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Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.

Losgezogen um das Leben kennen zu lernen. Es ist knapp drei Jahre her, dass ich meine Heimat verlassen habe. Unterwegs war ich schon länger. Der kleine Junge, der genug hat vom Leben. Ich habe mich vermutlich nicht besonders von den anderen unterschieden. Die erste Liebe, unglücklich. Sieben Jahre habe ich mich daran festgeklammert. Das war nicht ganz gewöhnlich und dann habe ich entdeckt, dass vieles anders scheint als es ist. Ich bin geflüchtet in eine Welt, wo ich mich selbst definieren konnte und nicht davon abhängig war, was andere über mich sagten. Ging es daneben, konnte ich von vorne beginnen. Die Kontakte nicht zu nahe kommen lassen, damit es nicht weh tut, wenn sie wieder verschwinden. Ich habe gedacht, ich würde mit den anderen experimentieren, doch am Ende war es ich selbst, über den ich mehr erfahren habe.

Das schreiben hat mir immer geholfen. Am Boden zu bleiben und abzuheben. Ich habe zurückgeschaut, was ich alles geschafft habe und was nicht. Was mir gefallen hat. Mit einem Gedanken in der Zukunft. Da könnte es hingehen. Kleine Filme, wie es aussieht. Es gab Texte, die mir gezeigt haben, wo ich hin möchte. Grenzen sollen fallen, über sich selbst hinauswachsen. Ich kann es nicht glauben, wie weit ich gekommen bin. Dinge von den ich geglaubt habe, dass sie wichtig sind, haben sich als nichtig herausgestellt. Andere dafür sind in den Mittelpunkt gerückt. Ich habe noch immer ein Problem damit, wenn mir etwas zu nahe kommt. Angst ich könnte daran zerbrechen. Oder jemand anders. Nähe bremst. Den Fall. Das musste ich lernen. Es geht manchmal sehr schnell hinauf und dann ist es gut, wenn man nicht alleine ist. Einsamkeit ermöglicht großartige Texte, aber machen auf Dauer nicht glücklich. Jedenfalls nicht mich. Ich habe gelernt wie es ist heim zu kommen.

“Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.” stand auf einem Plakat im Arbeitszimmer meiner Mutter. Ein Zitat von Johann Gottfried von Herder. Ich habe es nie verstanden bis ich anfangen musste zu erklären. Wer ich bin, was ich mache, warum ich es mache, was ich damit erreichen will, warum ich was nicht mache, wie lange es noch dauert, wieso und überhaupt. Man wird müde. Passt sich an und schlüpft in Rollen, die einem angeboten werden. Gedanken werden nicht mehr ausgesprochen und vieles versteckt man, weil es einfacher ist. Eine Welt aus Masken, die wunderbar miteinander funktionieren aber nicht das sind, was hinter ihnen ist. Funktionierende Gesellschaft. Ich darf trotzdem lächeln hat man mir gesagt. Und das mache ich.

Mit Freunden zusammensitzen. Bei gutem Essen. Man lacht und genießt. Das Leben ist schön. Ich bin dankbar für all die Dinge, die sind. Den Menschen, denen ich mich nicht erklären muss. Die mich akzeptieren. Einfach so. Man kann Fragen stellen. In Frage stellen. Muss man auch hin und wieder. Aber nicht alles darauf aufbauen. Viel mehr dem Gefühl folgen und den Kopf unterstützen lassen. Ich kann mir alles zurechtdenken, doch will es nicht. Die Menschen um mich und die Frau an meiner Seite. Es fühlt sich gut an.

Wenn sich die Welt weiter dreht, will ich sie nicht aus den Augen verlieren. Ihnen in die Augen schauen, sich erinnern und neues erleben. Weil es richtig ist.

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Bloggen

Das schöne am Blog. Niemand kann einem dreinreden. So zumindest die Grundannahme. Sobald man tiefer geht bemerkt man schnell, dass es darauf ankommt welche Priorität man ihm gibt. Würde ich für eine Zeitung oder einen Verlag schreiben, könnten meine Texte zurückgewiesen werden. Falls angestellt, fliege ich dann raus, wenn ich so weiter mache. Im Blog habe ich die Verantwortung, was veröffentlich wird und was nicht. Und damit bin ich es, der einschränkt.

Projektpartner, die mit der Offenheit, die in mir verwurzelt ist, nicht zurechtkommen, haben mich damals bewegt hier anzufangen. Etwas abseits von der Aufmerksamkeit. Noch immer an einen Charakter gebunden, eine Maske, aber nicht mehr direkt an meine Person. Der Text soll im Mittelpunkt stehen. auch die Dinge zwischen den Zeilen und Texten. Kleine Puzzlestücke, nicht alle passen zusammen. Man muss beginnen weitere Dimensionen hinzuzufügen. Die Zeit etwa. Doch nie wird man es schaffen ein vollständiges Abbild von einem einzelnen Zeitpunkt zu sehen. Man muss die Schichten in einander verlaufen lassen, vielleicht die Augen etwas zukneifen und man wird, zumindest verschwommen, etwas erkennen.

Im Moment möchte ich beide Masken recht unabhängig voneinander heranzüchten. Irgendwann eine davon töten. Oder sie wieder zusammenführen. In meinen Fantasien ein ganz großartiges Ereignis. Der Höhepunkt eines Experiments. Leben. Oder es wird nie passieren. Kann ich jetzt ja noch nicht genau sagen. In mir ist es ja schon geschehen und tut es immer wieder, wird weitergesponnen und verbessert. An die Grenzen getrieben. Kopfkino.

