass man zu der Freiheit zurückfinden kann, wenn man nur wieder anfangt, die kleinen Dinge zu beachten und darüber zu schreiben. Was später damit passiert, muss einem egal sein. Jeder Gedanke darüber lenkt vom eigentlichen tun, dem Schreiben, ab.

Heute bin ich aus Bulgarien zurückgekommen.

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Ausflug

Worte. Ich zittere etwas. Als Blogger ist es nahezu unmöglich Texte zu schreiben ohne mit ihnen identifiziert zu werden. Und es ist auch in jedem Text etwas ich, doch wenn ich davon schreibe wie meine Finger über die kalte Wand streifen und ich immer weiter gehe bis aus dem streifen ein kratzen wird und rote Schlieren hinterlasse, heißt das noch nicht, dass ich durchdrehe. Vielleicht habe ich gerade einen Film oder eine Serie gesehen, wo Blut eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht habe ich mir in den Finger geschnitten, vielleicht die Wand neu gestrichen. Es gibt so viele Erklärungen und wer mich nicht kennt, wird es schwer haben die richtige zu finden. Selbst wenn man mich kennt, kann es schwierig sein. Manchmal gibt es sie einfach nicht. Ich produziere Bilder in euren Köpfen. Ohne zu wissen wie sie aussehen werden. Kein gleiches Bild, aber viele ähnliche. Manche spüren, manche hören, manche verstehen nicht.

Das Schöne am Schreiben ist die Freiheit. Weg von den Regeln, die so wichtig für unser Zusammenleben sind. Eine Welt ohne Grenzen. Ein paar gibt es auch hier. Aber wo sonst könnte man sich an einem Schmetterling festhalten und über die Felder und Dörfer fliegen? In der Ferne läutet eine Kirchturmglocke, ein Fluss bahnt seinen Weg durch das Tal und ich fliege immer höher. Seine schimmernd blauen Flügel. Ich lasse los und falle. Falle weiter. Bis ich am Boden zerplatze. In tausend Stücke, die glitzernd in alle Richtungen geschleudert werden. Die Sonne beginnt zu tropfen. Große, weiße Kugeln, die schwarze Löcher hinterlassen. Das Gras läuft weiter.

Es ist nicht alles abstrakt, das aus meinen Fingern fließt. Manchmal sind es Situationen, die so wahr sind, wie sie es nie sein können, weil ihr nicht dabei wart. So wahr, weil ihr sie erlebt. Mit jedem Wort, das durch euer Gehirn saust und an den richtigen Stellen die Synapsen kitzelt. Ich stehe hinter euch. Fasziniert auf wie viele Arten gelesen wird. Noch bevor ihr euch umdrehen könnt, hüpfe ich weiter. Nur ein Luftzug der überbleibt. An der Ampel bleibe ich stehen. Stelle mir vor wie ich sie grün anmale, doch dann springt sie um. Mein Fuß drückt das Gaspedal langsam bis zum Anschlag durch. Die Häuser beginnen zu verschwinden. Dann kommen die Bäume. Ihr werdet in den Sitz gedrückt und müsst euch festhalten, um nicht umzufallen. Ich lächle euch an. Überhole ein paar Autos. Man gewöhnt sich an die Geschwindigkeit und ist von sich selbst enttäuscht, wenn es einmal nicht mehr so schnell weiterkommt. Dabei kann man es gar nicht immer beeinflussen. Manche Dinge brauchen Zeit. Man kann nicht immer mehr machen, auch wenn der Kopf danach verlangt. Ich hatte eine Zeit, wo ich allen zugesagt hatte. Ich war davon überzeugt, ich könnte es schaffen. Doch ich kann es nicht und werde es nie können. Ich musste lernen auszuwählen und bin noch immer nicht perfekt darin. Aber es wird. Das Auto wird langsamer und wir genießen die Aussicht. Ein riesiger Schmetterling fliegt immer höher.

Ich freue mich, dass ihr noch da seid. Immer wieder.

