20. September 2008 um 03:08 |
Nur ein paar Worte.
Ich kann nicht schlafen. Will nicht schlafen. Mitternacht ist längst vorbeigezogen. Verweilt ein paar tausend Kilometer weiter östlich, mitten im atlantischen Ozean, während ich im Bett liege. Am Boden liege, unter mir nur eine Matratze. Rund um mich meine Einrichtung. Auseinandergeschraubt und kompakt verstaut.
Die Stadt feiert. Überall sind Buden aufgebaut. Ein kleiner Eiffelturm und mehrere Bühnen. Wir sprechen französisch, lachen. Du meinst ich sollte Karaoke singen. Ich schüttle beschwichtigend den Kopf. Das würdest du nicht wollen. Mir wäre es ja egal, aber es ist deine Stadt. Dich werden die Leute wiedererkennen, nicht mich. Du kaufst Gewürze, ich riche an den verschiedenen Päckchen. Bei manchen verziehe ich die Nase und lege es schnell wieder weg. Du ziehst eine Schnute. Schnell gebe ich dir einen Kuss. An mir soll es nicht liegen. Du kannst mir nicht lange böse sein. Eigentlich kannst du gar nicht böse sein. Weiter geht es zum Vergnügungspark. Vorbei an all den Attraktionen. Du erzählst mir von der Wahrsagerin, zu der du seit Jahren gehen willst, dich aber nicht traust. Dann kommen wir zu einem Mäusezirkus. Du führst mir vor, wie der Dompteur die kleinen Tierchen mit einer Minipeitsche dirigiert. Peng macht das. Dann sind wir schon wieder beim Bahnhof. Der Zug fährt in acht Minuten.
Mein Rücken schmerzt. Das Bett ist kein optimaler Ort, um zu schreiben. Vor allem nicht, wenn man keine Wand hat, um sich anzulehnen. Kurz der Gedanke aufzustehen, sich an den Schreibtisch setzen. Zu warm die Decke, zu kalt das Zimmer. Setze mich auf, schreibe im Schneidersitz weiter. Der Laptop klickt wie eine Schreibmaschiene und die orangen Buchstaben tauchen auf dem Bildschirm auf. Manchmal werden ein paar gelöscht. Gerade wieder. Eine unpassende Formulierung, ein Rechtschreibfehler. Wörterbuchfunktion gibt es nicht. Will ich nicht. Später, vor dem veröffentlichen, wird der Browser mir die auffälligen Fehler zeigen. Jetzt würden sie mich nur ablenken.
Vor vielen, vielen Jahren stand dort eine Glasblaserei. Du zeigst auf ein Stück Wiese, überwuchert von Brenessel. Manchmal findet man Glasstücke. Zeugen einer anderen Zeit. Sie funkeln in der Sonne und treiben unsere Fantasie an. Verträumt gehen wir über durch das hohe Gras. Meine Waden beginnen kurz zu brennen. Ich ignoriere es. Du meintest noch, dass das doch nicht geht. Wenn ich nur eine kurze Hose anhabe, dann könnten, wir doch nicht da rein gehen. In der Mitte steht ein Zaun. Auf der anderen Seite zwei junge Stiere. Am aufgewühlten Boden glänzt es, wir sehen uns an, schütteln den Kopf und lachen.
Gestern wollte ich umziehen. Das Herz in eine andere Stadt, der Kopf in einen anderen Bezirk. Der Nachmieter war da, hat den Vertrag unterschrieben. In drei Tagen wird er beginnen einzuziehen. Den reservierten Lieferwagen habe ich nicht bekommen. Kurze Diskussion. Aufgabe. Ich muss mich auch nicht zum Idioten machen. Das einzige Problem ist, dass es nicht so passiert, wie es geplant war. Eine Kopfsache. Für eine Woche später einen Lieferwagen bekommen. Doch zuvor werde ich meinen Schlafsack und eine Tasche voller Bücher sowie ein paar weitere Dinge in die neue Wohnung bringen. Mit der Straßenbahn. Strom, Gas, Internet und Fernsehen muss ich noch regeln. Ich bin froh, wenn es vorbei ist. Wenn es meinen Kopf nicht mehr blockiert.
