22. Juni 2010 um 17:55 |
Ich sollte nervös sein. Der Gedanke, dass es schief gehen könnte. Irgendwas.
Vor vier Tagen habe ich angefangen zu lernen. In der Vorlesung war ich kein einziges Mal, sodass ich den Professor, das erste Mal bei der Prüfung selbst getroffen habe, was ich schade finde. Ein netter Mann mit einer ähnlichen Einstellungen zum Studium, wie ich. Er spricht selten konkret, lässt vieles offen, ich unterstelle ihm, dass es Absicht ist. Er möchte, dass die Studierenden selbst denken. Dass sie nicht nur für die Prüfungen lernen, damit sie die Punkte bekommen, sondern dass sie verstehen, worum es geht. Sie sollen lernen eigene Gedanken zum Thema zu machen und dennoch wissenschaftlich zu bleiben.
In den letzten Monaten habe ich viel negative Stimmung rund um mein Studium gemacht. Das meiste zurecht. Aus meiner Sicht. Jedoch habe ich mich damit selbst hinuntergezogen. Ich habe nicht mehr gesehen, was es für gute Seiten gibt, was ich schon alles gelernt habe, warum ich das Ganze wirklich mache. Natürlich spielen meine Eltern eine Rolle, natürlich möchte ich gewissen Personen beweisen, dass ich das hinbekomme und natürlich kann es am Arbeitsmarkt wichtig werden. Außerdem sind viele Menschen in einem Denken verhaftet, das sie mich nur ernst nehmen lässt, wenn ich den Abschluss habe. Oder im Fernsehen auftrete. Doch irgendwo tiefer befindet sich das Verlangen Dinge besser zu verstehen. Dinge einordnen und analysieren zu können. Mein Wissen, das ich tagtäglich ansammle ausdrücken und überprüfen. Es weitergeben und mit anderen vergrößern. Für die Menschheit. Und für mich. Es gibt gute Professoren mit großartigen Denkansätzen. Sie stoßen mich immer wieder von der Klippe und helfen mir Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen. Sie geben mir die Worte, um zu beschreiben, was seit langer Zeit undefinierbar durch meinen Kopf schwebt. Ich mag das Studium.
Vier Fragen, drei und nur drei davon müssen beantwortet werden. Ich schreibe über das Zusammenspiel von Medien und Gesellschaft, Internetkultur und Medienkompetenz. Zwischendurch denke ich an die Arbeit. Wann ich das letzte Mal etwas getan habe, das mich interessiert hat. Es sieht schlecht aus. Ich habe getan, was ich gut kann nicht, was ich gern mache. Manche Aufgaben haben mich herausgefordert, aber selten auf eine angenehme Weise. Meist unter Zeitdruck mit Menschen, die nicht verstehen, was ich mache und es dementsprechend nicht wertschätzen. Ist doch alles ganz einfach. Warum dauert das so lange. Das sieht scheiße aus. Manchmal waren es Dinge, die ich weder kann, noch können möchte, noch gerne mache. Aber das hängt auch alles irgendwie zusammen. Nicht, dass man sich nicht um mich bemüht, aber irgendwie funktioniert es nicht mehr. Ich fühle mich fremd, habe schon von vornherein meist eine ablehnende Haltung. Und dann bekomme ich von anderen Seiten Rückmeldungen, dass man gerne etwas mit mir machen würde, dass ich in letzter Zeit so ruhig bin oder dass ich doch zu mehr fähig wäre. Ich bin schlecht im Wünsche ausdrücken. Viel mehr arbeite ich mit Symbolik und Hinweisen, was aber nicht alle Menschen verstehen, verstehen können und somit haben sie gar nicht die Möglichkeit darauf einzugehen. Ich habe versucht mich zu ändern, es aber nicht geschafft. Sollte mich in dem Moment auch nicht beschäftigen. Noch 45 Minuten bis die Prüfung um ist.
Ich ärgere mich wieder, dass ich mich nicht mehr mit den Themen beschäftigt habe. Sie sind spannend und ich würde gerne mehr darüber schreiben. Nach einer Stunde bin ich fertig.