Der Blog kann Zufluchtsort sein. Für die Worte, die sonst keinen Platz finden. Er kann Türen offnen und Speerspitze sein. Was man daraus macht, was man machen will. Oder man schreibt einfach. Lässt die Worte sprudeln, die Sätze über den Bildschirm laufen ohne sich zu lange damit aufzuhalten, warum man das macht. Tut auch gut. Selbsttherapie und fortgeschrittener Persönlichkeitsworkshop. Auseinandersetzung mit dem Selbst und dem Leben.

Geil wäre auch wieder einmal eine Geschichte.

Ich will wieder mehr schreiben, weiß aber noch nicht, wie ihr das seht. Lieber mehr txt und dafür nicht immer ganz hübsch oder weniger und dafür der Versuch von einer glitzernden Perle nach der anderen. Auch wenn das zu langen Pausen führen kann.

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Now freak out

Ein Zeichen meiner Zeit. Die Vermischung der Sprachen. Und es hat schon immer statt gefunden. Immer war jemand dafür und andere dagegen. Hier kann mir niemand etwas sagen. Kontrolliere jegliche Kommunikation. Ich mag Kritik. Meistens macht sie mich stärker. Nur manchmal habe ich Angst, dass sie mich so in die Ecke drängt, dass ich meine Meinung nicht mehr ändern kann.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Druck Gegendruck. Das lehrt uns schon die Physik. Ich mag solche Vergleiche nicht unbedingt, stehe aber total auf Metaphern. Für alles. Daher schreibe ich auch so oft über Masken, weil es erleichtert Dinge, die ich noch nicht direkt bezeichnen, erfassen kann zu umschreiben. Damit umzugehen. Flucht oder Angriff. Und hundertausend Dinge dazwischen. Aufbrechen der Linearität und manchmal das damit verbundene zerstören der Kommunikationsmöglichkeit. Wenn man sich nicht mehr darauf verlassen kann, was in der Vergangenheit war. Ich werde konservativ. Und doch schreibe ich meine Vergangenheit selbst. Jeden Tag. Sie wird ständig angepasst. Manchmal verfälscht. Ich picke die Dinge heraus, die ich gut finde und ändere den Rest. Manches kann man als Negativbeispiel nehmen, doch nicht immer will man daraus lernen. Der Satzbau spielt nicht mit sich selbst sondern wiederholt sich einer langweiligen Zusammensetzung aus sich selbst. Wortwiederholungen, die den erfahrenen Leser stocken lassen. Kurzes aufwürgen. Es tut mir Leid. Heute nicht die Geduld mich damit zu beschäftigen. Auch keine Lust den Text zu lesen. First Take. So sagt der Winks. Ich nenn es Freiheit und stoße sie damit.

Ich mag Party. Noch mehr mag ich es allein zu sein. Gespräche mit einzelnen Freunden. Oder Fremden. Kerngruppen, die sich untereinander kennen. Und dann muss ich mir eingestehen, dass ich Menschen auf Distanz halte. Konzept Freundschaft sieht bei mir etwas anders aus. Niemand den ich mindestens einmal pro Woche treffe. Außerhalb der Arbeit. Und dort bin ich aktuell am überlegen das Private niederzubrennen. Würde einige Dinge einfach machen. Und andere komplizierter. Ich halte mir ein größeres Netzwerk mittelfester Kontakte. Sie kennen Dinge, die meine Familie nicht weiß. Aber das ist nicht besonders schwer. Sie bekommen mehr von meinem Leben mit als enge Freunde. Teilweise. Eine wunderbare Freundin, auf die ich immer zählen kann. Zwei Freunde, die nicht in meiner Nähe sind, aber immer für mich da. Fünf Freunde, die ich regelmässig sehe. Lebenstechnisch verheiratet, am Hausbauen, in der Planung. Ich mag sie sehr und die gemeinsamen Abende erfüllen mich mit Freude. Das Büro. Zwei Menschen nah und fern. Sie haben mich auch verändert. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das alles gefällt. Meine Familie ist mir etwas fremd geworden, als ich gegangen bin. Doch die Entfernung lässt mich wieder näher rücken. Ich freue mich, wenn ich in der Heimat bin. Meine Großmutter mit der ich über Politik und die Welt diskutieren kann. Meine Mutter mit der ich herumschreie. Mein Vater, die Ruhe selbst. Von ihm habe ich viel gelernt. Und meine Schwester, die nicht immer einfacher, aber auch super ist. Die Räder drehen sich, ich springe auf ihnen herum. Entscheide mich für das glänzende. Das andere zerläuft und ich lege mich an den Strand. Die Sonne scheint. Zweihundert Menschen, mit denen ich reden kann, denen ich nahe bin. Vierhundert Menschen die viel über mich wissen. Manche mehr, andere weniger. Unbekannte Leser, die immer wieder kommen. Blogger, die ich nicht kenne. Menschen, die mir Mails schreiben. Ich fühle mich nicht einsam. Genieße es mich nicht verpflichtet zu fühlen. In meinem Kopf ein Netz, das mich fangen kann. Das nicht kaputt geht, wenn einzelne Knoten wegbrechen. Danke. Dass ihr da seid.

