31. Oktober 2008 um 03:31 |
Meine nackten Füße berühren das Gras. Glänzende Wassertropfen benetzen meine Haut. Ein sanfter Nebel bedeckt das Tal. Herumirrend und leicht. Ein Reh, das am Waldrand steht. Es sieht kurz auf, bewegt seinen Kopf in meine Richtung. Ignoriert mich und widmet sich erneut dem frischen Grün zu. Ich gehe weiter. Auf eine kleine Erhebung. Setze mich auf den Boden. Blicke um mich. Auf der einen Seite die endlose Weite, ein Bächlein, das sich bis zum Horizont schlängelt.
Ich erinnere mich an früher. Als ich mit meinem Vater hier war. Er hatte mir damals ein Wasserrad gebaut. Aus Holz, mit vier Platten. Speziell angeordnet, damit es je nach Drehrichtung mit wenig oder mit viel Wasser funktionierte. Ich habe den Bach aufgestaut und in einer engen Schlucht an Geschwindigkeit gewinnen lassen. Am Ende das Wasserrad. Die Endlosigkeit hatte mich fasziniert und tut es noch immer. Ständige Energie, die der Mensch zerstört. Die kleinen Steinchen, die ohne Unterbrechung im Bachbett aufgewirbelt und weitergetragen wurden. Die Blätter, die an mir vorbei schwammen und die endlosen Massen an Wasser. Dann bin ich zu meinem Vater. Er hatte Brote und Holundersaft mitgenommen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was wir gesprochen haben. Es ist nur noch ein warmes, angenehmes Gefühl da.
Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Blau mit ein paar weißen Wölkchen und Strichen. Ein Flugzeug fügt einen neuen hinzu. Auf dem Weg in den Norden. In ihm entspannte Urlauber. Gedanken an den nächsten Arbeitstag, vollgestopfte Posteingänge und endlose To-Do-Listen. Ich lege mich auf den Rücken. Ein Hase schwebt über mit, setzt zum Sprung an und verwandelt sich in ein Gesicht. Ich schließe die Augen. Wärme durchdringt meine Haut. Vermischt sich mit meinen Nervenzellen und lässt mich etwas dösen. Das Reh schon längst verschwunden. Wieder im Wald, wo es auf den Abend wartet. Ebenfalls ein Nickerchen macht. Bis ein Jäger kommt und das natürliche Gleichgewicht wiederherstellt, welches er im letzten Winter gestört hat. Ein Regentropfen fällt auf meine Wange.
Manchmal passieren Dinge, die man nicht erwartet hat. Plötzlich sieht alles anders aus. Der Körper steht still, während der Kopf versucht zu arbeiten. Die Gedanken prasseln wie ein Gewitter auf einen ein. Überwältigt von der Menge und Wirkung jedes einzelnen, schafft man es nicht, sie zu sortieren. Ohne Ordnung trommeln sie weiter.
Der Wind zwingt mich gebückt zu gehen. Immer größere Tropfen rasen mir entgegen. Sie werden schneller. Treffen meine Augen, lassen meine Sicht verschwimmen. Ich beginne zu schreien, doch man hört mich nicht. Donnernd bricht der Wald zusammen. Grasbüschel werden aus dem Feld gerissen, aufgewirbelt. Der Bach, ein Fluss, der meine Füße erfasst. Ich spüre den Boden nicht mehr. Stolpere, werde mitgerissen.
Ich weiß, dass nach dem Regen Sonne folgt. Doch ich weiß nicht wie lang es regnet. Ich weiß nicht, ob der Sturm bleibende Schäden verursacht. Ich weiß nicht, was ich darin verlieren werde.
Als ich das Ende sehe, spüre ich ihre Hand. Sie hält mich fest. Gemeinsam werden wir mitgeschwemmt. Das Wasser zieht uns auseinander, doch wir lassen nicht los. Die Wolken sind verschwunden, der Fluss wieder ein Bach. Sogar das Reh steht an seinem Platz. Wir sitzen aneinandergelehnt auf dem kleinen Hügel. Wie ein Traum. Doch unsere Kleidung ist durchnässt. Mein Körper ist erfüllt von Wärme. Es tut gut, sie an meiner Seite zu fühlen.
