29. Mai 2011 um 23:36 |
Manche Nächte sind schwerer als andere.
Voller Kopfschmerzen und Übelkeit versuche ich mich unter der Decke zu verkriechen. Noch Schlaf erhaschen bevor mich der Tag erschlägt. Piep Piep. Gestern ausgemacht ich würde mich mit einer Freundin und ihrem Kind M treffen. Nicht wissend, dass ich erst um vier ins Bett komme und schlecht schlafe. Die Krankheit, die ich seit einer Woche verschleppe. Der Rauch, der mir den Rest gegeben hat. Sie holen mich am Nachmittag ab. Ich habe Zeit mich zurechnungsfähig zu bekommen. Eine Tablette, viel Wasser und etwas Brot. Bevor ich mich übergebe, lege ich mich wieder ins Bett. Auf die Wirkung der Tablette warten.
Wir sind im Park. Die Sonne scheint. M hält sich an meinen Händen fest und erkundet die Umgebung. Ihr brabbeln und glucksen erfüllt mich mit Freude. So unbeschwert. Später sind wir in der Sandkiste. Ich baue eine Elefantenherde. Zwei Kinder kämpfen mit Stöcken. Ich erinnere mich an meine Kindheit und drehe dann mit M noch eine Runde. Wir schicken meiner Freundin ein Foto von M und mir. Bevor wir gehen erfreut sich M an den Geräuschen, die mein Gesicht machen kann.
Mein Körper gibt mir Bescheid, dass die Tabletten aufhören zu wirken. Ich entscheide mich dagegen noch eine zu nehmen. Irgendwo die Hoffnung, dass er sich ohne schneller heilt. Stehe in der Küche und schneide Zwiebel. Das Curry wird viel zu scharf. Während ich es esse, schaue ich Videos über Sprache und Zeit. Meine Gedanken beginnen wieder in alle Richtungen zu schlagen.
Nur ein paar Worte. Ich bekomme Angst. Angst alleine zu sein. Ein Gefühl, dass ich das letzte Mal vor über zehn Jahren hatte.
“Ich bin immer an deiner Seite”
Danke.
15. Mai 2011 um 16:31 |
Ich halte nichts von Diäten. Manchmal fühle ich mich fett.
Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich aussehe oder was andere von mir halten. Soweit ich mich erinnern kann. Von meiner Mutter habe ich gelernt, dass ich viel Vollkorn essen soll. Dass Zucker nicht so toll ist. Dass Obst und Gemüse frisch am besten für mich sind. Wir hatten einen kleinen Garten, Kartoffeln kamen vom Feld neben dem Haus und die Milch brachte ein Bauer zweimal die Woche in einem Kübel an die Haustüre. Ich lernte zu kochen und zu backen. Süßigkeiten gab es nur selten. Mir wurde niemals gesagt, dass ich sonst dick werde, sondern dass ich so stark und groß werde. Alles andere wäre auch lächerlich. Gegen Ende der Volksschule und mit Anfang des Gymnasium, wurden erstmals Mädchen interessant. Und das Körperbewusstsein veränderte sich. Ich habe erstmals Ablehnung erfahren und wie vermutlich viele Jugendliche meinen Körper gehasst. Ich fand mich unförmig und hässlich. Alle anderen sahen viel besser aus. Ich würde niemals glücklich werden. Dann lag ich auf dem Balkongeländer und hörte depressive Musik. Die Jahre vergingen und es veränderte sich wenig. Andere begannen “gingen” mit jemanden und beendeten es wieder. Ich blieb alleine. Könnte auch daran liegen, dass ich es immer beim gleichen Mädchen versucht habe. Ich führte es nicht nur auf meinen Körper zurück, aber zu einem großen Teil. Mein Verhalten könnte ich doch ändern und so wollte ich immer wieder wissen, was andere denn von mir möchten. Wie ich mich richtig verhalte. Irgendwann versuchte ich abzunehmen. Funktionierte nicht wirklich. Dann ließ ich es wieder. Wirklich akzeptiert habe ich meinen Körper immer noch nicht, aber es wurde signifikant besser, als ich fühlte, dass Frau Wunderbar mich so liebte wie ich bin.