Wochenlang ohne direkten Kontakt. Muss nicht sein, aber einige Tage sind kein Problem. Ich liebäugle mit einer Wohnung für mich alleine. Mein Mitbewohner ist großartig, nervt nicht und ist doch da. Gemeinsames kochen, aufgeteiltes putzen und keine Verpflichtungen. Kein Streit. Ich bin ja sehr harmoniebedürftig und kann Konflikte nur schwer ertragen. Muss alles lösen und glaube an das Gute. Die Wohnung müsste nicht groß sein. Würde ich Freunde einladen, selten mehr als drei. Meist wäre ich alleine. Introvertiert. Ich habe gelernt mit Menschen auf Veranstaltungen umzugehen, aber es macht mir wenig Spaß. Synchrone Kommunikation mag ich nur mit Menschen, die ich kenne. Schweigen ebenso. Der Smalltalk mit anderen erscheint mir meist nutzlos, auch wenn er als Aufbau gesehen werden kann. Analysieren als Hobby. Ich das Subjekt und Objekt zugleich. Weitergehen.

Mein Leben bin ich. Sein. Gutes tun des guten wegen. Küssen wegen der Liebe. Reden weil es weiterbringt. Näher bringt. Sein ist Sinn. Mehr Heute als Morgen. Vergangenheit ist Erinnerung. Spaß, Glück, Zufriedenheit. Und wie gut ich leiden kann.

Nehmt mich mit auf eure Reise. Durch die Welt, wie ihr sie seht. Wie ihr Menschen wahrnehmt. Freunde. Beziehungen.

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Gesellschaftsgeschichte

Menschen sind zerbrechlich. Zumindest bin ich es. Doch, weil es die einzige Möglichkeit ist zusammenzuleben geben wir uns feste Persönlichkeiten. Wir imitieren andere, versuchen zu optimieren und uns zu entwickeln. Auslandserfahrung soll ganz toll sein. Ausland bedeutet auch einen kurzen Zeitrahmen zu haben, um sich auf andere einzulassen und ebenso von diesen angenommen zu werden. Wer nicht ein beständiges Bild bietet, wird kritisch beäugt. In der Schule, der Universität, bei der Arbeit hat man Zeit. Man befindet sich in einer Umgebung, wo das zusammen zweitrangig ist. Tätigkeit als fixe Gemeinsamkeit. Dennoch bilden sich Intrigen und schon wieder hat man ein Problem, wenn man nicht konstant ist. Jede Abweichung wird als Beweis genommen. Was bewiesen werden soll ist nicht immer klar. Selbstsüchtig sind fast alle. Mit kleinen Sticheleien kann man weiterkommen, nicht viele Gedanken was es bei den anderen bewirkt. Es wäre falsch immer den Vortritt zu gewähren, niemanden in den Weg zu kommen. Noch ist es nicht möglich, dass wir nebeneinander leben. Noch leben wir gegeneinander. Ich fantasiere. Von einer Welt mit einer anderen Denkweise. Nicht Geld sondern Gesellschaft und Technologie treibt mich an. Was möglich ist. Nur gemeinsam zu erreichen. Und es kommt allen zugute. Wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, wo wir etwas zu essen bekommen, wo wir schlafen. Auch nicht ob der Sturm die Ernte zerstört. Ob die nächste Krise unseren Arbeitsplatz und somit unser Leben zerstört. Für mich geht es darum, wie man Dinge besser machen kann. Nicht um mehr daran zu verdienen, sondern dem besser machen selbst wegen.

Oft drehe ich mich im Kreis. Es hilft Gedanken zu vertiefen, weiterzuspinnen, zu verstehen. Einer stößt den nächsten an. Ich bin. Mehr kommt da nicht. Mehr muss nicht. Das sein alleine reicht. Und wenn ich nicht mehr bin, ist es auch in Ordnung. Erst dachte ich, dass ich immer klein bleibe, doch dann wurde ich älter. Dinge ändern sich. Menschen ändern sich. Ich habe begonnen Distanz zu schätzen. Es war schmerzhaft. Kommt mir bloß nicht zu nahe. Dachte ich. Keine Verantwortung übernehmen macht das Leben einfach. Einfacher. Ein bisschen. Überall gibt es Grenzen. Alleine ist man weniger zu zweit. Weniger gemeinsam. Und so habe ich gelernt Nähe wieder zu schätzen. Ich habe diese wunderbare Frau kennen gelernt. Wir mögen uns in vielen Bereichen unterscheiden, doch in einem gleichen wir uns. In der Liebe, die wir füreinander empfinden.

Ich kann Menschen nicht leiden sehen. Habe irgendwann begonnen mich wegzudrehen. Die Erkenntnis, dass man die Welt nicht retten kann. Doch man kann da sein. Für die Menschen, die einem wichtig sind. Es ist nicht viel. Es hilft. Da sein. Das will ich. Kein schlechtes Gewissen. Ich bin es gerne. Ich betrachte Dinge auf unterschiedlichen Ebenen, erscheine manchmal abwesend, teilnahmslos. Ich verstehe nicht alles, doch versuche es. Manchmal klappt es auch.

Normale Menschen gibt es nicht. Nur solche, die gut damit zurecht kommen, was sie aus sich gemacht haben. Sich nicht ändern wollen, nicht ändern brauchen. Menschen sind zerbrechlich. Mit genügend Kleber und einem dicken Tuch kann man das verdecken. Fragen können daran ziehen, bis man fällt. Um aufzustehen. Es geht rauf und runter. Die Gerade würden wir gar nicht spüren. Ein ständiges steigen ist möglich, doch ich sehen mich nach den Unterschieden. Beschleunigen und Bremsen. Fast aus der Kurve fliegen, auf und ab.

Ich bin.

