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Beliebt

Drei Jahre

April 5th, 2011

Man hat mich für verrückt gehalten. Eine Fernbeziehung. Mit jemanden, den man noch nie getroffen hat. Der über achthundert Kilometer weit weg ist. Zu den man mehr als acht Stunden mit dem Zug fährt. Wo keine gemeinsame Zukunft in Sicht ist. Der älter ist.

Wir haben nicht auf sie gehört und es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Es war kompliziert. Sehr kompliziert. Immer wieder Tränen, mein Herz das kurz vorm zerbrechen war. Unsere zarten Gefühle, die immer wieder auf die Probe gestellt wurden. Es hat viele Schmerzen gegeben, doch ich würde es wieder machen. All die Schwierigkeiten auf mich nehmen. Auf uns nehmen.

12 Buchstaben, drei Worte, eine Bedeutung.

Ich erinnere mich noch an die erste Nacht. Als ich zitternd vor dem Bildschirm saß. Ich hielt dich zuvor für unerreichbar. Viel zu großartig für mich. Jemand, den man heimlich verehren kann, aber nie auch nur eine Chance bekommen würde. Doch dann warst du da. Der Cursor blinkte. Immer wieder haben wir unsere Sätze gelöscht. Konnten nicht glauben, dass wir beide Gefühle hatten. Es schien wie ein Traum.

Später deine Stimme hören. Ich kannte sie schon. Sie ist wunderschön. Lange Pausen. Verliebt. Schüchtern.

Aus den vorsichtigen Annäherungen wurden starke Gefühle.

Das erste Mal dich am Bahnhof sehen. Umarmen. Küssen. Nähe.

Die erste Nacht. Glücklich.

Der erste Sex. Nervös.

Es gab keinen Moment in dem in bereute. Die Abschiede taten weh, doch das Wiedersehen hat alles wieder gut gemacht. Manchmal waren es nur ein paar Tage, manchmal mehrere Wochen, die wir miteinander verbracht haben. Du bist das wichtigste in meinem Leben geworden. Oft hatte ich Angst etwas falsch zu machen, doch du hast mir die Angst genommen. Wir sind gemeinsam auf Urlaub gefahren, haben gemeinsame Freunde eingeladen, sind ausgegangen. Und dann ist am Horizont die gemeinsame Zukunft aufgetaucht. Erst nur eine Idee, die sich langsam gefestigt hat.

Zusammenziehen. Noch vier Monate.

Du machst mich glücklich.

Ich liebe dich.

17

Handlungsanweisung

März 4th, 2011

If you like it, put a star on it.

12

42 Tage

August 20th, 2010

Kannst du dich erinnern? Der Anfang. Als du mir geschrieben hast, dass du mich gut findest. Und ich dir. Ich habe gezittert. Vor Freude. Vor Aufregung. So surreal der Moment. Wir hatten uns nie gesehen, nie gehört, manchmal ein paar Zeilen ausgetauscht immer darauf bedacht den anderen nicht zu stören. Das Gegenüber für unerreichbar gehalten, sich nicht getraut etwas zu sagen. Bis zu dieser einen Nacht.

Heute habe ich einen Ring an meinem Finger. Von dir. Noch immer sind wir hunderte Kilometer voneinander entfernt, doch sie tun mir nicht weh. Weil ich dich liebe und du mich.

Mein Leben schüttelt sich manchmal, ich habe Angst hinunterzufallen. Was bleibt ist die Sicherheit, dass du mich hältst. Du gibst mir Kraft, wenn ich nicht mehr will, nicht mehr kann. Der Gedanke an dich reicht aus düstere Gedanken zu verdrängen. Wir haben immer einen Weg gefunden und ich weiß, dass wir es auch in Zukunft werden. Du und ich.

Manchmal klicke ich durch Wohnungsangebote, stelle mir vor, wie wir darin leben würden. Die Stadt ist nicht entscheidend. Ich habe hier gute Freunde, du hast sie dort. Ich bin bereit Kompromisse einzugehen.