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Bruch

Schauer durch den Körper. Ich bin wieder in Wien. Alleine. Sitze im Bett und warte. Warte, dass sich etwas tut. Die Tage gehen vorüber, wenn man immer weiter klickt. Zurück bleibt das bittere Gefühl des Versagens. Ich, der Versager. Dann ist da noch das Impostor Syndrom. Wenn man sich einbildet die Erfolge stehen einem nicht zu. Man hätte Glück gehabt, war gerade da oder andere Leute hätten den Weg bereitet. Ich fühle mich manchmal beschissen nutzlos. Nicht fähig Aufgaben zu erledigen, die Ansprüche der anderen nicht erfüllend. Besser erst gar nicht anfangen. Wenn man etwas nicht macht, kann man es nicht falsch machen. Wenn man es nicht falsch macht ist es nicht das eigene Versagen, sondern die Zeit, die immer weiter tickt. Bin ich nicht dazu gekommen. Und noch ein Tag verklickt. Und welcher Idiot hat mir eingeredet, dass diese Zeit verschwendet wäre. Das Internet. Voller Dinge, für die man früher ins Museum gegangen ist. Oder ins Theater. Klassisches und Neues. Dazu gibt es Informationen im Überfluss. Ich kann mich hineinwerfen, darin wühlen, sie einsammeln und wieder rauskotzen. Da ein Kommentar dazu, dort eine Anmerkung. Ich stehe auf die Geschwindigkeit, aber noch viel mehr auf die Menschen. Verbunden mit hunderten, die mich verstehen, die verhindern, dass ich alleine bin. Auch nicht um drei in der Früh, wenn Frau Wunderbar einmal nicht hier ist. Die Zeit im Web ist meist besser investiert, als jegliche andere Art des Informationsaustauschs. Aber hier geht es um Gefühle, um das Leben, um mich und um sie. Den Rest könnt ihr wo anders lesen. Ihr wisst schon. Oder auch nicht. Seid artig.

Ich habe gekündigt.

Ohne jemals angestellt zu sein. Morgen ist Übergabe. Die letzten Passwörter und Dokumente. Ich fühle mich befreit. Wusste nicht, wie stark mich das ganze in den letzten Monaten gefesselt hat. Am Rande des Abgrunds, an dem ich schon immer spazieren war, standen plötzlich Monster, die nach mir griffen. Spinnst du, habe ich mir gedacht. Das kannst du nicht mit der machen. Nur die Zeit geht weiter ohne, dass ich etwas mache. Um alles andere muss ich mich selbst kümmern. Inzwischen könnte ich ein Jahr überleben. Einfach so. Mein Ziel ist noch lange nicht erreicht und ich bin gerade wieder auf den Trip des materiellen gekommen. Nicht für mich. Für die Menschen, die mir wichtig sind. Und irgendwann kann ich jungen Verrückten Geld zustecken. Ohne tamtam wie es die Medien vormachen. Wahrscheinlich gibt es viele, die das tun. Aber man es nicht weiß, weil sie es tun, um es zu tun und nicht, damit andere über sie sprechen. Damit Leute über mich sprechen, spreche ich selbst. Und schreibe.

Drei neue Angebote.

Vielleicht nehme ich alle drei an. Und daneben wird studiert. Schließlich möchte ich am Podium irgendwann nicht mehr als der junge Herr Kollege angesprochen werden, sondern als der junge Herr Doktor. Ob es jemals dazu kommt kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber die Vorstellung gefällt mir. Deshalb habe ich wieder angefangen tagzuträumen. Habe ich schon viel zu lange nicht mehr. Tut gut. Macht Lust einige Sachen zu machen und andere nicht. Weil einmal erleben reicht manchmal.

Ich erledige noch ein paar Sachen. Bis bald.

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42 Tage

Kannst du dich erinnern? Der Anfang. Als du mir geschrieben hast, dass du mich gut findest. Und ich dir. Ich habe gezittert. Vor Freude. Vor Aufregung. So surreal der Moment. Wir hatten uns nie gesehen, nie gehört, manchmal ein paar Zeilen ausgetauscht immer darauf bedacht den anderen nicht zu stören. Das Gegenüber für unerreichbar gehalten, sich nicht getraut etwas zu sagen. Bis zu dieser einen Nacht.

Heute habe ich einen Ring an meinem Finger. Von dir. Noch immer sind wir hunderte Kilometer voneinander entfernt, doch sie tun mir nicht weh. Weil ich dich liebe und du mich.

Mein Leben schüttelt sich manchmal, ich habe Angst hinunterzufallen. Was bleibt ist die Sicherheit, dass du mich hältst. Du gibst mir Kraft, wenn ich nicht mehr will, nicht mehr kann. Der Gedanke an dich reicht aus düstere Gedanken zu verdrängen. Wir haben immer einen Weg gefunden und ich weiß, dass wir es auch in Zukunft werden. Du und ich.

Manchmal klicke ich durch Wohnungsangebote, stelle mir vor, wie wir darin leben würden. Die Stadt ist nicht entscheidend. Ich habe hier gute Freunde, du hast sie dort. Ich bin bereit Kompromisse einzugehen.

Wir waren an der Nordsee, in Köln und in Bremen. Ich habe mit meinem Handy gespielt während du shoppen warst und dir andere Größen in die Umkleide gebracht. Als ich an der Reihe war, kam ich gar nicht mehr nach mit Kleidung an und ausziehen, weil du immer mehr und immer neues gebracht hast. Am Nachmittag gabs manchmal Kuchen und für dich Kaffee.

Die Sätze nur Fragmente, die durch meinen Kopf schwirren. Ich muss sie nicht strukturieren, bin froh dass sie das sind. Bin froh dass es dich gibt.

Das einzige, das ich in den 42 Tagen bereut habe, war dich nicht mitnehmen zu können.

Kuss.

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