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Verweise

Vielleicht müssen es keine Worte sein. Doch wie sollte ich sonst meine Freude ausdrücken. Manchmal quietsche ich. Dann ernte ich in den meisten Fällen kritische Blicke. Sozial gelerntes Verhalten ist in den meisten Fällen sinnvoll, hat sich aber teilweise in Formen entwickelt, die ich nicht unterstützen will. Sei wie du sein willst. Aber das muss ich euch ja nicht sagen.

Tolle Texte las ich in letzter Zeit und gedacht, dass ich die teilen will. Mit euch. Früher hat man Brot geteilt, heute geschriebene Gefühle. Wie das im Hintergrund funktioniert spielt hier keine Rolle. Auch habe ich ein paar statische Links hinzugefügt. Diesen Fluss aus großartigen Texten kann man unter Links anschauen oder als Feed abonnieren. Alles geht direkt zu den Autoren. Ich habe die Genugtuung, dass ich, was mir gefällt, weitergegeben habe. Als würde ich meinen Freunden davon erzählen. Doch nicht alle Freunde mögen txt so gerne, wie ich.

In wenigen Tagen kommt sie nach Wien. Vielleicht. Wahrscheinlich. Wir werden durch die Stadt spazieren, ein paar Dinge ansehen. Dinge tun, die man nur tun kann, wenn man physisch nahe ist. Umarmen etwa. Auf Parkbänken sitzen und die Menschen beobachten. Eis essen. Menschen, die ich mag, wollen sie kennen lernen. Wir werden viel in Kaffeehäusern sitzen, plaudern, ein paar Fotos machen. Die Vorfreude ist groß. Danach fahren wir zu ihr. Noch ein paar gemeinsame Tage bevor ich nach Berlin muss. Noch mehr Menschen treffen, einen Vortrag halten, anderen lauschen. Ich bin gespannt wen ich treffen werde. Als wen ich wen treffen werde. Wer mich treffen will. Willst du? Wollt ihr? Schreibt mir doch. Dreizehnter bis Sechszehnter April werde ich dort sein. looka at looka.at oder @looka. Nach Berlin ein paar Tage nach Tirol. Vergangenheit besuchen. Reisende Fäden wieder ein bisschen zusammenknoten. Achtzehn Jahre war ich dort. Der Code meines Lebens. 6-4-8-?. Es ist spät.

Ich zweifle gerade vieles an. Gründe gibt es. Wie sinnvoll es ist, werde ich erst sehen. Falls ich. Falls ich etwas ändere. Wohin ich gehe. Immer wieder die gleiche Frage und ich kann sie nicht beantworten. Habe schon zu oft versucht etwas zu finden und bin an mir selbst gescheitert. Weil ich Angst vor Entscheidungen habe. Weil die Entscheidungen immer schwerwiegender werden und darüber bestimmen, ob ich große Dinge aufgebe, weil ich glaube, hoffe woanders noch größere zu finden. Mein Bauch hat schon lange nichts mehr zu sagen. Der würde auch jeden Tag etwas anderes essen. Schade, dass man nicht zwischenspeichern kann. Auch die Statistik ist sehr bedürftig. Alles verläuft irgendwie ineinander und die neuen Fähigkeiten muss man erst mühsam verbessern, um zu merken, ob sie wichtig sind. Was mir bleibt sind die Worte. So zumindest die Hoffnung. Und alt werden wollte ich noch nie. Meist limitiere ich bis zur nächsten Null um dann wieder zu erweitern. Wenn es dreistellig wird, habe ich es zu oft getan. Weit kommt man leider nur aus der Kombination aus Risiko und Planung. Womit man beides verliert. Oder gewinnt. Wer gut genug plant, kann öfter ein Risiko eingehen. Ich stehe daneben, schaue zu. Wie sie von der Klippe fallen und zum Mond fliegen. Feuer mag ich.

Verloren in den Gedanken. Irgendwo liegen noch Geschichten vergraben, doch im Moment spielt es keine Rolle. Drei Tage. Vorfreude. Lange Zugfahrten. Es schmeckt gut. Auch wenn ich mich noch nicht entscheide.

Vergesst Berlin nicht.

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Verhängt

Die neuen Nachbarn haben sich Vorhänge gekauft. Dichte, dunkelblaue Vorhänge, wie ich sie auch habe. Früher saß ich manchmal im dunklen Zimmer und schaute aus dem Fenster. Man lernt die Fenster kennen. Die in denen jeden Abend der Fernseher blau flackert und die, die niemals Licht anmachen. Als Ausgleich lasse ich meine Vorhänge auch meist offen. Nur ein Mensch.

Würde ich die Menschen kennen, die hinter den Fenstern sich hin und her bewegen, hätte ich einen größeren Konflikt mit mir selbst. So sind es nur Stereobilder, die ich hin und wieder neu einfärbe. Da war der Metaller, der eine große schwarze Flagge in seinem Zimmer hängen hatte. Den hat man fast nie gesehen. Bis er eine Freundin gefunden hat. Oder sie hat ihn gefunden. Die ist dann todesmutig auf dem Fensterbrett gesessen und hat geraucht. Ich habe überlegt, was gefährlicher ist. Das Rauchen oder auf dem Fensterbrett sitzen. Und ob sie nur dort sitzt, weil sie rauchen will oder ob es ihr auch ohne Zigarette gefallen würde. Ich bin früher öfters auf dem Geländer meines Balkones gelegen und habe Musik gehört. Ohne zu rauchen.