Schönheit.
Es wird oft reduziert. Man selbst sieht die Waage. Diese eine Zahl, die alles bedeutet. Zahlen machen vergleichbar. Das Gewicht ist Schwachsinn. Niemand interessiert sich dafür wie viel jemand wiegt, außer um zu vergleichen. Wenn man mit Freunden durch die Stadt geht, fallen einem möglicherweise Menschen auf, die man schön empfindet. Wenn man sich darüber unterhält, ist es schwer zu begründen, warum man die jeweilige Person schön findet. Es kommen allgemeine Begriffe, wie Figur, Kleidung, Stil, Gesicht oder ähnliches. Ich würde niemals sagen, weil die Person einen so tollen BMI hat oder weil sie so wenig wiegt. Manche Menschen finden dünn schön. Sehr wenige finden mager schön. Eigentlich niemand findet abgemagert schön. “Aber die Models”, höre ich jemanden sagen. “Framing”, sage ich. Models sowie berühmte Personen werden oft als schöner wahrgenommen. Doch zu schnell nimmt man sich den Faktor Gewicht heraus und schreibt die Schönheit, diesem einen Faktor zu. Models ohne dem Kontext, dass sie Models sind, ohne Schminke und ohne der passenden Kleidung werden nicht mehr so perfekt wahrgenommen, sondern als das was sie oft sind. Abgemagert. Berühmte Menschen werden von Menschen, die nicht wissen, dass sie berühmt sind, nicht als so schön wahrgenommen. In Magazinen sieht man Momentaufnahmen. Eines von hunderten Fotos. Das Ergebnis von stundenlanger Arbeit. Nachbearbeitet.
Dass ich wenig von Gewicht halte, sollte inzwischen klar sein. Selbst im Verhältnis zur Größe ist es für die Empfindung von Schönheit unwichtig. Nicht einmal der Umfang interessiert mich. Schönheit ist das Resultat einer Vielzahl an Faktoren und für jeden anders. Drei haben sich für mich als besonders wichtig herausgestellt. Wie eine Person spricht, wie sie sich bewegt und wie gesund sie aussieht. Andere würden das vielleicht unter dem Begriff Ausstrahlung zusammenfassen.
Es war mir früher nie bewusst, wie sehr ich auf die Stimme von Personen achte und dass dies essentiell ist, damit sie mir sympathisch ist. Dazu zählt alles mögliche. Von der Sprechgeschwindigkeit, über Höhen und Tiefen, Emotionalität, Dialekten bis hin zu den benutzten Worten. Die meisten werden jemanden kennen, über den sie sagen, dass er toll aussieht bis er den Mund aufmacht. Um überhaupt den Körper einer Person toll zu finden, muss ich die Stimme mögen. Es hilft nicht, wenn man noch so perfekte Maße hat, aber nicht schön sprechen kann. Vielleicht müsste man es allgemeiner als Sympathie beschreiben. Als Vorraussetzung und als intervenierender Faktor von Schönheit. Es verändert wie ich Menschen wahrnehme.
