Handlungsanweisung
If you like it, put a star on it.
Als ich nach Wien kam war ich übermotiviert. In allen. Zugleich hatte ich riesige Angst.
Über die Zeit habe ich die Lust an fast allen verloren. Das Studium hat mich angenervt, weil nichts weitergegangen ist, die Arbeit war mir ein Übel, das ich vor allem gemacht habe, um andere nicht zu enttäuschen. Nicht einmal mehr das Schreiben hat Spaß gemacht. Alles Scheiße. Tagelang im Bett herumgelegen. Nut aufgestanden um Dinge zu tun, die man tun muss. Wenig gegessen, wenig Menschen getroffen, wenig irgendwas gemacht. Wäre da nicht Frau Wunderbar gewesen, wäre ich vermutlich durchgedreht.
Ich erinnere mich gerade wieder an die Zeit, als ich Nächte durchgemacht habe, weil ich an einem Problem genagt habe, das mich nicht losgelassen habe, weil ich ein tolles Buch gelesen oder geschrieben habe. Kein Buch, aber Texte. Stundenlang mit tollen Menschen gechattet und sie getroffen. Tee trinken. So richtig Spaß hat die Uni nicht gemacht, aber es gab Teile, die ich recht interessant fand. Für Prüfungen habe ich teilweise nur ein paar Tage gelernt.
Es sind unterschiedliche Dinge, die zusammengekommen sind. In der Uni ging nichts weiter, weil ich nichts dafür gemacht habe, weil ich ständig etwas für die Arbeit gemacht oder mich selbst bemitleidet habe. Gesundheitlich war es auch nicht die beste Zeit. Die Arbeit war zu Beginn großartig, ich habe auch einiges gelernt, aber leider hat sich das geändert.
War ich früher ständig online und habe mich über jegliche Interaktion mit anderen gefreut, begann ich mich abzukapseln. Ich wollte nicht, dass man in der Arbeit mitbekam, dass ich online war, weil ich dann hören würde was noch alles zu tun sei und dass ich meine Zeit vor dem Computer verschwende. Das Verhalten habe ich noch immer und versuche es gerade zu ändern. Ich möchte immer und gerade im Arbeitsumfeld mich mit den anderen austauschen. Ich liebe es vernetzt zu sein, genieße die kleinen und großen Interaktionen. Aber momentan fällt es mir noch oft schwer. Zu viele Schuldgefühle, zu viel verstecken.
Lange Zeit habe ich damit verbracht, Dinge zu ignorieren und in mich hineinzufressen. Das muss sich ändern. Ich will wieder mit Ideen mitten in der Nacht aufwachen, den Laptop aufklappen, sie irgendwo reinschreiben oder per Mail schicken. Ich will mich in der Früh freuen, dass ich neue Mails habe und mir keine Sorgen machen, was ich schon wieder machen muss. Ich bin dabei zu verstehen, dass die Dinge, die ich jetzt bekomme mir Spaß machen. Es Sachen sind, die ich gerne mache.
Alles nicht so einfach. Aber es wird. Ich nehme langsam wieder fahrt auf. Ich mag Stress, ich mag Belastung. Aber ich mag auch mich zu entspannen. Ohne Schuldgefühle.
Ich freue mich.
Der Tag ist zu lange geworden. Ich war verschlafen und kaputt, als mein Handy läutete.
“Wir sitzen gerade im Coworking Space und besprechen den Login. Hast du Zeit vorbeizukommen.” Ein paar Schuldgefühle was ich alles nicht gemacht habe und die Vorfreude etwas weiter zu bringen und dass ich gebraucht werde, haben mich zusagen lassen. In etwa einer halben Stunde sei ich da.