Von den übrigen Fenstern weiß ich nur wenig. Die meisten sind in einem Winkel, dass ich nur die Decke sehe oder sie sind durchgehend mit Gardinen behängt. Nur direkt gegenüber gibt es noch ein Lokal, in das man gut schauen kann. Nur verhalten sich die Menschen dort so, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält.

Kopfweh habe ich auch. Und schlecht ist mir.

Ich würde gerne laufen gehen.

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Ausgefranst

Es ist spät. Ich schaue auf die Uhr.

Mein Kopf ist leer. Gibt keine Story her.

Ich freue mich. Über die Welt. Wie sie ist. Und immer war. Auf und ab.

Eine wunderbare Frau. Selbst wenn sie manchmal weit weg ist, weiß ich, dass sie bei mir ist. Wenn man traurig ist, fällt das schreiben oft leichter. Doch wenn man glücklich ist, ist man glücklich. Das ist auch wichtig.

Lächeln. Der Text dem man nicht den Platz gibt, den er braucht und deshalb ist er nicht. Kann nie sein. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich nicht jeden Moment bei ihr bin. Wie die Flüsse. In den Bergen.

Wir sind Worte.

Einfach zerrissen. Der Beitrag. Weil ich nur ein paar Gedanken los werden will. Ohne konkreten Ziel, ohne Faden, nur Ventil. Ich bin froh darüber, dass ich mich nicht als Sänger versuche. Oder gar dafür zu schreiben. Könnte mit den eigenen Liedern nicht leben. Müsste Jahre warten bis ich sie hören kann. Wie es mir auch manchmal mit den Texten passiert. Die einfach nicht passen wollen. Und wo ich es am wenigsten erwarte, bekomme ich die Rückmeldung, wie toll sie sind. Es wäre falsch sich in diesen Momenten unverstanden zu fühlen. Man sollte sich freuen. Ein wenig genießen. Motivation weiter zu machen. Ausgleich. Zum Alltag. Alltag zum Ausgleich.

Zeit besitzt man nicht und daher kann man sie auch nicht nicht haben. Zeit ist etwas, das immer da ist, aber nie fassbar. Zeit kann man nicht sparen und nicht verschwenden. Wenn wir von Zeit sprechen, meinen wir meist Prioritäten. Nicht alleine, was uns wichtig ist. Aber was uns wichtig und nur zu dieser Zeit möglich ist. Immer nur das wichtigste tun, kann funktionieren. Oder auch nicht. Freiheiten sind etwas wichtiges. Sie sich zu behalten ist die Kunst. Nicht in einen Strudel geraten, der die eigene Welt vergessen lässt, weil es einfacher ist. Welten reiben sich. Aneinander und manchmal auch in sich selbst. Funken fliegen, Späne fallen. Es kann etwas wunderbares entstehen oder auch nicht. Was es ist oder was wir daraus machen. Ich muss lernen öfter zu sagen, was ich denke. Es nicht so hübsch zu verpacken, dass es nicht mehr verstanden wird. Höflich, aber bestimmt. Ich kann nicht alle retten und oft ist es auch genau das falsche. Wenn ich die Sorgen abnehme, löse, wird es nicht selbst gemacht und man wächst nicht daran. Außer ich. Bis ich mich selbst nicht mehr ertragen kann. Das Ego ist jetzt schon unangenehm mächtig. In manchem Welten von großem Vorteil, in den Raum marschieren und ihn einnehmen. Machtspiele. Ich will mehr.

Das Spiel aus Licht und Schatten. Habe wieder begonnen mehr zu lesen. Habe vieles in den Griff bekommen, um mir noch mehr vorzunehmen. Unser Leben ist niemals fertig. Ständige Veränderung. Füllwörter füllen, aber nicht den Text. Grammatik orientiert sich an Regeln. Diese gilt es zu brechen. Es spielt keinen Unterschied, ob es auf festem Papier ist oder auf meinem Bildschirm. Manche bevorzugen es, Dinge auszudrucken. Andere glauben, dass sie dadurch Qualität bekommen. Wenn sie ein Buch kaufen. Oft stimmt es, oft nicht. Es geht um die Texte, die Geschichten, die Menschen. Nicht das wie sondern das was. Ich bin froh ein Teil davon zu sein.

Schnitt.

1

Einzeit

Im Hintergrund rattert der Telegraf.

Manchmal muss man sich erinnern. Wer man ist. Wer man sein will.

Ich weiß es nicht schreie ich ihn an. Verwirrter Blick, dann ignoriert er mich wieder und räumt weiter das Regal ein. Außer einer jungen Frau hat niemand meinen kleinen Auszucker mitbekommen. Milch gibt es im Kühlregal. Ich nehme zwei Packungen von der weißen. Es wird behauptet, dass die Bauern mehr Geld bekommen. Dafür kostet sie zehn Cent mehr. Oder sind es zwanzig? Bei Nahrungsmittel schaue ich nur selten auf den Preis. Als einmal einige Wochen akribisch jede Ausgabe notiert habe, bin ich darauf gekommen, dass Essen mit Abstand der größte Posten ist. Allerdings habe ich dort auch auswärts Essen eingerechnet. Das wiederum oft günstiger ist, als wenn ich selbst koche. 250 Euro unter der Armutsgrenze. Würde ich nicht hin und wieder etwas dazuverdienen oder etwas zugesteckt bekommen. Ich sehe es nicht als Problem. Habe es immer noch leichter als viele anderen. Und bräuchte ich mehr, würde ich es bekommen. Dies zu wissen reicht mir. Zweimal pro Woche setze ich mich ins Büro und mache Dinge. In letzter Zeit frage ich mich manchmal, ob das ist was ich machen möchte. Ob das meine Zukunft ist. Wir sprechen darüber. Meist gehe ich dann überzeugt hinaus, dass es stimmt. Wenn ich alleine durch die Nacht spaziere, fühlt es sich teilweise so an, als wäre es das nicht. Im Potential leben. Was sein könnte. Doch wenn ich etwas anderes will, müsste ich die Hand danach ausstrecken und zugreifen. Das schaffe ich auch nicht. Noch nicht.