Wir waren an der Nordsee, in Köln und in Bremen. Ich habe mit meinem Handy gespielt während du shoppen warst und dir andere Größen in die Umkleide gebracht. Als ich an der Reihe war, kam ich gar nicht mehr nach mit Kleidung an und ausziehen, weil du immer mehr und immer neues gebracht hast. Am Nachmittag gabs manchmal Kuchen und für dich Kaffee.

Die Sätze nur Fragmente, die durch meinen Kopf schwirren. Ich muss sie nicht strukturieren, bin froh dass sie das sind. Bin froh dass es dich gibt.

Das einzige, das ich in den 42 Tagen bereut habe, war dich nicht mitnehmen zu können.

Kuss.

12

Schönheit

Mai 15th, 2011

Ich halte nichts von Diäten. Manchmal fühle ich mich fett.

Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich aussehe oder was andere von mir halten. Soweit ich mich erinnern kann. Von meiner Mutter habe ich gelernt, dass ich viel Vollkorn essen soll. Dass Zucker nicht so toll ist. Dass Obst und Gemüse frisch am besten für mich sind. Wir hatten einen kleinen Garten, Kartoffeln kamen vom Feld neben dem Haus und die Milch brachte ein Bauer zweimal die Woche in einem Kübel an die Haustüre. Ich lernte zu kochen und zu backen. Süßigkeiten gab es nur selten. Mir wurde niemals gesagt, dass ich sonst dick werde, sondern dass ich so stark und groß werde. Alles andere wäre auch lächerlich. Gegen Ende der Volksschule und mit Anfang des Gymnasium, wurden erstmals Mädchen interessant. Und das Körperbewusstsein veränderte sich. Ich habe erstmals Ablehnung erfahren und wie vermutlich viele Jugendliche meinen Körper gehasst. Ich fand mich unförmig und hässlich. Alle anderen sahen viel besser aus. Ich würde niemals glücklich werden. Dann lag ich auf dem Balkongeländer und hörte depressive Musik. Die Jahre vergingen und es veränderte sich wenig. Andere begannen “gingen” mit jemanden und beendeten es wieder. Ich blieb alleine. Könnte auch daran liegen, dass ich es immer beim gleichen Mädchen versucht habe. Ich führte es nicht nur auf meinen Körper zurück, aber zu einem großen Teil. Mein Verhalten könnte ich doch ändern und so wollte ich immer wieder wissen, was andere denn von mir möchten. Wie ich mich richtig verhalte. Irgendwann versuchte ich abzunehmen. Funktionierte nicht wirklich. Dann ließ ich es wieder. Wirklich akzeptiert habe ich meinen Körper immer noch nicht, aber es wurde signifikant besser, als ich fühlte, dass Frau Wunderbar mich so liebte wie ich bin.

Schönheit.

Es wird oft reduziert. Man selbst sieht die Waage. Diese eine Zahl, die alles bedeutet. Zahlen machen vergleichbar. Das Gewicht ist Schwachsinn. Niemand interessiert sich dafür wie viel jemand wiegt, außer um zu vergleichen. Wenn man mit Freunden durch die Stadt geht, fallen einem möglicherweise Menschen auf, die man schön empfindet. Wenn man sich darüber unterhält, ist es schwer zu begründen, warum man die jeweilige Person schön findet. Es kommen allgemeine Begriffe, wie Figur, Kleidung, Stil, Gesicht oder ähnliches. Ich würde niemals sagen, weil die Person einen so tollen BMI hat oder weil sie so wenig wiegt. Manche Menschen finden dünn schön. Sehr wenige finden mager schön. Eigentlich niemand findet abgemagert schön. “Aber die Models”, höre ich jemanden sagen. “Framing”, sage ich. Models sowie berühmte Personen werden oft als schöner wahrgenommen. Doch zu schnell nimmt man sich den Faktor Gewicht heraus und schreibt die Schönheit, diesem einen Faktor zu. Models ohne dem Kontext, dass sie Models sind, ohne Schminke und ohne der passenden Kleidung werden nicht mehr so perfekt wahrgenommen, sondern als das was sie oft sind. Abgemagert. Berühmte Menschen werden von Menschen, die nicht wissen, dass sie berühmt sind, nicht als so schön wahrgenommen. In Magazinen sieht man Momentaufnahmen. Eines von hunderten Fotos. Das Ergebnis von stundenlanger Arbeit. Nachbearbeitet.

