18. Oktober 2011 um 17:32 |
Die Schweißausbrüche sind zurück. Wenn die Musik beginnt und meine Finger die Tasten berühren.
Auf dem Weg nach Wien. Neun Stunden Zugfahrt. Ich kann mir schöneres vorstellen, bevorzuge es jedoch gegenüber dem fliegen, weil ich Zeit spare. Zugzeit kann ich nutzen, Flugzeit nicht. Außerdem kommt beim Flugzeug das ganze rundherum dazu. So sitze ich hier mit meinem Laptop, Linkin Park im Ohr. Ein Kleinkind läuft durch den Gang und sieht mich an. In mir die Gedanken.
Die letzten Wochen waren nicht einfach. Geprägt von Liebe und Angst. Solange W. an meiner Seite war, ging es mir großartig. Doch ich habe nichts weiter gebracht, habe nicht geschrieben und nicht gearbeitet. Sobald sie weg war ist an die Stelle der Zufriedenheit Zweifel getreten. Dass ich das alles nicht schaffen würde, der Schritt zu groß war. Mehr ein Sprung. Über einen tiefen Graben.
Dies ist der Ort für meine Gedanken. Txt. Ich versuche mit meinem Leben zurecht zu kommen, wie jeder andere auch. Manche machen sich mehr Gedanken, andere weniger. Ich mag Menschen, die sich in Frage stellen, die das Leben nicht so hinnehmen, wie es vor ihnen liegt. Doch dieser Selbstzweifel bremst, bringt ins Wanken und manchmal stürzt man. Löcher voller Selbstmitleid und man genießt die Stille. Selbstmitleid beruhigt. Nimmt Verantwortung. Es ist gut hin und wiede die Dinge von sich wegzuschieben, tief in einem bleibt der Druck und kommt meist zurück, wenn man wieder empor steigt. Manchmal treibt er an, manchmal stoßt er zurück. Lernen damit umzugehen.
Ich sehe Menschen, die vorpreschen. Die Menschen, die sie auf dem Weg umrennen, sehen sie nicht. Hören auch nicht die Schreie und wundern sich, wenn sie von einer wütenden Meute eingeholt werden. Sie sehen das Ziel, sie sehen sich, sie lieben das Gefühl des Laufens. Oft sind sie zufrieden. Mit sich selbst. Die Welt ist scheiße, doch das ist nicht ihr Problem. Sie kämpfen sich durch. Sie gewinnen. Meist.
Jeder macht sich Gedanken. Wie viele und worüber ist der Unterschied. Kategorisieren funktioniert nicht. Es würde das Leben einfacher machen. Doch man hat Angst davor Dinge zu übersehen.
Es fällt mir schwer anzufangen, es fällt mir schwer fertig zu werden. Die erste Hälfte funktioniert am besten. Ich erfasse schnell, liefere tolle Vorarbeit, kann meine Gedanken ausformulieren, umsetzbar machen. Doch die Umsetzung selbst fällt mir schwer, das Abschließen von Dingen. Ich möchte es nicht perfekt haben, aber es selbst für gut befinden. Man sagt mir, dass es das ist, doch ich sehe es nicht, ich weiß, dass es schlecht ist. Dass ich es besser kann. Aber ich mache es nicht.
Kurz vor Deadline hilft mir die Dinge in dem Zustand zu beenden, in dem sie sind. Ich möchte nicht unter Zeitdruck arbeiten und neige dazu mich abzuwenden, wenn jemand versucht mich dazu zu bringen. Es ist nicht leicht mit mir zu arbeiten.
Morgen beginnt eine zweitägige Konferenz. Ich sitze auf einer Podiumsdiskussion, halte einen Vortrag und leite einen Tisch bei einem Worldcafé. Vorbereitet habe ich noch nichts.
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10. Oktober 2011 um 10:38 |
Montagmorgen. Fast Mittag. Ich sehe aus als wäre ich gerade aus dem Bett gefallen und fühle mich in etwa so. Mein Magen ist unzufrieden. Nur die Boxen stimmen. Wie so oft. Ich spiele Musik der anderen. Schöne Musik, die mich beruhigt und mich ein paar Zeilen schreiben lässt ohne in Starre zu verfallen.
