21. Mai 2009 um 01:08 |
Nur ein paar Worte für die Nacht.
Haut die sich zäh von meinen Schulter schält. Der letzte Sonnenbrand ist Jahre her und die Wanderung hat mir auch nur eine etwas stärkere Rötung gebracht. Es ist nicht der Schmerz, der mir Sorgen macht, sondern die Gedanken an die Zukunft. Die angeblich heraneilenden Falten. Probleme mit diesem dünnem Organ, das so wichtig für die anderen ist. Sollte ich, nur mit wenigen Hintergedanken, je in das Alter meines Großvaters kommen, möchte ich nicht jung aussehen. Ich will spüren, wie die Zeit an mir zehrt und mich dem Ende näher bringt. Meine Enkel streichen über das schlaffe Gebilde. Fasziniert und angeekelt zugleich. Ich sitze da und lächle. Manchmal zwinkere ich ihnen zu und erinnere mich zurück, wie ich in ihrem Alter war. Sollte ich je. In dieses Alter kommen. Doch die nächsten zehn, vielleicht zwanzig Jahre will ich mich nur langsam wandeln. Noch etwas an Muskelmasse zulegen und dann einfach bleiben. Ein bis zweimal die Woche Sport betreiben. Gesund essen. Die eine oder andere Creme als Unterstützung.
Manchmal habe ich das Gefühl zu langsam zu sein. Dabei fehlt mir nur die Kraft mich gegen bestimmte Dinge zu entscheiden.
Es ist kein Hinterherlaufen vertanener Möglichkeiten, sondern das weglaufen vor Entscheidungen. Und wenn es geht lege ich noch etwas drauf. Meine Zeit verbringe ich zu einem großen Teil damit, dass ich von einer Tür zur nächsten laufe, damit sie nicht zufallen. Immer wieder ein Stück aufziehen, doch bevor ich durchgehe, muss ich zur nächsten und diese wieder weiter aufziehen. Dass ich dadurch nicht aus meinem Zimmer komme, fällt mir hin und wieder auf, aber dann sehe ich kurz aus dem Fenster und stelle fest, dass mein Zimmer auf Rädern steht und mein ständiges herumspringen auch das Zimmer in Bewegung hält.
Alles wiederholt sich.
Und rundherum drehen sich alle. Ich setze mich an den Rand. Schaue zu, wie sie sich grüßen, verabschieden, ignorieren. Tanzen, stolpern, stürzen. Warten. Lesen. Ich sitze da. In meinem Kopf bilden sich Sätze. Was ich sagen könnte. Doch bevor ich es schaffe den Mund zu öffnen, mithilfe von Zunge und Lippen die benötigten Wörter zu bilden, hat schon jemand anders das Wort ergriffen. Oder ich erinnere mich an eine andere Zeit. An ähnliche Situationen. Als ich gesprochen habe und bis heute lieber still gewesen wäre. Zurückhaltender. Nicht Dinge interpretieren, die nicht sind. Und so nicht können.
Doch wo wäre ich, wenn ich immer aus eigenen und fremden Erfahrungen gehandelt hätte?
Immer wenn ich mich von Emotionen leiten lasse, begründe ich sie rational. Ob für mich oder für die anderen habe ich bis heute nicht herausgefunden. Wenn ich dir helfe, fühle ich mich besser, hilfst du mir ein anderes Mal. Umgehung der Moral. Ausreden. Früher habe ich es genossen Worte zu verdrehen. Habe mir Feinde gemacht, um zu sehen wie schnell ich sie auf meine Seite bringen kann. Gespielt mit der ganzen Welt. Und ich mache es noch heute. Kann mir manchmal selbst nicht vertrauen und falle deshalb in tiefe Löcher. Nur das Jetzt. Keine Vergangenheit kann die Zukunft voraussagen. Die Handlung in diesem Moment zählt. Wenn man genug Kraft hat, kann man sich immer wieder neu entscheiden. In jeder Situation. Das Außenbild versucht man mit den gleichen Farben zu malen, damit andere Leute einem vertrauen können. Und man selbst ihnen.
Alles nur Fiktion.
Wenn die Handlungsmöglichkeiten heruntergeschraubt werden, laufen manche und die anderen handeln. Der Rest bleibt stehen und starrt. Starrt die Welt kaputt, um sich im Nachhinein mit einem Kommentar aus seinem winzigen Sichtfeld zu äußern. Meine Augen fahren Karussell. Mit der Zeit lernt man auch damit umzugehen. Man läuft einmal um sie herum und ignoriert sie danach.
Die Selbstzweifel dürfen dich nicht hinauswerfen.
Es läuft irgendwie und was zu groß erscheint wird für den Moment ausgeblendet. Man arbeitet sich an den kleinen Dinge hoch. Sobald man die alle im Griff hat, durch Routine absichert, kann man sich weiterwagen. Größer werden. Mit den Aufgaben wachsen. Und hin und wieder fallen lassen. Einfach fallen. Und hoffen, dass uns irgendjemand auffängt.
14. Mai 2009 um 23:58 |
Wie markierst du? Gar nicht. Gar nicht? Ich lese nur sehr wenige Bücher.
