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Archiv für November, 2008

Weltschrei

Der schreibt ja gar nichts.

Halsschmerzen. Neben mir eine heiße Tasse Tee. Zimt-Apfel.

Das Leben reißt mich mit. Ich bin in den großen Fluss gesprungen. Der der nicht langsam vor sich hinblubbert, sondern aus drei Quellen kommt. Jede für einen eigenen ausreichend. Doch hier haben sie sich vereint. Überall Steine und Stromschnelle, kleine Wasserfälle und große. Ich genieße es und doch schlage ich immer wieder auf, gehe unter, schlucke Wasser, schnappe nach Luft. Es zerdrückt meine Lungen. Dann komme ich wieder rauf. Lasse mich tragen, immer schneller. Geschmeidig gleite ich über die Steine, springe, wenn das Wasser fällt, tauche ein und wieder auf. Ich lache. Manchmal wahnsinnig.

Mehr lesen. Habe ich wieder begonnen. Also Bücher. Eigentlich habe ich nie aufgehört. Ich habe mir nur die Zeit nicht genommen. Nun sind es drei zugleich. Zwei Romane und eines über neue Wirtschaft. Was alles möglich ist. Die Seiten fliegen nur so dahin. Bis zu dem Punkt, wo ich mich frage, was sonst noch passiert. Ich bin abhängig. Muss lernen mich zu lösen. Die Welt dreht sich ohne mich und in welchem Abteil ich sitze ist unwichtig. Ich kann immer aufstehen und wieder in die erste Klasse gehen. Das Ticket ist in meiner Tasche. Direkt neben den drei Büchern. Das Wissen reicht.

Schöne Texte. Schreiben würde ich gerne mehr. Wieder Geschichten. Aber so lange ich das in jedem Text schreibe, werde ich es nicht machen. Wir sind wieder in dem Tagebuch angekommen, wo ich vor über einem Jahr aufgehört habe. Meine Welt. Es gefällt mir, aber es nicht Wow. Ich will aber Wow. Ich will immer Wow. Halte dich nicht mit schlechten Dingen auf. Hat einmal jemand geschrieben. Und jemand, der das las, hat es mir gesagt. Und ich habe genickt. Man hat nicht zu wenig Zeit, man teilt sie nur falsch ein. Man gibt den Dingen, die einem wichtig ist zu wenig Platz und nennt es dann Stress. Zugleich kann man es als Ausrede für Dinge verwenden, die man weniger gerne macht. Mut wäre eine Möglichkeit.

Viele Worte. In die Welt schreien ohne etwas zu sagen. Ich stehe zwischen ihnen und äussere mich abfällig über sie. Doch sie sehen mich nicht. Sehen nicht wie ich mit ihnen gegen sie schreie. Ich stupse sie an, sie schreien kurz in mein Gesicht und wenden sich wieder der Endlosigkeit zu. Nur langsam löse ich mich aus der Gruppe, suche mir meinen Weg aus dem Auflauf heraus und beginne auf einen kleinen Hügel zu steigen. Überblick bekommen, doch ich sehe das Ende nicht und ich muss es nicht sehen. Hier sind außer mir nur sehr wenige. Ich kann meine Geschichten erzählen ohne zu schreien. Ich werde nicht übersehen, wenn ich nicht mit allen Gliedmaßen um mich schlage. Ruhe. Draußen liegt Schnee.

Sonnensand I

Sanft rollen die Wellen über unsere Füße. Der Sand darunter wird weggespült. Es kitzelt. Am Horizont die Sonne. Blutrot. Langsam tauch sie ein. Die Wolken glühen.

Lass uns ans Meer fahren.

Unser erster gemeinsamer Urlaub. Wochenenden waren wir öfters weg. Abstand gewinnen. Die gemeinsam Zeit genießen. Weg sein. Noch nie so lange. Zwei Wochen. Wie unser erstes Treffen. Ich bin zwei Wochen bei ihr gewesen. Tag und Nacht. Höchstens zwanzig Meter voneinander entfernt. Vierundzwanzig Stunden am Tag. Ihre Wärme, ihre Nähe. Zusammen eingeschlafen, zusammen aufgestanden, gefrühstückt, einkaufen, spazieren. Nur mit meinen Eltern war ich länger so nahe beisammen. Ich bin jemand, der Abstand braucht. Als Kind spielte ich am liebsten alleine. Als Jugendlicher ging ich alleine radfahren, saß auf einem Hügel und dachte über das Leben nach. Ich sah das Tal entlang, über die Felder und Häuser. In der Mitte des Dorfes die Kirche. Ein kalter Wind zog auf, ich blieb sitzen. Ich genieße die Stille. Wenn alle schlafen, gehe ich nach draußen. Früher saß ich manchmal im Garten. Nachdem die Lichter in den Häusern ausgegangen waren. Barfuß. Ich beobachtete den Mond, die Sterne.