Zwischen Sprache und Bewegung ist Lippenbewegung und Gesichtsausdruck. Lese ich im Gesicht, was die Person sagt oder ist es starr und emotionslos? Wie bewegen sich die Lippen? Es sind Bewertungen, die unbewusst ablaufen. Ich schaffe es nicht alles auf den Ursprung zurück zu führen, sondern nur Hinweise zu finden. Es ist mir wichtig wie sich Menschen bewegen. Was genau relevant ist, kann ich nicht sagen. Das Gegenteil davon wie sich Menschen bewegen, die betrunken sind, trifft es recht gut. Wie greift man nach Dingen, verändert sich die Art der Bewegung aufgrund von Emotionen, ist man trittsicher oder stolpert man oft, geht man aufrecht oder gebückt, passen die Bewegungen zusammen? Noch ohne Bewertung, ob es positiv oder negativ ist. Models gehen über den Laufsteg, eine einstudierte Bewegung, die gute empfunden wird, wenn sie sie so ausführen, wie wir es erwarten. Ginge ich so spazieren, würden die Menschen mich eher für verrückt als schön halten. Ich mag selbstbewusste Menschen. Ich mag es aber auch, wenn jemand zeigt, dass er menschlich ist. Fassaden sind in Ordnung, aber dürfen nicht zwanghaft aufrecht gehalten werden. Wie sitzt jemand, wie setzt man sich hin und wie wieder auf? Sind es perfekte Bewegungsabläufe oder natürliche? Wirkt es angestrengt oder entspannt? Und wieder kommt es auf die Situation an.
Gesundheit ist ein tolle Begriff, um ihn in Schönheit zu verpacken. Es gibt zwar Ausnahmen, in denen ich Menschen, die alles andere als gesund sind, als schön empfinde, aber dies ist meist eine abstraktere Art von Ästhetik und hat mit dem Alltagsbegriff Schönheit nur noch wenig zu tun. Gesundheit drückt das breite Spektrum von Schönheit besser aus, als Schönheit selbst. Zugleich ist es mir wichtiger, dass ein Mensch fit ist, als dass er den perfekten Körperumfang hat. Jemand der nach ein paar Stufen außer Atem ist, ist nicht schön. Egal ob er außer Atem ist, weil er zu viel wiegt oder zu wenig Muskeln hat. Auch hier geht es Ausnahmen, die aber vor allem dadurch bestimmt sind, dass es andere Gründe für Atemlosigkeit gibt. Ich finde mehr Sport wichtiger als weniger essen. Wobei ich muskelbepackte Menschen nur selten als schön beschreibe. Es geht um einen gewissen Mittelweg, der für jeden anders ist. Gesundheit hat wenig mit dem reinen Gewicht zu tun. Auch nicht mit Form oder Größe. Guter Richtwert ist, wie fit man sich selbst fühlt. Und das ist überhaupt das wichtigste.
Wer schön sein möchte, muss man nicht, sollte sich nicht so sehr um den Körper kümmern, sondern vor allem um sich selbst. Man muss sich wohl fühlen, um schön zu sein. Dazu muss man einerseits in sich selbst gehen und sich bewusst werden, dass man ein toller Mensch ist und andererseits sich mit tollen Menschen umgeben, die einen toll finden, so wie man ist. Wie man spricht und sich bewegt wird so unterschiedlich wahrgenommen und empfunden, dass man sich gar nicht zu viele Gedanken darüber machen sollte. Manche Menschen, werden es schön finden, andere nicht. Das gleiche gilt für Kleidung und Körperform.
Ihr seid toll. Hört endlich auf euch Sorgen zu machen.
10
08. Mai 2011 um 17:25 |
Ich weiß nicht wo ich hinwill, aber bilde mir ein alles ging einfacher wenn es so wäre.
Ein Regenschauer zieht über die Stadt. Ich sitze vor dem Fenster und sehe den Tropfen zu, wie sie auf die Straße prallen. Aus dem hellen grau wird ein dunkles. Und dann ist alles benetzt. Noch bevor sich Bächlein bilden, die den Schmutz in den nächsten Kanal spülen, hört es wieder auf. Noch einige Minuten Wolken und die Sonne ist wieder da. Kein Regenbogen. Keine schwere Luft. Ein kurzer Schwall und alles ist vorbei.
Meine Lampe hat noch immer keinen Schirm.