Mit der rechten Hand greife ich nach dem Glas, rühre erst langsam und dann immer schneller. Die Augen wandern über den Tisch, Glasplatte, darunter Federn und Fäden. Auf dem silbernen Tablett die graubraune Flüssigkeit. Einen Moment bleibe ich hängen. Der Kopf arbeitet, versucht etwas verwertbares auszudrücken, aber noch bevor er einen Gedanken fassen kann, führe ich das Glas an die Lippen. Es verbrennt meine Zunge. Nur einen kleinen Teil, doch ich werde den restlichen Abend nicht mehr so schmecken, wie ich es mir wünsche. Synapsen blitzen. Es hat geregnet, den ganzen Tag. Er erzählt mir von Büchern und Filmen. Irgendwann kann ich wieder einsteigen, doch im Hinterkopf ist es sitzen geblieben. Ein kleines Buch, das darauf wartet, dass ich es aufschlage. Jeden Tag ein paar Seiten, vielleicht ein Kapitel. Ich werde es aufsaugen und mit all seinen Freunden verbinden.
Zwinge dich zu schreiben und du wirst lernen es zu lieben. Du spinnst doch.
Ich mag Laptoptastaturen. Möglichst flach mit einem dezenten Feedback. Meine Finger streichen über die Tasten anstatt zu fliegen. Manchmal müssen sie wieder zurück. Ich bin nicht besonders schnell, aber es reicht um ein paar hundert Worte zu schreiben. Ich darf mich nur nicht im Denken verlieren. Warum und wieso und macht das überhaupt Sinn. Klicke ich auf den Knopf um es in die Unendlichkeit zu schicken, befreit es mich. Es wurde niedergeschrieben, was immer wieder gegen Wände raste. Eingeordnet. Bei Bedarf kann ich es wieder hervorholen. Aber auch andere haben die Möglichkeit es zu nutzen. Ein schöner Gedanke. Es muss sich dabei nicht um Geschichten handeln. Überlegungen wie sie kommen, während man durch einsame Straßen geht, in der überfüllten Bahn steht oder am Schreibtisch sitzt. Mitten im Gespräch fliege ich davon und setze mich an ein Blatt Papier.
11. Mai 2009 um 00:12 |
Worte. Musik. Worte. Sätze. Texte.
Ich stehe mitten auf der Kreuzung, drehe mich einmal im Kreis. Bis ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin, habe ich vergessen, wo er war. Eine Fülle an Möglichkeiten und das fehlende Vertrauen eine einzuschlagen. Ich wähle die Straße, die in Sichtweite eine mehrfache Gabelung besitzt. Dort werde ich wieder warten und mich drehen. Bis mir schwindlig ist.
Nun muss man dieses Modell nehmen. Es um etwa zehn Ebenen erweitern und jeweils Abhängigkeiten zwischen den Entscheidungen herstellen. So verliere ich Möglichkeiten auf einer Ebene, wenn ich auf einer anderen den Weg mit den meisten nehme. Bleibe ich stehen löst sich eine andere auf. Gehe ich, ebenfalls. Während ich noch versuche die Zusammenhänge zu verstehen, ändern sie sich. Andere Menschen nehmen Strassen, die nicht breit genug für zwei Menschen sind. Auf anderen kommt mir plötzlich jemand entgegen. Häuser stürzen ein. Ebenen trennen sich und kommen wieder zusammen. Sie spiegeln sich, verblassen im Nebel. Auf einer Seite glänzen sie, auf der anderen bröckelt der Verputz. Licht rast von einer zur anderen. Knotenpunkte leuchten auf.
Ich warte.
Während sich die Straße unter meinen Füßen zu bewegen beginnt, andere Menschen mich sanft anstupsen, ist mein Kopf schon wieder woanders. Ich bin verliebt. Möchte nicht verletzen, nur das Schöne spüren weitergeben. Es geht nicht. Ich kann mich nicht losreißen. Das Glitzern, das Gras. Ihre Augen vor mir. Wische eine Träne weg. Lächeln. Sie weiß, dass ich keine Zeit habe. Dass ich ständig unterwegs bin und auf fünf Hochzeiten zugleich tanze. Sie weiß, dass ich lernen muss, mich auf Prüfungen vorbereiten und Arbeiten schreiben. Auch dass ich arbeite und daneben noch private Projekte laufen habe. Sie weiß und akzeptiert es. Dennoch tut es ihr manchmal weh. Wenn sie alleine im Bett liegt. Ich irgendwo einen Vortrag halte. Oder auf einem Sofa sitze und zum zehnten Mal der gleichen Diskussion zuhöre. Ich vermisse sie. Oft. Doch das Glitzern und das Gras hält mich.
Ich spreche von verrückten Entscheidungen. Dinge einfach zu machen. Nicht immer warten. Nachdenken, abwägen. Tun. Sofort. Selbst stehe ich noch immer auf der Kreuzung. Wolkenkratzer wachsen empor und verschwinden wieder. Leute laufen an mir vorbei, brechen außer Puste zusammen. Drehen auf halben weg wieder um. Stoßen gegen Sperren, laufen in Sackgassen. Doch sie laufen. Rund um mich. Alles bewegt sich. Das Leben sei zu kurz, um es nicht zu nutzen. Ich schüttle meinen Kopf. Will sie küssen.
Monate später merke ich erst, dass ich schon längst unterwegs war. Ich bin auf einem Brett mir rollen gestanden und wurde immer schneller. Auf einer anderen Ebene bin ich gerannt. Stricke sind gerissen. Doch ich stehe nicht. Bin nie gestanden.
Illusion.