29. Oktober 2008 um 03:14 |
Jeder hat Saufgeschichten. Muss er ja nicht selbst erlebt haben. Reicht schon, wenn man ein paar Freunde hat. Und die hat man immer. Außer man lebt in einem Land, wo der Alkohol einfach zu teuer ist. Aber auch dann gibt es Saufgeschichten. Sind zwar eigentlich Drogengeschichten, aber kann man ruhig zusammenzählen. Dass du keine Saufgeschicte hast, stimmt auch nicht. Ich erinnere mich an zwei. Und über beide hast du schon geschrieben. Die Party ohne Party und Ende sowie die Dorfjugend. Beides Mal hast du gesoffen. Einmal einfach so und das andere Mal um etwas zu beweisen. Dass hier ist auch eine Saufgeschichte. Schließlich geht es um Alkohol.
Mit Saufgeschichten habe ich jetzt mehr gemeint, dass ich zu viel getrunken habe und dann etwas dummes, vielleicht auch für andere lustiges gemacht habe. Zuviel getrunken. Ja, das ist mir passiert. Ist aber schon wieder ein paar Jährchen her. Habe auch schon unter Alkoholeinfluss geschrieben. Was das war, muss ich aber jetzt nicht breittreten. Klingt sowieso schon die Hälfte so. Zum Psychiater oder zumindest einem Therapeuten wollten sie mich auch schon schicken. Wäre vielleicht gar keine schlechte Entscheidung gewesen. Aber dann würde ich ja dort alles aufarbeiten und könnte nichts mehr schreiben. Oder ich würde nur noch von Lebkuchen und Herbstspaziergängen schreiben. Nicht, dass das etwas schlechtes wäre, aber der Rest ist auch interessant. Da kann man dann auch etwas Unsinn in einem Text verpacken. Muss ja nicht immer alls hochperfekt sein. Ruhig einmal drauf los schreiben und schauen, was dabei rauskommt. Am besten noch ein paar multiple Persönlichke
Du wolltest noch was vom Alkohol erzählen. Deinem heimlichen Wunsch. Wie du die Dinge ertränkst und so. Kann man ja zugeben. Muss man sich auch nicht schämen. Außer man ist Politiker. Die dürfen sowas nicht. Was ich ja auch sinnlos finde. Sind ja auch nur Menschen. Nicht so klug, wie sie sein sollten und viel zu verklemmt, aber Menschen. Ich denk das ist auch der Grund, warum sie so viel Kritik bekommen. Weil sie sich in die verdammte Rolle reindrücken lassen. Wie die meisten Leute auf der Strasse. Einfach mal die Sau raus lassen. Reicht ja schon, wenn man Dinge, macht die die anderen nicht von einem erwarten.
Ich habe keine Sauffantasien. Es gab mal eine Zeit, wo ich mir überlegte zu trinken. Viel zu trinken. Aber daraus ist nichts geworden. Bin ich heute auch recht froh darüber. Ist immer noch ein schwieriges Thema. Problem der Geselsschaft. Ich frage mich, ob es mal eine andere Droge gibt, die sich so gut verbreitet. Zigaretten werden sie ja in den nächsten Jahren abschaffen. Finde ich auch gut. Ist im Endeffekt aber egal. Die Abscheu gegen Zigaretten ist anerzogen. Das riecht schlecht. Das ist eklig. Das macht dich kaputt. Der letzte Satz hat den Reiz von den Dingen ausgemacht. Irgendwie machen alle ihren Körper kaputt. Die einen mit übertriebenen Sport, ich mit wenig Schlaf. Wenn der Kopf nicht mehr klar denkt. Dann noch einen Text schreiben. Musik im Hintergrund. Von der Müdigkeit benebelt. Eigentlich geht es nur um das in Schwung kommen. Wenn man einmal im Flow ist, dann ist der Rest egal. Dann kann man wach oder müde sein. Drogen oder keine. Spielt keine Rolle. Man muss nur in den Flow kommen.