Der Coworking Space befindet sich am anderen Seite der Stadt, ich lag im Bett und hatte gerade ein paar Dinge für das Studium erledigt. Ein paar Sekunden planen, dann aufspringen, in die Dusche und mit dem großartigen Rum-Wacholder Gel waschen. Wieder raus, Zahnbürste schnappen, putzend zurück ins Zimmer, Unterwäsche anziehen, restliche Kleidungsstücke zusammensuchen, mit dem Fuß den Laptop zuklappen, Ladekabel für ebendiesen und Handy in den Rucksack packen. Hose hochziehen, wieder ins Bad ausspucken kurz gurgeln, ins Zimmer, Shirt und Pullover überziehen, Handy in die Hosentasche, Laptop in die Hülle und zusammen in den Rucksack. Beim Rausgehen Mantel vom Haken und Schlüssel vom Kästchen mitnehmen. Zur Ubahn laufen. Verschnaufen. Handy raus, Tagesplan anschauen, auf Twitter schauen, was sonst so los ist. Dann bleibt die Ubahn stehen. Es würde noch ein Zug in der Station vor uns stehen. Natürlich die Station, bei der ich rausmüsste. Ich schaue genervt umher, wackle mit den Fingern. Nach einigen Minuten erneut eine Durchsage, der Zug vor uns hätte eine technische Störung und wir müssen nun noch etwas warten. Nach weiteren fünf Minuten wird die Durchsage wiederholt. Ich bin gestresst, ich sollte genau jetzt dort sein. Grummeln zwischen den übrigen Fahrgästen. Eine Durchsage, der Zug vor uns wird so schnell nicht wieder fahren, wir werden zur letzten Station zurückkehren, die Strecke ist bis auf weiteres eingestellt. Ich denke nach. Was der beste Weg von der letzten Station zum Coworking Space ist. Erstmal anrufen, dass ich später komme. Während es läutet, spaziert der Zugführer an der Ubahn vorbei. Wir setzen uns wieder in Bewegung, ich erkläre kurz die Situation. Ich solle mir ein Taxi nehmen, die Firma zahlt das. Ich hüpfe die Treppe hinunter, sehe mich um. Taxis. Die Station ist etwas abgelegen. Von allem. Ich beginne in die Richtung zu gehen, wo ich Taxis vermute, andere schauen ebenso ein bisschen verzweifelt umher, doch dort werden sie so schnell nicht wegkommen. Das erste Taxi fährt an mir vorbei, leider besetzt. Dann sehe ich noch eines, winke ihm zu, dann sehe ich erst, dass hinten jemand drinnen sitzt. Es fährt vorbei. Ich ärgere mich schon, überlege ob die Richtung überhaupt ideal ist, dann sehe ich wie das Taxi stehen bleibt, der Mann von der Rückbank aussteigt und mir zuwinkt. Ich laufe hin. Ob er auch in der Ubahn war und in die gleiche Richtung muss? Er ist gar kein Fahrgast, sondern ein Kollege, der gerade den Wagen übergeben hat. Ich sage dem Fahrer die Adresse und dass die Ubahn ausgefallen ist, er gibt es per Funk durch.
Beim Coworking Space angekommen, setzen wir uns zusammen. Wir bekommen einiges weiter, inspirierend und motivierend. Leider muss ich nach eineinhalb Stunden wieder weiter. Es geht in die Uni, ich bin spät dran.
Ich spüre den Hunger, erinnere mich daran, dass ich noch nicht einmal etwas getrunken habe. Das geht sich jetzt nicht aus. Ich hechte die Stufen nach oben und setze mich in eine der vorderen Reihen. Interessante Vorlesung. Es ist der erste Termin, sonst würde ich mir nicht so viel Stress machen pünktlich zu sein. Im Moment überlege ich noch, welche Lehrveranstaltungen ich besuche und welche nicht. Teilweise fliegt man raus, wenn man beim ersten Termin nicht anwesend ist.