Zwei Stunden und fünfzehn Minuten. Selten habe ich so oft den Kopf geschüttelt, mir auf die Zunge zerbissen, in Gedanken geschrien. Diese Menschen studieren. Hören sich aber an und sprechen, als wären sie mit der Hauptschule noch nicht fertig. So wenig sagen diese Zettel aus. Und sie bekommen den Mund nicht auf. Schaffen es nicht Informationen zu verarbeiten. Alles Schwachsinn. Ich halte das nicht mehr lange aus. Dachte, ich könne mich dort weiter entwickeln, muss aber feststellen, dass ich lediglich anderen Menschen weiterhelfe und möglicherweise ihr Verhalten studiere. Meine kleine soziologische Studie. Wertvolles Feedback. Von jemanden, der sich auskennt. Doch soweit kommt es nicht. Weil ich in einer Gruppe arbeiten muss. Was ich acht Jahre lang gelernt habe, worin ich recht gut bin. Doch nicht, wenn das Gefälle innerhalb an einen Wasserfall erinnert. Das meiste ist verstaubt bevor es unten ankommt. Arrogantes Arschloch. Eine gewisse Ratlosigkeit macht sich breit. Wie die Welt dann funktionieren soll. Je mehr ich kennen lerne, desto schrecklicher finde ich es. Ich habe Angst davor, dass irgendwann mein Schluss ist, das System für meine eigenen Zwecke zu gebrauchen, weil es nicht möglich ist es zu ändern. Die Sache mit der Arbeit. Ich bin nicht dazu gekommen, sie rechtzeitig abzugeben. Nun schreibe ich sie in Eigenregie fertig. Wenn sie jemand akzeptiert kann ich ein weiteres Stück Papier einsammeln. Wenn nicht, dann steige ich wohl aus. Es macht keinen Sinn mir das gleiche mehrmals anzuhören, die gleichen dummen Fragen, die schlechten Präsentationen. Anwesenheitspflicht, um zu zeigen, dass man dabei ist. Ich bin nicht auf sie angewiesen um zu veröffentlichen. Heute ist es einfacher denn je Systeme zu umgehen. Und wenn sie es schaffen, meine Arbeiten wissenschaftliche zu widerlegen, werde ich mich fügen. Ein wenig zumindest. Aber so lange es nur darum geht zu produzieren, ein paar lächerliche Kriterien zu beachten und gar nicht so sehr auf den Inhalt schaut, sehe ich wenig Sinn darin. Ich habe schon mit mehreren darüber gesprochen. Sie haben nicht die Zeit alles zu lesen, so bleiben nur Formalitäten nach denen man bewerten kann. Und Stichproben. Früher hätte ich Angst gehabt, es verteidigen zu müssen, heute würde ich es gerne machen. Doch kann ich von keinem Lastwagenfahrer erwarten, dass ich mit ihm über Vogelschwärme sprechen kann. Was abseits der Straße passiert, wird ignoriert. Und es wird fleißig daran gearbeitet, dass niemand von der Straße abkommt. Die Straßen werden immer besser, stabiler und die Lastwägen größer, schneller und umweltfreundlicher. Man könnte ja die Straßen überdachen, dann könnte ich dort meine Vögel entlangtreiben. Ich lasse mich aus dem Fenster fallen und segle dem Sonnenuntergang entgegen.

Aussteigen statt aufsteigen. Gelernte Unzufriedenheit. Drüben regen sie sich auf, dass niemand mehr ihre Werbung sehen will, hier bekommt man den günstigeren Handyvertrag, wenn man Werbe-SMS akzeptiert. Gesponsert nennen sie es. Und es macht Sinn. Nicht die Großen sollte man unterstützen, sondern die kleinen. Der Mobilfunkbetreiber wird plötzlich zum Werbeträger, weil es die, die es bisher gemacht haben, nicht mehr schaffen. Es gibt so vieles, mit dem ich mich beschäftigen könnte. Aber will ich das auch? Ich bin gut geworden. So gut, dass ich herumfahren und Leuten erzählen kann, wie gut ich bin. Lache selbst darüber. Erinnere mich wie es angefangen hat. Wie ich groß geworden bin. Etwas wertvolles hergeben, um etwas unbezahlbares zu erhalten. Es hat Spaß gemacht und ich will wieder dorthin. Das Problem ist nur, dass mit dem Erfolg andere Menschen gekommen sind. Menschen, die ich auch mag, aber vor denen ich mich immer wieder erklären muss und das ist anstrengend. Würde ich einen Schnitt machen, alles stehen lassen, meine zwei Koffer nehmen und abhauen, wäre es kaputt. Wahrscheinlich für immer. Ich weiß es nicht. Keine Hassliebe, sondern ein naja. Die Achterbahn wurde gerade gebügelt und wurde zu einem einem ICE. Schnell voraus, aber mit wenige Höhenunterschied oder Beschleunigung. Man kommt zum Ziel. Aber es macht nicht wirklich Spaß. Auch wenn ich das Zugfahren genieße. Man kann gut schreiben. Könnte. Wenn man nichts mehr zum schreiben hat, nützt es nichts, dass es gut ginge. Ich drehe mich um und sehe die weiße Wand. Die Struktur der Holzbretter, die die Form gegeben haben. Der Boden aus schwarzen Noppeln. Die weißlich gelben Warnstreifen auf den Stufen sind teilweise abgegangen. Der gebürstete Müllkorb erst Jahre später hinzugekommen. Dafür war der Kleiderständer von Anfang an Teil davon. Plakate an den Wänden. Sauber hinter einer Schicht aus Plastik in einem Aluminiumrahmen. Bildung muss finanziert werden. Wann habe ich das letzte Mal etwas verrücktes gemacht? Bin mitten in der Nacht ins Auto gestiegen und in die Stadt gefahren. Neues erleben. Ich töte mich selbst. Langsam. Habe mich eingeigelt. Die Gedanken zerfressen mich. Ich hätte es niemals lassen dürfen. Jeder Tag an dem ich kein Wort geschrieben habe, ist ein verlorener. Es ist das was ich will. Das was ich kann. Ein wenig zumindest. Doch niemals alleine. Ich brauche mehr. Was zu erzählen und was erleben. Was tun. Sich sinnvoll finden. Spaß haben. Leben leben. Ich springe auf und tanze um den Tisch. Das Lokal steht still, die Musik geht aus und ich hinterher.