Dass ich wenig von Gewicht halte, sollte inzwischen klar sein. Selbst im Verhältnis zur Größe ist es für die Empfindung von Schönheit unwichtig. Nicht einmal der Umfang interessiert mich. Schönheit ist das Resultat einer Vielzahl an Faktoren und für jeden anders. Drei haben sich für mich als besonders wichtig herausgestellt. Wie eine Person spricht, wie sie sich bewegt und wie gesund sie aussieht. Andere würden das vielleicht unter dem Begriff Ausstrahlung zusammenfassen.

Es war mir früher nie bewusst, wie sehr ich auf die Stimme von Personen achte und dass dies essentiell ist, damit sie mir sympathisch ist. Dazu zählt alles mögliche. Von der Sprechgeschwindigkeit, über Höhen und Tiefen, Emotionalität, Dialekten bis hin zu den benutzten Worten. Die meisten werden jemanden kennen, über den sie sagen, dass er toll aussieht bis er den Mund aufmacht. Um überhaupt den Körper einer Person toll zu finden, muss ich die Stimme mögen. Es hilft nicht, wenn man noch so perfekte Maße hat, aber nicht schön sprechen kann. Vielleicht müsste man es allgemeiner als Sympathie beschreiben. Als Vorraussetzung und als intervenierender Faktor von Schönheit. Es verändert wie ich Menschen wahrnehme.

Zwischen Sprache und Bewegung ist Lippenbewegung und Gesichtsausdruck. Lese ich im Gesicht, was die Person sagt oder ist es starr und emotionslos? Wie bewegen sich die Lippen? Es sind Bewertungen, die unbewusst ablaufen. Ich schaffe es nicht alles auf den Ursprung zurück zu führen, sondern nur Hinweise zu finden. Es ist mir wichtig wie sich Menschen bewegen. Was genau relevant ist, kann ich nicht sagen. Das Gegenteil davon wie sich Menschen bewegen, die betrunken sind, trifft es recht gut. Wie greift man nach Dingen, verändert sich die Art der Bewegung aufgrund von Emotionen, ist man trittsicher oder stolpert man oft, geht man aufrecht oder gebückt, passen die Bewegungen zusammen? Noch ohne Bewertung, ob es positiv oder negativ ist. Models gehen über den Laufsteg, eine einstudierte Bewegung, die gute empfunden wird, wenn sie sie so ausführen, wie wir es erwarten. Ginge ich so spazieren, würden die Menschen mich eher für verrückt als schön halten. Ich mag selbstbewusste Menschen. Ich mag es aber auch, wenn jemand zeigt, dass er menschlich ist. Fassaden sind in Ordnung, aber dürfen nicht zwanghaft aufrecht gehalten werden. Wie sitzt jemand, wie setzt man sich hin und wie wieder auf? Sind es perfekte Bewegungsabläufe oder natürliche? Wirkt es angestrengt oder entspannt? Und wieder kommt es auf die Situation an.

Gesundheit ist ein tolle Begriff, um ihn in Schönheit zu verpacken. Es gibt zwar Ausnahmen, in denen ich Menschen, die alles andere als gesund sind, als schön empfinde, aber dies ist meist eine abstraktere Art von Ästhetik und hat mit dem Alltagsbegriff Schönheit nur noch wenig zu tun. Gesundheit drückt das breite Spektrum von Schönheit besser aus, als Schönheit selbst. Zugleich ist es mir wichtiger, dass ein Mensch fit ist, als dass er den perfekten Körperumfang hat. Jemand der nach ein paar Stufen außer Atem ist, ist nicht schön. Egal ob er außer Atem ist, weil er zu viel wiegt oder zu wenig Muskeln hat. Auch hier geht es Ausnahmen, die aber vor allem dadurch bestimmt sind, dass es andere Gründe für Atemlosigkeit gibt. Ich finde mehr Sport wichtiger als weniger essen. Wobei ich muskelbepackte Menschen nur selten als schön beschreibe. Es geht um einen gewissen Mittelweg, der für jeden anders ist. Gesundheit hat wenig mit dem reinen Gewicht zu tun. Auch nicht mit Form oder Größe. Guter Richtwert ist, wie fit man sich selbst fühlt. Und das ist überhaupt das wichtigste.