Bald vier Jahre arbeite ich an einem Abschluss, dessen Nutzen ich nach dem ersten Semester begann anzuzweifeln. Ich habe gelernt wie das System Wissenschaft funktioniert und wie es unsere Unis nicht tun. Habe erfahren wie die Medien in diesem Land ticken und wie man glaubt, dass die Menschen damit umgehen. Habe Arbeiten geschrieben, die nur überflogen wurden. Ich habe Menschen getroffen. Das gehört zu den besseren Dingen. Momentan ist es ein Abwarten. Keine Motivation, wo es nur noch zwei Monate sind. Zwei Monate, in denen ich mich zusammenreißen sollte und dann bin ich fertig. Der einzige Sinn, dass ich irgendwann, irgendwo etwas neues machen kann und nicht von vorne anfangen muss. Das System sagt, ich würde vier Jahre verlieren. Ich schüttle den Kopf und trete ihm in den Bauch. Systeme erhalten sich selbst. Systeme kennen keinen Schmerz. Hämisches Lachen.
Ich sehe Menschen um mich herum abschließen. Weitergehen. Ich möchte etwas heulen. Habe ich mir abgewöhnt. Passiv. Ein Ranking erscheint. Ich sei einer der Besten. Der Beste. Ich weiß nicht was ich bin. Andere hüpfen um mich herum, zeigen immer wieder drauf. Ich zucke mit den Schultern. Zu gering die Bedeutung. Während ich darüber nachdenke, dass mehr schief gelaufen ist, als ich mir zugestehe, sehe ich andere denen es ähnlich geht. Für einen Moment in Ordnung fühlen, um dann wieder zu fallen.
Ich habe ihr versprochen nicht mehr so zu sein. Ich versage.
Niemand kann mich ändern, wenn ich nicht selbst dazu bereit bin. Es gefällt mir nicht mich in meiner Überforderung zu suhlen und doch mache ich es. Es ekelt mich vor mich selbst. Du erreichst so viel. Sagen sie. Du bist super. Sagen sie. Ich könnte so viel mehr sein. Sage ich. Dann sei es. Sagt sie. Ich schweige. Oft analysiert, Lösungen gefunden. Und gescheitert. Am winzigen ersten Schritt. Ich bin entscheidungsschwach. Das Leben begrüßt mich jeden Tag mit neuen Möglichkeiten. Ich starre es an. Frage was denn was sei und was dann passieren wird. Es schaut mich an, das müsse ich schon selbst rausfinden. Ich lehne ab. Das Leben und mich selbst.
Idiot.
Dann setze ich mich an den Computer, schreibe einen Text und irgendwie ist alles gar nicht so schlimm.
Fang endlich an.
Bitte.
4
05. Mai 2011 um 01:30 |
Sie haben mir gesagt, ich hätte meine Worte verloren. Die Bäume strichen sanft über die Scheibe, meinem Blick folgend. Nur ein paar Schritte. Ich bin das stolpern inzwischen gewohnt. Große und kleine Löcher, die ich ausfülle. Man vergisst so leicht. Vielleicht war es der Kurznachrichtendienst. Schöne Texte. Ich mag schöne Texte. Und Stimmen. Ich solle Dinge rauswerfen, damit es sich die anderen bequem machen können. In breiten Sesseln, während ich laufe und Getränke bringe. Unangenehm die stehenden Menschen. Fast hätte ich die wunderbaren Pflanzen geopfert.
Der Text hat mich gestreift. Und mich dann von hinten überfallen. Erinnerung an Silvester vor einem Jahr. Frau Wunderbar ist auf der Trage gelegen und ich konnte nichts machen.
Die Blätter wirbeln durch den Raum. Zwischendurch Noten. Am Boden sitzend greife ich danach. Ein Lächeln. Verwirrte Blicke. Wärme. Ich öffne das Fenster, um die Bäume herein zu lassen. Barfuss über die Wiese laufen. Dinge, die man für Menschen tun kann, die man nie getroffen hat.
Ich wünsche dir gute Besserung.
