17. Januar 2010 um 23:53 |
Zitternd sitze ich auf dem kalten Boden. Es regnet. Meine Tränen vermischen sich mit dem Wasser, das über mein Gesicht rinnt. Meine Haare verdecken meine Augen und ich habe nicht das verlangen, sie aus dem Gesicht zu streichen. Möchte sitzen bleiben bis ich vor Müdigkeit umfalle. Und liege bleibe. Für immer.
Ich kann es nicht and bestimmten Situation festmachen. Ein paar Bilder vor Augen, das Gefühl tief verankert. Das Lachen der anderen. Man baut Vertrauen zu Menschen auf, mühsam. Tag für Tag kommt man ihnen näher. Jahr für Jahr vertraut man ihnen mehr an. Irgendwann glaubt man mit ihnen offen reden zu können. Die kleinen Geheimnisse, die man so gut gewahrt hat preisgeben zu können. Nur um festzustellen, dass die andere Person nicht bereit war. Dass man sie falsch eingeschätzt hat. Dass sie ein Arschloch ist. Dem man so vertraut hat. Nicht immer tun sie es bewusst. Sie trinken ein Bier. Oder auch mehr. Plötzlich sprudelt es aus ihnen heraus. Man erfährt es demütigend durch andere. Oder wenn man echte Freunde hat von ihnen. Dinge, an denen man sich jahrelang festgehalten hat, machen die Runde. Werden durch den Schlamm gezogen und man verliert den Halt, den sie einst gegeben haben. Die eigene Welt bricht zusammen. Bilder schießen in den Kopf. Was hat man noch gesagt. Was wird noch kommen. Man wird still. Behält, was einem wichtig ist, für sich selbst.
Der Regen hört auf. Ich atme tief ein, streiche mir die Haare aus dem Gesicht. Sitzen bleiben funktioniert nicht. Ich stehe auf, beginne zu gehen. Immer schneller. Raus aus der Stadt. Durch kleine Gassen und große Straßen, bis ich bei den Feldern angekommen bin. Einen Moment verschnaufen und dann weiterlaufen. Immer weiter. Weg. Bis man erschöpft zusammenbricht.
Laufen kostet Energie. Je mehr man läuft, desto stärker wird man. Das Leben geht weiter. Nicht jeder Gedanke muss in die Erzählung eines ganzen Leben enden. Doch was wir erlebt haben, macht uns aus. Was wir in eurer Welt und in unserer Welt erlebt haben. Jedes Bild, jedes Buch. Jeder Mensch, den wir begegnen ist ein Fragment, das sich in unser Leben einfügt. Manche sind größer, manche kleiner. Ich habe sie behutsam mitgenommen und einige nie einem Menschen gezeigt. Ich habe auch nicht vor dies zu ändern. Am liebsten würde ich diesen Satz löschen, doch es gehört dazu. Geheimnisse. Ich habe welche, die ich nie preisgeben werde. Es fällt mir schwer, dass es auch bei anderen Menschen so ist. Wahrscheinlich bei allen. Man kann sich nicht an alles erinnern und man will nicht alles erzählen. Vertrauen kann man nur über Zeit aufbauen. Man muss es wollen. Ich kann bei jedem Mensch makel finden und dies Makel als Argument nehmen, warum ich ihn auf Abstand halte. Meine Welt ist fragil, doch riesig. Ich habe einen Empfangsbereich, wo schon vieles zerbrochen ist. Doch sie ist herzeigbar und die meisten Menschen fühlen sich wohl. Dort kann ich mich mit ihnen auseinandersetzen. Manche führe ich ans Fenster und zeige ihnen eine Blick auf die wunderschönen Gärten. Nur wenige dürfen mit mir dort spazieren. Manche Zimmer sind verschlossen. Manche speziell dekoriert. Ich schätze die Menschen ab, überlege wie nahe ich ihnen kommen möchte. Manchmal ist es besser ihnen etwas zu zeigen, was ihnen gefällt. Ich belüge sie nicht, aber zeige nur einen winzigen Ausschnitt. Ständig wird umgebaut. Einige sehr stabile Bauten. Nicht so schön, aber massiv. Dort kann ruhig jemand probieren mit dem Vorschlaghammer Löcher in die Wand zu schlagen. Ich werde neben ihm stehen und ihn anfeuern. Jeder Schlag macht die Wände stärker.