Um halbvier die erste Pause. Ich gehe in den Supermarkt, möchte mir etwas zu trinken kaufen. Stehe vor dem Regal und kann mich nicht entscheiden. Denke kurz über die Preise nach. Dass ich am liebsten Leitungswasser hätte. Nicht wegen den Preis. Ich mag es einfach. Nehme dann einen Grüntee mit Pfirsichgeschmack. An der Kasse sagt eine älterer Dame der Kassiererin, sie hätte gerne einen bestimmten Kaffee, käme aber nicht dran, weil er zu hoch oben im Regal steht. Ich möchte ihn für sie runterholen, doch die Leute vor mir beschweren sich, dass ich mich vordrängen würde. Die Kassiererin ist schon aufgestanden und hat ihn geholt, während ich noch versuche mich zu erklären. Danach geht es zu einem Biobäcker. Ich war noch nie dort und er ist mir heute zum ersten Mal aufgefallen. Ich nehme ein Spinat-Feta Brötchen und ein Linzerauge. Ich weiß nicht, ob es der Hunger ist oder die Erinnerung an früher, aber es schmeckt großartig. Ich genieße jeden Bissen und muss daran denken was ich meinem Körper in den letzten Jahren zugemutet habe. Auch wenn Nahrung der größte Posten in meinen Ausgaben ist und ich mir manchmal tolle Dinge leiste, sind das eher Ausnahmen. Meist muss es schnell gehen und wenig Aufwand machen.
Um acht geht es weiter. Eine Einführungslehrveranstaltung. Hört sich inhaltlich gut an, aber das organisatorisches Vorgeplänkel nervt mich etwas. Der Akku des Laptops ist kurz vor dem aus, Mobiltelefon hat noch einen Strich. Am Heimweg ist auch der verschwunden.
Ich beeile mich, möchte noch kurz Frau Wunderbar hören bevor sie schlafen muss. Dann die Nachricht, dass ihre Internetverbindung Probleme macht. Zumindest schreiben wir etwas. Das tut auch schon gut. Morgen hoffentlich mehr.
Ich denke über New York und Kinder nach.
“Was machen wir hier eigentlich? Wir sollten im Bett liegen und schlafen. Nicht nur der morgige Tag ist anstrengend, die nächsten Monate werden es. Du hast viele Dinge versprochen. Wie willst du die alle halten, wenn wir hier draußen sitzen?”
Ich blicke auf, zeige auf die Sterne. “Glaubst du, dass unser Leben zusammenbricht, wenn wir nicht alles so erledigen, wie geplant?”
Viel zu lange habe ich mich selbst eingesperrt. Ich müsse die Zeit sinnvoll nutzen, dies sei zu erledigen und jenes. Und wenn das fertig ist, muss ich mich darum kümmern. Erst wenn alle Dinge abgeschlossen sind, kann ich mich um mich selbst kümmern. Eine große Lüge. Ich muss an erster Stelle kommen. Alles andere ist Zusatz. Ich opfere mich zu gerne auf, fühle mich dabei auch noch besser. Es tut weh. Manchmal bricht mein Inneres durch, ich kann für einen Moment nicht mehr atmen, bis ich mich erinnere was ich einmal war. Der kleine Junge und die Musik. Große Träume, kleine Ängste. Das möchte ich nicht verlieren. So wertvoll die Momente der inneren Zufriedenheit. Ich werde damit Menschen enttäuschen, doch wenn ich nicht mehr kann enttäusche ich noch viel mehr.
“Die Mischung macht es aus. Man kann Pläne ändern, Versprechen brechen, Dinge vergessen und sogar ignorieren. Macht man das aber öfter, wird es auf uns zurückkommen, über uns schwappen und uns begraben. Das möchte ich nicht. Das ist mindestens so unschön wie von den Dingen, die zu erledigen sind, gelähmt zu werden. Manchmal hilft es das grundsätzliche Verhältnis mit Menschen zu verändern, offen darüber zu reden und die gegenseitigen Erwartungshaltungen zu klären.”
“Du sagst das, als könnte man das so einfach machen. Mal schnell anrufen oder eine klärende Mail schreiben. Ich bin schlecht im Menschen enttäuschen und warte damit so lange bis sie sich enttäuscht abwenden.”
“Hör auf mit dem Unsinn. Du bist schon wieder dort, wo du nicht sein wolltest. Lass uns weiter spazieren.”
Ich sauge die Dunkelheit in mich auf. Sie füllt mich mit Kälte, die sich schnell in Wärme wandelt. Wege sind für Zeiten, wo man sich nicht leisten kann einen Umweg zu gehen. Wir steigen über eine kleine Hecke, vorbei an einem Pool, grinsen wenn wir Menschen vor ihren Fernsehern sehen. Die Häuser werden weniger, hügelige Wiesen und Obstbäume, die gerade kein Obst tragen.