Das Leben, das es so gut mit mir meint. Ich glaube an keine höhere Macht. Also sind es die Menschen, die es gut mit mir meinen. Ich mag Menschen. Das Problem, mein Problem, ist was ich daraus mache. Warum ich es so mache weiß ich nicht. Will ich nicht wissen, verdränge es. Heute soll das große Abenteuer beginnen. Erst einmal über die Ebene kommen. Kleine Schritte. Vorwärts. Immer weiter.
Mir ist viel gutes widerfahren, ich hatte eine schöne Kindheit, meine Schulzeit war, so schlecht es mir oft ging, so sehr ich alles hasste, immer noch besser als die von vielen anderen. Ich gehöre nicht zu dem einem Prozent, aber irgendwo bei den fünf bis zehn dürfte ich dabei sein. Glaube ich. Meine Eltern finanzieren mich. Bescheiden aber ausreichend, um viele Dinge zu machen. Allen voran das Studium. Und was habe ich gemacht? Überzogen und nun in einer demotivierten Phase, wo ich zweifle, ob ich den Abschluss möchte. Die Universität, die sich Mühe gibt und mich dennoch enttäuscht. Wie ich sie. Ich war nie ein guter Schüler, auch kein guter Student. Jedenfalls gemessen an den Werte der Systeme. Noten. Jetzt kämpfe ich mit mir, dass ich die letzten Arbeiten und Prüfungen schreibe. Um irgendwann weiter machen zu können. Aber ich weiß nicht, ob ich es will.
Bekannt geworden bin ich dadurch, dass ich Menschen an meinem Leben teil haben ließ. An meinen Gedanken. An meinem innersten. Ich muss schreiben. Ohne schreiben verfalle ich. Melancholischer Dünnschiss. Immer mehr Menschen, die mich kannten, ich veränderte mich, weil wenige damit umgehen können, dass Menschen menschlich sind. Menschen müssen ihre Masken tragen und diese muss stabil sein, sonst kann man sie nicht einsortieren, sonst wird die Welt zu kompliziert und es fällt schwerer sich zu orientieren. Das schreiben für mich verschwand, die Bewegung reichte aber, um mich weiter zu katapultieren. Ein paar kluge Worte über dies und jenes, ein paar Vorträge und ein geschicktes darstellen der Dinge die man macht. Ich machte mich zum Produkt und das war erfolgreich. Im Hintergrund war ich noch immer ich, doch verdeckte es, verheimlichte es. Die wichtigsten Dinge passierten, weil Menschen an mich glaubten. Weil sie was sie aufgebaut hatten, aufs Spiel setzen, um mich weiter zu bringen. In meinem Fall waren es vor allem Frauen, die die wichtigsten Hebel betätigten. Sie selbst blieben meist im Hintergrund. Nicht immer war ihnen bewusst, was es für mich bedeutete. Ich habe nie komplett versagt, dennoch immer wieder das Gefühl enttäuscht zu haben. Ich möchte niemanden mehr enttäuschen. Wenn man nichts tut enttäuscht man und kann sich dabei verstecken. Es gibt keinen Knall, sondern ein langsames Ausbleichen.
Viele Freunde hatte ich nie. In Wien viele Bekannte, die mir teilweise sehr nahe standen. Aber Freunde nicht. Nur zwei Freunde, mit denen ich länger als vier Jahre in Kontakt blieb. Ich lasse verfallen, was ich mir aufbaue. Möchte es nicht. Lasse im Stich. Übernehme mich und statt zumindest teilweise zu erfüllen, verkrieche ich mich in einer Höhle bis alles vorbei ist, bis alle verschwunden sind. Angst vor Bindung, Angst vor dauerhaften. Während meiner Zeit in Wien habe ich keinen Schrank gekauft. Die meiste Zeit lebte ich aus zwei Koffern. Die gleichen mit denen ich in die Stadt gekommen war. Um mir die Illusion aufrecht zu erhalten, jederzeit flüchten zu können. Und dann war ich weg. Ich vermisse die Menschen.