3
06. April 2011 um 11:52 |
Es ist dunkel, wenn mein Handy mich weckt. Die Kopfschmerzen mit denen ich eingeschlafen bin. Fünf Stunden um achthundert Seiten zu lesen. Drei Jahre in denen ich das Studium vernachlässigt habe. Es nervt mich, wenn ich immer wieder über die gleichen Dinge schreibe. Die Überforderung, mit der ich nicht wirklich zurecht komme. Doch es sind die Gedanken, die jeden Tag durch meinen Kopf schlagen und ich mich nicht zu wehren weiß. Nicht die Entschlusskraft etwas zu beenden. Die Hoffnung irgendwie alles zu schaffen. Und dann die fehlende Motivation alles dafür nötige zu tun. Die Stunden in denen ich in die Passivität flüchte. Nichts machen. Nichts denken. Nicht sein.
Es ist dunkel, wenn ich heimkomme. Die Welt dreht sich weiter. Ich habe kein großes Ziel. Sehne den Sommer herbei. Danach kommt die Leere. Ich wollte einmal Schriftsteller werden. Tag für Tag geht es weiter. Ich weiß, dass die Dinge, die ich mache, sich gegenseitig im Weg stehen. Ich kann Menschen nicht enttäuschen und mache es doch. Entscheidungslos.
Es gibt viele kleine Lichter in meinem Kopf, die mich jeden Tag begleiten. Gedanken an und von Menschen. txt.
Irgendwann werde ich auch leuchten.
6
05. April 2011 um 00:01 |
Man hat mich für verrückt gehalten. Eine Fernbeziehung. Mit jemanden, den man noch nie getroffen hat. Der über achthundert Kilometer weit weg ist. Zu den man mehr als acht Stunden mit dem Zug fährt. Wo keine gemeinsame Zukunft in Sicht ist. Der älter ist.
Wir haben nicht auf sie gehört und es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Es war kompliziert. Sehr kompliziert. Immer wieder Tränen, mein Herz das kurz vorm zerbrechen war. Unsere zarten Gefühle, die immer wieder auf die Probe gestellt wurden. Es hat viele Schmerzen gegeben, doch ich würde es wieder machen. All die Schwierigkeiten auf mich nehmen. Auf uns nehmen.
12 Buchstaben, drei Worte, eine Bedeutung.
Ich erinnere mich noch an die erste Nacht. Als ich zitternd vor dem Bildschirm saß. Ich hielt dich zuvor für unerreichbar. Viel zu großartig für mich. Jemand, den man heimlich verehren kann, aber nie auch nur eine Chance bekommen würde. Doch dann warst du da. Der Cursor blinkte. Immer wieder haben wir unsere Sätze gelöscht. Konnten nicht glauben, dass wir beide Gefühle hatten. Es schien wie ein Traum.
Später deine Stimme hören. Ich kannte sie schon. Sie ist wunderschön. Lange Pausen. Verliebt. Schüchtern.
Aus den vorsichtigen Annäherungen wurden starke Gefühle.
Das erste Mal dich am Bahnhof sehen. Umarmen. Küssen. Nähe.
Die erste Nacht. Glücklich.
Der erste Sex. Nervös.
Es gab keinen Moment in dem in bereute. Die Abschiede taten weh, doch das Wiedersehen hat alles wieder gut gemacht. Manchmal waren es nur ein paar Tage, manchmal mehrere Wochen, die wir miteinander verbracht haben. Du bist das wichtigste in meinem Leben geworden. Oft hatte ich Angst etwas falsch zu machen, doch du hast mir die Angst genommen. Wir sind gemeinsam auf Urlaub gefahren, haben gemeinsame Freunde eingeladen, sind ausgegangen. Und dann ist am Horizont die gemeinsame Zukunft aufgetaucht. Erst nur eine Idee, die sich langsam gefestigt hat.
Zusammenziehen. Noch vier Monate.
Du machst mich glücklich.
Ich liebe dich.
17
03. April 2011 um 00:34 |
“Wir sollten schon längst weg sein.”