“Ich bin froh wieder da zu sein.”
“Ich bin froh, dass du wieder da bist.”
Gestern hat die Uni wieder begonnen. Gestern ist mein Laptop kaputt geworden. Gestern war gestern.
Als ich heute heimkam, war ich müde und kaputt. Am Vormittag hatte ich endlich alle Anmeldungen erledigt und die Termine in den Kalender eingetragen. Mich dabei wieder einmal gefragt, wie Menschen das Studium ohne digitalen Hilfsmitteln überstehen, vielleicht sollte ich einmal eine Studie dazu machen. Am Nachmittag am Institut für Soziologie, das erste Mal. Eine tolle Dozentin, die Lehrveranstaltung wird fordernd aber interessant. Zumindest dachte ich bis die anderen Studierenden zu reden begannen. Ich bin wieder arrogant geworden, als ich hörte wie wenige Vorkenntnisse viele hatten und die Dozentin ihre Hoffnungen höher einzusteigen immer weiter reduzierte. Noch einmal Grundlagen machen. Es schadet mir nicht, abe es war ein kleiner Sturz nachdem meinen Augen schon etwas gefunkelt haben.
Zuhause habe ich die Jeans ausgezogen, mich ins Bett gelegt und wollte bald schlafen. Es war noch früh. Sehr früh. Vielleicht später etwas mit Frau Wunderbar reden, aber sonst sollte es ein entspannter Abend werden.
Auf Skype die Nachricht, ob wir heute bowlen gehen. Erst abgelehnt. Dann der Gedanke, dass ich dieses Jahr erst an vier Abenden etwas mit Freunden unternommen hatte. Wovon drei sportliche Tätigkeiten waren. Und wenn nicht heute, wann dann? Immer verschieben bringt auch nichts. Noch einen Freund überredet, der für uns mehrere Dinge versäumt hat. Einen weiteren konnten wir leider nicht mehr erreichen.
Dann noch der Anruf aus Boston. Mein langjährigster Freund. Zu lange habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen. Wir haben uns etwas über die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft unterhalten. Es hat mich gefreut, ihn wieder einmal zu hören und ich hoffe, dass wir es schaffen in Zukunft öfter zu telefonieren und uns irgendwann wieder treffen. Zugleich der Gedanke an die Freunde, die ich in Wien zurücklassen werde.
Zu spät dran. Aufstehen, Deo drauf, Haare ein bisschen herumschieben, Schuhe, Mantel und los. Zu Fuß durch die kühle Abendluft. Die Autos, die an mir vorbeifuhren, die Menschen die nicht lächeln, weil man das nicht tut. Ich bin zwischendurch gerannt. Meine Hosen werden eng. Ich muss mir neue Laufschuhe kaufen, nachdem die letzten verschollen sind. Das Wetter wird wieder besser. In der Früh eine Runde durch den Park. Für Körper und Kopf. Als ich ankam, den Eingang nicht gefunden, Freund angerufen, er hat mich abgeholt. Einmal um das Gebäude, hinten rein, den anderen Freund und seine Freundin gefunden. Drei Runden, die ich mit schwächelnden Punkten jeweils als Letzter beendet habe. Doch es tat gut wieder einmal raus zu kommen, es war schön ein paar Informationshappen von ihrer Costa Rica Reise zu bekommen, von Haien, Schlangen, Alligatoren und Sicherheitskontrollen. Dann wieder heim. Noch kaputter als zuvor, ein blutender Daumen, aber zufrieden. Mit der Welt. Ein bisschen.
Und morgen höre ich Frau Wunderbar wieder.
Anstatt die Geschichten mit mir herumzutragen, nutze ich jede Gelegenheit sie loszuwerden. Oder ich warte bis sie verschwunden sind. Und sie verschwinden schnell. Zu schnell.