Mein Problem ist mein Kopf. Ich sehe die Dinge komplex. Das hilft mir Fehler zu vermeiden. Von manchen, die nur sehen was ich mache, als toll befunden zu werden. Die Menschen sehen nicht, was ich nicht mache. Wo ich gar nicht beginne. Ich bin der Fehler. Es zu erklären fällt mir schwer. Ich weiß, was ich falsch mache und zugleich schaffe ich es nicht, es anders zu machen. Man fühlt sich gefesselt. Vor einem der Berg, der ganz unmöglich ist zu besteigen. Immer wieder probiere ich verschiedene Methoden aus. Kleine Happen machen, das große Ganze nicht beachten, sondern auf den nächsten Schritt konzentrieren. Oft verliere ich mich dann in Organisation. Der Berg bleibt und ihn auszublenden ist mir fast unmöglich. Nur wenn ich in einen Rausch verfalle, ein Problem finde, an dem ich mich festbeiße. Dann löse ich Dinge im vorbeilaufen, es fällt mir fast nicht auf, weil meine ganze Konzentration bei der einen Sache ist. Früher gelang es mir fast täglich. Ich habe nächtelang Dinge vorangetrieben, war verwundert, wenn es andere überraschte. Kannte keinen geregelten Alltag, weil ich von Problem zu Problem stolperte, die ich umarmte und an ihnen wuchs. Jetzt stagniere ich. Fühle mich krank, mache mir Sorgen um alles, hasse mich selbst. Ein langes Tal. Ich stolpere vor mich hin, nehme Umwege, um den Problemen nicht zu begegnen. Alles macht mir Angst.
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09. Oktober 2011 um 20:13 |
Es hat mit der Pubertät begonnen. Und ich habe danach gesucht.
Ich sitze in der Küche und warte darauf, dass die Pizza fertig wird. Auf einem Zettel steht, was ich machen muss. In neun Schritte. Pizza auf Rost. Mittlere Schiene, 200 Grad Celsius. Zehn bis fünfzehn Minuten backen.
Das ständige auf und ab. Früher habe ich es gerne mit der Metapher der Achterbahn beschrieben. Inzwischen halte ich bergsteigen für passender. Die Aufstiege sind meist anstrengend. Je anstrengender, desto lohnender. Wenn man in der Nacht geht, die Finsternis auf sich nimmt, wird man mit atemberaubenden Sonnenaufgängen belohnt. Außer die Wolken verdecken die Sicht. Dann müsste man noch höher steigen. Nicht immer hat man die Kraft dafür. In Berghütten kann man sich ausrasten, doch bleibt man zu lange, verliert man die Motivation. Und der Proviant kann auch ausgehen. Plötzliche Wetterumschwünge erzwingen den Abbruch. Stolpert man, fällt man tief. Schnell bricht man sich etwas, bleibende Schäden bis hin zum Tod. Wälder erschweren die Planung, das voraus schauen, doch schaut man sie sich genauer an, erkannt man die Schönheit und kann sich auf dem weichen Moos ausruhen.
Der Käse schmilzt, die Pilze beginnen zu schwitzen. Erste Düfte steigen mir in die Nase. Ich stelle mir den Geschmack der Pizza vor, wenn sie meine Zunge berührt, ich herzhaft abbeiße. Kunspriger Boden, saftige Tomatenstücke, kräftige Gewürze und frischer Rucola mit breiten Parmesanspänen.
Seit Monaten, beinahe einem Jahr, sitze ich in einer Alm. Ich sehe aus dem Fenster und es ist nebelig. Manchmal höre ich es in der Ferne donnern. Immer wieder packe ich meine Sachen und wage einen Aufbruch. Manchmal weiter, manchmal kürzer. Selten bin ich aus dem Nebel hinausgekommen, meist heulend wieder zurück gelaufen. In der Hütte fühle ich mich sicher. Dieses trügerische Gefühl. Ich esse immer weniger, damit der Nahrungsvorrat länger hält. Werde schwächer. Weiß schon nicht mehr, wie es ist von einem Gipfel zu blicken, den nächsten zu sehen, Lust auf mehr zu haben. Stattdessen hülle ich mich in dicke Decken und höre am Kamin den Geschichten der anderen Wanderern. Ich könnte ihnen ferner nicht sein.
3. Aufs Holzbrett legen, kleinschneiden; Mit Rucola + Parmesan + Schinken dekorativ belegen; Etwas Balsamicodressing drauf + etwas Pfeffer
4. ins Wohnzimmer bringen
5. Küssen
Meine Freundin gibt mir Halt und Kraft. Jeder Tag, an dem ich zu zerbrechen drohe. Ein Blick genügt, eine Berührung und ich bin wieder da.