Irgendwann sitze ich in einer Lichtung auf einer Bank. Ich höre die Vögel singen. Ich bin alleine. Mein Körper löst sich von einem Gedanken und ich beginne zu fliegen. Sehe die Stadt unter mir und die Menschen. Ich schaue in ihre Zimmer ohne dass sie mich bemerken. Und sehen sie mich doch, können sie nichts tun, als die Fenster zu schließen. Versuchen mich auszusperren. Ich lerne.
Ich habe begonnen zu manipulieren. Habe die Informationen aus ihnen gelockt und war mir immer im klaren, was das für mich bedeutet. Eines Nachts hatte ich einen Traum. Lauter Menschen, die ich kannte saßen in einem großen Saal. Irgendein Vortrag. Dann bin ich aufgestanden und habe begonnen Dinge zu erzählen. Jedem einzelnen habe ich seine größten Ängste, Wünsche und Geheimnisse an den Kopf geworfen. Ich habe mehr gewusst, als mir viele selbst gesagt haben. Immer weiter, immer schlimmer. Sie haben kein Wort herausgebracht, mich nur angestarrt. Ich habe weitergemacht. Mich in Rage geredet. Immer mehr, immer schneller, immer schlimmer. Am Ende hat mich mein bester Freund erschossen.
Die Blätter fallen langsam zu Boden. Es wird Herbst, ich muss los. Meine Kleidung hat sich geändert. Ein schwarzer Mantel und schwere Stiefel. Handschuhe. Meine Augen sind dunkel geworden. Langsam schreite ich den Weg entlang. Die kleinen Steinchen knirschen, wenn ich sie aufeinander presse.
Ich vertraue mir selbst nicht mehr. Möchte nicht, dass mir jemand Informationen anvertraut, die mich verleiten das falsche zu tun. Behalte dein Passwort für dich. Ich will niemanden verletzen. Oft habe ich mich zurückgehalten. So einfach wäre es gewesen, doch ich habe es nicht getan. Lebe nach bestimmten Werten. Setze mir selbst Grenzen, die ich nicht überschreite. Ich muss alles wissen. Nur so kann ich Menschen einschätzen. Je mehr Informationen ich sammle, desto eher vertraue ich auch selbst etwas von mir an. Es ist als hätte ich eine Waage, mit der ich einschätze, wie viel ich wem geben kann. Manchmal lege ich ein schweres Stück von mir schon zu Beginn darauf, um das ganze zu beschleunigen. Um zu sehen wie das Gegenüber reagiert.
Es gibt keine Wahrheit. Keine Realität. Nur meine Welt und eure. Manchmal überschneidet sie sich.
Rätsel schützen mich. Kryptische Sätze, die ich von mir gebe. Geschichten, in die ich Teile meines Lebens, meiner Welt packe.
Ich habe niemals aufgehört zu hoffen.
16. Januar 2010 um 19:11 |
Ich habe schon zu viele Freunde gehabt, um nicht zum Schluss zu kommen, dass ich am Ende alleine bin. Community ist nett, Freundschaft etwas besonderes, aber alles hat seine Grenzen. Und der Mensch Angst vorm alleine sein.
Einzelgänger haben es meist einfacher. Ob ich mich dazu entschieden habe oder es einfach geworden bin, weiß ich nicht. Im Kindergarten haben meine Eltern sich noch darum gekümmert, dass immer Kinder herum sind, mit denen ich spielen konnte. Ich habe es dennoch bevorzugt stundenlang alleine zu spielen. Fernsehen war nicht, Computer genausowenig. Dafür hatte ich eine Sandkiste im Garten und eine Werkstatt im Keller. Auch wenn meine Eltern es nicht gerne gesehen haben, wenn ich alleine dort war. Schließlich lagen am Boden rostige Nägel und Schrauben, mein Vater hat sich bereits einen Teil seines Daumen abgeschnitten, als sie das Haus gebaut haben. Ansonsten hatte ich eine größere Sammlung an Spielzeugautos und Lego. Und ich zerlegte elektrische Geräte. Als ich älter wurde durfte ich zweimal pro Woche Universum schauen. Manchmal Pumuckl. Ich bekam sogar dieses tolle Plastikspielzeug, was ich mir zu Weihnachten wünschte. Nach einer Woche verschwand es in irgendeiner Kiste. Auch in der Volksschule war ich noch mit den meisten befreundet. Man wurde zu Geburtstagsfeiern eingeladen und lud selbst ein. Die Gruppenbildung fing an und man verabredete sich zum prügeln hinter der Schule. Am nächsten Geburtstag wurde man dennoch eingeladen. Dann kam das Gymnasium. Die Hormone begannen an meinem Körper herumzuziehen und meinen Kopf einzunebeln. Ich kannte nur