Es wird wieder leichter. Das Leben. Vor zwei Wochen eine wichtige Prüfung geschrieben, heute eine entscheidende Arbeit abgegeben. Es tut mir gut Dinge abzuschließen. Auch wenn ich nicht ganz zufrieden mit ihnen bin. In dem Moment, in dem ich sie abschließe lösen sich die Sorgen, die durch meinen Kopf geirrt sind, auf. Ich kann mich auf neues einlassen.
Ich sitze im Zug zu meiner Freundin. Drei Wochen für uns. Die Zeit, die sie arbeiten muss, möchte ich nutzen um ein weiteres Projekt abzuschließen. Und um zu schreiben. Wieder einmal zurück blicken, Dinge verarbeiten, in die Zukunft blicken.
Umgeben von tollen Menschen. Mein Leben gleitet vor sich hin, es fühlt sich gut an, doch manchmal habe ich das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Überforderung, die sanft an meine Tür klopft und sie manchmal brutal eintritt. Das Zusammenbauen kostet Kraft, die ich nicht immer habe. Im Moment geht es mir gut. Die richtige Zeit um einiges zu reparieren, das in den letzten Monaten, Jahren kaputt gegangen ist. Anderes muss ich wegwerfen. Und mich daran gewöhnen, dass ich manche Zimmer nicht mehr abschließen kann.
Ich habe schon lange nicht mehr geträumt. Untertags. Die Nachtträume sind seit etwa einer Woche wieder hier. Nach Jahren der Abwesenheit. So viele Dinge, die ich mag, blockieren mich. Ich werde einen Mittelweg finden, wie ich miteinander vereinen kann. Nicht alles aufgeben muss.
Zu gern stelle ich mich selbst hinten an. Seit zwei Monaten lehne ich neue Projekte ab. Verweise Hilfesuchende an andere. Kein komplettes ignorieren, aber ein reduzieren. Mehr an meinen eigenen Träumen arbeiten. Hoffentlich wieder mehr Worte zu Sätze, zu txt zusammenfügen.
Ich lese eure Kommentare, aber bin nicht immer in der Lage direkt darauf anzuworten. Sprache ist etwas lebendiges. Jetzt wo alles etwas leichter ist, werde ich es öfter schaffen.
Menschen, die mir mit den Dingen helfen, in denen ich nicht so gut bin. Danke. Menschen, die wunderbaren txt schreiben. Danke. Menschen, die lesen. Danke. Menschen. Danke.
Zu langsam. Ich habe eine Entscheidung an mir vorbeiziehen lassen.
Als ich diesen Blog begonnen habe, wollte ich txt schreiben und sonst nichts. Ich wollte all den Geschichten den Platz geben, der ihren zusteht. Doch dann kam das Leben. Alles war etwas holprig, hier war der Ort wo ich es verarbeiten konnte. Dann kam noch mehr Leben. Ich habe mir nicht mehr die Zeit zum verarbeiten genommen. Das war falsch und ich merke es jedes Mal wieder, wenn ich beginne die Tasten zu berühren, aus den chaotischen Gedanken formen sich Sätze und beginne Zusammenhänge zu sehen. Zumindest bilde ich es mir ein.
Kleines Update für alle, die mich noch nicht vergessen haben.
Die Zeit bei Mia war wunderschön. Es fühlt sich so richtig an. Gemeinsam. Teilweise hatten wir so etwas ähnliches wie Alltag. Wir waren bei Freunden eingeladen, haben Freunde eingeladen. Vermutlich die schönste Zeit des Jahres. Neben dem Sommer. Die Nordsee. Ich versinke schon wieder in Erinnerungen, doch das ist es was mich durchhalten lässt. Gedanken an die wunderbaren Tage und Wochen, die wir hatten. Der Abschied war noch schwerer als sonst. Doch wir haben eine Entscheidung getroffen. Eine wichtige Entscheidung. Hochrational. Ich werde im Sommer zu ihr ziehen. Es ist das erste Mal, dass ich mit einer Freundin zusammenziehe. Es ist auch die erste Frau, mit der ich länger als ein paar Wochen zusammen bin. Es erinnert mich manchmal daran wie wenig Erfahrung ich eigentlich habe. Wir sind drei Jahre zusammen. Der Zeitpunkt ist gut.