Ich habe Angst, dass ich nie wieder los komme. Dass die Gipfel, die ich erklomm, oft nebenbei, fast durch Zufall, die höchsten Bleiben. Mich diese Starre nicht mehr los lässt. Vor ein paar Wochen hat mir ein Freund ein Buch gegeben. Ein Buch, das vieles erklärt und mich doch im ungewissen lässt. Ich wünschte mir, dass es stimmt und doch machte es mir Angst. Dann bin ich auf die Suche gegangen, nach den kleinen Beweisstücken aus der Vergangenheit. Ich hatte es irgendwo im Kopf, aber nicht mehr genau. Bin in die Heimat gereist und nach einigem Suchen hielt ich es in der Hand. Hundertachtundzwanzig. Von hundertzehn bis hundersechsunddreissig. Mit wenigen Menschen das Thema angesprochen. Einmal etwas länger darüber gesprochen. Vielleicht ist es die Karte, die mir gefehlt hat. Damit ich weiß, dass ich es schaffe. Und wenn nicht ist es auch ok.
6. Glücklich sein
7. Ich liebe dich
8. Nom Nom Nom + Mjam
9. Nachtisch ist auch da. Einfach in den warmen Ofen.
Morgen werde ich den Kamin ausmachen und zum nächsten Gipfel aufbrechen. Wünscht mir Erfolg.
06. Oktober 2011 um 12:51 |
Kurz vorm durchdrehen. Seit Tagen, Wochen, Monaten. Verfallen in einen Zustand der Stagnation. Spiralen. Immer tiefer. Bis alles festsitzt. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal geweint habe. Ich weiß so vieles nicht. Und ich habe Angst. Angst, dass meine Befürchtungen stimmen. Angst, die mich umschmiegt. Sobald ich meine Hand ausstrecke, schnürt sie meine Kehle zu. Ich erschlaffe.
Alles Ausreden. Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nicht, wohin ich will. Ich weiß gar nichts und all die Identitäten sind nichts mehr wert. Wozu baut man sich etwas auf, wenn man es dann nicht nutzen kann? Am meisten hasse ich mich selbst. All die Menschen, die mir sagen, dass ich das nicht soll. Dass mich das nicht weiterbringt. So großartige Menschen. Alle mit ihren Schwächen und Problemen. Aber großartige Menschen. Meine Freundin, die mich trägt. Mich hält. Alle lächeln mich an, wollen mir helfen. Doch wenn ich die Hand ausstrecke.
Nach der Pubertät wird es besser. Die Hormone spielen dann nicht mehr ganz so verrückt. Ich sehe mich wieder auf dem Geländer des Balkons liegen. Ein prägendes Bild meiner Jugend. Alleine. Kopfhörer in den Ohren. Gänsehaut. Vor meinen Augen zieht die Welt vorbei. Traurigkeit.
Das Leben selbst in die Hand nehmen. Jetzt leben. Nicht in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit. Genießen. Ich habe eine wunderbare Frau an meiner Seite, eine Arbeit, wie ich sie mir erträumt habe. Freunde. Ich habe eine gewisse Bekanntheit erlangt. Mein Leben leuchtet. Ich tue es nicht.
Statt mich zu ändern suche ich Gründe. Verantwortung abschieben. Meinen Willen raus lassen. Es muss Dinge geben, die Schuld sind. Die mich einsperren. Doch ich darf es nicht herausfinden, sonst könnte ich mich damit beschäftigen. Könnte mich ändern. Könnte zufrieden sein.
Es zerreißt mich.
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21. September 2011 um 13:30 |
Ich wache in der Regel zweimal auf. Manchmal auch dreimal. Das erste Mal, wenn der Wecker klingelt und Mia aufsteht. Dann döse ich eine halbe Stunde und sie verabschiedet sich. Je nach Müdigkeit schlafe ich dazwischen nochmals. Das nächste Mal ist meist um neun Uhr, wenn ich aufstehe. Ohne Wecker. Free running sleep. Und so. Jedenfalls war das am Donnerstag anders.
