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Verliebt

Ich saß mitten in einem Termin, hatte meinen Laptop aufgeklappt um etwas zu zeigen, als sich mein Mail-Programm zu Wort gemeldet hat. Nur ein kleiner Einser hinter dem Titel. Mein Gesprächspartner hat es nicht mitbekommen. Während er noch spricht, drehe ich den Bildschirm zu mir und öffne die Inbox. Für ein paar Minuten werden die Stimmen gedämpft und ich höre ihre Stimme in meinem Kopf.

Spitznamen, die aus einem Spaß entstanden sind. Wir haben sie beibehalten. Vertrautheit.

Alle Gefühle in Worte zu packen, wo viele nach schweigen verlangen. Sich in die Augen sehen und verstehen. Die Wärme spüren. Ein sanfter Kuss.

Wir stehen im warmen Sommerregen und genießen. Den wunderbaren Moment.

Gemeinsam spazieren wir durch die Welt. Du erzählst mir von den Wolkenöfen und glitzernden Steine, ich passe auf, dass du nicht stolperst. Wenn dir kalt ist wärme ich dich. Du bringst die wunderbaren Farbkleckse in mein Leben. Zwischen all den Zahlen und grauen Plänen beginnt es zu leuchten. Meine graue Stadt beginnt zu leben.

Fragmente aus meinem glücklichen Kopf. Gedanken und Gefühle.

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Der dritte Abgrund. Die Arroganz.

Losgelassen. Ich lebe aus dem Koffer. Seit zwei Jahren. Und müsste ich noch heute Nacht hier raus, würde es mir leicht fallen. Besitz gibt Sicherheit und hält auf. Was ich brauche ist soziale Nähe. Meine Kontakte sind über mehrere Länder verteilt. Hunderte Personen, mit denen ich mich auf einen Kaffee treffen und losplaudern kann. Kein umständliches kennen lernen, kein Wort über das Wetter. Wer nicht passt wird aussortiert. Nur das beste. Auch wenn sie in klassischen Denkweisen als durchgeknallt gelten mögen. Manche. Ich mag sie. Ein Netzwerk, das mich auffängt. Aufgebaut über mehrere Jahre, tausende Stunden, die ich investiert habe. Es hat sich gelohnt. Ich vertraue darauf, dass es mich auffängt. Egal in welcher Situation. Es nimmt mir die Angst vor der Zukunft. Zugleich habe ich gelernt, mich um das eigene Wohlergehen zu kümmern. Flexibilität. Wie man Kartoffeln anpflanzt, Getreide ohne Maschinen erntet, wissenschaftliche Arbeiten schreibt, Fenster putzt, kocht, recherchiert, Websites erstellt, Dinge verkauft. Drei gute Jobangebote abgelehnt. Eines mit von der Firma gestellter Wohnung. Ich kann machen, was mir Freude bereitet. Man muss mich hassen.

Ich erkenne Situationen schneller und setze mein Wissen so ein, dass es nicht nur der Sache hilft sondern auch mir. Irgendwann hat die Spirale begonnen, sich zu drehen und seitdem muss ich nicht mehr viel machen, um weiter zu kommen. Sich selbst zur Marke machen. Verkaufen. Aber niemals abheben. Nicht alle wissen, was sie an mir haben, aber manche. Sie schätzen es und ich bin ihnen dankbar dafür. Ich habe gewisse Mechanismen gelernt und nutze sie. Versuche dabei niemanden zu schaden, habe mich mehrmals zurückgehalten, wo es leicht möglich gewesen wäre. Menschen, die nicht verstanden haben, was ich mache. Wie ich es mache. Sie haben sich sofort angegriffen gefühlt. Ich habe mich hingestellt, sie haben sich nicht getraut, mir gegenüber zu treten. Ein Lachen. Idioten. Man kann nicht die ganze Welt retten. Zuerst kommt man selbst, dann kann man dazu übergehen, sich um den Rest zu kümmern. Jedenfalls in diesem System. Ich kenne andere, wo es darum geht, sich um andere zu kümmern. So viel angenehmer. Aber sie sind klein und nur selten für die Gesellschaft relevant. Wer von außen schreit, wird das System nicht bezwingen können. Man muss mit dem System arbeiten, sich einnisten und es verstehen lernen, dann kann man langsam beginnen Schalter umzulegen, Abkürzungen nehmen, frei sein. Man muss nur aufpassen, dass das System einen nicht erkennt und isoliert. Schade, dass man nicht speichern kann.

Manchmal treffe ich Menschen, die ich gerne begleiten möchte. Von denen ich glaube, dass ich etwas lernen könnte. Und sie von mir. Menschen, bei denen man erst auf den zweiten Blick erkennt, wie gut sie eigentlich sind. Jeder kann sich auf den Hügel stellen und verkünden, dass er der König ist. Spannender sind jene, die in der Masse stehen und diese lenken können. Oder die Gänge unter dem Hügel kennen. Ich lasse mich inspirieren und hoffe das gleiche zu tun. Freundschaft.