Danach sitze ich noch mit einem Freund am Donaukanal. Wir reden über die Uni und Technik. Zwei der vier Prüfungen werde ich ausfallen lassen. Jetzt geht es erstmal in die Kinopremiere eines Kurzfilm eines anderen Freundes.
Der Juli wird großartig.
3
16. Juni 2010 um 23:28 |
Ich sage Dinge zu, die mich zwar weiterbringen aber keinen Spaß machen. Vielmehr sträube ich mich dagegen, glaube nicht, dass es Sinn macht. Zugleich weiß ich, dass es mir hilft. Fuck.
Schreiben um sich selbst zu ertragen. Schaut doch die ganzen Lichter da draußen, wie sie leuchten. Und im Lokal gegenüber sitzen die Menschen. Sie reden miteinander, plaudern, lachen. Manchmal sitze ich auf der Fensterbank, beobachte sie. Aus dem Fenster schauen sie selten. Wenn ich mit Menschen unterwegs bin fällt es mir meist schwer ihnen meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Sprechen ist eine so langsame Art der Kommunikation. Wenn ich weiß, was ich antworte bevor sie fertig gesprochen haben, bleiben vor jeder Wortübergabe ein paar Sekunden, in denen meine Augen Beschäftigung suchen. Manchmal nach innen gekehrt, meist auf dem Mobiltelefon. Schauen, was die restlichen Menschen in meinem Leben machen. Zu oft ist etwas anderes spannender und ich bin länger weg als gewünscht. Ich muss manchmal nachfragen, was gerade gesagt wurde, es ist mir unangenehm. Doch von den meisten inzwischen akzeptiert. Warum ich es mache, wissen nur wenige. Bis jetzt. Immer noch wenige.
Erinnerungen aus der Schulzeit kommen hoch. Ich grüße sie. Nicht. Damals bin ich oft in meinem Zimmer gesessen. Hätte lernen sollen. Vor mir all die Bücher und Hefte. Ich habe ein paar Aufgaben gemacht, dann die Wand angestarrt, die Decke, etwas gezeichnet. Rausgeschaut und geträumt. In meinen Träumen war ich erfolgreich, beliebt. Meine Noten haben mich nur gerade so vorm ertrinken gerettet. In einigen Fächern war ich Klassenschlechtester. Kleidung hat mich nicht interessiert, meine Eltern haben geschaut, dass ich vollständig gekleidet war, das hat aber nur dafür gesorgt, dass ich keine Löcher und Flecken hatte. Gegen Ende hin musste ich immer öfter Nachhilfe nehmen. Der kleine, wenn auch helle Raum im zweiten Stock über einem Kleidergeschäft. Die Nachhilfelehrerin hatte ganz knochig Finger. Französisch und Latein. Als es vorbei war, bin ich mit einem Freund nach Paris geflogen. Eine großartige Stadt. Wie wahrscheinlich jeder Jugendlicher habe ich mir Gedanken über den Tod gemacht. Während ich mit dem Discman auf dem Balkongeländer gelegen bin. Einfach fallen. Das schreiben hat mir immer wieder geholfen. Und klangen die Texte noch so traurig. Mir gaben sie Kraft. Mitleidsheuchelei. Aber gelesen hatte mich damals fast niemand.
Geld. Vermutlich nervt es mich so, weil es ständig darum geht. Scheiß Universalkommunikation.
Der Satz, der hier gestanden ist, hat keinen Sinn gemacht. Es geht darum, dass ich mich verändere und verändern lasse. Das Hauptthema, sich zu entscheiden wer man ist und dann dabei bleiben. Nur leicht anpassen, weil es sonst unglaubhaft wird. Könnte alles viel einfacher sein, ist es aber nicht. Ich könnte Ich sein. Also, das was ich für komplett richtig halte und wo ich ohne nachzudenken dafür stehen kann. Aber dann hätte ich wohl nicht den Erfolg, den ich habe. Es ist ein Abwägen. Wenn ich mich ein wenig verbiege, kann ich mehr erreichen, nicht nur für mich, sondern für was ich bin, als wenn ich alleine vor mich hinköchle und mir nur von der kleinen Gruppe Gleichdenkender Bestätigung hole.