Man muss mich nicht verstehen, aber man darf nicht die eigenen Vorstellungen über mich stülpen. Menschen sind so unterschiedlich. Mag sein, dass die Sätze keinen Sinn machen. Für mich tun sie es. Mag sein, dass sie grammatikalisch falsch sind, dass ich Worte erfinde. Ich fühl mich gut damit. Es ist ein Teil meiner Welt, den ich mir nicht nehmen lassen werde. Es ist der Teil, der mich am Leben hält. In harten Zeiten begleitet. Plötzlich spüre ich wieder die Energie. Begeisterung für mich selbst. Tatendrang. Ich darf es nicht aufgeben. Selbstreflexion, Gedächtnistraining, Fantasie. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht.

Ich bestehe aus den Dingen, die ich für andere mache. Doch ich lebe für mich.

Eine halbe Stunde Sport, eine Stunde schreiben. Meist stehe ich mir selbst im Weg, weil ich an die Dinge denke, die zu machen sind. Oft habe ich es bevorzugt nichts zu tun und somit auch dem Vorwurf zu entgehen, dass ich etwas nicht ernst nehme. Wochen, wenn nicht Monate, die ich damit verloren habe. Am Rande der Existenz. Niemand kann mit mir etwas anfangen, wenn ich nicht mehr bin. Auch nicht, wenn ich unglücklich bin. Es ist keine aktive Entscheidung, ob man es ist. Die Entscheidung ist, was man tut. Und man muss die Dinge tun, die einen glücklich machen. In denen man aufgeht, die einem Kraft geben. Kommunikation. Wie ich es liebe. Die kleinen Dinge mitbekommen. Da sein. Mitfühlen. Halt geben. Soweit ich das kann. Die Flügel ausbreiten und mitfliegen. Draußen ist es schon dunkel. Die Kopfhörer pumpen weiter. Die Lichter gehen an. Ich will noch nicht nachhause gehen. Nachhause. Kaputtes Wort. Und dann waren da noch die getrockneten Himbeeren. Der feine Staub hat im Gaumen gekitzelt. Zum knabbern waren sie eine Spur zu intensiv und man kann nicht wirklich sagen, welche gute sind und welche nicht. In Kombination oder als Ersatz für Baiser wären sie ideal.

Es tut gut zurück zu sein. Aber ich sollte mir Gedanken machen, wie oft ich solch einen Urlaub noch vertrage. Ich dachte immer, das solle etwas erholsames sein. Und über die Anonymität muss ich mir auch noch ein paar Gedanken machen. Vielleicht nicht hier. Wir werden sehen. Im Moment geht es mir großartig und ich freue mich schon sehr, sie heute Abend wieder zu hören.

Auszeit aus.

Sonnenwärme

Diese kleinen Momente. Unerwartet.

Ich muss die Augen schließen. So nahe. Meine Wangen machen mit. Beim Lächeln. Ein angenehmes Gefühl durchströmt meinen Körper. Die ersten Sonnenstrahlen an einem lauen Frühlingstag. Die Wiese ist noch mit Tau besetzt, der Bodennebel verzieht sich. Die Wärme schmiegt sich an mich. An alles auf der Welt.

Manchmal wache ich vor dir auf. Dann beobachte ich dich. Wie sich deine Brust auf und ab bewegt. Ich stelle mir vor, was du gerade träumst. Etwas wunderbares. Ganz bestimmt. Und fangen deine Arme an zu zucken, halte ich dich fest. Doch das ist schon lange nicht mehr passiert. Du schläfst ruhiger. Oder ich so fest, dass ich es nicht mehr mitbekomme. Manchmal kuschelst du dich in der Nacht an mich. Ich schmiege mich dann näher zu dir. Oder drehe meinen Kopf und gebe dir einen kleinen Kuss.

Wir laufen über weite Felder. Die Gräser kitzeln unsere Hände und irgendwann lassen wir uns auf den Boden fallen. Den Himmel beobachtend. Wolken, die vorüber ziehen und unsere Träume ihnen hinterher. Unsere Arme berühren sich, die Finger in einander verschlungen.