Weil ich nicht behaupte der beste zu sein, fühle ich mich besser. Ich stelle jeden in Frage, der sich über andere stellt, und mache es dadurch selbst. Ich renne nicht umsonst mit Kaputzenpulli durch die Gegend. Er ist angenehm und verschafft ein geiles Gefühl. Ebenso der Mantel meines Großvaters. Und sein Sakko. Die Masken hängen fein säuberlich an der Wand und sie wählen mich nach Bedarf. Wie viele Menschen bekommen nur die polierte zu Gesicht. Sie glänzt nicht, viel mehr ein mattes leuchten. Nicht zu offensichtlich sein und ihnen doch das Gefühl geben, dass etwas dahinter ist. Was glänzt, danach greifen sie. Ich will aber, dass sie fragen. Winzige Augen starren mich an. Ich lächle. Erzähle. Ein bisschen überraschen, aber nicht verstören. Dafür sind die meisten nicht geschaffen. Man muss nicht alles in Frage stellen, um jemanden zum denken anzuregen.

Freiheit bedeutet Abhängigkeit. Manchmal.

Es gibt keine Wahrheit und wer zu sehr von sich selbst überzeugt ist, wird belächelt. Ich lerne gerne andere Welten kennen. Schaue mich in ihnen um und nehme manchmal etwas um. Der größte Erfolg wäre eine neue Maske. Man kann mehrere zugleich aufsetzen und so durch die tiefe Schwärze leuchten.

Je länger man sich im System aufenthält, je mehr Punkte man untersucht, desto weniger Ehrfurcht hat man davor. Hinter den Fassaden findet man meist das gleiche Material. Es ist bloß Farbe, die uns zurückschrecken lässt. Noch gibt es kein Gebäude, das man nicht zu Fuß erklimmen könnte. Auch der höchste Berg, in all seine Massivität wird Stück für Stück abgetragen.

Ich lache sie aus. Und fühle mich dabei schlecht. Meine eigene Überheblichkeit macht mir zu schaffen und dadurch werde ich noch arroganter.

Kraft

Ich bin bei dir.

Das Leben mancher Menschen, so scheint es, ist ein ständiger Pfeil nach oben. Sie haben keine Probleme in der Schule, keine Probleme in der Arbeit, keine Probleme mit der Familie. Sie verdienen gut, haben eine tolle Wohnung, nette Freunde. Ihre Kinder sind die besten in der Schule und der Sex ist auch großartig.

Ich glaube nicht an perfekte Leben. Was keine Makel hat, ist eine Lüge oder eine Ausnahme in der Welt, indem jeder mal oben und mal unten ist. Viel wahrscheinlicher ist es, dass manche Leben vor sich hin schleichen, ohne großen Vorkommnissen, weder jene, bei denen man hochspringt, noch jene, die einen auf den Boden drücken, und manche einer Achterbahn gleichen. Keines ist gleich. Auch wenn man glaubt schon ganz unten zu sein, kann man nochmal fallen. Je höher man ist, desto tiefer fällt man und desto mehr Zeit hat man, sich wieder zu fangen.

Glück sollte man teilen. Mit Menschen, die man liebt, fliegt es sich noch schöner. Gemeinsam kann man sich später an die Momente erinnern, wo das Leben einen hochgehoben hat. Man konnte die Sterne fühlen, während einem die Sonne den rücken wärmte. Auch Leid sollte man nicht für sich behalten. Menschen leiden mit, aber wenn sie stark genug sind, können sie den Sturz bremsen. Sie sollten mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, um festzuhalten, wenn die eigenen Füße ins schwanken geraten. Und sie sollten keine Angst davor haben mitgerissen zu werden. Nichts schmerzt mehr, als einen geliebten Menschen auf dem Boden zu sehen. Liegt man neben ihm, kann man vielleicht schon wieder lachen und sich gemeinsam aufhelfen.

Kein Moment, in dem ich nicht an dich denke. Kein Moment. Ich liebe dich. Und ich werde nicht zusehen, wie es dir schlecht geht. Nicht zulassen, dass du weiter fällst. Ich bin hier und ich stehe gut. Meine Hände sind stark und können dich halten. Meine Füße uns beide. Und wenn du dich wieder erholt hast, wirst du wieder selbst gehen. Ich werde neben dir herlaufen und aus dem lächeln nicht mehr herauskommen. Pures Glück, das mich in dem Gedanken durchströmt. Ich weiß, dass du stark bist und ich weiß, dass wir uns nicht einfach aufgeben. Dafür haben wir noch zuviel vor.

Ich bin hier.

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