Am meisten hat es mir bisher gebracht, wenn ich Dinge gemacht habe, vor denen ich Angst hatte.
Langsam komme ich von dem “ich möchte von allen gemocht werden” weg. In Minischritten. Das bedeutet auch Arroganz, das bedeutet, dass ich manche Menschen verletze. Das tut mir weh. Ich merke aber auch, wie es mich oft aufhält, wenn ich meiner Meinung runde Ecken verpasse oder sie für mich behalte. Ständiges Nicken ist nett, aber sorgt oft dafür, dass man erst gehen kann, wenn alle anderen schon weg sind.
Entscheidungen sind meine größten Feinde. Ich schaffe es nicht.
7
12. Juni 2010 um 04:10 |
Ich wünschte du wärest hier. Wir könnten durch die Nacht spazieren. Ich dir Geschichten erzählen. Wir würden lachen oder schweigen. Unsere Hände sich vorsichtig umspielend. Ein kleiner Kuss auf deine Wange, deinen Hals, deinen Mund. Ich flüstere dir ins Ohr, wie froh ich bin. Die Nacht ist warm. Die Luft spielt mir unseren Körpern, während ich dir durchs Haar streiche. Nur wir beide. Drei Worte.
Ich erinnere mich an die ersten Nächte. Und die erste Nacht. Wie ungeschickt ich war. Zwei Körper vollgepumpt mit Hormonen. Wir sind es noch immer. Wenn ich dich höre. Deine Stimme lässt mich springen. Ich bin hier. Für dich. Immer.
Zweifeln können die anderen. Ich bin von uns überzeugt. Meine Lippen berühren die deinen. Ich muss mich nicht hinunterbeugen. Meine Arme um deinen Körper. Der Moment. Die Sterne. Kerzen. Ich kann dich richen. Werde da sein. Weil du es bist. Weil ich ganz nah bin, wenn du die Augen schließt. Meine Finger über deine Wange, deinen Hals, deine Arme fahren.
Ich lächle. Bis bald.
5
12. Juni 2010 um 03:54 |
Vielleicht sollte ich schlafen. Jedes Wort zieht sich eklig in die Länge und die Sätze lassen mich kochen. Es tut mir nicht gut. Ich muss es erst abschließen bevor ich darüber schreiben kann. All diese Gedanken, die sich vor meine Augen drängen, mir die Sicht erschweren. Seit Tagen lasse ich alles vorbeiziehen. Ich bin noch immer verdammt gut im verstecken.
Wie lange habe ich niemanden mehr angeschrien. Habe ich jemals jemanden hasserfüllt angeschrien? Ich glaube schon. Aber mein Kopf könnte sich täuschen. Wieder einmal. Ich verliere manchmal die Kontrolle. Aus meiner strikten Zero-Inbox Policy wurde ein Stapel an Mails, der jeden Tag anwachst. Ich muss damit aufhören. Wem ich noch nicht geantwortet habe, es tut mir Leid. Ich bin gerade nicht in der Lage. Darüber reden will ich nicht. Nicht jetzt. Irgendwann werde ich zurückblicken, mich wundern und offen darüber sprechen können, doch jetzt zerfrisst es mich einfach und ich lasse es zu.
Scheiß Text. Finde ich auch. Und ich befürchte, dass es nicht besser wird, bis ich etwas verändere. Meinen Entschluss durchziehe. Doch ich kann nichts sagen. Nichts tun. Paralysiere mich selbst. Tag für Tag. Wenn ich nicht aufpasse löst es sich von selbst und ich falle. Kann nicht mehr die Richtung bestimmen. Das wäre mein Untergang. Zumindest ein kleiner. Auf der anderen Seite würde es mich befreien. Ich weiß nicht mehr. Der Kopf. Die Gedanken. Alles Matsch. Alkohol wäre einfacher. Doch zu kurzfristig. Solange ich denke, entschließe ich mich nicht. Und solange ich mich nicht entschließe, denke ich.
Ich sehe den Ausgang und male mir die bunte Welt dahinter aus, aber schaffe es nicht zu gehen. Scheiße.