Es geht um Saufgeschichten.
Nicht wirklich.
25. Oktober 2008 um 03:05 |
Einsamkeit. Ich vermisse das Gefühl nicht. Viele Nächte, die ich damit verbracht habe, an mir selbst zu nagen. Versucht in andere Welten zu Flüchten. Wo es wärmer ist. Wo ich gemeinsam bin. Mit Menschen, die zu mir stehen, bei mir sind. Reden und feiern. Keine Minute, die ich alleine sein muss. Freunde. Die immer bei mir sind. Doch wenn ich meine Augen öffnete, verschlang mich die Dunkelheit. Unter der Decke verkrichen. In der Ecke kauernd. Ganz weit weg, von der großen Leere, die es sich in meinem Zimmer gemütlich gemacht hatte. Ich fror, zog die Decke enger, umklammerte meine Füße. Verdammt, lasst mich nicht alleine. Ich wusste nicht einmal, wer mich nicht alleine lassen sollte. Es gab Freunde, die waren auch für mich da, wenn ich sie brauchte. Doch nicht, wenn ich sie nicht brauchte.
Die Kleidung ist im Zimmer verstreut. In einem Möbelhaus wartet ein Kasten darauf, dass ich ihn finde. Keine Vorhänge, die die Straßenlaterne davon abhalten mein Zimmer zu erhellen. Auf meinem Füßen der Laptop. Sanft surrend. Ich weiß, dass da jemand ist, der an mich denkt. Der in seinem Bett liegt und mich fühlt. Keine Entfernung kann uns davon abhalten unsere Gedanken zu teilen. Ganz nah bei dir. Das Zimmer ist modern eingerichtet. Ein niedriges Bett, eine orange Couch. Viel Glas und Metall. Unter dem Fenster steht das Mountainbike. Ein Klappstuhl aus Leder. Aus den Lautsprechern kommt Hamburger Schule. Mir gefällt wie ich lebe und zugleich weiß ich, dass ich am nächsten Tag meine Koffer packen könnte ohne etwas zu vermissen. Ich bin noch nicht sesshaft.
Mit traurigem Blick geh ich durch die Straßen. Schau von unten den Leuten in den Augen. Erhoffe mir einen Funken Aufmerksamkeit. Bitte beachtet mich. Den Blick wieder zu Boden. Langsam durch die Massen schlängelnd und niemanden berühren. In der U-Bahn starre ich auf meine Schuhe. Ausgetretene Converse. Ich beobachte die Menschen. Immer wieder, kurz. Ausweichend. Die Hände tief in den Taschen vergraben. Die Mütze bis über die Augenbraun. Ich denke über das Leben nach. Was ich hier mache, wer ich bin und wie es weitergeht. Warte darauf, dass mir jemand den Weg zeigt. Mich an der Hand nimmt und in die Zukunft führt. Doch niemand kommt.
In meinen Ohren Musik. Die Haare wippen beim gehen. Hängen tief ins Gesicht. Ich lache. Fast springend gehe ich zur Straßenbahn. Schaue den Leuten in die Augen, wenn sie an mir vorbeihuschen. Sie sehen mich nicht. Wollen nicht. Manchmal mache ich die Augen zu. Blindflug. Ich habe jemanden gefunden, der mir einen kleinen Schubs gibt, damit ich selbst in die Zukunft gehe. An meiner Seite Menschen, die mir Kraft geben. Die mich ein Stück begleiten. Oder auch länger. Ein paar von früher. Ich sauge das Leben auf, genieße den Moment. Sehe zurück. Manchmal frage ich mich, ob ich früher mein heutiges Ich verabscheut hätte. Glücklicher. An meinen Füßen noch immer die Converse und die Frage nach dem Morgen und dem ich.