Er liegt am Sofa, den Kopf über die Lehne herunterhängend. Das Haus gehört irgendeinem Kunden, wir sollten ein paar Dokumente holen. Es ist klassisch eingerichtet. Viel Ahorn, etwas Mahagoni. Ich kenne mich mit Holz nicht besonders aus. Dunkel, poliert. An den Wänden Malerei aus dem siebzehnten Jahrhundert. Oder später. Ein Luster, der das Licht in tausend Stücke zerbricht. Die Fenster sind von schweren, roten Vorhängen verdeckt. Ich setze mich wieder an den Tisch. Fotos einer Frau liegen darauf ausgebreitet. Nichts unanständiges, dennoch hat es eine komische Wirkung auf mich. Möchte sie ständig neu anordnen. Ich unterdrücke die Bewegung meiner Hand. Ein kurzes Zucken bevor sie wieder hinuntersinkt. Die kalten Metallstifte berührt, mit denen das Leder am Stuhl befestigt ist. Langsam hebt er den Kopf, sieht mich an. Ein trauriges Lächeln. Seine Leben in einem einzigen Gesichtsausdruck zusammengefasst. Ich kann nicht wegsehen. In mir zieht sich alles zusammen. Langsam. Es schnürt den Magen ab, die Lunge, dann die Luftröhre und zuletzt die Ohren. Die Geräusche sind nur noch ein fernes Brummen. Tinnitus.
Ich habe aufgehört es zu versuchen. Menschen retten.
4
27. März 2011 um 11:46 |
Mir ist es unangenehm wenn ich darüber schreibe, was alles nicht funktioniert in meinem Leben. Die Ausbreitung meines Selbstmitleids, das in Relation so wirkt als würde sich jemand nicht entscheiden können, welche seiner hunderten Unterhosen er anziehen sollte. Doch ich lebe nicht relativ, sondern es ist mein Leben und meine Gefühle. Vergleiche helfen lediglich soweit, dass ich mich noch schlechter fühle, weil es anderen schlechter geht und ich an meinem Überfluss zerbreche.
Als ich nach “Taumelnde Fetzen” gefragt wurde, ob alles in Ordnung ist, habe ich bejaht. So war es auch. Es ging mir bestens und ich fühlte mich wohl wie schon lange nicht mehr. Ich habe nicht darüber geschrieben, obwohl ich wollte. Warum ist für mich nur teilweise nachvollziehbar. Glücklich sein gibt keine gute Geschichten. Sorry. Zumindest war es für mich immer einfacher melancholisch triefende txte zu schreiben. Meist über die Liebe. Das ist seit drei Jahren der Bereich, in dem ich immer glücklich bin. Manchmal frage ich mich selbst, wie es möglich ist, doch dann freue ich mich einfach darüber und zerbreche mir nicht länger den Kopf. Das restliche Leben spielt Achterbahn. Ein ständiges Auf und Ab, enorme Beschleunigung und manchmal abruptes Bremsen. Manchmal wird mir übel. Das Problem ist, das die Achterbahn meine Gefühlswelt ist, während es nur wenige Bezugspunkte dafür im täglichen Leben gibt.
Noch vier Monate. Ich flüchte mich in eine Zukunft, die ich nicht kenne. Ich baue einen Druck auf, der nötig ist, mich aber zerquetscht. Ich fordere mehr von mir. Um dann zu versagen. Schaffe es nicht einfache Aufgaben zu erledigen, schaffe es nicht aufwändige Aufgaben in kleinere zu zerteilen. Suche ständig die Ablenkung, die meinen Kopf mit Informationen überflutet und verhindert, dass ich mich mit den Problemen meines Lebens auseinandersetze. Mit jeder Stunde, die ich mich nicht damit beschäftige, die nicht nutze um Dinge zu erledigen, steigt die Angst etwas zu machen, weil das Versagen immer näher rückt. Es ist dumm. Ich weiß, dass es dumm ist. Ich mache es trotzdem. Das Wissen über das eigene Versagen schmerzt mich am meisten.
