Home Info Abonnieren

Archiv für Februar, 2009

Leidenschaft. Leben.

Leidenschaft Leben.

Manchmal falle ich in ein Loch. Tief und zerstörend. Bleibe tagelang liegen. Versuche ich herauszuklettern, rutsche ich ab und der Aufprall schmerzt erneut. Die eigene Unfähigkeit spüren. Alles außer Kontrolle. Wie immer. Doch in dem Moment wird mir klar, wie viele Dinge ich nicht beeinflussen kann. Als Folge scheitere ich. Habe mich selbst nicht mehr im Griff. Rutsche tiefer. Es ist dunkel. Ich stoße überall an, falle wieder. Und wieder. Menschen die nach mir greifen, zerbrechen mich. Schon die Frage nach dem Befinden kann mich erneut umwerfen.

Leiden schafft Leben.

Winzige Dinge lassen mich wieder aufstehen. Ich erreiche den Grund, sage mir dass es so nicht weitergeht und stehe wieder auf. Beginne zu laufen und alle Sorgen tropfen ab. Ich gewinne wieder Kontrolle. Nicht nur über das Jetzt, auch über die Zukunft. Nur zusammen ist die Zeit stark. Eine Erinnerung, ein Gedanke. Was ich erreicht habe und was ich noch will. Ich sehe die Dinge vor mir. Greifbar. Es kostet Energie, aber nicht so viel wie am Boden eines Loches herumzukriechen. Für mich und die Menschen, die mir wichtig sind. Neue Kraft die mich durchfährt. Musik im Kopf.

Leidenschaft leben.

Bergflucht

Schreie die Welt an. Manchmal ist es einfach nötig. Alles aufstauen macht nicht nur dich fertig sondern auch die Menschen, die dir wichtig sind. Du hast gelernt vieles zu schlucken und du hast immer wieder Wege gefunden irgendwie damit umzugehen. Ohne dass jemand dabei Schaden nimmt. Außer dir selbst. Das kann und wird nicht immer gut gehen. Etwas zurückgeben, nicht nur nehmen. Unfähigkeit die dir täglich geliefert wird. In dir braut ein Gemisch aus Wut und Ohnmacht. Du kannst andere nicht ändern. Helfen sich selbst zu ändern. Nicht alle und nicht sehr viel.

Diese scheiß Negativität, die dich hin und wieder erfasst. Und du bist selbst Schuld. Lässt dich davon berühren und stehst nicht darüber. Machst Dinge, die du nicht nötig hast und regst dich dann wieder über dich selbst auf. Und die ganze Welt. Weil du nicht mehr kannst, nicht mehr willst. Einfach schreien. Über alles und jeden. Spürst den Lärm in dir aufsteigen und kurz bevor er über deine Lippen quillt würgst du alles runter. Weil es in dieser Welt nicht mehr möglich ist. Weil du ein Image zu bewahren hast. Weil du genau das machst, was du nicht machen sollst.

Stille. Dröhnende Musik. Die Augen öffnen. Kurzes blinzeln. Den Kopf nach links und rechts kippen. Langes strecken und dann aufstehen. Die letzten Meter zum Gipfel gehen. Alleine. Umgeben von einem Meer aus Wolken. Kalte Luft und sanfte Sonnenstrahlen. In der Ferne andere Gipfel, wie sie ihre Köpfe durch die Wolkendecke stecken. Du setzt dich an den Felsrand. Die Beine über dem Abgrund. Ein tiefer Schluck. Dein Körper vollkommen entspannt.

Die Finger wandern langsamer über die Tasten. Die Worte weicher. Die Erinnerung an Texte, die dich selbst bewegten. Es ist Zeit für Veränderung. Du hast es schon vor Tagen entschieden. Nun ist die Zeit der Umsetzung gekommen. Ein zusätzliches Versprechen. Jeden Tag mindestens fünfzehn Minuten. Da kann man dreißig Minuten für Worte dran hängen. Der Körper ist nicht der einzige, dem es nach Bewegung lüstet.

Lass dich mitreißen. Von dir.

Cafegespräch

Einzelne Tropfen fallen auf die Tastatur. Meine Haare sind nass vom Regen. Im Cafe sind mehr Menschen als sonst. Ich bin nicht oft hier. Die meisten sitzen im vorderen Bereich. Dort darf man noch rauchen. Sie unterhalten sich über das Wetter und die Finanzkrise. Eine junge Frau holt eine Zigarette nach der anderen aus der Packung. Legt sie fein säuberlich auf den Tisch und beginnt die erste zu rauchen. Ich schüttle kurz meinen Kopf, wische die Tropfen vom Bildschirm und beginne wieder zu schreiben.

Die letzte Besprechung ist zwei Wochen her. Ich kann mich noch genau erinnern. Es ging darum, dass ich eine tragende Rolle übernehmen sollte. Übernehmen könnte. Ich solle mir im Urlaub Gedanken darüber machen. Heute werde ich meine Entscheidung verkünden. Es ist mir nicht leicht gefallen. Es bedeutet mehr Arbeit. Später wird man mir sagen, dass ich mindestens drei Jahre investieren muss bis es sich rentiert. Aber es ist das richtige. Ich will es. Die Zeit ist gekommen, dass ich mich entscheide wo es hingehen soll. Es passt zu mir. Ich kann mich selbst verwirklichen und einen guten Grundstock für alle weiteren Entwicklungen legen.

Ich wollte einen Chai Tea Latte bestellen. Hatten sie nicht mehr. Dann halt etwas anderes. Einen Caffé Latte. Ich setze mich in den hinteren Raum. Der Kellner kommt zwar nur selten vorbei, aber die Luft ist besser. Nach einem kurzen Blick habe ich auch die Steckdose entdeckt und hole das Notebook aus der Tasche. Der Termin beginnt erst in einer knappen halben Stunde. Genug Zeit noch ein paar Zeilen zu tippen und Mails beantworten.

Vielleicht ist es eine Entscheidung fürs Leben. Vor solchen weiche ich grundsätzlich zurück. Die letzte war das Studium. Wobei ich auch da den Weg des kleinste Widerstands gegangen bin. Nur nicht zu viele Türen schließen. Lieber weitere öffnen. Bis ich irgendwann so viele Optionen habe, dass ich mich erst Recht nicht mehr entscheiden kann. Im letzten Jahr hat sich jedoch eine Richtung herauskristallisiert und diese werde ich weitergehen. Wenn es nicht funktioniert springe ich eben aus einem fahrenden Zug und hoffe, dass den Passagieren nichts passiert.

Es regnet noch immer als ich mein Notebook in die Tasche packe. Meine Kappe kann ich nicht finden. Dann halt nur den dicken Mantel. Winterschuhe habe ich mir heuer keine gekauft. In einer Ecke stehen noch Stiefel, aber die passen mir nicht mehr. Wäre auch übertrieben. In der Stadt wo alle fünf Minuten ein Schneepflug fährt. Und wenn es nur zum Salz streuen ist. In der Straßenbahn tippe ich auf meinem Mobilgerät herum. Was es neues gibt. Vielleicht ein paar Mails. Dann werde ich ruhig. Ich streife ein paar Tropfen vom Mantel. Es ist eine wichtige Entscheidung.