ein Person in der Klasse, während sich der Rest zum Großteil aus der Volksschule oder schon seit dem Kindergarten kannte. Ich ging in meinem Dorf in den Kindergarten, im Nachbardorf in die Volksschule und in der dreißig Minuten entfernten Stadt ins Gymnasium. In der Unterstufe war man noch recht offen, man kannte sich ja nicht, doch es bildeten sich schnell wieder Gruppen und dieses mal musste man dazugehören, um nicht rauszufallen. Wenn man jedoch eine dreiviertel Stunde braucht um bei irgendeinem Treffpunkt zu sein, ist es schwer. Wenn man sich dann noch für Videospiele und Computer interessiert noch mehr. Meine Lieblingsfächer waren Chemie und Physik. Das hat gereicht. Zum Glück sind Kinder nicht immer grausam und man verdrängt schnell. Irgendwie habe ich es geschafft ein bisschen dazuzugehören und konnte sogar einige Personen als Freunde bezeichnen. Bei zwei kann ich das noch immer. Ansonsten war die Klasse aber nur eine Community. In der es Streit gab, mit der man aber auch gemeinsame Dinge unternommen hat. Von den anderen Klassen der gleichen Stufe waren wir sowieso abgeschnitten, da wir ein Schulversuch waren, der uns den Spitznamen Bodenkrabbler einbrachte. So gab man sich miteinander ab und lästerte vor allem hinter dem Rücken über die anderen. Sehr vertrauenswürdig, wenn jemand mit dir über die anderen schlecht redet, mit denen er, sind sie dabei, sich besser versteht als mit dir. Ich konnte also hervorragend die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Personen untersuchen, wenn sie alleine waren und als Gruppe. Ich habe mich darauf besonnen mit wenigen Leuten Dinge zu unternehmen und habe mich zugleich mehr mit den Internet beschäftigt, wo ich einige großartige Communitys gekommen bin, die heute alle nicht mehr existieren, auch wenn es die Plattformen selbst noch gibt. Als ich mich gerade so durch die Matura gekämpft habe, bin ich im Sommer recht schnell in die Bundeshauptstadt geflüchtet, wo ich niemanden kannte und von vorne beginnen konnte.
Communitys sind temporäre Strukturen, die kein explizites Ablaufdatum besitzen, aber einen Verlauf der Zusammengehörigkeit haben. Es gibt verschiedene Rollen und wenn man merkt, dass die Leute, die zu einer ähnlichen Zeit, wie man selbst dazugekommen sind, langsam verschwinden und man sich ständig darüber beschwert, dass früher alles besser war und wie sehr sich alles verändert hat, sollte man darüber nachdenken weiter zu ziehen. Ich habe in verschiedenen Gemeinschaften Freunde gefunden, mit denen ich auch heute noch in Kontakt bin, aber ich merke auch, dass es immer schwieriger wird, wenn man im Alltag nicht mehr miteinander zu tun hat. Die zwei wichtigsten Personen existieren vor allem in meinem Kopf. Mit einer habe ich es inzwischen geschafft, dass man sich hin und wieder hört, die andere sehe ich ein paar mal pro Jahr. Ansonsten danke Social Networks. Diese zwei Personen sind die letzten Fixpunkte. Ich weiß nicht, ob ich es je wieder schaffen werde ähnlich für jemanden zu empfinden. Es hat über zehn Jahre gedauert, um dieses Vertrauen und gegenseitige Verständnis aufzubauen. Selbst durch die höhere Informationsdichte persönlicher Inhalte im Web, geht es nicht schneller.
Freunde begleiten uns einen Teil durch das Leben, manche länger. Schon ein Fehler kann das Verhältnis zueinander stören. Für Freunde tut man vieles, aber nicht alles. Egal wie schön dies klingen würde. Es ist ein romantischer Traum, den man träumen, aber nicht leben kann. Der Schritt vom Bekannten zum Freund und zurück ist klein. Zum guten Freund schon größer. Aber auch Bekannte sind nicht schlecht, man kennt sie nur nicht so gut, fühlt sich ihnen manchmal fremd und ist dafür über ihr Verhalten nicht so überrascht, als bei einem Freund, bei dem man sich zumindest einbildet ihn zu kennen. Ich mache auch für Bekannte oft mehr, als für mich von Vorteil ist. Möchte von jedem geliebt werden und bringe mich dadurch in Situationen, die mich zerstören. In denen ich an mir selbst zerbreche.