Verschlafen blicke ich auf den Wecker. Acht Uhr. Ich muss weggenickt sein. Aber warum hat sie sich nicht verabschiedet? Schlief ich so tief? Habe ich es vergessen? Ich weiß es nicht. Geräusche. Vielleicht will die Katze raus. Kann auch noch etwas warten. Kommt sonst auch erst raus, wenn ich auf bin. Ein scheppern. Ob etwas runtergefallen ist? Vielleicht ist Mia etwas passiert. In der Dusche eingeschlafen? Ich werfe die Decke weg und springe auf, fünf Schritte, dann sehe ich sie in der Küchentüre. Dahinter Kerzen, der Tisch voller Leckereien. Ich schaue sie fragend an. »Ist heute nicht Donnerstag? Musst du nicht arbeiten?« Sie lächelt mich an. »Du hast Geburtstag.« Ich schaue verwirrt. Heute? Ich wusste, dass es irgendwann in den nächsten Tage wäre, aber schon heute? Dann umarme ich sie, küsse sie. Mein Kopf ist noch nicht ganz angekommen, aber ich freue mich. Wahnsinnig.
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10. Juli 2011 um 19:06 |
Wir wollen alle leuchten.
Die letzte Woche war eigenartig. Es geht dem Ende zu. Ich freue mich, wenn es vorbei ist.
Ich bin mit zwei Koffern nach Wien gekommen und besitze vier Jahre später noch immer keinen Kasten. Es war nie geplant Wurzeln zu schlagen. Am liebsten hätte ich die Koffer nie ausgepackt, um sie jederzeit nehmen zu können und weiter zu ziehen. Jetzt sind sie wieder mit Kleidung gefüllt und neben ihnen stehen drei Kisten. Langsam leert sich das Zimmer. Bei jeder Sache, die ich in die Hand nehme, überlege ich, ob ich sie mitnehmen will oder ob ich sie einfach wegwerfe. Ich sollte eine Kiste füllen, die ich einer wohltätigen Einrichtung gebe oder wer auch immer sie haben möchte. Alles könnte man irgendwann brauchen, aber das meiste braucht man nie. Vier Säcke mit Kleidung habe ich schon in den Container geworfen. Auf dass sie jemand anderen wärmen. Gedanken, ob man das Preisschild abschneiden sollte oder sich niemand dafür interessiert. Das Shirt, das ich trage ist fünfzehn Jahre alt.
Paralysiert. Tagelang vor dem Bildschirm sitzen, ihn anstarren, anschreien, aufspringen. Die Hände in die Luft geworfen, den Körper gegen die Wand. Kaltes Wasser. Ich berufe ein Treffen mit Motivation und Selbstvertrauen ein. Beide schauen mich verwundert, was ich von ihnen will. Sie sollen öfter bei mir sein. Sie sollen mir helfen die Dinge zu tun, von denen ich weiß, dass sie richtig sind, weil es kein falsch gibt. Bevor ich fertig bin, fließen sie durch meine Hände. Eine Träne. Auf Verzweiflung ist Verlass. Gemeinsam mit Wut und Hasse ziehe ich um die Häuser.
Die Hoffnung, dass alles anders wird. Durch ein Wunder, das es nicht gibt. Nur ich selbst kann mich verändern. Nur ich selbst. Doch ich drehe die Musik lauter und verweigere. Die Realität und mein Leben.
Vielleicht bin ich noch nicht bereit dafür. Mein Leben ist Sicherheit. Ich bin gut darin, diese zu erhöhen. Manchmal wünschte ich, man würde mir den Boden wegziehen. Wie früher. Wo ich plötzlich nicht mehr konnte. Wie alles kaputt war und ich gezwungen habe, mich zu ändern. Heute kann ich fallen und werde vom Boden abgefedert. Mein Leben ist Sicherheit. Ein System, das sich selbst zu erhalten versucht und dadurch langsam stirbt. Die Nacht kuschelt sich an mich.
Was erwarte ich vom Leben? Die Fragen kommen zurück. Ohne Antworten.
Ich muss aufstehen. Beginnen zu gehen. Laufen. Stolpern, stürzen, aufstehen. Weiter. Immer weiter.
Es würde mich freuen, wenn ihr mitkommt.