Die Gedanken in der Unendlichkeit.

Ihre Hand berührt sanft meinen Arm. Ich lehne mich an sie. Den Fuß über den ihren gelegt. Wir sind mit dem Auto gefahren. Erst mit dem Zug, dann mit dem Auto. Die Musikauswahl habe ich ihr überlassen. Strandgitarren und Ragga. Im Stau haben wir uns angelächelt. Neben uns das Chaos. Die schreienden Kinder, der fluchende Vater. Wir haben Cocktails gemixt. Den Autos neben uns angeboten. Auf einer Raststätte haben wir mit ein paar Kindern Ball gespielt. Als der Holländer mit seiner Flagge vorbeifuhr, diskutiert, ob wir Österreicher oder Deutsche seien. Sie lachte. Als der Hunger kam, bogen wir einfach ab. In irgendein kleines Dorf. Mit wenig italienisch kamen wir zu einem Gasthaus. Yummy cibo. Sie strick sich die Haare aus dem Gesicht. Im Gastgarten.

Irgendwo in Italien.

Inspiration

Ich verwende mein Headset zum Musikhören. Das hat einen besseren Bass als die eingebauten Lautsprecher. Und ich kann es so laut machen, wie ich will. Bis alles verschwindet. Über die Musik steuere ich einen Teil meiner Stimmung und dadurch wie ich schreibe. Es geht nicht so sehr um das Thema, sondern um die Art des Schreibens. Wobei es für Außenstehende nicht immer schlüssig ist. Viele verstehen auch nicht, wie man Rammstein, Eminem und Juli mögen kann. Du bist popverseucht. Und du hast keine eigene Meinung. Lieber stehe ich zu Mainstream als Undergroundmainstreams zu folgen. Wobei es überall gute Stücke gibt.

Ein kalte Herbstnacht. Ich liege auf dem Holzgeländer des Balkons. Die Hände auf dem Bauch liegend, die Füße ausgestreckt. In meinen Ohren die Kopfhörer des Discman. Über mir die Sterne. Ich schaue in die unendliche Dunkelheit. Genieße den kühlen Wind, der über meinen Körper streicht. Evanescence. Fallen. In der Stille laut. Im Kopf ein paar Bilder des Videos. Ich schließe die Augen. Die Welt beginnt sich zu drehen. Ich zu fliegen. Und dazwischen mein Herzschlag.

Wenn einen das schreiben überkommt braucht man keine Inspiration. Vielleicht etwas um den Fluss nicht zu stoppen. Abgelenkt kann man nicht werden. Wie in Trance. Oder zumindest der Gedanke hat sich festgefressen. Die Idee. Der rote Faden. Vielleicht sind es nur Worte, die immer wieder gegen die Schädeldecke klopfen. Bum, bum, bum. Wie wollen hier raus. Manchmal beginne ich zu erzählen, mitten auf der Straße. Die Geschichte entwickelt sich. Die Leute schauen mich an, viele denken ich telefoniere. In der Nacht werde ich meist lauter.

Ein Frösteln durchfährt meinen Körper. Vom Kopf über den Rücke die Beine hinunter. Ich halte mich am Stuhl. Ziehe die Knie zu mir. Auf dem Bildschirm läuft der Abspann. Für mich hat es erst angefangen. Viele kleine Handlungen, die weiter gesponnen werden. Übersetzt in eine andere Welt. In mein Leben, in meine Texte. Die einen zart. Sie umweben mich, federn meinen Fall. Die anderen brutal. Schleudern mich durch den Raum, lassen mich auf den kalten Beton donnern. Die Staubwolke senkt sich.

Gefühle aus einer anderen Zeit. Wiederbelebt durch Musik.