Leise Musik spielt in der Ferne. Wir liegen am Balkon, über uns strahelnd blauer Himmel und ein paar Sahnewolken. Du zeigst mir den Elefanten, der an uns vorüberzieht. Später wirst du mir noch erklären wie das Abendrot entsteht. Dass es mit Plätzchen zu tun hat. Und Engeln. Ich genieße den Moment. In deinen Armen. Glück, das uns verbindet. Um uns Blumen, die wieder einmal Wasser bräuchten. Ich sehe dir in die Augen, du lächelst. Ein kurzer Kuss. Dann kuscheln wir uns wieder aneinader und blicken in den Himmel. Stundenlang liegen wir da. Vollkommene Nähe. Hin und wieder ein Blick. Ein Kuss. Deine Hand, die über die meine streicht. Bis es dunkel wird. Die Sterne tauchen auf und zeigen uns die Unendlichkeit, die wir nicht erfassen können. Nicht erfassen müssen. Ich hole eine Decke aus dem Wohnzimmer und lege mich wieder neben dich. Die Kälte kann uns nicht vertreiben. Noch nicht. Du zündest ein paar Kerzen an.
09. September 2008 um 03:00 |
“Bis Montag!” “Ciao!”
Ich hebe noch einmal kurz meine Hand als, sie in den Bus einsteigen und drehe mich um.
Ein netter Abend. Zuerst mit den anderen Nerds im Stammlokal, einem ehemaligen Werkzeugladen, über Internet und iPhone geplaudert. Dann ins Kino. The Dark Knight. Kein großartiger Film, aber nette Action und ein guter Clown. Danach einmal quer durch die Stadt gegangen, um mit dem Bus wieder zurückzufahren.
Ich schaue auf den Fahrplan. Zwei Uhr fünf. Noch zehn Minuten. Ich rufe meine Mails ab, klicke mich ein wenig durch den Blog. Keine neuen Kommentare. Kopfhörer rein und wegdriften. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist eine Gruppe Jugendlicher, die schon ein wenig zu viel Alkohol intus haben.
Ich war zweimal in meinem Leben wirklich betrunken. Mit dem zweiten Ausrutscher hat meine relativ früh begonnene Karierre als Alkoholiker schon ein Ende bekommen. Es war am zweiten Tag der Musterung. Ich wurde ohne Bescheid weggeschickt, da mir ein ärztliches Attest fehlte. Wir, das heißt ich und ein paar andere Jungs aus dem Dorf, wurden von einem Taxi abgeholt und zu einem Restaurant gebracht. Taxi und Essen wurden uns bezahlt. Die anderen kannte ich noch aus dem Kindergarten. Viel Zeit ist vergangen, doch sie haben sich nur wenig verändert. So hatte ich zumindest das Gefühl. Zum Essen gab es zwei Bier und danach noch eine Runde Schnaps. An der Stelle verabschiedete sich der Jugendbeauftrage und überließ uns unserem Schksal. Die anderen meinten, dass ich noch mit in die Bar gehen soll. Sie witzelten ein herum, dass ich nichts vertragen würde und ich mich nicht so zieren sollte. Nach dem Kindergarten bin ich im Nachbardorf in die Volksschule gegangen und dann in ein Gymnasium in der Stadt, während die anderen Hauptschule und Lehre vorzogen oder vorgezogen bekamen. Mein schwaches Selbstbewusstsein meinte, dass ich ihnen nun etwas beweisen müsste. So gab es eine Runde Schnaps nach der anderen, bis wir auf Flügerln umgestiegen sind. Und wieder Schnaps. Und Flügerl. Und weiter. Langsam verlor ich meine motorischen Fähigkeiten und kurz darauf verabschiedet sich auch meine Aufzeichnung. Sie beginnt wieder auf dem Heimweg. Ich wanke durch die Gassen des Dorfes zu unserem Haus, das etwas außerhalb liegt. Dort angekommen bemerke ich, dass ich meinen Rucksack, in welchem sich der Schlüssel befand vergessen hatte. Also rief ich meine Mutter an, dass sie ihn mir bitte mitbringen solle. Auf die Frage, ob ich etwas getrunken habe, antwortete ich nur mit ein Bisschen und lag auf. Dann wurde mir kalt und ich überlegte, ob ich den altbewährten Weg über den Balkon nehmen sollte. Doch zuerst übergab ich mich im Garten. Dann musste ein Stuhl als Kletterhilfe dienen und über eine kleine Mauer schaffte ich es mich in den Balkon plumpsen zu lassen. Dort stellte ich fest, dass die Türen und Fenster verschlossen waren. Aber da war ich auch schon zu müde, um wieder runterzusteigen. Somit lag ich mich auf den Boden und machte etwas ähnliches wie schlafen. Irgendwann kam dann meine Mutter nachhause und ließ mich hinein. Dann blieb ich erstmal zwei Tage im Bett.