Wer schön sein möchte, muss man nicht, sollte sich nicht so sehr um den Körper kümmern, sondern vor allem um sich selbst. Man muss sich wohl fühlen, um schön zu sein. Dazu muss man einerseits in sich selbst gehen und sich bewusst werden, dass man ein toller Mensch ist und andererseits sich mit tollen Menschen umgeben, die einen toll finden, so wie man ist. Wie man spricht und sich bewegt wird so unterschiedlich wahrgenommen und empfunden, dass man sich gar nicht zu viele Gedanken darüber machen sollte. Manche Menschen, werden es schön finden, andere nicht. Das gleiche gilt für Kleidung und Körperform.

Ihr seid toll. Hört endlich auf euch Sorgen zu machen.

10

Endeneu

Juli 10th, 2011

Wir wollen alle leuchten.

Die letzte Woche war eigenartig. Es geht dem Ende zu. Ich freue mich, wenn es vorbei ist.

Ich bin mit zwei Koffern nach Wien gekommen und besitze vier Jahre später noch immer keinen Kasten. Es war nie geplant Wurzeln zu schlagen. Am liebsten hätte ich die Koffer nie ausgepackt, um sie jederzeit nehmen zu können und weiter zu ziehen. Jetzt sind sie wieder mit Kleidung gefüllt und neben ihnen stehen drei Kisten. Langsam leert sich das Zimmer. Bei jeder Sache, die ich in die Hand nehme, überlege ich, ob ich sie mitnehmen will oder ob ich sie einfach wegwerfe. Ich sollte eine Kiste füllen, die ich einer wohltätigen Einrichtung gebe oder wer auch immer sie haben möchte. Alles könnte man irgendwann brauchen, aber das meiste braucht man nie. Vier Säcke mit Kleidung habe ich schon in den Container geworfen. Auf dass sie jemand anderen wärmen. Gedanken, ob man das Preisschild abschneiden sollte oder sich niemand dafür interessiert. Das Shirt, das ich trage ist fünfzehn Jahre alt.

Paralysiert. Tagelang vor dem Bildschirm sitzen, ihn anstarren, anschreien, aufspringen. Die Hände in die Luft geworfen, den Körper gegen die Wand. Kaltes Wasser. Ich berufe ein Treffen mit Motivation und Selbstvertrauen ein. Beide schauen mich verwundert, was ich von ihnen will. Sie sollen öfter bei mir sein. Sie sollen mir helfen die Dinge zu tun, von denen ich weiß, dass sie richtig sind, weil es kein falsch gibt. Bevor ich fertig bin, fließen sie durch meine Hände. Eine Träne. Auf Verzweiflung ist Verlass. Gemeinsam mit Wut und Hasse ziehe ich um die Häuser.

Die Hoffnung, dass alles anders wird. Durch ein Wunder, das es nicht gibt. Nur ich selbst kann mich verändern. Nur ich selbst. Doch ich drehe die Musik lauter und verweigere. Die Realität und mein Leben.

Vielleicht bin ich noch nicht bereit dafür. Mein Leben ist Sicherheit. Ich bin gut darin, diese zu erhöhen. Manchmal wünschte ich, man würde mir den Boden wegziehen. Wie früher. Wo ich plötzlich nicht mehr konnte. Wie alles kaputt war und ich gezwungen habe, mich zu ändern. Heute kann ich fallen und werde vom Boden abgefedert. Mein Leben ist Sicherheit. Ein System, das sich selbst zu erhalten versucht und dadurch langsam stirbt. Die Nacht kuschelt sich an mich.

Was erwarte ich vom Leben? Die Fragen kommen zurück. Ohne Antworten.

Ich muss aufstehen. Beginnen zu gehen. Laufen. Stolpern, stürzen, aufstehen. Weiter. Immer weiter.

Es würde mich freuen, wenn ihr mitkommt.

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