8
05. Juli 2011 um 23:49 |
Sieben Prüfungen in einer Woche. Es wurde mir gesagt, dass dies verrückt sei. Es war nichts besonderes, nichts auf das man stolz sein könnte. Nur am Ende bin ich in einen Art Rausch verfallen, weil ich gemerkt habe, dass ich besser werde, dass mir wenige Stunden reichen, um erfolgreich zu sein. Systeme erforschen und nicht wie vorgegeben nutzen. Vier von sieben Prüfungen als erster verlassen. Das System erwartet, dass man hunderte Stunden investiert. Etwas das fast niemand macht. Moral ist sekundär.
Im Moment beschäftigt mich die Frage der Berühmtheit. Ob es das ist, was ich will. Oder ist es nur ein weiteres Ziel, das man sich vorgaukelt, von der Gesellschaft übernommen hat, um Orientierung zu haben und wenn man es erreicht, ist man nicht zufrieden. Anerkennung. Es gibt Menschen, die großartige Dinge tun. Dinge, die ich nicht kann und Dinge, die ich stümperhaft kann. Schreiben. Ich bewundere andere Menschen und prangere mich selbst an, dass ich es nicht öfter mache, dass ich nicht mehr übe, nicht besser werde. Immer wieder die gleichen Dinge. Selbst wenn sich ein eigener Stil herausbildet ist es nichts, wofür man sich an mich erinnern wird. Vielleicht wird es so etwas nie wieder geben. Elite sind wir.
Ständige Angst zu versagen. In allem. Manchmal wird mir bewusst, wie brüchig mein Leben ist und wie stabil im Vergleich zu anderen. Ich. Ein Stocken. Andere Künste erscheinen begehrenswerter. Fähigkeiten. Ich kann Worte zu Sätzen zusammenfügen. In einer Sprache. Ich kann mit Menschen reden. Zuhören. Grundvorrausetzungen zum Leben. Der ständige Blick zu anderen. Vergleiche. Dummes Kind.
Ich schätze das Sein zu wenig. Den Prozess des Werdens. Akzeptiere nicht, dass es das Ziel zwar gibt, aber es mich niemals glücklich machen wird. Utopie. Ich muss mir Zeit nehmen das alles zu verstehen. Mich verstehen. Ein bisschen.
2
12. Juni 2011 um 16:59 |
Ich habe die Metaphern für mein Leben verloren. Keine Geschichten, die nach außen drängen, keine. Neben mir liegt Werkzeug.
Beim letzten Umzug bin ich mit Kisten in der Ubahn gestanden. Stück für Stück wurde in die neue Wohnung gebracht. Die Möbel wurden von einem VW Bus gebracht. Dieses Mal werde ich nichts großes mitnehmen. Ein paar Bücher, Kleidung, Laptop. Der Rest wird verkauft oder verschenkt. Ich mag den Gedanken. Mich wieder von all den Dingen befreien. Als ich nach Wien gekommen bin, hatte ich lediglich zwei Koffer und einen Rucksack. Aus diesen habe ich die letzten vier Jahre gelebt. Vorgenommen einen Kleiderschrank zu kaufen, aber mir nie die Zeit genommen. Jetzt brauche ich ihn nicht mehr. Drei Säcke Kleidung habe ich schon gespendet, zumindest einer soll noch folgen. Es sind gute Sachen, aber ich ziehe sie nie an. Am liebsten würde ich die zwei Koffer packen, ein paar Dinge in den Rucksack geben und vielleicht noch eine Kiste für Unterlagen und Bücher. Dann die Wohnung verlassen und offen lassen. Soll sich jeder bedienen, der etwas braucht. Doch so wird es nicht funktionieren. Also Fotos machen, online stellen und die Leute sollen vorbeikommen. Ich habe keine Zeit dafür. Irgendwie wird es klappen.
In zwei Wochen sind Prüfungen. Acht Stück habe ich mir vorgenommen. Schaffe ich alle und funkt mir niemand dazwischen, bin ich dann fertig. Sobald ich die letzten drei Arbeiten abgegeben habe.
Sommer ist Aufbruch. Sommer is Neuanfang. Sommer ist Leidenschaft.