Die Gestalten auf der anderen Seite schienen jedoch routinierter zu sein. Sie gaben eine Flasche herum, welche sicherlich preiswerter war, als in einem Lokal und sie hielten sich aneinader fest, sodass sie nicht zu hart fallen würden. Da sie sich erst gar nirgends hingesetzt haben, konnten sie auch nichts vergessen. Wobei ich letzteres anzweifeln würde. Zwei Mädchen und drei Jungs. Sie haben gerade Ferien. Muss man ausnützen. Und damit man sich später nicht mehr daran erinnert, wird alles sauber mit Alkohol gelöscht. Weil der desinfiziert. Auch Erinnerungen.
Eine Gartenparty. Die Familie, die mit meiner befreundet war und deren Tochter, mit der ich ebenfalls in den Kindergarten gegangen bin. Mein Vater ist früh gegangen, meine Mutter ständig unterwegs, am tanzen und plaudern. Ich ging in den Keller und holte mir ein Bier. Hoch zum DJ, über Musik reden. Erst ist etwa doppelt so alt, wie ich. Und betrunken. Wir lachen und legen Joe Cocker auf. Das geht immer, meint er. Ich nicke und frage mich, welche Musik ich mag und wie wenig ich kenne. Als ein anderer Gast kommt, hole ich mir noch ein Bier. Ich irre etwas umher. Lehne mich an die Wand und beobachte die Menschen. Auf dem Weg zum Buffett nehme ich noch ein Bier mit. Zehn Kästen. Zwei Sorten. Welche weiß ich nicht mehr. Geschmeckt hat es gut. Kartoffelsalat und viele andere Dinge, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Noch ein Bier. Kurz zu meiner Mutter schauen. Als sie die volle Flasche sieht, fragt sie, ob das schon mein zweites Bier ist. Ich nicke. Noch einmal zum Buffett. Dort treffe ich auf die Gastgeberin. Wir reden über dies und das. Was ich denn gerade mache und dass ich öfters kommen solle. Ich erzähle von meinem Leben, der Schule, meinen Träumen und viel zu privaten Dingen. Tage später wird mir meine Mutter erzählen, wie offen ich an diesem Abend auf die Gastgeberin gewirkt habe. Ich werde an den Alkohol denken und meinen, dass ich einen guten Tag hatte. Noch ein Bier, dann setze ich mich hinters Haus. Eine kleine überdachte Bank. Glühwürmchen schwirren umher. Ich erinnere mich, als ich dort früher gespielt habe. Die Tellerschaukel hängt noch immer am Baum. Man kann sich über den Hang hinausschwingen und hat das Gefühl zu fliegen. Eine andere Tochter und zwei Freunde setzen sich zu mir. Es wird gefragt, ob ich ebenfalls noch ein Bier möchte. Ich nicke. Wir reden über Ausbildung und meine Pläne nach Wien zu gehen. Sie laden mich ein, dass ich sie doch einmal besuchen möge. In Innsbruck oder in München. Wir tauschen Nummern aus. Dann gehen wir zu den anderen. Einer spielt Gitarre. Es gibt Ouzo. Nur zwei. Ich merke, dass ich am Limit bin. Wir lachen viel. Als sich die Runde auflöst lege ich mich im Wohnzimmer auf die Couch. Wenig später weckt mich meine Mutter und wir gehen mit den ersten Sonnenstrahlen heim.
Es ist schon zehn nach. Ich schaue noch einmal auf den Plan. Der Bus fährt nur am Wochenende. Das Handy schlägt mir vor mit einem anderem Bus zu fahren, dann umzusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen. Dauer eine Stunde. Ich überlege ein Taxi zu nehmen, bin schon müde. Kein Geld mehr. Der nächste Bankomat sagt mir, dass er mir nichts geben könnte. Auch der zweite. Daheim habe ich noch genug. Ich könnte dem Fahrer einen Ausweis da lassen, während ich es hole. Taxis sind sowieso zu teuer. Kurz schaue ich am Handy die Route an und gehe los. Linkin Park. Ich mache lauter.
04. September 2008 um 00:54 |
Stockend gleiten die Finger über die Tastatur.
Ich habe es vermisst. Das Klicken der Tasten, das Erscheinen des Textes auf dem Bildschirm und die Gedanken, die dabei sanft durch den Kopf fließen. Sie winden sich durch die Windungen und schießen durch Nervenbahnen bis sie aus den Fingern sprudeln. Hinaus in die Welt. Hinaus in andere Köpfe. Wo sie sich wieder einnisten. Sich wandeln und etwas neues entstehen lassen. Das alles habe ich vermisst.