Du findest das Bild kitschig. Und doch habe ich es immer wieder im Kopf. Ich fühle mich so frei mit dir.

Wenn es kühler wird, spazieren wir heim. Wir kochen zusammen. Oder für einander. Ich mache die Palatschinken und du mir großartige Röllchen, von denen ich nicht einmal den Namen kenne.

Dann liegen wir noch etwas auf der Couch. Vielleicht ein leckerer Nachtisch.

Nähe.

Ich bin immer bei dir.

Und glücklich.

2

Im Hof

Wenn man es gewohnt ist, dass jede Aktion seines selbst zu einer Reaktion führt, kann es sehr einsam sein, wenn plötzlich alles still ist. Dort draußen dröhnt es, doch ich habe die Leitungen gekappt. Die meisten. Einige. Es war eine Entscheidung, um zu erfahren, wie es anders ist. Ein bisschen wollte ich wissen, wie sich die Leute fühlen, die nicht jeden Gedanken mit der Welt teilen. Einsam. Ein bisschen. Man muss das ganze auch relativieren. Es wird bei weitem nicht alles geteilt. Je nach Kanal ist es eine Auswahl. Teils versucht man sich selbst zu inszenieren, teils ist es der schnellste und effektivste Weg Druck abzubauen. Weil ich nicht jedem ins Gesicht schreien kann, weil manche Dinge nicht greifbar sind. Ich habe mir mehrere Identitäten zugelegt. Manche wissen wer ich bin, andere nicht. Im Grunde ist es als würde man mich im persönlichen Gespräch und in Gesellschaft kennen. Vielleicht auch in einigen Situationen dazwischen. Man kennt mich nicht so, als wäre man vierzehn Jahre mit mir befreundet. Trifft man mich persönlich, weiß man dennoch mehr, als das Telefonbuch hergibt. Man kennt sehr viel von dem Zeug, das nicht wirklich interessant ist, aber als Lückenfüller herhalten muss. Ein paar Ängste und ein paar Wünsche. Was ich gerne esse vielleicht. Alles nur Masken. Meine Masken. Mühevoll geformt und bemalt.

Viele Dinge sind aktive Entscheidungen. Was man tut. Wie man ist. Ich bin der Meinung, dass wir bestimmte Dinge fühlen, weil wir so handeln. Weil wir sie fühlen wollen. Es für richtig halten. So können wir uns ein bisschen selbst beeinflussen. Wie wir sind.

Meine Finger werden immer kälter. Ich sitze wieder einmal im Innenhof der Universität. Weil man jetzt, wo das Wetter sich um den Nullpunkt trollt, noch angenehm schreiben kann. Die Studierenden laufen an einem vorbei, beachten nicht. Ein leichtes Hintergrundrauschen. Quitschende Türen. An der Kette hing ein Durchgang verboten Schild. Doch so etwas hält mich schon länger nicht mehr ab. Es ist nur ein Zettel mit Buchstaben drauf. Würde man so etwas nicht beachten. bräche die Gesellschaft zusammen. Ähnlich wie mit dem Geld. Immer um Punkt und um Halb sind Lehrveranstaltungen zu Ende. Dann strömen sie aus den Türen, am Rand des Hofes vorbei und verschwinden wieder in der warmen Eingangshalle. Ich mag die Bauweise, die großen Säulen, das steinerne Geländer.

House s6e14. Weniger um das schreiben, als um das mitteilen. “Durch das Internet muss nie wieder jemand alleine sein.” Es kann nur eine Erweiterung sein. Eine wunderbare, aber dennoch nur eine Erweiterung. Ohne den Menschen dahinter funktioniert es nicht. Und es braucht manchmal eine gewisse Zeit, um die richtgen Menschen zu finden. Es ermöglicht Teilbekanntschaften. Ich muss einen Mensch nicht als ganzes mögen, sondern es reicht eine Maske, ein Nick aus, der mir sympathisch ist. In den meisten Fällen ist dann auch der Rest in Ordnung, aber es gibt auch anders. Vielleicht muss ich mich daran noch gewöhnen. Noch mehr Vorurteile ablegen. Auch wenn alles dadurch komplizierter wird.

Er hat geschrieben, dass er manchmal gerne alle Gefühle abschalten möchte. Mit dem reinen Input arbeiten. Sich nicht im Beziehungsgeflecht verlieren, sondern etwas verändern. Weil es im Grunde keine Rolle spielt. doch wir brauchen sie, um uns zurecht zu finden. Um zu leben. Ich mag die Achterbahn. Es muss hoch und runter gehen. Auch, wenn es unten eklig ist. Wichtig ist, dass es wieder rauf geht. Was nicht bei allen so ist. Das macht mir manchmal zu schaffen und dann muss ich wieder an meine Mutter denken, die mir manchmal gesagt hat, dass man nicht allen helfen kann. Nicht alle retten kann. Viele wollen auch keine Hilfe. Dabei bin ich nicht einmal der Typ dafür. Ich bin freundlich. Aber nicht der Freund von allen. Eher schüchtern und zurückgezogen. Zumindest früher. Heute habe ich eine Maske für die Gesellschaft. Ich finde sie steht mir gut und ich trage sie gerne, aber ich könnte sie nicht immer aufhaben. Da kommen wir dann wieder zu den Orten, an denen man anders sein kann ohne sofort abgelehnt zu werden.

Ich bin froh, dass es das alles gibt.

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