Ich stelle weder das Konzept Community noch das von Freundschaft in Frage. Sie haben beide ihre Berechtigung, sollten aber nicht so ernst genommen werden, dass das eine von dem einen oder dem anderen, das eigene bedeutet. Wir sollten weitergehen, wenn wir stolpern. Umdrehen, um zu lernen, nicht um zu trauern. Gefühle halten Freundschaften und Communtys aufrecht. Man gehört dazu, man kann vertrauen. Was hinter der jeweiligen Maske passiert weiß man nicht, sollte man auch nicht wissen. Denn man ist nicht nur mit dem dahinter verbunden. Wir halten uns an der Maske fest und wenn diese zerbröselt, fallen wir. Seit auf den Aufprall gefasst oder springt früh genug ab. Es gibt da draußen mehr Menschen, denen es ähnlich geht, als man manchmal annimmt.
Früher war ich nicht stark genug, mich selbst zu fangen, doch ich bin es heute. Es tut gut zu wissen, dass da jemand ist, auf den man zählen kann. Immer.
14. Januar 2010 um 00:10 |
Voller Kälte blicke ich den Berg hinunter. Sehe die brennenden Häuser und schreienden Menschen. Doch ich fühle nichts. Habe mich damit abgefunden, dass ich niemanden retten kann. Es wäre nur mein eigenes Ende und so bleibe ich stehen.
Während der Schulzeit habe ich gelernt zu hassen, jemanden den Tod zu wünschen und diesen Hass in Worten auszudrücken. Zugleich kam die Distanz zu den Menschen. Und mir selbst. Es sind nur zusammengesetzte Moleküle. Ohne Ziel, ohne Sinn, wenn sie ihn sich nicht selbst geben. Schmerz ist das Ergebnis von chemischen Reaktionen, weitergeleitet durch elektrische Impulse. Das Hirn bekommt die Information und wie wissen oder haben gelernt, dass es etwas schlechtes ist. Dass es unser Leben beeinträchtigen und beenden kann. Greifen wir auf eine heiße Herdplatte, ziehen wir die Hand zurück. Es hilft uns zu überleben. Schneiden wir uns jedoch den Finger ab, können wir noch klar denken, um entsprechend zu reagieren. Der Schmerz kommt später. Mit dem richtigen Training schafft man eine Vielzahl von Informationen angenehmer zu verarbeiten. Ich habe mich angestoßen. Schlecht, aber im Moment nicht zu ändern. Ich werde das nächste Mal besser aufpassen. Damit hat die Information ihren Dienst getan und sollte mich nicht länger beschäftigen. Es braucht Übung und Wille. Aber es ist möglich.
Wenn man lernt seinen Körper zu kontrollieren, schafft man dies auch mit seinen Gefühlen. Mein Vater hat eine wichtige Rolle gespielt. Er hat Gefühle nicht gezeigt, was mich gewundert hat. Bis ich mich nach typisch pubertären Achterbahnfahren selbst in den Griff bekommen habe. Doch wenn man aufhört zu fühlen, verliert man etwas. Denn die Information, dass es jemanden schlecht geht, ohne dem Gefühl macht die Welt zu einer schlechteren. Wenn man nicht mehr den Drang verspürt zu helfen. Man kann beginnen mit Argumenten sich selbst dazu bewegen. Man hilft anderen, um besser dazu stehen, damit einem selbst einmal geholfen wird, wenn man in einer misslichen Lage ist. Ehrlichkeit, die die Menschen verstört. Es ist einfach nichts zu sagen und einfach zu tun. Ich habe wieder gelernt zu fühlen, aber es ist nicht das gleiche.
Im Moment geht es mir gut damit. Ich bin kein kalter Stein, aber es fällt mir leicht Distanz zu wahren. Schlimm wird es erst, wenn man aufgefordert wird es rauszulassen, zu zeigen was man fühlt, und man fühlt nicht. Das kann implizit und explizit passieren. Sie starren mich an und warten auf eine Reaktion. Er ist gestorben. Ich stand ihm nicht nahe und fühle mich nicht verbunden, weil er nicht mehr hier ist. Da ist nichts. Es gibt Menschen, die ich nie materiell getroffen habe, bei den ich weine, wenn es ihnen schlecht geht oder noch schlimmer. Vielleicht ist es auch nur Ehrlichkeit.
Niemand muss das lesen.