Beruflich hat sich seit der Kündigung einiges getan. Ich habe an einem Buch mitgeschrieben und die dazugehörige Website, wo alle Buchinhalte kostenlos abrufbar sein werden gemacht. Beziehungsweise bin ich gerade dabei sie zu machen. Nächste Woche sollte sie fertig werden. Geplant war, dass sie Ende September fertig war. Das Projekt hat mich belastet, mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich gehofft habe. Es ist von allen Seiten nicht so rund gelaufen, am meisten gebe ich mir die Schuld selbst. Daneben habe ich das beste Angebot angenommen, das ich je bekommen habe. Ich mache mir etwas Sorgen, ob ich zu leichtmütig die Geldfrage schon wieder zur Seite geschoben habe. Das Projekt ist spannend, ich kann daran wachsen, kann viel machen. Kann zeigen wie gut ich bin. Doch es fordert ebenso viel Aufmerksamkeit. Weil ich nicht nur das gleiche und immer wieder gleiche machen muss, sondern neues. Ich habe wieder Speakeranfragen bekommen, bisher alles abgelehnt oder zumindest aufgeschoben. Eine kleine Veranstaltung des öffentlich-rechtlichen Radios, wo ich das Livestreaming gemacht habe.
Und dann ist da noch die Uni. Das Sorgenkind. Die Hölle. Ich dachte ich würde das alles schaffen, habe alle Prüfungen, alle Seminare gemacht. Doch nur die aus meiner Studienrichtung. Nicht die, die ich als Wahlpflicht machen muss. Diese habe ich vernachlässigt. All die Semester und das fällt mir jetzt auf den Kopf. Ich könnte heulen. Es fehlen mir noch zwei Prüfungen und zwei Arbeiten aus meinem Studium. Eine Prüfung schreibe ich in zwei Tagen, die Arbeit möchte ich in vier Tagen abgeben. Doch ich hätte zehn Prüfungen machen sollen oder zumindest fünf. Ich habe Angst vor der Prüfung, ich habe Angst, dass die Arbeit schlecht ist, ich habe Angst, dass ich das Studium nicht bis zum Sommer fertig bekomme. Möglicherweise ist es unmöglich es bis zum Sommer abzuschließen, da die Studienprogrammleitung mich nicht die Kurse wählen lässt, die ich möchte, die möglich sind sondern mir welche vorschreibt, weil ich mich nicht vor zwei Jahren darum gekümmert habe.
Es gibt für alles eine Lösung und ich habe verschiedene Möglichkeiten mit der Situation umzugehen, doch ich kann das nicht. Ich schaffe es im Moment nicht. Ich wünschte, ich hätte mich entschieden sofort zu Mia zu gehen, es wäre nur ein Semester mehr gewesen, das ich dort machen hätte müssen.
Ich versage.
Mein Beine halten nicht mehr still. Ich muss tanzen. Aufstehen und tanzen. Es ist egal, dass ich im Zug bn. Er ist überfüllt, ich hüpfe durch die Wagen. Sehe keine Menschen, spüre nur die Musik. Königskinder. Ich bin dankbar. Für so vieles. Die letzten Tage gehören zu den schönsten in meinem Leben. Ich kann es nicht fassen, nicht beschreiben nur das Gefühl ist da. Das schönste Geschenk war Zeitungspapier. Ein Moment der Verwirrung. Darin eingepackt Kopfhörer. Ich spürte sie, faltete das Papier auseinander, dann sah ich es. Ich musste den Namen nicht lesen, der Titel war noch im Kopf. Freude und ein Lächeln. Menschen, die mir wichtig sind. Man muss sich nicht täglich sehen, muss nicht ständig miteinander in Kontakt sein. Manchmal reicht es sich dreimal im Jahr zu sehen. Wir sind zusammen durch die Nacht getanzt. Das erste Mal #wasted. Die Treffen sind schwerelos.
Ich habe nur ein kleines Danke herausgebracht, wo ein wildes umherwirbeln angebracht gewesen wäre.