Ich habe einen gewissen Hang zur Selbstüberforderung. Im Moment gibt es leider eine Diskrepanz zwischen wollen und tun. Eine Grenze überschritten und nun sollte ich mich zurück kämpfen. Um die von mir gesteckten Ziele zu erreichen.
Und sonst werde ich Hausmann.
4
21. März 2011 um 18:55 |
Ich schreibe ein Buch mit, mache Lehveranstaltungen für vier Semester in einem, baue eine Website, habe einen großartigen Job und versuche wieder zu bloggen.
Mir geht es gut. txt gibt es wieder sobald, mein Kopf aufhört zu schmelzen.
2
10. März 2011 um 19:32 |
Es könnte schlimmer sein. Kleiner Dramaprince.
Ich will schreien, laufen, alles hinwerfen. Alles vergessen. Das Problem ist nicht, dass es ist wie es ist, sondern was in meinem Kopf ist. Dass ich das Gefühl habe nicht kontrollieren zu können. Die Löcher bin ich gewohnt. Tiefe Gruben in die ich hineinstolpere und es mir die Luft abschnürt. Alles ist schrecklich. Richtig übel.
Schreiben sortiert. Manchmal. Den Kopf. Gerade schaffe ich es nicht. Schaffe keine klaren Sätze mehr. Alles was rauskommt, sind verstümmelte Satzstückchen. Kann nicht beschreiben, was es ist, das mich so wahnsinnig macht. Es ist einfach da. Und es tut weh. Und zwickt Und brennt. Ich will es rausreißen, wüsste aber nicht einmal wo ich anfangen sollte. Die letzten Wochen. Tage. Eigentlich funktioniert es. Mein Leben. Und zugleich bricht es zusammen.
Ein bisschen Struktur. Ein paar Dinge, um die ich mich nicht kümmern muss. Über denen ich mir den Kopf nicht zerbreche. Das ist doch alles scheiße.
Selbst wenn ich nur versuche, den ganzen Müll loszuwerden, muss ich daran denken, was die Leute denken werden, wie sich die Beziehung zu mir verändert, wie hilflos sie mich sehen. Masken, die man jahrelang bearbeitet hat, die so gut gepasst haben, zerfallen.
Am Wochenende war ich Krankenhaus. Blut erbrochen. Aber es sei alles in Ordnung. Sagen die Ärzte.
Ich bin von mir enttäuscht, dass ich die Dinge nicht schaffe, die andere von mir erwarten. Die ich zugesagt habe. Die Diskrepanz zwischen Soll und Sein.
Und dann denke ich wieder daran, dass ich einfach noch nicht die Erfahrung habe, die ich brauche. Im Leben. Um mir diese Stabilität hätte ohne zusammenzufallen. Seit ich in Wien bin, ist es ein Hochseilakt.
Ich habe Angst vor Abhängigkeit.
Diese Maske für alle, die so greifbar ist. Jeden kennt, mit allen gut kann. Aber wenn jemand greift, geht es ins Leere.
Keine Ahnung.
Tolle Menschen. Richtig großartige, die sich um mich kümmern und ich schiebe sie weg.
Weil ich nicht weiß was los ist. Weil ich das Gefühl nirgends festmachen kann. Eine Ahnung. Das ständige herumlaufen. Auch wenn nichts neues dzau gekommen ist, sind es noch viele Dinge. Der immer wieder scheiternde Versuch zu priorisieren. Wichtig, wichtig und wichtig. Zumindest geschafft, ein superwichtig für bestimmte Menschen zu schaffen.
Und dann sitzt du in der Uni und bist kaputt. Nichts funktioniert und du bist nicht mehr fähig etwas daran zu ändern.
Zusammenreißen.
Es geht weiter. Es wird besser. Nur ein Tief.
Kein Mitleid. Keine Tipps. Danke.
8