6
09. Juni 2011 um 23:57 |
Arztpraxis. An den Wänden hängen moderne Bilder. Der Boden Holz, kein Parkett, sondern wie versiegelte Spanplatten. Er fühlt sich angenehm an. Ein Meter achtzig. Am Tag zuvor noch gelesen, dass dies wohl der Konsens zwischen den Männern sei. Vielleicht sind es auch auch die ärztlichen Messgeräte. Wie groß ich bei der letzten Messung war. Ich weiß es nicht mehr. Vor Jahren bei der Musterung. Ich dachte ich sei fünf Zentimeter größer. Unwichtig.
Auf die Waage. Zwei kalte Metallplatten je Fuß. Siebenundachtzig Kilogramm. Dreiundzwanzig Prozent Fettanteil. “Herr Looka, sie sind leicht übergewichtig.” Ich weiß.
Blutdruck, Lunge, Rücken, alles in Ordnung. “Kommen wir zu den Blutwerten.” Erhöhter Cholesterinwert. Mehr Fisch wäre eine Lösung, ich esse jedoch keinen Fisch. Dann Fischkapslen. Oder Leinsamen. Hört sich schon besser an. Ich schaue die versperrte Tür zur Straße an. Farbige Fenster, wie man es von Kirchen kennt. Ich war noch vor der offiziellen Öffnungszeit da. Wie ausgemacht. Das leere Wartezimmer ist angenehm. Keine hustenden Leute, keine lauten Gespräche. Ich stecke Geldtasche und Mobilgerät wieder ein, die ich vor dem Wiegen auf den Tisch gelegt habe. Erhöhter Harnsäurewert. Ich muss an meinen Vater denken, der immer wieder Schmerzmittel nahm. Verbringe zu wenig Zeit mit ihm. Meine Familie hat mich in den letzten vier Jahr fast nie gesehen. Die Schwester gerade auf Weltreise. Gicht ist eine Erbkrankheit. Viel Wasser trinken, kein Alkohol, wenig rotes Fleisch, nicht rauchen, kein Kaffee. Bewegung.
“Den Befund können sie mitnehmen.”
Eine Schilddrüsenfehlfunktion. Sie wird durch eine erhöhte Ausschüttung des Thyreoidea stimulierenden Hormon durch die Hypophyse ausgeglichen. Sollte weiter untersucht werden. Überweisung ins nuklearmedizinische Institut. Ich binde die Schuhe. Die ersten Patienten kommen ins Wartezimmer. Sodbrennen und Zungenbelag deuten auf ein Problem mit dem Magen hin.
Den restlichen Tag verbringe ich mit einem wunderbaren Mädchen.
1
02. Juni 2011 um 20:36 |
Sechs Wochen.
Ich mag Zeit. Vergänglichkeit. Perspektive. Hoffnung. Früher habe ich mich dagegen gewährt, Zeit sei bloß eine Erfindung der Menschen. Nur existent in unseren Köpfen, manifestiert durch die Uhren an unseren Händen. Doch das ist auch die Liebe. Nur eine Kombination aus elektrischen Impulsen und chemischen Verbindungen. Und doch so wunderschön. Es sind Dinge, die wir erschaffen haben, um dem Sein Sinn zu geben, um gemeinsam zu sein. Ein Fundament auf dem wir aufbauen können. Zeit und Liebe sind Kommunikation, wie es auch Geld ist. In sich selbst ohne Bedeutung. Erst durch uns verwandelt in etwas schönes oder schreckliches.
Die Wohnung ist gekündigt. Das Studium wird hinterher hinken, doch alle Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht werden mit Semesterende erledigt sein. Danach kommt ein kleiner Kampf, was man mir zugesteht und was nicht. Als Alternativplan die Fortsetzung des Studiums in einer anderen Stadt. Unterstützung bei der Arbeit, auch wenn es in einer wichtigen Phase ist. Bei der vorherigen Firma wurde mir von der Beziehung abgeraten. Doch das ist Vergangenheit. Meine Zeit ist zu kostbar, um mich damit zu beschäftigen.
Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen werde. Im Kopf regelmäßige Besuche. Zurück denken wie selten ich es geschafft habe zu ihr zu fahren. Ich möchte den Kontakt nicht verlieren. Neue Umgebung, neue Kontakte. Die meisten meiner Freunde sind online und über die Welt verteilt. Nur wenige, die mir so nahe sind wie diese. Entscheidungen müssen getroffen werden. Manche schmerzen mehr.
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