Ein Ordner in dem immer wieder Musik landet. Ich interessiere mich eigentlich nicht sehr dafür, bezeichne meinen Geschmack als deutschen Pop Rock mit internationalen Ausschwenkern. Und immer wieder versinke ich in den neuen Liedern. Nicht immer bekomme ich sofort mit, wenn etwas neues da ist. Freue mich, wenn ich irgendwann nachschaue. Warte mit dem anhören bis ich dazu Zeit habe. Meist nachts. Die Titel fliegen an mir vorbei, doch die Musik bleibt. Ich nehme sie mit, höre sie unterwegs. Schreibe dazu.
Ich habe einen Plan. Für mein Leben. Zumindest die nächsten Monate. Will das Studium bestmöglich abschließen, um danach gehen zu können. Ein neues Abenteuer. Mit vielen Herzchen und Sternen. Gemeinsam mit ihr.
Danke. Für alles. An alle.
In einer Woche geht es zu Mia. Ich freue mich darauf. Sehr.
Monate seit wir uns das letzte Mal gesehen, gespürt haben. Auch wenn ich jeden Abend ihre Stimme habe, zerfrisst mich die lange Zeit. So oft möchte ich ihr einen kleinen Kuss auf die Wange geben, sie umarmen oder einfach ihre Hand halten.
Ich schließe die Augen. In Gedanken schon bei ihr. Wie sie mich am Bahnhof abholt. Wir uns fest halten. Minutenlang. Die Welt dreht sich weiter, wir steigen für einen Moment aus. Ihr Geruch, ihre Haut, ihre Lippen. Ich sehe in ihre Augen, lächle, küsse sie. Mein Körper ist voll Wärme und zittert doch. Drei Jahre und noch immer verliebt. Sehr.
Manchmal mache ich mir Gedanken, ob es verschwinden wird, wenn wir zusammenziehen. Es wird sich ändern. Aber niemals verschwinden. Hoffe ich. Sowas kann man nicht wissen, nicht vorhersagen. Doch man sollte sich keine Sorgen machen.
Vorfreude bis unter die Haare. Meine Finger die es nicht erwarten können durch ihr Haar zu fahren. Mein Kopf, der den ihren berühren möchte. Meine Hände, die die ihren halten möchten.
Nicht mehr lange.
Weil ich immer wieder verzweifle. Eine Nachricht mich umhaut und ich Stunden brauche mich wieder aufzurappeln. Ein Zündholz, das vom Auto zerfetzt wird. Ich suche all meine Stücke. Verstreut durch die Gedanken in der Nacht. Eingesammelt und wieder zusammen geklebt. Immer wieder. Seit Jahren. Ich bin nur ein kleines kaputtes Stück.
Die Kraft, die mich zusammenhält. Alle anderen, die sie brauchen, die sie haben. Die Welt voller gebrochenen Wesen, die nicht aufgeben, wo es manchmal so einfach erscheint. Aufzuhören, sich alles anzutun und stattdessen frei zu sein. Es wäre nur das Ende von einer Möglichkeit. Die Möglichkeit mehr zu sein. Etwas verändern, und sei es nur man selbst.
Ich liebe die Musik, die Worte, wenn sie rausgeworfen werden, unbekleidet und einsam. Sie lösen Gefühle aus ihren Versteifungen, lassen den Atem stocken, um danach den Kopf wieder geordnet zu haben. Mehr Raum, neue Ideen, kleine Dinge, die man übersehen hat. Die, die das Leben so schön machen. Froh zu sein. Es hilft.
Doch dann kommen die Worte der anderen, die es kaputt machen. Die Musik zerredend. In mir geht etwas kaputt. Ich sollte es mir nicht anhören und schaffe es nicht abzudrehen. Und dann ist es vorbei und geht weiter. Ich vergesse und versinke wieder. Weil das gut ist. Wie es ist. Ohne Kommentar und Analyse.
Texte sind Worte. Ich muss machen, was ich kann. Was mir Spaß macht. Heute nur wirr, doch es geht weiter.