Ein privater Blog. Auch persönlich, aber hauptsächlich privat. So viel, das passiert ist. So viel schönes und so viele Zeichen, die nicht geschrieben wurden. Sie sind vor meinen Augen vorbeigezogen und ich habe es verpasst sie einzufangen. Einige verschwommen hinter einem Vorhang aus Tränen, andere klar, sodass man sich von der plötzlichen Schärfe fürchten könnte. Ein paar wenige haben es zwischen die Seiten des kleinen Notizbuches geschafft. Doch von dort müssen sie erst wieder befreit werden. Das Büchlein muss aufgeschlagen werden, damit sie wieder atmen können und dann muss man ihnen erneut Leben einhauchen. Sie ohne zu stocken, mit einem gleichmäßigen Anschlag abtippen, bis nichts mehr übrig ist. Die Seiten kann man dann rausreißen, durchstreichen, verbrennen oder einfach vergessen. Doch die Gedanken, die Gefühle leben weiter.
Gedichte haben es schon lange nicht mehr geschafft. Ich bin auch kein Gedichtschreiber. Eigentlich weiß ich gar nicht was ich bin. Muss ich auch nicht. Ich schreibe einfach. Für mich, für dich und die anderen. Wer immer über die Texte stolpert soll sich daran erfreuen können, miterleben oder sie ignorieren. Ich kann nicht erwarten, dass auch nur einer verstanden wird. Dafür lege ich zu oft Wert darauf, dass sie nicht so verstanden werden, wie ich sie gemeint habe. Ich fordere das entstehen etwas neuen heraus. Wünsche mir Kreativität und versuche dennoch zu lenken.
Es war bereits alles ausgeschalten. Ich lag in meinem Bett, wollte endlich in Ruhe ein paar Beiträge aus meinen Lieblingsblogs lesen. Es ist Wochen her, dass ich dazu das letzte Mal gekommen bin. So hat sich einiges angesammelt. Nur einen einzigen habe ich angerührt. Die Sätze aufgesogen bis ich mich nicht mehr halten konnte, ich musste den Laptop noch einmal einschalten. Ein paar Worte tippen. Nur um zu sehen, ob es sich noch immer so gut anfühlt. Ob ich es noch kann. Das schreiben. Oder ob man das auch verlernen kann. Noch mehr Wochen ist das letzte Mal her. Zu sehr war ich mit anderen Dingen beschäftigt. Mit interessanten und wunderbaren. Dinge, die das Leben besser machen. Schreiben gehört auch dazu, doch das habe ich vernachlässigt. Mir eingebildet, dass ich das mache, wenn ich mal wieder genug Zeit habe. Doch an diesen Tag glaube ich nicht mehr. Je mehr man will, desto mehr macht man, desto voller wird der Terminplan und der Kopf. Das hilft nur noch sich die Kopfhörer zu schnappen und darauf los zu tippen.
Immer schneller wird man. Die Buchstaben beginnen wieder zu sprudeln, so wie man es gewohnt war. Ich genieße, wie der Zähle konstant nach oben geht ohne ein Ziel zu haben. Ich weiß nur dass ich schreiben will und sei es nur des schreibens wegen. Etwas so schönes und befreiendes. Nicht für jeden, doch für mich. Nicht die Worte alleine. All die Dinge die damit kommen und gehen. Der Vorstellung, wie der Text gelesen wird. Die Gedanken, die damit geordnet werden. Die Freude, die mich durchdringt.
Nicht jede Nacht, nicht jeden Tag. Keine Regeln. Schreiben wenn ich Lust habe. Wenn es mich überkommt oder ich es brauche. Um wieder runter zu kommen, mich zu erinnern, zu ordnen oder einfach so. Einfach so. Sich hinsetzen und lostippen. Keine Grenzen, die einen aufhalten, einschränken. Keine Massen die einen einengen. Nichts das man repräsentieren muss. Kein tieferer Sinn, der unbedingt an den Mann gebracht werden muss. Die Gedanken, die man auf die Reise schickt. Einhüllt in einen Mantel aus Worten. Es muss nicht immer um Gefühle gehen. Sie leiten mein Leben. Leuchten in der Dunkelheit und Pfeile im Licht. Rational emotional.
Ich schreibe. Gerne.